Individuelle Tierrettung – stehen Aufwand und Ergebnis in angemessenen Verhältnis?

Individuelle Tierrettung – stehen Aufwand und Ergebnis in angemessenen Verhältnis?

Für die Kuh Yvonne ist alles gut ausgegangen. Nachdem alle Bemühungen, sie einzufangen, nicht fruchteten und schließlich auch die Abschussgenehmigung aufgehoben wurde, gesellte sie sich selbst zu einer Gruppe von Kälbern und konnte schließlich auf dem Gut Aiderbichl mit Familienangehörigen vereint werden. Den Schlachter braucht sie nicht mehr fürchten.

Das die Berichterstattung der Medien und das Interesse der Öffentlichkeit so lange bei einer einzelnen Kuh verweilten, ist durchaus bemerkenswert. Immerhin konsumiert ein Großteil derjenigen Menschen, die mit für die Rettung der Kuh Yvonne fieberten, Fleisch und Milch und trägt damit objektiv dazu bei, dass viele andere Yvonnes nicht ihr natürliches Lebensalter erreichen, sondern am Ende beim Schlachter landen.

Auch aus tierschützerischer Sicht wird der Einsatz für solche Einzeltiere aber teilweise kritisiert, so auf diesem Vortrag von Mahi Klosterhalfen von der Albert Schweitzer Stiftungauf der Veggie World 2012 in Düsseldorf, wo - neben vielen sehr unterstützenswerten Aspekten - argumentiert wird, dass mit dem gleichen Mitteleinsatz vielmehr Tieren geholfen werden könnte, wenn die Ressourcen auf die Veränderung unserer Ernährungsgewohnheitenfokussiert würden. Die Kosten-Nutzen-Analyse sei so letztlich negativ.

Vegan lebende Menschen mögen es außerdem, unabhängig von der Kosten-Nutzen-Analyse, als Ausdruck von Heuchelei abtun, wenn sich die Gesellschaft aus mehrheitlich nicht vegan lebenden Menschen plötzlich für Einzeltiere einsetzt.

Beide Argumentationen, die Kosten-Nutzen-Analyse wie auch die Abwertung als Heuchelei, verkennen aber das Potential, welches in solchen Rettungsaktionen von Einzeltieren zum Ausdruck kommt und welches tatsächlich für die Anregung darüber hinausgehender Veränderungen von Lebensstil und Ernährung nutzbar gemacht werden könnte:

Indem die Aufmerksamkeit auf ein einzelnes, seinen Freiheits- und Lebenswillen zeigendes Tier gelenkt wird, wird den Menschen noch einmal bewusst, dass es sich hier um empfindende Wesen handelt. Dies kann Prozesse der Anteilnahme und Empathie verstärken und dadurch, insbesondere wenn dies geschickt vermittelt wird,weitergehende Verhaltensänderungen begünstigen. Oftmals haben Menschen mit Einsatz für Einzeltiere begonnen, bevor sie ihren Fleischkonsum reduzierten, zu Vegetariern wurden und schließlich die vegane Lebensweise für sich annahmen.

Mit der Rettung einzelner Tiere wird deutlich gemacht, dass das einzelne Leben zählt. Die Implikation lautet: So wie der einzelne Mensch zählt und nicht nur eine anonyme Gruppe oder ein maximierter Gesamtnutzen, so zählt auch das einzelne Tier. [gt]Der Einsatz für ein einzelnes Lebenist aus dieser Sichtweise am besten geeignet, um hiervon ausgehend auf ein gesellschaftliches Gesamtproblem hinzuweisen. Denn wenn wir uns für ein einzelnes Tier einsetzen, seinen Lebenswillen erkennen und respektieren, dann werden wir auch gut erreichbar sein für die Notwendigkeit, das Problem zu lösen, dass Abermillionen anderer Tiere nicht das Glück dieses einzelnen Tieres haben, sondern wir ihnen wegen unserer Ernährung das Lebensrecht absprechen.

„Das eine tun und das andere nicht lassen“, also einzelnen Tiere zu helfen und gerade von dieser Basis aus gesellschaftliche Aufklärungsarbeit zu leisten, dürfte nicht nur die im positiven Sinne humanste, sondern auch die effektivste Methode des Tierschutzes sein.

Veganer leisten durch ihre vegane Lebensweise bereits einen enormen Beitrag für die Aussicht auf eine künftige Verminderung des Tierleides. Dies sollte aber vegan lebende Menschennicht daran hindern sollte, sich zusätzlich für einzelne Tiere einzusetzen, wodurch sie gleichzeitig derzeit noch nicht vegan lebendeMenschen für die Sache des Tierschutzes gewinnen und dadurch bei ihnen auch Lebensstiländerungen anregen können.

Übrigens setzt sich gerade eine Facebook-Gruppe engagierter Menschen für die Rettung mehrerer Kälber ein. Um Unterstützung wird herzlich gebeten: https://www.facebook.com/groups/493400697355227/members/

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5 Kommentare auf "Individuelle Tierrettung – stehen Aufwand und Ergebnis in angemessenen Verhältnis?"

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maren v neram
Gast

habt vielen dank fuer die erwaehnung 🙂 ich finde den artikel super formuliert…gelassen und praezise ausgedrueckt…toll!

Ulrike V Heidak
Gast

Die positive Kraft des Helfens und warum das tierische Einzelschicksal politisch ist in wenigen Wort mit sachlicher Freundlichkeit dargelegt. Danke.

Nicola Boysen-Ahlers
Gast

Vielen Dank für diesen tollen Artikel und der Mithilfe für "unsere" Kälbchen!

Peter
Gast

Vielen Dank für diesen hervorragenden Artikel … 🙂

Evette Schröder
Gast

Vielen Dank für diesen tollen Artikel und Ihre Mithilfe für unsere KälberRettung Segeberg.

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