Paläo-Ernährung: Ein ökologisch schädlicher, gesundheitlich bedenklicher und ethisch fragwürdiger Denkfehler

Paläo-Ernährung: Ein ökologisch schädlicher, gesundheitlich bedenklicher und ethisch fragwürdiger Denkfehler

Die Anzahl vegetarisch und vegan lebender Menschen nimmt zu (siehe hier). Wissenschaftlich werden immer klarer die ökologischen Vorteile einer vegetarischen und insbesondere auch einer veganen Ernährung herausgearbeitet (siehe Quellen hier, hier, hier, hier und hier). Eine große Anzahl an Studien belegt zudem Gesundheitsvorteile für vegetarisch und vegan lebende Menschen (siehe Quellen hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier).

Paläo-Ernährung als Gegenbewegung zu Veganismus und Vegetarismus

Während vegetarisch und besonders vegan im Trend liegt, gibt es eine in der letzten Zeit zunehmend lautstark auftretende Ernährungslehre, die unter dem selbst gegebenen Titel der Steinzeit-Diät oder Paläo-Ernährung für das glatte Gegenteil eintritt, nämlich den Konsum von viel Fleisch und Eiern bei Verteufelung von Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten und Soja (siehe hier einen bekannten deutschsprachigen Paläo-Blog). Diese Paläo-Ernährung beruht jedoch, wie eine nähere Analyse zeigt, auf schwerwiegenden Denkfehlern und ihre Umsetzung würde Umwelt, menschliche Gesundheit und die weltweite Ernährungssicherheit beschädigen. Ebenfalls würde bei Durchsetzung der Paläo-Ernährung die komplette Instrumentalisierung des Tieres für die Zwecke des Menschen festgeschrieben werden, so dass die Paläo-Ernährung in Gegnerschaft zu Tierschutz und Tierrechten steht.

Fehlerhafte Argumentation

Die Argumentation der Paläo-Ernährung ist einfach, was vermutlich ihre Attraktivität bestärkt. Der Mensch der Steinzeit habe sich vorwiegend von Fleisch, Eiern, Nüssen, Gemüse und Obst ernährt, nicht aber von Milch, Getreide und Hülsenfrüchten. Da der Mensch aufgrund der für evolutionäre Veränderungen zu kurzen Zeit seither nach wie vor genetisch an die Ernährung der Steinzeit angepasst sei, sei eine solche Steinzeit-Ernährungnach wie vor die optimale menschliche Ernährung.

In den Vordergrund gestellt wird dabei eher das Fleisch, insbesondere fettes Fleisch, während Gemüse und Obst eine zwar wichtige, aber doch eher eine zusätzliche Rolle spielen. Sehr deutlich wird dies auch daran, dass Vertreter der Paläo-Ernährung sich besonders gerne auf sich tatsächlich oder auch nur angeblich vorwiegend von tierischen Produkten ernährende Völker berufen. So wird als Beleg für eine angebliche Überlegenheit einer Steinzeit-Kost nicht selten auf Beobachtungen an „Naturvölkern“, wie den Massai oder den Inuit, verwiesen. Diese Völker äßen angeblich nahezu nur tierische Produkte und erfreuten sich dennoch bester Gesundheit.

Tatsächlich weisen wissenschaftlich fundierte Befunde auf einen weitaus höheren Konsum pflanzlicher Kost bei den Massai hin als unterstellt wird. So zeigt eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung, dass mehr als 50% der Nahrung von Massai pflanzenbasiert ist und Fleisch eher selten gegessen wird, Rinderfleisch sogar fast nie (siehe hier). Zudem konsumieren die Massai viel Milch, was gerade nicht der postulierten Ernährung der Steinzeit entspricht, so dass sie sich gerade nicht für eine Überlegenheit der sogenannten Steinzeit-Ernährung eignen.

Vor allem aber gibt es keinerlei wissenschaftlich seriöse Belege für eine überlegene Gesundheit der Massai oder der Inuit, die sich im Gegenteil durch eine besonders geringe Lebenserwartung kennzeichnen. Die Krebsfreiheit ist auch ein reines Gerücht. Allerdings sind Krebserkrankungen stark alterskorreliert. Je jünger man stirbt, desto seltener stirbt man an Krebs. Selbst wenn es also stimmen würde, dass die Massai weniger Krebs haben, ließe sich dies womöglich zwanglos bereits allein mit ihrer geringeren Lebenserwartung erklären.

Es mag argumentiert werden, dass die Massai oder die Inuit aus anderen Gründen eine im Durchschnitt so geringe Lebenserwartung erreichen, was aber nur noch einmal deutlich macht, dass es sich hier um komplett unkontrollierte und damit spekulative Beobachtungen handelt, aus denen - in keine Richtung - Kausalschlüsse gezogen werden können. Denn selbst wenn die Massai oder die Inuit so gesund wären, wie behauptet, aber nicht belegt wird, könnte dies an unzähligen anderen Faktoren als ihrem Konsum tierischer Produkte liegen, z.B. an Unterschieden im Bewegungsverhalten, in der Stressbelastung oder im Rauchverhalten und vielem weiterem.

Abseits der Mythen über die gesunden Massai und Inuit ist jedoch bereits die Grundannahme der Paläö-Lehre falsch, dass eine lange Zeit praktizierte Ernährung auch notwendigerweise eine optimale Ernährung sei. Dies ist durch ein einfaches Gedankenexperiment aufzeigbar:

Nehmen wir an, ein Organismus benötigt dringend und in hohen Mengen Substanz x, welche jedoch in seiner Umgebung nur in einer mit erheblichem Aufwand erhältlichen und gleichzeitig besonders schwer verdaulichen und giftigen Wurzel verfügbar ist. Im Verlauf der Evolution entwickelt oder verbessert sich nunmehr die Fähigkeit des Organismus, diese Wurzel zuverdauen,sich durch das Gift weniger beeinträchtigen zu lassen und so Substanz x aus ihr zu entnehmen. Nehmen wir an, dass sich die Vegetation verändert und Substanz x plötzlich in vielen häufig vorkommenden, leicht verdaulichen und komplett ungiftigen Früchten erhältlich wäre.Wäre nunmehr weiterhin der Konsum der nur mit hohem Aufwand erhältlichen Wurzel die optimale Ernährung? Wäre von dem Konsum der Früchte abzuraten, weil es sie noch nicht lang genug gibt, so dass die Genen nicht an sie angepasst sind? Wohl kaum. Damit aber bricht die Logik der Steinzeit-Diät in sich zusammen.

Nur weil unter den Bedingungen der Steinzeit eine bestimmte Ernährungsform aufgrund des verfügbaren Angebotes praktiziert wurde, bedeutet dies nicht, dass diese Ernährungsform auch bei verändertem Ernährungsangebot ideal ist. Vielmehr können jederzeit neue Ernährungsmöglichkeiten entstehen, die gegenüber den alten Ernährungsmöglichkeiten überlegen sind.

Um bei der Steinzeit zu bleiben, könnte es beispielsweise sein, dass die Menschen unter den damaligen Bedingungen noch das relativ Beste aus dem Ernährungsangebot herausgeholt haben, was aber eben in keiner Weise bedeutet, dass diese Ernährungsbedingungen und die aus ihr folgende Ernährungsweise für den Menschen unter anderen Bedingungen optimal wäre.

Die „Steinzeit-Theoretiker“ halten Getreide geradezu für ein Gift, weil dieses angeblich noch zu neu sei und unser Verdauungsapparat daher genetisch nicht an Getreide angepasst sei. Die Unsinnigkeit dieses Argumentes lässt sich durch Verweis auf folgende Tatsache sofort aufzeigen:

Früher starben Menschen oft an mittlerweile eher banalen bakteriellen Infektionen. Heute tun sie dies nicht mehr, weil im Notfall (oftmals in der Praxis leider zu schnell und unüberlegt verordnet) ein Antibiotikum den Krankheitsprozess stoppen kann. Genetisch sind wir in keiner Weise auf die Einnahme eines Antibiotikums vorbereitet, dennoch ist diese Einnahme bei einer schweren und potentiell tödlich verlaufenden bakteriellen Infektion lebensrettend. Obwohl wir keine genetische Vorbereitung auf das Antibiotikum aufweisen, ist es segensreich.

Das gleiche gilt für Lebensmittel, die auch dann gesund sein können, wenn sie relativ neu sind, so dass noch keine tiefgreifenden genetischen Anpassungsprozesse an sie stattgefunden haben. Zu ergänzen ist allerdings, dass das Beispiel der Lactosetoleranz aufzeigt, dass Vertreter der Paläo-Ernährung die Geschwindigkeit möglicher genetischer Veränderungen einer Population bei weitem unterschätzen.

Anhänger der Paläo-Diät versprechen sich von dieser Ernährungsweise Gesundheit und Langlebigkeit. Sie glauben, dass durch die in der Steinzeit herausgebildeten Gene, die noch immer vorhanden seien, der Körper an die damaligen Ernährungsgewohnheiten so angepasst worden sei, dass die einzelnen Individuen besonders gesund und lange leben können, wenn sie dieser Ernährung folgen. Es gibt nicht den geringsten Beleg, dass Steinzeit-Menschen besonders gesund oder langlebig gewesen wären. Das Gegenteil scheint eher der Fall gewesen zu sein, wobei sicherlich viele Faktoren hierfür verantwortlich gewesen sein mögen. Dass aber ihre Ernährung die Basis für eine besonderes hohe Gesundheit oder Langlebigkeit geschaffen haben soll, dafür gibt es keinerlei Beleg. Es ist eine Behauptung ohne jede empirische Evidenz.

Doch der schwerste Denkfehler ist vorgelagert:

Anhängern der Steinzeit-Diät fehlt ein Verständnis der Evolution. Während Anhänger der Steinzeit-Diät glauben, dass die genetische Anpassung durch Mutation und Selektion der Gesundheit und Langlebigkeit eines Individuums dient, dient sie in Wirklichkeit lediglich dem Reproduktionserfolg und damit der Erhaltung der Art. Nicht Langlebigkeit des Individuums, sondern die Erhaltung der Art durch einen hohen Reproduktionserfolg ist die zu erwartende evolutionäre Konsequenz.

Selbst wenn also der Mensch an die angebliche Ernährung der Steinzeit optimal angepasst wäre, wofür es wissenschaftlich keine Belege gibt, würde dies nicht bedeuten, dass wir bei Einhaltung dieser Ernährung besonders alt würden, sondern lediglich, dass wir unsere Art durch erfolgreiche Reproduktion besonders gut aufrechterhalten könnten.

Indem die Anhänger der Paläo-Diät sich Gesundheit und Langlebigkeit versprechen, aber mit einem auf die Arterhaltung ausgerichteten Evolutionsprozess argumentieren, vermischen sie zwei Ebenen, die inhaltlich verschieden und wissenschaftlich begründet nicht vermischbar sind.

Selbst die Annahmen zur konkreten Ausgestaltung der Steinzeit Diät sind auf fragwürdiger Grundlage:

Die Anhänger der Steinzeit-Diät malen das Bild einer vorwiegend durch tierische Produkte, wie Fleisch, und ebenfalls durch Obst, Gemüse und Nüsse bestimmten Ernährungsform. Wissenschaftlern, die die Ernährung der Steinzeit untersuchen, ist dies allerdings unbekannt. So erklärt die weltweit anerkannte Spezialistin auf dem Fachgebiet der Ernährung von Menschen in der Steinzeit Christina Warinner, dass die Behauptungen der Vertreter der Paläo-Lehre wissenschaftlich nicht durch Fakten gedeckt seien (siehe hier).

Eine genaue Analyse der Ernährung der Menschen in der Steinzeit ist tatsächlich mit vielen wissenschaftlichen Schwierigkeiten und Unsicherheiten verbunden. Die vorliegenden Befunde deuten aber darauf hin, dass es keine einheitliche Steinzeiternährung gab, sondern dass Menschen in verschiedenen Regionen und zu verschiedenen Zeitpunkten sich unterschiedlich ernährten, wobei die Ernährungsweisen von einer durch Fleisch dominierten bis hin zu einer weitgehend durch Pflanzen dominierten Ernährung geschwankt haben mögen. Die scheinbare Ernährung der Steinzeit, die die Anhänger der Paläo-Ernährungslehre postulieren, ist mehr Fantasie als Wirklichkeit.

Schlimmer noch für die Anhänger der Paläo-Ernährung und ihrer Verteufelung von stärkehaltigen Getreide:

Nicht nur weisen Untersuchungen darauf hin, dass stärkehaltigen Wurzeln eine für die Evolution des Homo Sapiens möglicherweise zentrale Bedeutsamkeit zugekommen ist, sondern neue Untersuchungen sprechen zudem dafür, dass bereits in der Steinzeit in erheblichem Umfang Getreide verzehrt und davon profitiert wurde (siehe hier)

Zusammenfassend, begehen die Anhänger der Paläo-Ernährung vier Hauptirrtümer:

  • Sie glauben, dass die Sachlage, dass lange Zeit eine bestimmte Ernährung praktiziert wurde, diese Ernährung zu einer auch unter geänderten Angebotsbedingungen optimalen Ernährung macht. Aus der Evolutionstheorie folgt dies jedoch nicht.
  • Sie verkennen, dass die Evolution zur Erhaltung der Art durch Reproduktionserfolg und nicht notwendigerweise zu Gesundheit und Langlebigkeit führt.
  • Sie berufen sich auf komplett spekulative Überlegungen und schlecht dokumentierte Beobachtungen an sogenannten „Naturvölkern“, deren Ernährungsweisen sich tatsächlich unterscheiden, teilweise (Massai) der Paläo-Lehre widersprechen und für die es zudem keinerlei Evidenz gibt, dass sie sich besonders guter Gesundheit oder Langlebigkeit erfreuen würden.
  • Sie postulieren eine Steinzeitdiät, die es in Wirklichkeit nie gegeben hat.

Gesundheitlich fragwürdig

Die Paläo-Ernährung ist darüber hinaus gesundheitlich bedenklich. Immer mehr Studien zeigen, dass die Reduktion und am besten der Verzicht auf Fleisch die Gesundheit fördert. Herzerkrankungen, Krebserkrankungen, Diabetes-Erkrankungen und viele weitere Erkrankungen treten bei vegetarisch und vegan lebenden Menschen seltener auf und zwar selbst dann, wenn das sonstige Gesundheitsverhalten vergleichbar ist. Vermehrt gibt es sogar Hinweise, dass Veganer noch gesünder sind als Vegetarier (Belege siehe Links am Artikelbeginn). Zudem haben Studien aufgezeigt, dass die Aufnahme von gesättigten Fetten und Cholesterin gesundheitsschädigend ist, eben diese werden aber durch die Paläo-Ernährung favorisiert. Ganz aktuelle Befunde zeigen, dass das Carnitin im Fleisch im Darm von Fleischessern zu einer herzschädigenden Substanz verwandelt wird (siehe hier). Die Paläo-Ernährung ist von diesen Befunden unbeeinflusst und hält an Postulaten fest, die zur Anreicherung der Nahrung mit nach vorliegenden wissenschaftlichen Befunden schädlichen Substanzen führen, wobei wider die Befundlage deren angebliche Gesundheitsvorteile propagiert werden.

Die Vertreter der Paläo Ernährung behaupten, dass die gesundheitsschädigenden Auswirkungen der westlichen Ernährung allein daran lägen, dass hochgradig verarbeitete Lebensmittel verwandt werden, nicht aber am Fleisch an sich. Diese Annahme wird aber nicht durch wissenschaftliche Studien gestützt, sondern bleibt auf der reinen Behauptungsebene.Gleichzeitig behaupten Vertreterder Paläo-Ernährung, dass das kohlenhydratreiche Getreide der veganen und vegetarischen Ernährung sowie auch die durch Veganer und Vegetarier in besonders hohem Ausmaß verzehrten pflanzlichen Fette gesundheitsschädlich seien. Diese Behauptungen sind widerlegt durch den besseren Gesundheitsstatus vegan und vegetarisch lebender Personen, die in besonders hohem Ausmaß Getre
de verzehren. Gleiches gilt für Soja und Hülsenfrüchte, die in der vegetarischen und veganen Ernährung eine große Rolle spielen. Die Vertreter der Paläö-Lehre behaupten diese Lebensmittel wären gesundheitsschädigend, die umfassende Auswertung der wissenschaftlichen Studien zeigt aber, dass die gesundheitlichen Vorteile von Sojaprodukten überzeugend belegt sind (siehe hier).

Die Steinzeit-Diät schlägt Menschen eine Ernährung vor, die sie davon abhält, vegetarisch oder vegan zu leben und die damit den gesundheitlichen Vorteilen der vegetarischen und insbesondere der veganen Ernährung unvereinbar gegenüber steht. Gleichzeitig werden gesundheitsschädliche Produkte, wie Fleisch oder Eier (siehe hier), als gesundheitsförderlich postuliert, ohne dass diese Behauptungen in irgendeiner Weise durch empirische Studien überprüft worden wären. Eine solche Praxis ist unverantwortbar.

Ökologisch und sozial abträglich

Die Umsetzung einer weltweiten Paläö-Ernährung wäre außerdem mit einer weiteren Verschärfung der bereits jetzt drängenden Umweltprobleme und der beschleunigten Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen unseres Planeten verbunden:

Auf dieser Welt leben über 7 Milliarden Menschen, deren Ernährungssicherheit zu gewährleisten ist. Pflanzliche Produkte gehen mit weitaus geringerem Energie- und Ressourcenverbrauch und besserer Klimabilanzeinher als tierische Produkte. Dies gilt keineswegs nur für eine Ernährung auf der Basis von in Massenanlagen gehaltenen Tieren, sondern es gilt ebenso für eine Ernährung auf der Basis freilaufender und unter deutlich natürlicheren Bedingungen lebender Tiere (siehe hier).

Hinzukommt, dass Getreide und Hülsenfrüchte mit vergleichsweise sehr geringem Aufwand und ohne Kühlung lange haltbar, einfach lagerbar und transportierbar sind. Für das Überleben der Menschheit kommt ihnen herausragendes Gewicht zu. In Zeiten von Dürre und Hunger entscheidet in der dritten Welt vorwiegend die Verfügbarkeit gelagerten Getreides und von Hülsenfrüchten über Überleben oder Tod (siehe auch Argumentation hier, warum eine vegane Welt den Hunger beseitigen würde).

Die Paläo-Ernährung postuliert eine Ausdehnung tierischer Nahrungsmittel an unserer Gesamternährung und eine Minimierung, ja sogar eine Abschaffung, der für das Überleben der Menschheit dringend erforderlichen Ernährung auf der Basis von Getreide- und Hülsenfrüchten. Um mit so einer Ernährungsform weltweit alle Menschen ernähren und ausreichende, natürlich zu kühlende Transport- und Lagermöglichkeiten zu schaffen, wäre eine massive Steigerung des Energieverbrauches und auch der Logistikerforderlich. Wenn die von 7 Milliarden Menschen zu verzehrenden Tiere auch noch freilaufen sollten, wäre die gesamte Erde durch sie bedeckt.

Paläö-Vertreter berufen sich auf die Jäger und Sammler, wobei sie sich vor allem an den Jägern orientieren. Wie aber 7 Milliarden Menschen, die meisten in Städten lebend, sich als Jäger ernähren sollen, bleibt unerklärt.

Sicherlich lassen sich auch in Städten Fleischprodukte erwerben, die ungefähr dem entsprechen, was Paläö-Vertreter von ihnen fordern. Dies ist dann aber das Privileg der Wohlhabenden, die dieses nur dann durchgängig umsetzen könnten, wenn wir nahezu die ganze Erde nur noch dafür nutzen würden, für diese Privilegierten eine angebliche Steinzeiternährung zu gewährleisten.

Die Abschaffung von Getreide und Hülsenfrüchten würden umgekehrt Milliarden Menschen in der Dritten Welt mit dem Hungertod bezahlen. Eine so entvölkerte Welt könnte dann in der Tat dazu in der Lage sein, ohne die Zerstörung der gesamten Umwelt, die noch verbleibenden Menschen zu ernähren.Ohne den Massentod von Menschen in der dritten Welt ist demgegenüber eine weltweite Durchsetzung der Paläö-Ernährung, wenn sie nicht zur kompletten Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen unseres Planeten und damit von uns allen führen soll, nicht umsetzbar.

Die Paläö-Ernährung ist vor diesem Hintergrund als sozial und ökologisch unverträglich zu bewerten. Es handelt sich nicht nur um ein pseudowissenschaftlich-archaisches, sondern ebenso um ein tiefgreifend unsolidarisches und reaktionäres Ernährungskonzept.

Betrachtet man die Paläo-Ernährung und ihre Vertreter genauer, wird deutlich, dass es sich um Privilegierte handelt, die alle Vorteile der Industriegesellschaft, einschließlich medizinischer Versorgung und dem Internet nutzen, nun aber im Hinblick auf die Ernährung plötzlich eine Art Steinzeit-Happening betreiben wollen. Sie möchten sich offenbar als „Urmenschen“ fühlen, setzen dieses Erlebnisbedürfnis aber auf Kosten der Umwelt und ihrer Mitmenschen um, was den einzelnen Vertretern allerdings kaum bewusst sein dürfte.

Tierrechtliche Erwägungen

Die Paläo-Ernährung erklärt die komplette Instrumentalisierung des Tieres für die Zwecke des Menschen für sakrosankt. Sie legitimiert die Tötung von Tieren für den Verzehr und verklärt mit ihrem hohen Lied auf die Jagd brutale Tiertötung zur gebotenen Handlungsweise. Die Tötung von Tierenist aber ein Ausdruck destruktiver Aggression. Durch die Postulierung des Tötens von Tieren positioniert sich die Paläo-Lehre nicht nur als Gegner der Tiere und ihres durch die vegane Lebensphilosophie postulierten Rechtes auf Leben, sondern sie fordert Handlungsweisen, die geeignet sind, die Schwelle für Grausamkeit und Tötung auch zwischen Menschen zu senken und so zu einer weiteren Brutalisierung der menschlichen Gesellschaften beizutragen. Nicht umsonst wird es universal als positiv bewertet, wenn ein Mensch „keiner Fliege etwas zu Leide tun kann“. Nicht Töten, sondern Leben erhalten und schützen sind die positiven Qualitäten, die der Mensch ebenso wählen und kultivieren kann wie Mord und Totschlag.

Die vegane Lebensphilosophie steht auf der Seite der Achtung des Lebens, der Friedfertigkeit und Solidarität, während die Paläo-Ernährung reaktionär, menschenverachtend und tierverachtend ist.

Gesamt-Bewertung

In der Gesamtbetrachtung handelt es sich bei der Steinzeit-Diät um eine pseudowissenschaftliche Ernährungslehre, die auf schweren und unkorrigierbaren Denkfehlern beruht und nach allem, was wir wissen, geeignet ist, die menschliche Gesundheit zu schädigen, die Umwelt zu zerstören und die weltweite Ernährungssicherheit zu gefährden. Hinzu kommt das menschenverursachte Tierleid, welches dieser Ernährungsweise inhärent ist. Es handelt sich in letzter Konsequenz bei der Paläo-Ernährung insofern um eine ethische nicht vertretbare Ernährungsweise.

Vertreter der Steinzeiternährung kritisieren übrigens zu Recht Massentierhaltung und industrielle Überverarbeitung unserer Lebensmittel. Doch der Ausweg aus dieser Problematik liegt nicht darin, dass wir nun selber jagen gehen und Blut vergießen, sondern dass wir aus der Logik der Nutztierhaltung aussteigen. Durch die Wahl einer veganen Ernährung und Lebensweise leisten wir den Beitrag, den wir leisten können, um unsere Umwelt zu erhalten, eine solidarische Gesellschaft aufzubauen, Tiere in ihrem Lebensrecht zu achten und dadurch gleichzeitig die menschliche Gesundheit zu fördern. Nicht zurück in die Steinzeit, sondern voran in die vegane Welt, lautet die Losung, die wir beherzigen sollten und müssen, wenn wir eine bessere, im positiven Sinne menschlichere, friedfertigere und gerechtere Welt aufbauen wollen.

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