Tierliebe und unsere Ernährung

Tierliebe und unsere Ernährung

Wir Menschen haben ein merkwürdiges Verhältnis zu Tieren: Wir halten sie in Not und Elend, beuten sie aus, transportieren sie unter Qualen über lange Strecken zum Schlachthaus, wo sie unter Angst und Schrecken sterben müssen. Aber wir setzen uns auch für sie ein, veranstalten Spendenaktionen für kranke Tiere, retten Tiere aus Gefahrensituationen, geben manchmal ein Vermögen für unsere Haustiere aus und blicken mit Verachtung auf Tierquäler.

Der erste Art unseres Umganges mit Tieren findet - vor den meisten Menschen mehr oder weniger verborgen (aber wir machen auch gerne unsere Augen zu) – täglich in den Stätten unserer modernen Landwirtschaft und Schlachtanlagen statt, aber auch in den Tierversuchslabors der pharmazeutischen, kosmetischen und chemischen Industrie und an vielen anderen Orten.

Für den zweiten Umgang des Menschen mit dem Tier gibt es gerade wieder ein neues Beispiel: Der Hund Shoep aus Wisconson (USA) leidet an einer rheumatischen Arthritis mit großen Schmerzen. Zur Linderung dieser Schmerzen geht er regelmäßig mit seinem menschlichen Kompagnion baden. Es bedurfte nur eines bei Facebook eingestellten Fotos der zwei, umHundertausende „Gefällt mir“ und „Teilen“-Aktionen zu generieren. Es entwickelte sich eine Spendenaktion, in deren Verlauf mehr als 25000 Dollar zur Behandlung des Hundes, dem es mittlerweile offenbar deutlich besser geht,gespendet wurden. Die „Shoep Legacy Foundation“ setzt dieses Geld nunmehr auch für die medizinische Behandlung anderer Tiere ein.

Würde man den menschlichen Kompagnion von Shoep, die Fotografin, die Medienleute und die Spender befragen, wohl kaum einer von ihnen würde sagen, vegetarisch oder gar vegan zu leben. Dennoch würde wohl jeder sagen, Tiere zu lieben.

„So eine Heuchelei“, mag die erste Reaktion vegan lebender Menschen sein, wenn sie von derartigen Fällen von Tierliebe lesen. DieseBewertung ist verständlich, sie übersieht aber die Möglichkeiten, die sich aus solcher Tierliebe für die Verbreitung der veganen Lebensweise ergeben:

Die universal zu beobachtende Tierliebe des Menschen macht deutlich, dassdie Menschen sehr wohl zwischen Tieren und Sachen unterscheiden können. Sie sind dazu in der Lage, Gefühle für Tiere zu entwickeln. Menschen können sich gegenüber Tieren altruistisch verhalten und dies Verhalten wird auch gesellschaftlich geschätzt.

Zwischen der Tierliebe der Menschen und ihrer Missachtung der basalen Rechte von Tieren auf Unversehrtheit bei ihrer Ernährung besteht eine Dissonanz. Den geliebten Einzeltieren stehen die weit mehr als 1000 Milliarden Fische und 63 Milliarden Säugetiere und Vögel gegenüber, die wir jährlich für unseren Konsum opfern.

Diese Dissonanz wird wohl ständig ausgeblendet, sie kann aber Menschen bewusst gemacht werden. Menschen können verstehen, dass sie die Missachtung des Tieres täglich fortsetzen, wenn sie die Ergebnisse der Nutztierhaltung und –schlachtung verspeisen. Sie haben gelernt, dies als selbstverständlich zu akzeptieren, sie sind aber in der Lage, diese Bewertung zu verändern, wenn sie den logischen Fehler erkennen.

Je tierlieber Menschen sind, desto eher werden sie erreichbar sein für die vegane Argumentation, dass es keinen Sinn macht, alles für bestimmte Einzeltiere zu tun und gleichzeitig Tieren in Milliarden-Anzahlen jährlich das Leben zu nehmen.

Die Tierliebe, wie sie auch in der Boulevard Presse in hoch naiv anmutender Art immer wieder in der Vordergrund gestellt wird, sollten wir als Veganer insofern nicht zurückweisen, sondern an sie anknüpfen, um so zu einer weiteren Verbreitung der veganen Lebensweise beizutragen und damit das Maximale zu tun, um so viele wie es nur geht der durch den Menschen geschundenen Tiere zu retten.

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