Elektrobetäubung beim Schlachten ist grausam und inhuman

Elektrobetäubung beim Schlachten ist grausam und inhuman

Das Mitteilungsblatt der Fleischforschung Kulmbach hat uns erneut auf die Problematik der Elektrobetäubung von Nutztieren vor ihrer Schlachtung hingewiesen:

Bei der betäubungsbasierten Schlachtung von Tieren wird meistens die Elektrobetäubung angewandt. Diese wird, wenn sie direkt vor dem Tod durch Ausbluten angewandt wird, als eine humane Tötungsmethode betrachtet. Ausgegangen wird davon, dass durch die Elektrobetäubung ein epileptischer Anfall ausgelöst wird, der sofort das Bewusstsein ausschaltet. Erfolgt unmittelbar während dieses Zustandes eine zügige Entblutung, sollte das betreffende Tier keine Schmerzen erleiden.

Diese Theorie hat allerdings keineswegs für jede einzelne Elektrobetäubung Gültigkeit, wie nunmehr die beiden Wissenschaftler Zivostofsky und Strous (2011) im Journal Meat Science durch einen systematischen Vergleich mit der sogenannten unmodifizierten Elektrokrampftherapie beim Menschen aufzeigen.

Die unmodifizierte Elektrokrampftherapie, die früher regelmäßig bei Schizophrenien,Manien und Depressionen angewandt wurde, entspricht in ihrem Vorgehen und in den elektrischen Parametern im wesentlichen der heutigen Elektrobeträubung bei der Schlachtung von Nutztieren.Diese unmodifizierte Form der Elektrokrampftherapie, die ohne Narkose und ohne Muskelrelaxantien abläuft, wird heute jedoch mindestens in westlichen Industrieländern nicht mehr verwendet, da sie mit zahlreichen Komplikationen verbunden ist, die zu erheblichem Leid führen können. Unter anderem kann es bei Fehlplazierung der Elektroden, aber auch bei korrekter Plazierung der Elektroden, zu einer elektrischen Stimulation unterhalb der Krampfschwelle kommen, die zu einem äußerst schmerzhaften Immobilisationszustand führt.

Die Autoren führen aus, dass derartige leidbesetzte Immobilisationszustände auch bei der Schweineschlachtung regelmäßig bei Fehlplazierung wie auch bei korrekter Plazierung der Elektroden vorkommen. Dies halten die Autoren selbst bei optimaler Handhabung für nicht vermeidbar, wobei sie erschreckenderweise zu der Bewertung gelangen, dass eine Schlachtung bei schmerzhaftem Immobilisationszustand weniger human sei als eine betäubungslose Schlachtung durch Ausbluten.

Explizit verweisen die Autoren daher auf die Sachlage, dass heute eine Elektrokrampftherapie beim Menschen nur unter Betäubung und Sedierung für akzeptabel gehalten wird und andernfalls als grausam und inhuman zu klassifizieren sei. Diese Bewertung gilt nach den Autoren sachlogisch ebenso für die Schlachtung von Tieren.

Um einem Missverständnis dieses Artikels bei vegan.eu hier vorzubeugen:

Natürlich ist die betäubungslose Schlachtung keine Alternative, sondern erhöht im Gegenteil das Leid für die große Mehrheit der Tiere. Dennoch ist aber eine Schlachtung mit Elektrobetäubung nicht als human zu betrachten, weil sie für eine Minderheit der Tiere zu einem Schmerzexzess führt, der sogar noch über dem durch eine betäubungslose Schlachtung erzeugten Leid liegt. Wenn wir aber davon ausgehen, dass das Leid des einzelnen Tieres zählt, ist es widersinnig, einer derartigen Betäubungsform einen humanen und nicht-grausamen Charakter zuzusprechen. Für einen Teil der Tiere ist diese Betäubungsart vielmehr wie eine Operation ohne Narkose zu bewerten.

Viele Fleisch essende Menschen, die sich durchaus als tierlieb verstehen, gehen von der Vorstellung der leidfreien und humanen Tötung der Tiere aus, die sie essen. Diese Vorstellung ist aber in Wirklichkeit eine Illusion, die mit wissenschaftlichen Methoden selbst bei optimaler Handhabung nicht umsetzbar ist. Dies gilt auch für das Fleisch angeblich glücklicher Bio-Tiere, die den gleichen Schlachtmethoden ausgesetzt sind, und für die das Risiko eines extrem schmerzhaften Todes sogar im Vergleich zu konventionell gehaltenen Tieren erhöht ist aufgrund der Präferenz der Bio-Betriebe für kleine Schlachthöfe, wo aufgrund mangelnder automatischer Betäubungsführung die Rate der Fehlbetäubungen erhöht ist.

Aus tierrechtlicher und veganer Sichtweise ergibt sich, dass nur durch einen Verzicht auf Fleisch die extremen Schmerzen, die beim Schlachten von Tieren auftreten können, vermieden werden können. Es ist zu vermuten, dass wohl nur sehr wenige Menschen ihrem Haustier einen Tod zumuten würden, wie er für die ebenso leidensfähigen Nutztiere tagtägliche Realität ist.Es bedarf daher noch mehr Aufklärung, um die Auswirkungen der Desinformation der Verbraucher durch die Tierausbeutungsindustrie aushebeln zu können.

Für jeden im positiven Sinne human gesinnten und tierlieben Menschen ist die gute Nachricht, dass vegan zu leben eine umsetzbare und gleichzeitig sogar gesunde Möglichkeit ist, um dem Tierleid in den Schlachthöfen ein Stopp-Schild zu setzen.

Quelle:

Zivotofsky, A.Z., [&] Strous, R.D. (2012) A perspective on the electrical stunning of animals: are there lessons to be learned from human electro-convulsive therapy (ECT)? Meat Science, 90(4): 956-61

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3 Kommentare auf "Elektrobetäubung beim Schlachten ist grausam und inhuman"

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Ingeborg Kreutzberg-Rothmann
Gast

"Human" ist diese Folter! Wenn Sie den Film "Earthlings" anschauen . . . "Human" zu sein ist eben meistens leider unbewusst und grausam ignorant, nur auf eigenen "Genuss" fixiert, der sich dann später in Form von Zivilisatose und zum Teil schon im Mutterleib erkranken Säuglingen rächt . . .

Thomas Schneider
Gast

Bitte diese Tiere einfach für immer in Ruhe lassen!!!

Ronny
Gast
Der Mensch ist das grausamste Monster überhaupt , da ist jeder Kannibale Gold dagegen .Selbst ein sogenannter Biobauer der sich feige hinter einen schmuckvollen Namen versteckt ist ein kleiner Schei… Feigling der nichts anderes kann , als unschuldige Wesen liebevoll dem Schlachter zuzufüttern .Soetwas kann niemals normal und gesund sein . Schau ich mir die meisten fetten Landfrauen an dann frag ich mich wo bei solchen Monstern Geist und Seele sitzen soll , wahrscheinlich unter der Fettschütze . Leider gibt es auch kein Mitleid mehr für Menschen , auch nicht für die ärmsten , den gerade sie tun sehr viel… Read more »
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