Milch schützt nicht vor Knochenbruch

Milch schützt nicht vor Knochenbruch

Wer kennt sie nicht, die sich seit Jahrzehnten wiederholende Aussage, Milch sei gut für die Knochen?

Eine aktuelle im Fachjournal BMC Public Health veröffentlichte Studie kommt zu einem anderen Ergebnis. Demnach schützt nicht die Milch die Knochen, sondern probiotische Bakterien, die nicht zur Milch gehören und ebenso in veganen Lebensmitteln enthalten sein können.

Hauptergebnisse

In der Metaanalyse wurden alle verfügbaren Studien zur Häufigkeit von Hüftbrüchen ausgewertet, die definierten methodischen Mindestansprüchen genügten.

Es ergaben sich folgende Ergebnisse:

  • reine Fallkontroll-Studien, die Personen mit Hüftbruch mit Personen ohne Hüftbruch verglichen auf der Basis einer Befragung zu ihrem früheren Ernährungsverhalten, stützen die Annahme, dass Milchkonsum das Risiko eines Hüftbruches reduzieren könnte
  • methodisch wesentlich stringentere Kohortenstudien, die Personen im Zeitverlauf beobachteten und das Auftreten von Hüfbrüchen in Abhängigkeit von Milchkonsum im Längsschnitt untersuchten, fanden keinen Schutzeffekt der Milch
  • die Diskrepanz der Ergebnisse zwischen reinen Fallkontroll-Studien und Kohortenstudien spricht für ein methodisches Artefakt in den Ergebnissen der Fallkontroll-Studien. Hierfür spricht auch - wie die Autoren ausführen - dass die rückwirkende Befragung zu Milchkonsum bezüglich der Vergangenheit (wie sie in Fallkontroll-Studien stattfindet) oft unzuverlässig sind, die Antworten sich teilweise auf den aktuellen Konsum beziehen, wobei Personen nach Hüftbrüchen (aus welchen Gründen auch immer) dazu neigen, ihren Milchkonsum zu reduzieren.
  • insgesamt ergeben sich insofern keine wissenschaftlich belegten Hinweise dafür, dass Milchkonsum gut für die Hüftknochen ist und vor einem Hüftbruch schützen könnte
  • allerdings gelangen die Autoren ebenfalls zu dem Ergebnis, dass spezifisch für Joghurt und Käse tatsächlich eine moderate Reduktion des Risikos von Hüftbrüchen nachweisbar ist. Diese für Joghurt und käse erkennbare Schutzwirkung ergebe sich jedoch nicht aus der natürlichen Zusammensetzung der Milch - oder aus dem Kalzium in der Milch - sondern aus den Probiotika, die Joghurt und Käse enthalten. Für Probiotika sei eine Knochen-schützende Wirkung nachgewiesen.

Was ist aus den Ergebnissen zu schließen?

Jahrzehntelanger Forschung ist es nicht gelungen, einen schlüssigen Beleg dafür zu liefern, dass Milch aufgrund ihrer natürlichen Bestandteile eine Knochen-schützende Wirkung entfaltet.

Es spricht sicherlich auch vor dem Hintergrund des großzügigen Sponsorings von Studien durch die Milchindustrie noch einmal verstärkt gegen das mögliche Bestehen einer solchen Schutzwirkung, dass keinerlei überzeugender Beleg geliefert werden konnte.

Die bereits Kindern ab dem Kindergartenalter eingetrichterte Behauptung, dass Milch gut für die Knochen sei, ist insofern in den Bereich der Mythen zu verweisen.

Trotzdem besteht die Sachlage, dass Joghurt und Käse sich nach der vorliegenden Auswertung tatsächlich günstig auswirken. Allerdings ergibt sich dieser Schutzeffekt eben nicht aufgrund der Milch an sich, sondern offenbar aufgrund der Probiotika, die Joghurt und Käse enthalten.

Bei Probiotika handelt es sich um Stämme von Bifidobakterien, Enterococcus, Lactobacillus, Lactococcus oder anderen Bakterien, die das Immunsystem unterstützen und die Darmflora verbessern können. Diese Probiotika sind offenbar tatsächlich gut für die Knochengesundheit.

Probiotika gehören nicht zu den natürlichen Bestandteilen von Milch und sind entsprechend auch nicht an Milchprodukte gebunden. Sie sind genauso enthalten in Sojajoghurt, Sauerkraut, sauren Gurken, Tempeh, Kimchi oder Miso.

Auch vegan lebende Personen können sich also reichlich mit Probiotika versorgen, was sicherlich empfehlenswert ist. Ein oft Rückgriff auf Joghurt oder Käse aus Tiermilch, welche mit Tierleid und Umweltschädigung verbunden sind, ist nicht notwendig.

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