Ellen DeGeneres: Fall eines veganen Idols

Ellen DeGeneres: Fall eines veganen Idols

Die US-amerikanische Talkshowmasterin Ellen Degeneres ist für viele Veganer ein Idol gewesen. Überschwänglich sagte ihr PETA Dank für ihren Einsatz für die vegane Lebensweise. Ihre Entscheidung, vegan zu leben, begründete sie klipp und klar mit ihrer Anteilnahme für Tiere: "Weil ich mich über Massentierhaltung und die Grausamkeit gegenüber den Tieren informiert und realisiert habe, dass das auf meinem Teller einmal Lebewesen mit Gefühlen waren."

Jetzt ist Ellen Degeneres in das Leder- und Wollgeschäft eingestiegen. Gemeinsam mit Camuto Group vertreibt sie unter dem Label ED Ellen DeGeneres angeblich von ihr selbst entworfene Schuhe, die ausdrücklich Leder und Kaschmir-Wolle enthalten. Eine Stellungnahme hierzu hat Ellen Degeneres, trotz großer Aufregung unter ihren veganen Fans, bisher nicht abgegeben.

Wie ist es möglich, dass eine selbsterklärt ethisch motivierte Veganerin zur Verkäuferin von Tierqualprodukten wird? Was kann die vegane Community aus dem Fall Ellen Degeneres lernen?

- Ellen FeGeneres ist nicht nur eine vegan lebende Talkshowmasterin, sondern gehört ebenfalls zu den Superreichen mit einem geschätzten Vermögen von 215 Millionen Dollar. Offensichtlich hat sie einen Schwerpunkt für sich selbst auf die Anhäufung und die Vermehrung ihres Vermögens gelegt. Geld ist in der Psychologie ein sogenannter generalisierterVerstärker. Während ein primärer Verstärker, wie z.B. Wasser, nur wirkt, wenn man durstig ist, kann das Streben nach Geld schnell ungezügelt werden, weil sich mit Geld nahezu jeder andere Verstärker erwerben lässt. Beim Gelderwerb gibt es also keine Sättigung, wenn nicht andere starke Motive und Überzeugungen einem ungezügelten Gelderwerb entgegenstehen. Für die Superreiche Ellen Degeneres scheint, wie für viele, der Gelderwerb absolut primär, alle anderen Ziele werden diesem untergeordnet. Es ist davon auszugehen, dass der veganen Multimillionärin Ellen Degeneres eine sehr hohe Summe dafür geboten worden ist, nunmehr Tierqualprodukte zu verkaufen. Ellen Degeneres ist offenbar tatsächlich geldgierig und ihre Gier nach Geld überschattet alle anderen (oder nur aus Imagegründen) vorgegebenen Motive und Strebungen, eben auch ihre Anteilnahme für Tiere und ihren Veganismus.

- Die vegane Community sollte sich davor hüten, den Veganismus vorwiegend mit oberflächlichen Argumenten und Prominentenmodellen verbreiten zu wollen. Menschen ändern sich schnell, insbesondere wenn sie feststellen, auf andere Art und Weise leichter zu Geld kommen zu können. Auch entwickeln Prominente schnell eine ausgeprägte Selbstüberschätzung und kennzeichnen sich oft durch Egozentrismus und überzogenes Aufmerksamkeitsstreben, welches einer tatsächlich ethisch reflektierten Lebensweise eher entgegensteht. Vieles, was Prominente äußern oder vorleben, ist einstudiert und dient strategischen Zwecken. Der heute vegan lebende Prominente mag schon morgen als Werbemodell für Fleisch auftreten – erinnert werden kann an die Negativmodelle Anne Hathaway, Jack Dorsey, Bill Clinton und nun eben auch Ellen Degeneres.

- Ellen Degeneres tut das, was in unserer Gesellschaft das Mainstream-Verhalten ist; Geld verdienen um jeden Preis und sei es auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt. Vegan ist insofern unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen kein Mainstream, sondern eine bewusste Entscheidung gegen die in der Gesamtgesellschaft praktizierten und akzeptierten Ausbeutungsstrukturen. Wer ohne die Gesellschaft zu verändern, vegan zum Mainstream machen will, wird daher letztlich keine vegane Gesellschaft begründen, sondern nur weitere Ellen Degeneres, Jack Dorsey, Anne Hathaways und Bill Clintons erzeugen. Die Verbreitung der veganen Lebensweise sollte daher mit einem gesellschaftskritischen Ansatz einhergehen, der sich gegen Ausbeutung und Unrecht in allen Bereichen und insbesondere gegen die gesellschaftsimmanente Unterordnung von Menschen- und Tierrechten unter Gewinninteressen wendet.

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3 Kommentare auf "Ellen DeGeneres: Fall eines veganen Idols"

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Anni Reeg
Gast

Die Menschheit – wandelnde Gräber:
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Die Bosheit der Menschen die ist so gemein
doch das Leid dieser Tiere es holt sie ein
und es wird das Grab der Menschen sein
als wandelnde Gräber geh’n sie dahin
seh’n nur in der Tierqual ihren sinn
doch jeder wird es einst selbst erleben
denn es steht geschrieben, du sollst nicht töten
@Anni Reeg…
Du sollst nicht töten, heißt: auch nicht dazu beitragen:

Carmen
Gast

Und genau diese Werbemasche ohne Hirn und Verstand ist es auch, die mich an Peta (neben einigem anderen) so stört.

Gabriele Votava
Gast
Danke, besonders für den letzten Abschnitt des Artikels und für den Satz:" Wer,ohne die Gesellschaft zu verändern, vegan zum Mainstream machen will…" Ich freu mich über jede(n), der/die sich für vegane Ernährung entscheidet, aber der rein egoistisch begründete, homozentrierte Veganismus, nur weil es gesünder und gerade in Mode ist, stößt mich auch ab. Manche scheinen sogar noch stolz darauf zu sein, dass sie es "nicht wegen den Tieren" tun. Da gab es u.a. auch mal in der Bio-Zeitung "Schrot[&] Korn" ein entsprechendes Interview mit irgendeinen jungen, angeblich erfolgreichen deutschen Musiker. Es gibt diese Einstellung zuweilen aber auch unter Rohköstlern ,… Read more »
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