Veganer Marktcheck der Verbraucherzentralen bringt begrenzte Erkenntnisse

Veganer Marktcheck der Verbraucherzentralen bringt begrenzte Erkenntnisse

Ein Marktcheck der Verbraucherzentralen hat in einer Fleißarbeit eine große Anzahl an veganen Fleischersatz-, Wurstersatz- und Milchersatz-Produkten analysiert und auch mit den tierischen "Originalprodukten" verglichen. Damit tritt der neue Marktcheck in die Fußstapfen eines vorherigen Marktchecks der Verbraucherzentrale Hamburg, der noch wesentlich schmaler ausgelegt war.

Die Ergebnisse werden in den Medien vorwiegend unter Überschrift abgehandelt „auch nicht besser als das Original“. In Wirklichkeit bringt der Marktcheck einige interessante Ergebnisse, ist aber insgesamt nicht besonders aussagekräftig:

  • Kritisiert werden teilweise unklare Deklarationen, wobei allerdings selbst eindeutige Bezeichnungen, wie 100 % pflanzlich, als unklar bewertet werden. Kritisiert werden zudem Bezeichnungen, wie „wie Frischkäse“, die tatsächlich den Verbrauchern ja eine wichtige Information über das Produkt, dessen Geschmack und Konsistenz liefern. Positiv ist aber festzustellen, dass die Verbraucherzentralen sich nicht generell gegen Bezeichnungen, wie veganes Schnitzel sperren, sofern deren veganer Charakter klar erkennbar sei. Tatsächlich wäre eine einheitliche Deklaration sicherlich wünschenswert. Derzeit gibt es diese nicht und die gezeigten Produktbeispiele geben keinen Anhaltspunkt, sich um eine „Irreführung“ der Verbraucher durch vegane Produkte Sorgen machen zu müssen. Besorgniserregender sind Irreführungen im Anpreisen tierischer Lebensmittel, die beispielsweise von glücklichen Hühnern sprechen und damit Tierleid vor dem Verbraucher verbergen.
  • Die Ersatzprodukte werden u.A. nach der Lebensmittelampel bewertet, die aber nur eine sehr grobe Analyse nach Fett-, Salz- und Zuckergehalt liefert. Differenziertere Ansätze, die Mikronährstoffe berücksichtigen oder auch mögliche unterschiedliche Auswirkungen von pflanzlichen versus tierischen Makronährstoffen behandeln, werden nicht herangezogen. Immerhin wird in der Ampel  zwischen gesättigten und ungesättigen Fetten differenziert, wobei aber auch diese Unterscheidung letztlich grob ist. Die Ampel kann zu falschen Eindrücken führen. So enthalten Nüsse viel Gesamt-Fett (roter Bereich), sind aber gesund. Sehr viel sinnvoller wäre es beispielsweise, dezidiert schädliche Transfette auszuwerten.
  • Es zeigt sich in der Tat, dass der Salzgehalt von vielen veganen Fleisch-und Wurstersatzprodukte recht hoch ist. Nach neueren Studien gilt ein besonders niedriger Salzkonsum nicht mehr unbedingt als gesund, sondern mag sogar das Sterberisiko ebenso wie eine hoher Salzkonsum erhöhen. Bei moderatem Konsum von Ersatzprodukten, die Gemüse, Obst und Vollkorngetreide nicht ersetzen, sondern nur ergänzen sollen, sind sämtliche untersuchten Produkte bezüglich des Salzgehaltes unproblematisch. Dennoch wäre zu wünschen, dass die Ersatzprodukte ihren Salzgehalt reduzieren, damit sie auch bei hohen Konsummengen weiterhin als unbedenklich gelten können. Eine solche Reduktion des Salzgehaltes würde auch den Ruf der veganen Produkte verbessern.
  • Im Durchschnitt enthalten vegane Alternativen zu Fleisch, Wurst und Milchprodukten weniger Fett und vor allem weniger gesättigte Fette. Es zeigt sich aber eine deutliche Variation bei den Einzelprodukten. Die verschiedenen Produkte können nicht über einen Kamm geschoren werden.
  • Naturgemäß enthalten Fleischersatz und Wurstersatz wenig Zucker. Joghurt auf Pflanzenbasis enthält aber im Durchschnitt auch etwas weniger Zucker als Joghurt auf Milchbasis.
  • Herausgestrichen wird, dass pflanzliche Produkte mehr Zusatzstoffe enthalten, wobei diese Aussage an sich aber wenig aussagekräftig ist, da unter Zusatzstoffen zahlreiche völlig harmlose und natürliche Substanzen fallen. Die Verbraucherzentrale versieht Zusatzstoffe, wie Zitronensäure in pflanzlichen Joghurtprodukten, Verdickungsmittel, wie Agar Agar oder oder aus der Rotalge stammendes Carrageen und andere harmlose Substanzen mit der Warnung „vom häufigen Verzehr ist abzuraten“. Übertrieben ist es ebenfalls nach den mir vorliegenden Informationen, den Zusatz von Konjak als Gelier- und Verdickungsmittel generell als kritisch zu bewerten, wobei in Asien diese Substanz, die aus der Wurzelknolle der Teufelszunge gewonnen wird, seit Jahrhunderten eingesetzt wird. Auch in Glasnudeln ist sie traditioneller Bestandteil. Nur in sehr hohen Dosen, die nicht einmal annähernd in Lebensmitteln erreicht werden, mögen Magen-Darmprobleme oder andere gesundheitliche Schwierigkeiten entstehen. Diese Bewertungen der Verbraucherzentrale gründet  sich auf keinerlei seriöse Forschungen, die aufzeigen würden, dass der Verzehr der inkriminierten Stoffe beim Menschen in diesen Mengen auch mit nur den geringsten möglichen Gesundheitsproblemen verbunden sein könnte. Die kritische Haltung zu diesen auch in Bio-Produkten zugelassenen Zusatzstoffen ist als eine nicht durch wissenschaftliche Fakten begründete Ideologie zu bewerten. Leider erweckt die Verbraucherzentrale damit bei der Öffentlichkeit erneut den Eindruck, vegane Produkte wären besonders künstlich.
  • In 13 veganen Produkten waren Substanzen, wie Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren oder oder Milchsäure, vorhanden tierischen Ursprungs sein können. Nur dreimal war hier die vegane Quelle benannt. Hier sollte bei den Herstellern angefragt werden, ob ihre Produkte tatsächlich vegan sind. Eine bessere Deklaration ist auf jeden Fall erforderlich.

Bewertung

Die Marktanalyse umfasst ein erfreulich breites Spektrum an Produkten. Sie verpasst es aber, zwischen den Produkten von Bio-Herstellern und konventionellen Herstellern zu unterscheiden. Damit geht ein wichtiger Informationswert verloren. Dies ist umso bedauerlicher, als dass Bio-Hersteller ursprünglich die Pioniere veganer Lebensmittel gewesen sind.

Leider werden in der Marktanalyse zentrale Aspekte, wie die ökologischen Auswirkungen der Nutztierhaltung und auch das Aspekt Tierschutz, überhaupt nicht (Ökologie) oder nur minimal (Tierschutz) berücksichtigt. Tierschutz erscheint lediglich insofern in der Analyse, als dass die Angabe der Haltungsform bei vegetarischen Produkten angeblich positiv wäre – aus veganer Sichtweise wird dadurch nur die Illusion vorgespielt, eine ethisch verantwortbare Tierhaltung wäre möglich.

In Anbetracht der negativen Auswirkungen der Nutztierhaltung auf Tierwohl und Ökologie ist der Schritt, der Tierprodukte durch Pflanzenprodukte ersetzt, zu begrüßen. Ersatzprodukte haben deshalb das Potential, die Ausbreitung der veganen Ernährungsweise zu fördern und mögen bei Fleischessern den Fleischkonsum wenigstens senken, auch wenn dies natürlich aus veganer Sichtweise nicht ausreichend ist.

Aus dem Marktcheck der Verbraucherzentralen ergibt sich, dass es wünschenswert wäre, wenn vegane Produkte ihren Salzgehalt teilweise reduzierten. Auch die Deklaration des veganen Charakters aller Zusatzstoffe ist zu fordern. Darüber hinausgehend liefert der Marktcheck der Verbraucherzentralen eher wenig aussagekräftige Erkenntnisse. Die Methodik erlaubt keine weitergehenderen Schlüsse.

Veganer verwenden Ersatzprodukte nach einer  vegan.eu Umfrage übrigens eher sparsam. Wenn sie als Ergänzung und nicht als Ersatz zu einer vollwertigen veganen Ernährung gesehen werden, sind sie nahezu alle unproblematisch. Tatsächlich zeigt die Auswertung der verwandten Zusatzstoffe, dass insbesondere das Gerede von angeblich viel Chemie in veganen Produkten Unsinn ist und die verwandten Zusatzstoff in der Regel natürlich oder mindestens als in der verwandten Menge komplett komplett harmlos zu bewerten sind. Nur leider mag genau dieses Ergebnis bei oberflächlicher Lektüre des Berichts der Verbraucherzentrale nicht deutlich werden.

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2 Kommentare auf "Veganer Marktcheck der Verbraucherzentralen bringt begrenzte Erkenntnisse"

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Martin
Gast
Schade, dass man nicht einmal mehr den Verbraucherzentralen in puncto Objektivität trauen kann. Mal so eine Idee: Man kann sich die vegane Wurst etc. auch in der eigenen Küche machen. Das Geniale daran ist, dass man dann den Salz- und Fettgehalt komplett selbst bestimmen kann. Das kann man bei der konventionellen Wurst aus Leichenteilen normalerweise nicht. Rezepte dazu findet man z.B. in dem Buch: https://www.buecher.de/shop/gu-einfach-clever/wurst-und-kaese-vegan/moeller-hildegard/products_products/detail/prod_id/44067826/ Und noch etwas: Eine vollwertige, selbstgekochte vegane Mahlzeit mit vielen unterschiedlichen Gemüsesorten und kreativ eingesetzten Gewürzen macht glücklich! Wenn man hingegen nur Fertigprodukte zusammenlegt oder gar ein Fertiggericht isst, wird man meiner Erfahrung nach nicht… Read more »
Martin
Gast

Nach diesem Maßstab hätte ich gerne Volldeklarationen auf allen tierischen Produkten – und zwar verarbeitet wie unverarbeitet – die die Rückstände genmanipulierten Futters, die Belastung mit gesundheitlich schädlichen Hormonen, die Antibiotikarückstände etc. sichtbar für den Verbraucher auflisten. Zusätzlich realistischer Darstellungen über die Lebensbedingungen des späteres “Produkts”. Dann erst würde ich solche Untersuchungen von egal welcher Stelle (vielleicht) ernst nehmen.

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