Brennender Amazonas: Das politische Netz der Brandstifter

Brennender Amazonas: Das politische Netz der Brandstifter

Wer steckt politisch hinter der eskalierenden Zerstörung des Amazonas? Wer sind die politischen Brandstifter und welche internationalen Verbindungen haben sie? Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, wobei er sich nicht auf die wirtschaftlichen, sondern auf die politischen Akteure in Brasilien, den USA und Europa fokussiert.

Aktuelle Situation

In Brasilien brennt der Amazonas, und zwar in ungekanntem Ausmaß. Die diesjährigen Waldbrände sind um ca. 80 % ausgeprägter als in den Vorjahren.

Gelegt werden die Brände durch Viehhändler und Farmer. Das frei gebrannte Land soll für Rinder und für den Anbau von Sojabohnen genutzt werden, die zu ca. 90 % an Nutztiere verfüttert werden. Auch der Abbau von Metallen spielt eine allerdings sehr viel kleinere Rolle.

Brasilianisches Soja aus dem Amazonas für Tierfutter und brasilianisches Rindfleisch aus dem Amazonas werden auch von europäischen Ländern importiert. Der Fleischkonsum treibt die Zerstörung des Amazonas an, europäische Regierungen, Importeure, verarbeitende Betriebe und verkaufenden Betriebe sowie die Verbraucher tragen eine Mitschuld.

Die grüne Lunge der Welt, die 20 % des weltweiten Sauerstoffs erzeugt, droht unterzugehen. Gleichzeitig werden durch die Brände riesige Mengen an Co2 freigesetzt, die das sich bereits aufheizende Klima weiter aufheizen. Das Methan der Rinder kommt später hinzu.

Im brennenden Amazonas verbrennen übrigens auch zahlreiche Tiere. Ebenso wird die Lebensgrundlage der wenigen noch in ihren Ursprungsgebieten lebenden indianischen Völker, der Ureinwohner Amerikas, gefährdet.

Dunkle krebserregende Rauchwolken verdeckten in Sao Paulo, der größten Stadt Brasiliens, den Himmel und ließen den Tag zur Nacht werden.

Der brennende Amazonas ist das Sinnbild dessen, zu welchen Verheerungen Nutztierhaltung und Fleischkonsum führen. Aber es gibt auch weitere politische Zusammenhänge, die zur aktuellen Eskalation führen, obwohl in den Industrieländern (außer den USA) der Fleischkonsum eigentlich eher stagniert und vegane Ersatzprodukte boomen.

Politik der Brandstiftung

Der Amazonas brennt seit jeher für unseren Fleischkonsum. Für die derzeitige Eskalation kommen aber als Zusatzfaktor die aktuellen politischen Machtverhältnissen in Brasilien hinzu. Wesentlicher Faktor ist die Präsidentschaft des Rechtsradikalen Jair Bolsorano.

Seine Regierung hat die bewusste Entscheidung getroffen, die Situation weiter zu eskalieren, jede Belange von Umwelt- und Klimaschutz zurückzustellen und dadurch nicht mehr revidierbare Fakten zu schaffen. Sie will den Amazonas freiräumen für die wirtschaftliche Nutzung der Flächen für Rinderhaltung, Sojaanbau und Bergbau.

Der politische Brandstifter hat also einen Namen und heißt Jair Bolsonaro. Er steht aber nicht allein, sondern hinter ihm stehen weltweit vernetzte politische Kräfte, die auch in den USA und in Europa einen Aufschwung erleben.

Diese Kräfte bilden den Gegenpol zu einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Entwicklung und bilden damit auch den Gegenpol zur veganen Lebensweise.

Vegan - dies zeigt sich in diesen Tagen erneut schmerzlich - geht nicht ohne Politik, sondern vegan ist hochpolitisch.

Denn der politische Kampf gegen die hinter den Amazonasbränden stehenden Kräfte ist notwendig, weil deren Sieg die Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben mit Natur und Tieren auf diesem Planeten vernichten könnte.

In Anbetracht der drohenden Klimakatastrophe sind diese Sätze leider keine Übertreibung, sondern nüchterne Realität.

Wer ist Jair Bolsonaro?

Erschreckende Zitate

Die folgenden Zitate (alle Zitate übernommen aus einem Bericht der WAZ) sprechen für sich und ich werde sie daher nicht kommentieren:

  • es wird eine in Brasilien niemals gesehene Säuberung geben
  • ich bin für Folter. Und das Volk ist auch dafür
  • ich würde Männern und Frauen nicht das gleiche Gehalt zahlen. Aber es gibt auch viele kompetente Frauen
  • ich würde dich nie vergewaltigen, weil du es nicht wert bist
  • ich könnte einen homosexuellen Sohn nicht lieben. Ich werde da nicht scheinheilig sein. Ich würde es vorziehen, dass mein Sohn bei einem Unfall ums Leben kommt, als dass er hier mit einem Typen mit Schnurrbart auftaucht
  • da besteht kein Risiko, denn meine Söhne wurden gut erzogen (zur Frage, was er tun würde, wenn seine Söhne eine schwarze Frau heiraten würden)
  • wenn ich sehe, wie sich zwei Männer auf der Straße küssen, werde ich sie schlagen
  • wir hätten 30.000 Korrupte erschießen sollen, angefangen mit (dem damaligen) Präsident Fernando Henrique Cardoso
  • sie tun nichts. Ich glaube, sie taugen noch nicht einmal zur Fortpflanzung (über Bewohner einer Schwarzen-Siedlung)

Eine große Anzahl an weiteren Zitaten von Bolsorano sind hier bei Wikipedia mit Quellenangabe dokumentiert.

Kahlschlag in der Umweltpolitik

In der Umwelt- und Klimapolitik betreibt Bolsonaro eine Politik des Kahlschlags, die zu massiver Ausweitung von Abholzung und nun zu den Amazonas-Bränden führte (alle hier genannten Fakten werden in diesem Artikel der New York Post dargestellt ):

  • Bolsonaro gehört zu den Leugnern und Kleinrednern des menschengemachten Klimawandels. Bereits im Wahlkampf gab er an, dem Beispiel Trump folgen und sich von dem Pariser Klimaabkommen zurückziehen zu wollen. Auch wenn er diese Ankündigung später zurücknahm, betont er seither weiterhin seine Absicht das Amazonas-Gebiet, die grüne Lunge der Welt, wirtschaftlich zu entwickeln, was nur bei Abholzung der Wälder möglich ist
  • Bolsanore betreibt eine gegen die indianischen Ureinwohner gerichtete Politik, die die wirtschaftliche Expansion auch in geschützten Gebieten fördert
    die Landwirtschaftsministerin, die nunmehr auch für die Interessen der Ureinwohner zuständig ist, gehört zum mächtigen Agracaucus im Parlament
  • der Umweltminister Ricardo Sales wurde gerichtlich wegen Betruges verurteilt, weil er einen Umweltschutzplan für die Interessen der Bergbau-Industrie veränderte

Noch vor den eskalierenden Amazonas-Bränden wandten sich mehr als 100 Wissenschaftler in einem offenen Brief an die EU, um die absehbare Zerstörung des Amazonas durch den neuen brasilianischen Präsidenten zu verhindern.

Die Wissenschaftler führen aus, dass die Zerstörung des Amazonas auch durch den europäischen Konsum vorangetrieben werden. Die EU könne die Zerstörung stoppen, wenn sie höhere Umweltstandards für brasilianische Güter verpflichtend mache. Passiert ist nichts und die Brände sind die Folge.

Bolsonaro selbst ist übrigens in der Vergangenheit durch illegales Angeln in geschützten Gebieten aufgefallen und musste eine Strafgebühr von 2500 Dollar zahlen.  Nach seinem Wahlsieg hat er den zuständigen Beamten sofort entlassen.

Soeben zeigen geleakte Dokumente, dass Bolsonaro hinter den Kulissen mit hoher Aktivität daran arbeitet, bestehende Schutzprogramme und -abkommen für den Amazonas zu sabotieren und großangelegte Rodungen und Infrastrukturprogramme mit Straßen und Kraftwerken zur Stromerzeugung direkt in jetzt noch bewaldeten Gebieten voranzutreiben.

Ausdrücklich heißt es in den geleakten Dokumenten, dass diese Planungen auch deshalb vorangetrieben werden müssten, um sich gegen den internationalen Druck zur Bewahrung des Amazonas zur Wehr zu setzen.

In einem aufschlussreichen Artikel auf yahoo.com  lässt sich zudem nachlesen, dass Bolsonaro seit seinem Amtsantritt die Verantwortung für die Ureinwohner Brasiliens, die im Amazonas leben und sich für dessen Schutz einsetzen, an das Ministerium für Landwirtschaft abgegeben hat.

Er hat das Budget der Umweltschutzbehörde um 24 % gekürzt und seit seinem Amtsantritt wurden unzählige Vorstöße zur Nutzung des Amazonas in geschützten Gebieten unternommen, wo eine solche Nutzung gesetzlich ausgeschlossen ist. Gleichzeitig hat die Anzahl der behördlichen Sanktionen gegen solche Verstöße einen Tiefpunkt erreicht, der dem Stand von 1995 entspricht.

Eine der ersten Amtshandlungen der Bolsonaro Regierung war übrigens die Zulassung hunderter neuer Pestizide, von denen viele in Europa wegen ihrer Gefährlichkeit verboten sind. Laut der Umweltministerin seien diese Pestizide vorher nur aus ideologischen Gründen nicht zugelassen worden.

Ebenso verteidigt die Umweltministerin entsprechend die Verwendung des bekannten Bienenkillers Glyphosate.

Derweil hat die brasilianische Weltraumbehörde eine Zunahme der Waldrodungen um 84 % zum Vorjahr entdeckt. Die aktuell brennenden Flächen entsprechen weitgehend diesen Rodungsgebieten und sollen so dauerhaft für die landwirtschaftliche Nutzung (Rinderherden, Sojaanbau für Tierfutter) verfügbar gemacht werden. Die Reaktion von Bolsonaro auf die Beobachtungen seiner Weltraumbehörde war die Entlassung des Behördenchefs.

Aktuell ist die brasilianische Regierung ebenfalls dabei, die bisher verbotene Jagd auf Jaguars, Papageien und Affen im Regenwald zu legalisieren. Auch dies passt sachlogisch zu einer Regierung der Tier- und Menschenverachtung, die Empathielosigkeit als politische Strategie versteht.

Weltweite Vernetzung der Brandstifter

Bolsonaro steht nicht allein

Ausgerechnet in dieser Zeit, wo das Ruder zur Vermeidung der Klimakatastrophe schnell und drastisch herumgerissen werden muss, arbeiten andere daran, das Ruder entschlossen noch weiter in die tödliche Richtung zu stoßen.

Rechtspopulisten, Rechtsradikale und Rechtsextremisten sehen in vielen Ländern ihre Chance gekommen. Obwohl sie nationalen Egoismus predigen, vernetzen sie sich weltweit:

  • von Bolsorano, dem Brandstifter in Brasilien, Orban, dem Schweinefleischfetischisten aus Ungarn, Trump, dem narzisstischen Wahnsinnigen, Salvini, dem Noch-Innenminister Italiens, gegen den die italienische Staatsanwaltschaft bereits mehrfach wegen Entführung ermitteln wollte, aber politisch gestoppt wurde, bis hin zur deutschen AfD, die sich als Kampfpartei für die Leugnung des menschengemachten Klimawandels, Sündenbocktheorien, Fakenews, Rassismus, anti-vegane Hetze und Fleischfanatismus etabliert hat. Die Aufzählung ist unvollständig

In den USA, in Lateinamerika und in Europa marschieren diese Kräfte auf den Straßen und treten in den Parlamenten mit nationalen Parolen, Sündenbocktheorien und konsequenter Ablenkung von den eigentlichen, unsere Existenz bedrohenden Problemen auf. In Regierungsverantwortung setzen sie vorhandene Umwelt- und Tierschutzbestimmungen außer Kraft und verhindern dringend notwendige darüber hinausgehende Maßnahmen.

Je mehr es diesen rechtspopulistischen Kräften ihnen gelingt, öffentliche Phantomdiskussionen zu erzeugen (über angebliche Bedrohungen durch Flüchtlinge etc.), desto stärker sinken die Chancen, dass noch rechtzeitig Maßnahmen zur Verhinderung oder Begrenzung der Klimakatastrophe ergriffen werden können. Denn je weniger die Gesellschaft sich mit dem Klimawandel auseinandersetzt, weil sie sich auf andere Themen fokussiert, desto geringer sind die Chancen, dass tragfähige Gegenmaßnahmen durchgesetzt werden können.

Umweltzerstörung unter Donald Trump

Tatsächlich sind die Maßnahmen der Rechtspopulisten dort, wo sie an der Regierung sind, direkt darauf ausgerichtet, den Klimawandel zu beschleunigen:

Äußerungen zu Bolsonaro

Es ist nicht erstaunlich, dass Trump über den Amazonas-Brandstifter Bolserano nur Positives äußert:

  • er unternimmt größte Anstrengungen gegen die Brände im Amazonas und macht in allen Bereichen eine großartige Politik für die Menschen in Brasilien. Er und sein Land haben die volle Unterstüzng der USA

Bei der Bewertung Bolsonaros sind sich Rechtspopulisten und Rechtsradikale aber auch weltweit einig und erachten Bolsonaro als ihren Bruder im Geiste:

  • Jair Bolsonaro ist ein aufrechter Konservativer, der angetreten ist, die linke Korruption zu bekämpfen und Sicherheit und Wohlstand für sein Volk wiederherzustellen. Genau wie die AfD ist er von allen Seiten angefeindet worden, weil er als Außenseiter das System herausgefordert hat ... Die konservative Revolution hat damit auch Südamerika erreicht. Länder wie Argentinien und Chile schauen voll Hoffnung zu Brasilien auf, um den Kontinent gegen die Flüchtlingskatastrophe zu wappnen, die aus dem sozialistischen Venezuela in alle benachbarten Länder strömt. Bolsonaros Sozialliberale Partei (PSL) nimmt nun Kontakt zu allen neuen konservativen Parteien in den USA und Europa auf. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit

Dieser Lobgesang oben entstammt der Internetseite der AfD-Fraktion im Bundestag und ist die Gratulation des AfD-Obmannes im Auswärtigen Ausschuss Petr Bystron zur Wahl Bolsonaros.

Noch deutlicher wird der AfD-Landtagsabgeordnete Christian Blex aus dem Kreis Warendorf. Er meint auf seiner Facebook-Seite, Bolserano wolle aufräumen, er stehe für Härte, Disziplin und Gehorsam, gegen ihn wirke sogar Donald Trump als zurückhaltend. Dies meint er positiv.

Matteo Salvini stimmt mit solchen Bewertungen überein. In Brasilien hätten die Bürger die Linke verjagt und

  • viel Erfolg, Präsident Bolsonaro, die Freundschaft zwischen unseren Völkern und unseren Regierungen wird noch stärker

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban, der die Steigerung von Schweinefleischproduktion und -konsum als nationale Aufgabe sieht, erklärt, dass er mit großer Freude beobachte, dass die ungarischen Werte sich nunmehr auch in Brasilien durch den Wahlsieg von Bolsonaro durchgesetzt hätten. Die Beziehungen zwischen Brasilien und Ungarn sollten zu einem neuen Level erhoben werden.

Sie treten also nationalistisch argumentierend auf, interagieren aber international vernetzt. Der Umgang der Rechtspopulisten mit dem rechtsextremistischen Bolsonaro zeigt gleichzeitig ihr wahres Gesicht und die Gefahren, die von ihnen ausgehen. Mögen sie sich manchmal taktisch noch harmlos geben, ihre Unterstützung des Rechtsextremisten Bolsonaro lässt keinen Zweifel an ihren tatsächlichen Intentionen.

Der brennende Amazonas gibt uns einen plastischen Einblick in die Folgen, wenn wir es zulassen, dass diese Kräfte sich durchsetzen.

Psychiatrische Bewertung

Während Rechtspopulisten und Rechtsradikale Bolsonaro in höchsten Tönen loben, gelangt der brasilianische Psychiater Fernando Tenoriozu übrigens zu folgender Bewertung:

  • für mich ist er ein Perverser. Ein eitler Mann, der glaubt, dass seine Wahrheiten absolute Gültigkeit besitzen. Der im anderen keine Grenze sieht und der sich der Konsequenzen nicht bewusst ist. Bolsonaro regiert mit dem Grundprinzip der Rache. Bezeichnend, dass er in einer seiner ersten Amtshandlungen den Mitarbeiter des brasilianischen Umweltamts rausgeschmissen hat, der ihm ein Bußgeld wegen illegaler Fischerei aufgebrummt hatte. Jetzt trifft es den Direktor des renommierten Instituts für Weltraumforschung, dessen Zahlen zur Abholzung des Regenwalds nicht in das Weltbild unseres Präsidenten passen. Wir haben Waffen im Überfluss, aber keine Studie kann Bolsonaro überzeugen, dass mehr Waffen mehr Tote bedeuten. Es ist bizarr, eigentlich sollte unser Präsident Konflikte moderieren, er sollte sie nicht schüren

Rechtspopulismus als Eskalation des Mainstreams

Der Kampf gegen die Kräfte der rechtspopulistischen und rechtsradikalen Zerstörung rechtfertigt nicht die Taten oder die Tatenlosigkeit derjenigen Parteien und Strömungen, die zuvor oder immer noch die Macht innehaben und sich als akzeptierter Mainstream verstehen.

Dies betrifft beispielsweise den klassischen Konservatismus (in Deutschland CDU/CSU), die Sozialdemokratie (in Deutschland die SPD) oder den Liberalismus (in Deutschland die FDP).

Leider müssen auch die Grünen immer mehr diesen Kräften zugeordnet werden, da sie in bisherigen Regierungen keinen echten Klimaschutz und Tierschutz durchsetzten und sich sogar in Tübingen mit Boris Palmer einen rechtspopulistischen, tierfeindlichen und rassistisch operierenden Oberbürgermeister leisten.

Bezüglich Tierschutz weist die sozialistische Linke ebenfalls keine wirklich fortschrittlichen Positionen auf. Da sie keine Anstrengungen für einen gesellschaftlichen Ausstieg aus der Nutztierhaltung unternimmt, sind ihre Klimapositionen ebenfalls nicht tragfähig.

Es waren und sind diese sogenannten Mainstream-Player, die es haben so weit kommen lassen.

Rechtspopulisten wollen es noch schlimmer

Rechtspopulisten und Rechtsextremisten profitieren von den Problemen, die der sogenannte Mainstream geschaffen hat. Aber gegen den Teufel hilft nicht der Beelzebub. Rechtspopulisten und Rechtsradikale sind also keine berechtigten Kritiker des Mainstreams, sondern wollen zusätzlich Öl ins bereits flammende Feuer gießen. Sie wollen es nicht nur, sie tun es bereits in Regierungsverantwortung in den USA, Ungarn, Brasilien, Österreich und in Polen. Auch in der Opposition gießen sie Öl ins Feuer, indem sie die Gesellschaft von einer notwendigen Umkehr ablenken.

Die Distanz der Rechtspopulisten zum Mainstream besteht lediglich darin, dass sie die zerstörerischen und unempathischen Merkmale des Mainstreams auf die Spitze treiben und alle in Ansätzen vorhandenen nachhaltigen und empathischen Anteile komplett eliminieren möchten.

Die Politik der Mainstream-Player hat fraglos zu zahlreichen Fehlentwicklungen geführt, von Tierleid bis zu sozialer Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung, Kriegen und Abschottungspolitik gegenüber Geflüchteten.

Rechtspopulisten und Rechtsradikale wollen diese Probleme jedoch nicht lösen, nicht Nachhaltigkeit und Empathie an die Stelle von Zerstörung stellen. Im Gegenteil, Rechtspopulisten und Rechtsradikale wollen alles in unserer Gesellschaft beseitigen, was Anklänge von Nachhaltigkeit, Mitmenschlichkeit, Solidarität, Mitgefühl und Tierliebe aufweist.

Nichts zeigt dies deutlicher als der brennende Amazonas.

Die Berufung der Rechtspopulisten und Rechtsradikalen auf bestehende gesellschaftliche Probleme gibt ihnen also keine echte Legitimation, sondern es handelt sich um Vernebelung und Täuschung:

Zum einen erfinden Rechtspopulisten Probleme, wo sie nicht bestehen (z. B. Flüchtlingsinvasion, Kriminalitätsbedrohung in seit ca. 20 Jahren anhaltenden Zeiten der Abnahme von Gewaltkriminalität), zum anderen wollen sie tatsächlich bestehende Probleme (Umweltzerstörung, Tierleid, soziale Ungerechtigkeit) weiter verschärfen.

Die Legitimationslosigkeit von Rechtspopulisten und Rechtsradikalen sei mit dem entstehenden Nazi-Deutschland Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre verglichen:

Kein Problem im damaligen Deutschland rechtfertigte die Machtergreifung von Adolf Hitler oder machte diese gar notwendig.

Das Versagen der Mainstream-Player in den westlichen Demokratien gibt eben sowenig Anlass, nunmehr auf diejenigen zu setzen, die alles noch viel schlimmer machen wollen.

Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus dienen weder der Diagnose noch der Behandlung einer systemischen Gesamterkrankung, sondern sie gehören zu ihren schlimmsten Symptomen. Sie machen deutlich, welche Rücksichtslosigkeit und welche Empathiedefizite in unseren Gesellschaften bestehen und wie sehr diese ein radikales Umsteuern notwendig machen.

  • die Medizin heißt nicht Rechtspopulismus, Nationalismus, Abschottung, die Medizin heißt Besinnung auf Werte von Empathie, Mitgefühl und Veganismus

Einheit von Umwelt-, Tier- und Menschenverachtung

Bolsonaro ist ein gutes Beispiel für die Einheit von Umweltverachtung, Tierverachtung und Menschenverachtung. Er steht damit nicht allein, sondern diese Einheit ist insgesamt prägend für den politischen Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus:

Der US-Amerikanische Präsident Trump ist dabei, alle Regularien der Obama Regierung zur Begrenzung des menschengemachten Klimawandels rückgängig zu machen. Die Umweltbehörde wurde mit Leugnern des menschengemachten Klimawandels besetzt, die Artenschutzbehörde mit Jägern. Die Trump-Administration unternimmt einen breiten Angriff auf Tierschutzbestimmungen in allen Bereichen (siehe verschiedene Berichte auf vegan.eu hier) .

Die Trump-Politik der eskalierenden Umweltzerstörung und Grausamkeit gegenüber Tieren geht einher mit Verbrechen gegen Menschen, wie die Einrichtung von in den USA mittlerweile weithin als Konzentrationslagern bezeichneten Lagern für Flüchtlinge, unter ihnen Kinder, in denen unbeschreibliche Zustände herrschen. Kindern wird Seife, Zahnpaste und Duschen verweigert. Frauen wird auch während ihrer Menstruation keine Möglichkeit zur Körperreinigung gegeben. Sie bluten durch ihre Unterwäsche. Auch eine ausreichende Ernährung findet nicht statt. Nahrungsmittel werden durch Wachen in die Käfige geworfen, in denen sich hungernde Kinder teilweise um die Lebensmittel streiten. Solche Lager für Kinder möchte die Trump-Administration jetzt zur Dauereinrichtung machen

Viktor Orban ist ein weiteres Beispiel für die Einheit von Umweltzerstörung, Tierverachtung und Menschenverachtung. Orban ist ähnlich wie der Rechtsextremist Bolsonaro ein Held der europäischen Rechtspopulisten von der Nationalen Front in Frankreich bis zur AfD in Deutschland. Mit seiner durch Empathielosigkeit geprägten Politik begeht er Verbrechen gegen Menschen und Tiere und ist dabei, Ungarn in ein Land des Grauens zu verwandeln  Zu dieser Politik gehört ein eiserner Vorhang aus Stacheldraht gegen Flüchtlinge, an dem auch zahlreiche Tiere verenden, die Verweigerung von Nahrung gegenüber Flüchtlingen, die jeweils auf ihr Recht auf Ernährung vor dem Europäischen Gerichtshof klagen müssen, aber auch die Propagierung einer massiven Steigerung des Schweinefleischkonsums durch die eigene Bevölkerung, die persönliche Einweihung neuer gigantischer Schlachtanlagen, sowie Schikanen gegenüber vegetarischen und veganen Familien.

In Deutschland ist es die AfD, die in besonders prägnantem Ausmaß für eine Einheit von Umweltverachtung, Tierverachtung und Menschenverachtung steht:

Die AfD warnt täglich vor Flüchtlingen, macht diese zu Sündenböcken für die in Wirklichkeit seit mehr als 20 Jahren sinkende Gewaltkriminalität und lenkt so die Aufmerksamkeit von den eigentlich wichtigen Themen des Klimawandels und der Nutztierhaltung ab. Gleichzeitig - hier wird die Einheit zu Tierverachtung und Umweltverachtung erkennbar - steht sie ein für eine entfesselter Jagd, warnt immer wieder vor der veganen Ernährung und leugnet den Klimawandel (Artikel zur AfD hier auf vegan.eu).

Besonders hat sich die AfD derzeit auf den Wolf eingeschossen, der nicht gut in unsere Kulturlandschaft passe und den sie ähnlich wie Flüchtlinge als eine eindringende Spezies präsentiert. Der Wolf habe angeblich übermäßig zugenommen und müsse nun dringend geschossen werden. Gefordert werden spezifische Obergrenzen für Wolfspopulationsdichten sowie die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren zum regulierenden Eingriff in die Wolfspopulation. Gedanken macht sich die AfD auch um Wolfshybriden, die sie als nicht reinrassige Wölfe für besonders besorgniserregend hält, wie Stephan Protschka auf der AfD-Webseite unter dem Titel Echtes, bundesweites Wolfsmanagement dringend benötigt erklärt. Zynisch könnte man meinen, dass die AfD wenigstens in diesem Teilbereich nicht speziesistisch argumentiert. Denn sie generalisiert ihren Rassismus auf alle Arten.

Der gleiche Herr Protschka wendet sich entschieden gegen jede Fleischsteuer.

AfD-Politikerin Beatrice von Storch macht sich derweil Sorgen, dass Kinder nicht genug Currywurst aus Schweinefleisch und Gummibärchen mit Schweinegelatine essen.

Der Afd-Politiker Georg Pazderski fordert, die Grünen endlich anzugreifen, statt sie hochzureden. Seine einleitenden Worte machen klar, in welche Richtung dieser Zug fährt:

  • die Grünen schwimmen im linksliberalen Mainstream der Elite und üben die kulturelle Hegemonie aus. Doch über Deutschlands Zukunft entscheidet keine CO2-Steuer, keine Biotonne, kein Radfahrweg und kein Verbot von Fleisch ...

Umweltschutz und die Zukunft Deutschlands sind für die AfD also offensichtlich Gegensätze.

Bezüglich der Leugnung des menschengemachten Klimawandels sei noch einmal die AfD Spitzenpolitikerin und Currywurst-Fanatikerin Beatrix von Storch zitiert:

  • Ja. Es ist warm. Sehr sogar. Aber dieses hysterische #Klimakrisen- Gekreische der Klimanazis ist wirklich unerträglich. Auch wenn wir alle zu Fuß gehen, statt Autos zu bauen nun alle Gendergagaisten werden u nur noch Brokkoli essen: der Sonne ist das egal.

Die Einheit von Umweltverachtung, Menschenverachtung und Tierverachtung finden wir natürlich nicht nur bei politischen Parteien und deren Vertretern.

Ein aktuelles Beispiel aus der Wirtschaft ist der Fleischfabrikant Clemes Tönnies, ein Milliardär, der sein Vermögen mit der massenhaften Tötung von Tieren und der entsprechenden Überflutung des Marktes mit umweltschädigenden und klimafeindlichen Tierqualprodukten verdient. Dies hindert ihn nicht daran, beim Fußballverein Schalke als Aufsichtsratsvorsitzender zu fungieren, was Einiges über unsere Gesellschaft sagt.

Beim Tag des Handwerks in Paderborn kritisierte dieser Tierschlächter Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel. Man solle lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren, dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hörten auf, wenn es dunkel sei, Kinder zu produzieren.

Der Täter weist hier den Opfern die Schuld zu - Afrika verursacht nur einen minimalen Teil des menschengemachten Klimawandels. Er erhebt sich über die Opfer, obgleich es in Wirklichkeit er und seinesgleichen sind, die den menschengemachten Klimawandel verursachen, die natürlichen Lebensgrundlagen unseres Planeten vernichten und milliardenfaches Tierleid erzeugen.

Wer verteidigt Clemens Tönnies?

Natürlich die AfD, die die Kritik an seinen Äußerungen als scheinheilig bezeichnet.

Solcher Rassismus, Umweltverachtung und Tierverachtung gehen nicht zufällig miteinander einher, sondern dahinter steckt eine Systematik.

Veganismus als Gegenkraft

Der Veganismus stellt sich kritisch gegen eine Gesellschaft, die milliardenfaches Tierleid verursacht und ebenso Menschen hartherzig behandelt und ausbeutet. Der Veganismus ist damit keiner gesellschaftlichen Mainstream-Position zuzuordnen, da es eben diese Mainstream-Positionen waren und sind, die das Leid, welches der Veganismus überwinden möchte, verursachen und aufrechterhalten.

Der erstarkende Rechtspopulismus entspricht einer weiteren Eskalationsstufe der Brutalität, Zerstörung und Grausamkeit des Mainstreams. Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus treiben die bereits im Mainstream bestehende Menschen- und Tierverachtung weiter auf die Spitze.

In Zeiten des aufflammenden Rechtspopulismus werden die ebenfalls vorhandenen Fortschritte des Veganismus und die wachsende Einsicht in die katastrophalen Folgen der Nutztierhaltung ernsthaft gefährdet.

Vegane Produkte befinden sich auf den Vormarsch und durch den modernen Fleischersatz sowie durch die für die Zukunft avisierten Fleischprodukte aus dem Reagenzglas könnte die Nutztierausbeutungs-Industrie in zwei bis drei Jahrzehnten ihre Produktivität verlieren und zusammenbrechen. Daraus könnte sich erstmals eine Chance für eine vegane Weltgesellschaft ergeben. Milliarden von Nutztieren würde dies unermessliches Leid ersparen, die Zerstörung des Planeten könnte aufgehalten und die Gesundheit der Menschheit verbessert werden.

Allerdings bleibt nicht mehr viel Zeit, um die Klimakatastrophe zu stoppen. Hinzu kommt, dass die Milliarden leidenden Tiere nicht warten können.

Sollte es zur Klimakatastrophe mit Massenverheerungen kommen, würde die Decke der Zivilisiertheit schnell reißen und neue Menschheitsverbrechen könnten geschehen - bis zur Vernichtung eines sich nicht schützen könnenden Teils der Menschheit durch einen privilegierten und waffenstarken anderen Teil. Jeder Gedanke an das Leid der Tiere würde verloren gehen. In einem Doomsday-Szenario könnte gar die Welt unbewohnbar werden.

Der jetzt aufflammende Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus ist eine ernsthafte Gefahr und könnte, wenn er Erfolg hat, die Durchsetzung des Veganismus, die Rettung der natürlichen Lebensgrundlagen unseres Planeten sowie die Etablierung einer auf Nachhaltigkeit und Solidarität beruhenden Gesellschaft verhindern.

In einer durch rechtsradikale Regime beherrschten Welt würden Veganer zudem mit zu den ersten Verfolgtengruppen gehören und gerade wegen ihres friedfertigen Wesens schnell zu Opfern der bereits angekündigten Säuberungen werden.

Setzen sich Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus durch, könnte der Veganismus ausradiert werden, die bereits unerträgliche menschliche Grausamkeit würde weiter verschärft werden und die Klimakatastrophe wäre unaufhaltsam.

Wir werden Zeuge des gleichzeitigen Aufschwungs von Veganismus und seines unvereinbaren Gegenpools des Rechtspopulismus/Rechtsradikalismus. Dies entspricht einer Verschärfung der gesellschaftlichen Widersprüche. Der Ausgang ist ungewiss.

Für den Veganismus, die geschundenen Tiere und die zerstörte Umwelt ist die Bekämpfung des Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus eine Überlebensfrage, aber nicht ausreichend, da auch die Mainstream-Positionen überwunden werden müssen.

Dieser Kampf ist mit Aufklärung und Empathie zu führen, um diejenigen für die vegane Sache zu gewinnen und aus den Fängen der Indifferenz des Mainstreams und der Rechtspopulisten zu befreien, die zu Mitgefühl fähig sind, sich aber - aufgrund welcher individueller Probleme und Defizite auch immer - im Netz der rechtspopulistischen Desinformation verfangen haben.

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10 Kommentare auf "Brennender Amazonas: Das politische Netz der Brandstifter"

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Petra Müller
Gast
Petra Müller
Leider muss ich nun doch mal sarkastisch werden. Ein großer (der größte?) Teil der Menschheit trägt die Schuld an den heutigen Zuständen und hat den entsprechenden “Führern” ihre Macht ermöglicht (und ja, auch Veganer kleiden sich nicht nur in Fairtrade, heizen evtl. mit Öl, brauchen Strom, reisen….) Wir sind eine Spezies, die zu dumm und unfähig ist, ihr eigenes Überleben zu sichern, von dem Leben aller anderen Spezies ganz zu schweigen. Wir haben weder wirklichen Respekt vor unserem eigenen, noch vor sonstigem Leben. Warum sollte eine solche Spezies überleben, die unterm Strich hauptsächlich Leid, Grausamkeit und Mitleidlosigkeit zelebriert – sei… Read more »
Petra Müller
Gast
Petra Müller
Und nein, ich bin nicht empathielos. Ich weine tatsächlich um jeden Baum, der in meinem Umfeld dem zunehmenden Flächenfraß durch Bebauung weichen muss. Ich sammle alle Motten, Mücken und Spinnen ein, die sich bei mir verirren, und bringe sie raus. Ich würde keine Spinne töten wollen, auch keine Fliege. Ich liebe Tiere, ich liebe Kinder, aber ich bin oft sehr traurig, wenn mir Menschen, die ich schon als Kinder kannte, dann als (junge) Erwachsene mit der Currywurst in der Hand wieder begegnen. Ich liebe meine Familie, aber alle sind Fleisch- und Milchverzehrer. Ich tanke mir gelegentlich Kraft bei seltenen Treffen… Read more »
Klaus Grünseich
Gast

Allen Worten aller Kommentare ist nichts hinzuzufügen!

Melanie Lazzeri
Gast
Melanie Lazzeri

Was ist mit Evo Morales? Der ist links und keinen Deut besser.

Georg Lindic
Gast
Georg Lindic
So Recht sie auch bei der Beschreibung der aktuellen Situation und der dafür Verantwortlichen haben mögen, Herr Gebauer, so wenig werden sie daran etwas ändern können, indem sie eine Extremposition wie den Veganismus vertreten. Der Mensch ist ein Allesfresser und konnte sich nur dadurch so weit entwickeln. Die Entwicklung veganer Ernährungsweisen kann vielleicht eine Lösung sein, wenn man weiterhin untätig zusehen will, wie die Menschheit immer stärker wächst und allen anderen Ablebensformen die Ressourcen wie Land, Wasser und Luft streitig macht. Meiner Auffassung nach sind drei Milliarden Menschen für die Erde mehr als genug, und wenn wir als Spezies langfristig… Read more »
Klaus Grünseich
Gast

„Die Mehrheit der gewöhnlichen Bevölkerung versteht nicht was wirklich geschieht. Und sie versteht noch nicht einmal, dass sie es nicht versteht.“ – Professor Dr. Noam Chomsky

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[…] Entsprechend ist es für die vegane Bewegung ebenso wichtig, Informationen über die vegane Lebensweise zu verbreiten, wie weltweit entschieden gegen rechtspopulistische und rechtsradikale politische Kräfte der Couleur Donald Trumps zu kämpfen. Dies gilt ebenso für die  vegan-feindliche Klimaleugnungspartei AfD in Deutschland, dem Schweinefleischfetischisten Orban in Ungarn bis hin zum rechtsextremistischen Amazonasbrandstifter Jair Bolsonaro in Brasilien. […]

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