Unvegane Lebensstile: Gibt es eine ökologisch verantwortbare Fleischauswahl?

Unvegane Lebensstile: Gibt es eine ökologisch verantwortbare Fleischauswahl?

Welcher vegan lebende Mensch kennt nicht das Argument des „bewussten Fleischessers“, der–nach Eigenangaben -das Fleisch sogenannter „glücklicher“ Tiere konsumiert,die sich auf Weiden bewegen können? „Nach Eigenangaben“ sei betont, weil meistens spätestens im Restaurant,wenn nicht schon vorher,die Auswahl des Fleisches nach Tierhaltungsart vergessen wird.

Aber unterstellt die Auswahl des „bewussten Fleischessers“ wäre so wie sie beschrieben wird, würde sich dann die Auswahl des Fleischesin Abhängigkeit vonder Haltungsart für die Tiere wie auch für die Umwelt positiv auswirken? Verhielte sich ein solcher Flexitarier ebenso verantwortungsbewusst gegenüber den Tieren und unserer Umwelt wie ein Veganer?

Es soll hier nicht bestritten werden, dass es der auf der Weide lebenden Kuh besser geht als ihren Artgenossen in der Massentierhaltung. Aber realistisch betrachtet, ist auch sie alles andere als glücklich. Denn ihr gesamtes Sozialleben wird durch den Menschen kontrolliert. Artgenossen kommen und gehen, je nachdem, wie hoch ihre Milchproduktion ist oder ob sie das Schlachtgewicht bereits erreicht haben. Die Milchkuh wird immer wieder geschwängert werden, ihre männlichen Nachkommen werden ihr rasch abgenommen, um sie nach einer kurzen Mästungsphase zu schlachten. Am Ende wird sie wie alle ihre Brüder und Schwestern in der Massentierhaltung den Transport zum Schlachthof besteigen. Wie alle anderen, wird sie den Stress und die Angst erleben, und wenn sie Pech hat, wird sie letztlich sogar zu den niemals vermeidbaren Fällen gehören, wo die Betäubung nicht greift, so dass ein Sterben in Schmerzen resultiert.

Aus Tierschutzsicht mag also die Wahl des „bewussten Fleischessers“, wenn sie denn stattfindet, ein Gewinn sein, weil das Leid, was der Konsum erzeugt, zwar weiterhin beträchtlich, aber doch etwas geringer ist.

Und ökologisch?

Ganz anders als die Bilder der grünen Weiden unterstellen, gibt es keinerlei Beleg für einen ökologischen Vorteil der Weidehaltung, sondernes sprechen im Gegenteil die vorliegenden Untersuchungen für einen ökologischen Nachteil der Weidetierhaltung (siehe hier, hier und hier). Denn die riesigen Weideflächen, auf denen kein Wald mehr wachsen kann und die in vielen Ländern der Erde zur Zerstörung von Regenwald und natürlicher Vegetation beitragen, sind - im Vergleich zum Wald - kein Gewinn, sondern ein Schaden. In vielen Parametern, von den Auswirkungen auf den Treibhauseffekt, der Entwaldung und Landerosion oder auch des Wasserverbrauches schneidet die Weidetierhaltung sogar ungünstiger ab als die Massentierhaltung.

Einem begrenzten Gewinn der Weidehaltung für nach wie vor leidende Tiere steht als ein Schaden für unsere Umwelt gegenüber. Der „bewusste Fleischesser“ oder Flexitarier steht vor dem Dilemma, zu entscheiden zwischen dem Wohlergehen der Tiere, denen aber dennoch Leid und Tod zugefügt wird, und der Intaktheit unserer Umwelt,die er noch mehr schädigt, als wenn er auf die Produkte der Massentierhaltung zurückgreifen würde.

Die gute Nachricht:

Die vegane Lebensweise löst das Dilemma. Denn der Verzicht auf jede Nutztierhaltung ist bei weitem ökologischer als Massentierhaltung oder Weidetierhaltung und er fügt den Tieren nicht nur weniger, sondern gar kein Leid mehr zu.

Die Quintessenz lautet:

Es ist ein Mythos, dass durch die Auswahl des Fleisches eine verantwortungsvolle fleischbasierte Ernährung möglich wird.Fleischkonsum fügt Tieren Leid zu und zerstört die natürlichen Lebensgrundlagen unsere Planetens. Wollen wir verantwortungsvoll leben, führt kein Weg an der veganen Lebensweise vorbei, wobei ein vegane Lebensweise gleichzeitig eine optimale Förderung und Ausdehnung der nicht auf Nutztierhaltung beruhenden biologisch-organischen Landwirtschaft ermöglicht.

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6 Kommentare auf "Unvegane Lebensstile: Gibt es eine ökologisch verantwortbare Fleischauswahl?"

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Nicole
Gast

Jeder Mensch sollte wissen,das egal ob Biohof oder Massentierhaltung kein Tier wird Todgestreichelt alle Tiere müssen schreckliches Erleiden. Also denkt nach und lebt VEGAN

prof dr bernd gerken
Gast
Ja wirklich! – Der Verzicht auf jede NUTZtierHALTUNG ist in der Tat der einzige Weg. – In einem gestern von mir geposteten Beitrag auf Ihrer Site habe ich die Weiderinder erwähnt. Nun feeue ich mich, aus Ihrem newsletter den Hinweis auf ihren Artikel in zu finden!Weidetierhaltung, das ist ein Zeichen UNSERER Zeit oder auch der STIL von uns in dieser Zeit, dass dies "immerhin besser" ist. Es ist sogar zu lesen, dass das Fleisch der Weiderinder gesünder sei (wenn jemand gesünder lebt, ist sein Körpergeist gesünder, so wirkt sich die gesundheit auch auf andere aus … – über den Tod… Read more »
Silke
Gast

Schön, dass ihr das Thema auch aufgreift.
Beim Bio-veganen Netzwerk findet ihr ebenfalls eine Stellungnahme hierzu bei den FAQ’s zum bio-veganen Landbau:
Frage 6. Reicht es denn nicht, die Tiere „artgerecht“ zu halten und den Konsum von Tierprodukten einzuschränken? Wofür gibt es sonst Nutztiere?
und
Frage 7. Was passiert dann mit den Wiesen und Weiden?

Hier die Links:
Zu Frage 6: http://biovegan.org/infopool/reicht-es-denn-nicht-die-tiere-artgerecht-zu-halten-und-den-konsum-von-tierprodukten-einzuschranken-wofur-gibt-es-sonst-nutztiere/
Zu Frage 7: http://biovegan.org/infopool/was-passiert-dann-mit-den-wiesen-und-weiden/

Ellie
Gast

Es gibt auch Bauernhöfe, in denen das etwas anders aussieht. Die ihre Kühe nur dann melken, wenn sie von alleine Kinder bekommen. Die ihren Tieren viel Platz geben, ihre Tiere lieben wie Kinder. WIRKLICH lieben und als Lebewesen wie Menschen anerkennen. Nicht jeder Bauernhof heißt gleich Leid und Qual für das Tier. Klar, JEDE Ausbeutung, egal welcher Spezies ist dumm, ignorant und falsch.
Aber ich finde es doch i-wie wichtiger sich ZUERST darum zu kümmern, die Massentierhaltung abzuschaffen und sich DANN um Bauernhöfe zu kümmern.

Christian
Gast
Hallo,ich habe über diesen Artikel in Facebook gelesen und war als "alter" Naturköstler sehr neugierig auf die Argumentation. Denn ich lerne gerne dazu. Nach lesen des Artikels bin ich enttäuscht, weil ich mir Tiefgründigkeit gewünscht hätte. Ich denke, um einen "bewußten" Fleischkonsum zu leben – und so habe ich das lange gemacht – ist nicht nur die Weidenhaltung interessant. Es geht auch um weniger Fleischkonsum und um weniger Milchprodukte und es geht um ökologisch gehaltene Tiere. Dies alles in der Summe macht einen sehr großen Unterschied und ist für mich ein Schritt in die richtige Richtung. Es geht nach meiner… Read more »
Seksan Ammawat und Guido F. Gebauer
Webmaster
@ Ellie Sorry, aber wir stimmen mit dem "Lieben wie Kinder" einfach nicht zu. Würdest du deine Kinder töten? Was machen denn diese Bauernhöfe (welche sind das eigentlich?) mit den ganzen männlichen Nachkommen. Schlachtung ist nach unserer Überzeugung mit Liebe unvereinbar. @ Christian Schade, dass du enttäuscht bist, aber wir stimmen deiner Argumentation nur teilweise zu. Wir sehen keine Möglichkeit zum verantwortungsvollen Fleischkonsum, wenn wir hierfür als Maßstäbe anlegen, dass Tiere nicht leiden sollen und die Umwelt nicht mehr belastet werden darf als durch Pflanzenanbau. Es ist stimmt leider nicht, dass die ökologische Tierhaltung ökologisch verträglicher wäre und die Tiere… Read more »
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