Was sind die echten Motive für die vegane Lebensweise?

Was sind die echten Motive für die vegane Lebensweise?

Was Veganer:innen antreibt – Ergebnisse der großen Vegan-Umfrage 2025

Dies ist der zweite Teil der Auswertung unserer großen Vegan-Umfrage 2025. Viele weitere Teile werden folgen – voraussichtlich in etwa dreiwöchigem Abstand.

In diesem Artikel geht es um die Motive für die vegane Ernährungsweise, und hier zeigen sich spannende Befunde:

  • Die Umfrage macht deutlich, dass das tierethische Motiv dominiert, aber auch ökologische und gesundheitliche Gründe eine Rolle spielen. Alle anderen möglichen Gründe nehmen hingegen nur eine untergeordnete Bedeutung ein – jedenfalls im deutschsprachigen Raum, auf den sich die Umfrage bezieht.
  • Strukturell lassen sich die verschiedenen möglichen Gründe auf drei fundamentale Komponenten verdichten: die tierethische Orientierung, die ökologisch-politische Haltung sowie den Gesundheits- und Körperaspekt.
  • Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland oder auch der Rekrutierungskanal der Umfrage spielen hinsichtlich der Ausprägung dieser Motivdimensionen nur eine geringe Rolle.

Während Veganer:innen insgesamt viele Gemeinsamkeiten aufweisen, lassen sich auch Unterschiede feststellen.:

  • Die statistische Auswertung zeigt, dass Veganer:innen anhand ihrer Motive für die vegane Lebensweise in vier Gruppen eingeteilt werden können – darunter eine sehr kleine Gruppe von etwa sieben Prozent, für die Tierethik kaum eine Rolle spielt.

An der Umfrage nahmen insgesamt 2100 Veganer:innen teil. Unter ihnen befanden sich 620 Männer (29,5 %), 1379 Frauen (65,7 %) und 101 nicht-binäre Personen (4,8 %). Das Alter der Befragten reichte von 18 bis 84 Jahren, das Durchschnittsalter lag bei 41,4 Jahren.

Einbezogen wurden nur Personen, die ihre Ernährungsweise als vegan bezeichneten und zudem in den nachfolgenden Einzelabfragen jeweils angaben, darauf zu achten, kein Fleisch, keinen Fisch, keine Eier und keine Milchprodukte zu konsumieren.

Detaillierte Informationen zur Stichprobe können in der ersten Veröffentlichung zu den politischen Einstellungen von Veganer:innen nachgelesen werden, in der sich zeigte, dass Veganer:innen sich in ihren politisch-gesellschaftlichen Einstellungen fundamental von der Allgemeinbevölkerung unterscheiden.

Der Artikel musste heute fertiggestellt werden. In den nächsten Tagen werden wir ein Inhaltsverzeichnis mit Sprunglinks hinzufügen und einige kleinere Ergänzungen vornehmen.

  • Habt Ihr eine Meinung zu den Ergebnissen? Schreibt sie uns unten in die Kommentare!

Ergebnisse: Die Motive von Veganer:innen

Häufigkeit der Gründe für die vegane Lebensweise

Wir baten die Teilnehmenden, aus den folgenden neun vorgegebenen Gründen diejenigen anzukreuzen, die sie als wichtige Beweggründe für ihre vegane Lebensweise betrachten:

  • Tierethische Gründe
  • Ökologische Gründe
  • Gesundheitliche Gründe
  • Sozial-politische Motive
  • Ästhetisch-geschmackliche Gründe
  • Fitness-Motive
  • Gewichtsabnahme
  • Einflüsse durch andere Personen
  • Religiöse Gründe

In Tabelle 1 ist dargestellt, wie häufig diese neun Gründe jeweils von den Befragten bejaht wurden:

Tabelle 1: Häufigkeit der Nennung einzelner Gründe für die vegane Lebensweise
(N = 2100; Bootstrap-Konfidenzintervalle basierend auf 1000 Replikationen, 95 %-Konfidenzintervall)

Grund

Anteil (%)

95 %-Konfidenzintervall

Tierethische Gründe

97,9

97,3 – 98,5

Ökologische Gründe

81,7

80,1 – 83,4

Gesundheitliche Gründe

58,8

56,6 – 61,1

Sozial-politische Motive

52,3

50,2 – 54,4

Ästhetisch-geschmackliche Gründe

19,8

18,2 – 21,6

Fitness-Motive

14,5

12,9 – 16,0

Gewichtsabnahme

6,8

5,7 – 7,8

Einflüsse durch andere Personen

5,0

4,1 – 6,0

Religiöse Gründe

4,2

3,4 – 5,1

 

Dies sind die relevanten Erkenntnisse, die in der Tabelle abgebildet werden:

  • Sofort erkennbar ist die nahezu universale, überwältigende Zustimmung zu tierethischen Gründen, die von 97,9 % der Befragten genannt wurden.
  • An zweiter Stelle folgt der Umwelt- und Ökologieaspekt, den 81,7 % der Befragten nannten.
  • Mit deutlichem Abstand, aber dennoch von einer Mehrheit genannt, schließen sich gesundheitliche Gründe mit 58,8 % und sozial-politische Motive mit 52,3 % an.
  • Wesentlich seltener, aber weiterhin von einer nennenswerten Minderheit vertreten, sind ästhetisch-geschmackliche Gründe (19,8 %,) und Fitness-Motive (14,5 %).
  • Nur noch vereinzelt nannten Befragte Gewichtsabnahme (6,8 %), Einflüsse durch andere Personen (5,0 %) oder religiöse Gründe (4,2 %).

Damit zeigt sich jedenfalls in dieser Abfragemethode ein deutlicher Schwerpunkt der veganen Lebensweise auf Tierethik und Ökologie, während Gesundheit und Gesellschaftsaspekte ergänzend, aber in geringerem Maße relevant sind.

Beweggründe wie Fitness, Ästhetik, Gewichtsabnahme oder soziale Einflüsse spielen hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Religiöse Gründe sind eine absolute Seltenheit.

Zahl der angegebenen Gründe

Ist es für die meisten nur ein Grund, aber werden typischerweise mehrere Gründe für die vegane Lebensweise angegeben? Um dies zu beantworten, haben wir ausgewertet, wie viele Gründe im Durchschnitt angegeben werden und wie sich diese Anzahl an Gründen verteilt.

Tabelle 2 zeigt die prozentuale Häufigkeit der angegebenen Zahl an Gründen:

Tabelle 2: Anzahl der angegebenen Gründe für die vegane Lebensweise
(N = 2100; Bootstrap-Konfidenzintervalle, 1000 Replikationen, 95 %-Konfidenzintervall)

Anzahl genannter Gründe

Anteil (%)

95 %-Konfidenzintervall

1 Grund

9,8

8,5 – 11,1

2 Gründe

14,5

13,0 – 16,1

3 Gründe

29,9

27,9 – 31,8

4 Gründe

25,7

23,9 – 27,5

5 Gründe

13,4

12,0 – 15,0

6 Gründe

4,9

4,0 – 5,9

7 Gründe

1,4

1,0 – 2,0

8 Gründe

0,3

0,1 – 0,6

9 Gründe

0,1

0,0 – 0,2

 

Es zeigen sich folgende Befunde:

  • Die Teilnehmenden gaben im Durchschnitt 3,41 Gründe für ihre vegane Lebensweise an. Die Schwankungsbreite variierte zwischen einem und neun Gründen.
  • 9,8 % nannten nur einen Grund, 14,5 % zwei, 29,9 % drei und 25,7 % vier Gründe. Weitere 13,4 % nannten fünf Gründe, 4,9 % sechs, 1,4 % sieben, 0,3 % acht und 0,1 % neun Gründe.

Es wird also deutlich, dass die meisten Befragten zwischen zwei und vier Gründe auswählten, während eine größere Zahl von Motiven nur selten vorkam.

Die Verteilung ist jedoch nicht symmetrisch, es gibt also mehr Personen, die weniger Gründe als Personen, die mehr Gründe als die durchschnittliche Anzahl angaben.Eine Häufung findet sich auch bei der geringstmöglichen Anzahl an anzugebenden Gründen, nämlich bei nur einem Grund:

  • Fast jede zehnte befragte Person nannte sogar nur einen einzigen Grund für ihre vegane Lebensweise.

Welchen Grund geben diejenigen an, die tatsächlich nur einen einzigen Grund für ihre vegane Lebensweise anführen? Dies haben wir im Folgenden untersucht.

Hauptgrund für die vegane Lebensweise

In einer anderen Aufgabe wurden die Teilnehmenden gebeten, aus den identischen neun vorgegebenen Gründen, nur einen Hauptgrund auszuwählen.

Würden sich nun die Angaben über die verschiedenen Gründe verteilen oder sich bei einem Grund tatsächlich dominantem Hauptgrund konzentrieren?

Das Ergebnis wird in Tabelle 3 dargestellt:

Tabelle 3: Hauptgrund für die vegane Lebensweise (nur ein Grund durfte genannt werden)
(N = 2100; Bootstrap-Konfidenzintervalle, 1000 Replikationen, 95 %-Konfidenzintervall)

Hauptgrund

Anteil (%)

95 %-Konfidenzintervall

Tierethik

83,8

82,5 – 85,0

Ökologie

6,8

5,9 – 7,8

Gesundheit

5,8

5,0 – 6,7

Sozial-politisch

2,2

1,6 – 2,8

Andere

1,4

1,0 – 1,8

 

Es wird eindeutig ersichtlich:

  • Wird ein Hauptgrund erzwungen, nennen 83,8 % Tierethik, 6,8 % Ökologie, 5,8 % Gesundheit und 2,2 % sozial-politische Gründe. Alle anderen Beweggründe spielen praktisch keine Rolle.

Zwar benennen Veganer:innen also bei Auswahl oft mehrere Gründe, tatsächlich scheinen sich die ausschlaggebenden Gründe aber auf Tierrechte und in geringerem Ausmaß auf Ökologie und Gesundheit zu verdichten.

Motiv-Erfasung mit validiertem Fragebogen

Zur genaueren Differenzierung wurde das Vegetarian Eating Motives Inventory eingesetzt, ein wissenschaftlich entwickelter, Fragebogen, der die drei Hauptmotive Tierethik, Ökologie und Gesundheit mit jeweils mehreren Items erfasst.

Die Antworten erfolgten auf einer siebenstufigen Skala von „völlig unwichtig“ bis „sehr wichtig“. Die Fragen wurden von uns zuvor ins Deutsche übersetzt.

Tabelle 4 zeigt die durchschnittlichen Skalenwerte für Tierethik, Ökologie und Gesundheit. Zur Interpretation ist zu berücksichtigen, dass der maximal mögliche theoretische Mittelwert 7 ist, der minimal mögliche 1.

Tabelle 4: Durchschnittliche Wichtigkeit der drei zentralen Motive für die vegane Lebensweise
(N = 2100; Bootstrap-Konfidenzintervalle, 1000 Replikationen, 95 %-Konfidenzintervall, Skala 1–7, maximal theoretich möglicher Mittelwert daher 7)

Motiv

Mittelwert

95 %-Konfidenzintervall

Tierethik

6,81

6,79 – 6,84

Ökologie

6,27

6,23 – 6,32

Gesundheit

5,10

5,03 – 5,17

 

Der Vergleich der Mittelwerte zeigt eine klare Rangordnung:

  • Tierethik wird signifikant höher bewertet als Ökologie und Gesundheit & Körper, und auch Ökologie liegt signifikant über Gesundheit & Körper. Damit zeigt sich, dass die tierethische Motivation der dominante Beweggrund der veganen Lebensweise ist, aber auch das ökologische Motiv stark ist.
  • Das tierethische Motiv erreicht mit im Durchschnitt 6,81 fast den theoretisch möglichen Maximalwert von 7. Tierethik ist demnach für alle Veganer:innen in hohem Ausmaß wichtig. Ökologie hat einen geringeren Wert, aber auch hier ist der erreichte Mittelwert bemerkenswert hoch.
  • Veganer:innen legen typischerweise ebenfalls Wert darauf, aus gesundheitlichen Gründen vegan zu essen, aber der Wert von 5,10 ist erheblich geringer als der tierethische Wert von 6,81.Das gesundheitliche Motiv liegt ebenfalls im Zustimmungsbereich und entsprechend oberhalb des inhaltlichen Mittelpunktes der Skala. Es ist aber eben nicht so universell ausgeprägt vorhanden wie das tierethische Motiv.

Strukturelle Zusammenhänge zwischen den erhobenen Motivvariablen

Um ein Gesamtbild der Zusammenhänge zwischen den erhobenen Motiven zu gewinnen, wurde eine Hauptkomponentenanalyse mit optimaler Skalierung (CATPCA) durchgeführt.

Die optimale Skalierung bedeutet, dass die ursprünglichen Antwortkategorien jeder Variablen so transformiert werden, dass die Zusammenhänge zwischen den Variablen möglichst gut wiedergegeben werden. Dadurch kann das Verfahren auch mit ordinalen oder nominalen Variablen arbeiten, die keine metrische Struktur aufweisen.

Die Variablen wurden je nach Skalenniveau unterschiedlich behandelt:

  • Die Angaben zum Hauptgrund für die vegane Lebensweise (nur ein Grund konnte ausgewählt werden) wurden als nominale Variable kodiert, da es sich um eine kategoriale Auswahl ohne innere Reihenfolge handelt. Nominal zu behandeln waren auch die Mehrfachauswahlen durch Checkbox aus den 9 vorgegebenen Gründen für die vegane Lebensweise.
  • Die einzelnen Motivvariablen aus dem Vegetarian Eating Motives Inventory wurden als ordinale Variablen eingestuft, da die Skalen eine geordnete, aber nicht metrisch gleiche Abstufung der Wichtigkeit darstellen.

Inhaltliche Befunde

Die Analyse verdichtete die erhobenen Variablen auf drei übergeordnete Dimensionen.

Tabelle 5 zeigt die rotierte Ladungsmatrix (Varimax, Kaiser-Normalisierung).

Eine Ladung beschreibt den Beitrag einer einzelnen Variablen zur jeweiligen Komponente, also die Stärke und Richtung, mit der die Variable mit der Dimension zusammenhängt. Hohe positive oder negative Ladungen zeigen eine starke (positive oder negative) Zugehörigkeit an, während Werte nahe null eine geringe Beziehung bedeuten.

In der Interpretation wurden nur Ladungen ab 0,30 berücksichtigt, da kleinere Zusammenhänge als inhaltlich unbedeutend gelten.

Tabelle 5: Dreidimensionale Struktur der veganen Motive (CATPCA)
(N = 2100; Rotation = Varimax mit Kaiser-Normalisierung; Quelle der Werte: Rotated Component Loadings, relevant sind nur Ladungen mit einem Betrag von 0.30 oder größer)

Variable
Tierrechte
Gesundheit/Körper
Ökologie & Politik
Tierrechte (VEMI)
.782
.026
-.034
Tierrechte versus andere Gründe
.703
.259
-.055
Tierrechte – Mehrfachauswahl
.681
-.035
.162
Gesundheit (VEMI)
.088
.796
.027
Gesundheit – Mehrfachauswahl
.011
.737
.164
Fitness – Mehrfachauswahl
-.183
.621
-.001
Ästhetik – Mehrfachauswahl
-.074
.418
.158
Gewicht – Mehrfachauswahl
-.297
.404
-.064
Ökologie – Mehrfachauswahl
.019
.120
.801
Politik – Mehrfachauswahl
-.083
-.034
.736
Ökologie (VEMI)
.161
.347
.597
Soz. Einfluss - Mehrfachauswahl
-.377
-.144
.209
Religion – Mehrfachauswahl
–.191
.100
–.030

VEMI = Skalen aus dem Vegetarian Eating Motives Inventory, Mehrfachauswahl = Aufgabe, aus 9 Gründen eine beliebige Anzahl relevanter Gründe zu benennen, Tierrechte versus andere Gründe = umtransformierte (optimal skalierte) Variable, die den Hauptgrund Tierrechte (es durfte nur ein Grund ausgewählt werden) gegen alle anderen Gründe stellt.

Es ergeben sich diese Hinweise zur Struktur der veganen Motive:

Die erste Dimension wird nur durch Maße zu Tierrechten definiert. Die Variable Tierrechte versus andere Gründe, die den als Hauptgrund angegebenen tierethischen Beweggrund abbildet, steht hier gemeinsam mit den weiteren tierethisch bezogenen Skalen an der Spitze.

Diese Dimension misst daher die Stärke, in der Tierrechte allen anderen Motiven übergeordnet werden. Ebenso laden auf diese Dimension die Angaben zu Tierrechten bei der Mehrfachauswahl aus neun Motiven sowie der Mittelwert Tierrechte der angewandten Skala.

Die zweite Dimension wird durch die Gesundheitsmotive bestimmt. Hier laden neben den direkten Gesundheitsvariablen auch Fitness, Gewichtsabnahme und Ästhetik. Vereinzelt zeigt sich eine geringe Ladung eines Ökologie-Maßes, was darauf hindeuten könnte, dass eine umweltorientierte Haltung bei gesundheitsorientierten Personen gelegentlich mit vorhanden ist. Insgesamt bleibt dies jedoch ein Nebenbefund, der nur bei einer einzigen Ökologie-Variable auftritt und daher inhaltlich keine größere Bedeutung besitzt.

Die dritte Dimension umfasst alle Ökologie-bezogenen Maße und zusätzlich das politisch-soziale Motiv. Diese Kombination ist inhaltlich plausibel, da ökologische Orientierung häufig mit politischem Engagement einhergeht. Typischerweise finden sich solche Motivbündel bei Personen, die Umwelt- und Klimaschutz mit gesellschaftlichem Wandel verbinden.

Die Analyse zeigt somit drei klar interpretierbare Grunddimensionen veganer Motivation:

  • Tierethik als moralisch-ethische Orientierung
  • Gesundheit & Körper als stärker auf Wohlbefinden, Fitness und äußere Faktoren gerichtete Achse
  • Ökologie & Politik als ökologisch-gesellschaftliche Dimension, die Umweltbewusstsein mit sozialem Engagement verbindet

Diese drei Dimensionen zeigen, dass sich die unterschiedlichen Einzelmotive zu drei stabilen, übergeordneten Beweggründen für die vegane Lebensweise verdichten lassen.

Einfluss von Geschlecht, Alter, Bildung, Land und Rekrutierungskanal auf die drei Motivbereiche

Es wurde untersucht, ob sich die Bedeutung der drei zentralen Motivbereiche – Tierethik, Ökologie und Gesundheit & Körper – je nach Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungskanal unterscheidet.

(Das Herkunftsland wird im Folgenden nicht weiter berücksichtigt, da sich dort keine statistisch bedeutsamen Unterschiede zeigten.)

Zur besseren Verständlichkeit werden die Werte in einer Skala dargestellt, die der bekannten IQ-Verteilung entspricht:

  • Ein Wert von 100 steht dabei für den Durchschnitt der gesamten veganen Stichprobe, Werte zwischen 95 und 105 liegen im Bereich kleiner, praktisch kaum spürbarer Unterschiede.

Geschlecht

Zwischen den Geschlechtern zeigten sich zwar einige statistisch signifikante Unterschiede, diese fielen aber inhaltlich gering aus:

  • Frauen lagen bei Tierethik leicht über dem Durchschnitt (IQ ≈ 102), Männer etwas darunter (IQ ≈ 97), und nicht-binäre Personen lagen im mittleren Bereich (IQ ≈ 98). Damit zeigt sich zwar eine statistisch signifikante Tendenz, dass Frauen dem Tierschutzgedanken etwas mehr Gewicht geben, doch die Unterschiede sind gering und haben praktisch keine Bedeutung für das Gesamtbild.
  • Auch bei Gesundheit & Körper zeigte sich ein ähnliches Muster: Frauen bewerteten diesen Aspekt geringfügig höher (IQ ≈ 101) als Männer (IQ ≈ 98) und nicht-binäre Personen (IQ ≈ 97).Diese Unterschiede sind erneut statistisch signifikant, aber kaum bedeutsam.
  • Bei Ökologie bestanden keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Zusammenfassend sind Frauen in der Stichprobe minimal stärker tierethisch und gesundheitlich motiviert, doch der Abstand zu Männern und nicht-binären Personen ist so klein, dass er im Alltag kaum ins Gewicht fällt.

Alter

Das Alter hatte in dieser Untersuchung einen statistisch messbaren, aber ebenfalls geringen Einfluss:

  • Zwischen jüngeren und älteren Personen ergaben sich keine Unterschiede in der Tierethik – sie ist also über alle Altersgruppen hinweg gleich stark ausgeprägt.
  • Bei Gesundheit & Körper lagen ältere Personen etwas höher (IQ ≈ 103) und jüngere etwas niedriger (IQ ≈ 97). Das zeigt, dass Gesundheitsaspekte mit zunehmendem Alter tendenziell etwas stärker in den Vordergrund treten.
  • Bei Ökologie war es umgekehrt: Jüngere Personen (IQ ≈ 102) betonten ökologische Gründe etwas stärker als ältere (IQ ≈ 98). Auch hier handelt es sich aber um statistisch signifikante, jedoch geringe Unterschiede innerhalb eines insgesamt sehr einheitlichen Motivprofils.

Bildung

Der Bildungsstand zeigte ebenfalls kleine Effekte:

  • Personen mit höherer Bildung erzielten bei Tierethik und Ökologie leicht höhere Werte (beide um IQ ≈ 102) als Personen mit niedrigerem Bildungsabschluss (beide um IQ ≈ 98). Für Gesundheit & Körper bestand kein Unterschied.

Auch hier zeigt sich, dass die Motivation zum veganen Leben in allen Bildungsgruppen ähnlich stark ausgeprägt war. Höher gebildete Personen betonten aber tierethische und ökologische Aspekte geringfügig stärker.

Rekrutierungskanal

Etwas deutlicher, aber ebenfalls auf niedrigem Niveau, zeigte sich der Einfluss des Rekrutierungskanals, der erfasst, über welchen Weg die Befragten zur Teilnahme gelangten:

  • Teilnehmende, die über Reddit gewonnen wurden, lagen bei Tierethik (IQ ≈ 96) und Gesundheit & Körper (IQ ≈ 94) etwas unter dem Durchschnitt. Teilnehmende aus allen anderen Kanälen – etwa Facebook, Gleichklang oder dem Newsletter – lagen bei beiden Motiven leicht über dem Durchschnitt (IQ ≈ 102–104).

Das bedeutet, dass über Reddit etwas mehr Personen teilnahmen, für die tierethische oder gesundheitliche Gründe eine geringere Rolle spielen. Für Ökologie ergaben sich dagegen keine Unterschiede zwischen den Kanälen.

Zusammenfassung

Die Ergebnisse zeigen, dass Geschlecht, Alter, Bildung und Rekrutierungskanal zwar statistisch kleine, aber klar eingegrenzte Einflüsse auf die Motivausprägung haben. Die Unterschiede sind inhaltlich sehr gering und verändern das Gesamtbild nicht:

  • Tierethik bleibt in allen Gruppen das stärkste Motiv für vegane Lebensweise.
  • Frauen und höher Gebildete liegen etwas über dem Durchschnitt bei Tierrechten, Männer und Reddit-Teilnehmende leicht darunter.
  • Jüngere Personen legen geringfügig mehr Wert auf ökologische Aspekte, ältere etwas mehr auf Gesundheitsaspekte.

Insgesamt handelt es sich um geringfügige Unterschiede, die Gründe für die vegane Lebensweise sind praktisch über alle Gruppen hinweg weitgehend ähnlich ausgeprägt.

Vier Gruppen von Veganer:innen

Wir haben bisher gesehen, dass tierethische Motive eine sehr bedeutsame Rolle für vegan lebende Menschen spielen. Auch ökologische sowie gesundheitlich-körperbezogene Motive tragen wesentlich zur Entscheidung für eine vegane Lebensweise bei.

Diese drei Aspekte – Tierethik, Gesundheit & Körper sowie Ökologie & Politik – sind voneinander unabhängig, sodass Personen in jedem dieser Bereiche unterschiedlich stark motiviert sein können.

Um herauszufinden, welche Kombinationen dieser Motive tatsächlich gemeinsam auftreten, wurde eine Clusteranalyse (Two-Step-Verfahren) durchgeführt:

  • Dieses Verfahren teilt Personen anhand ähnlicher Antwortmuster in Gruppen ein, ohne dass deren Zahl zuvor festgelegt werden muss.

Die Lösung mit vier Clustern erwies sich als statistisch klar trennbar (Silhouettenwert ≈ 0,5) und zugleich inhaltlich gut interpretierbar.

Da die vegane Gesamtstichprobe insgesamt bereits stark tierethisch, ökologisch und auch gesundheitlich motiviert ist, spiegeln die Cluster keine Gegensätze zwischen motivierten und unmotivierten Personen wider, sondern unterschiedliche Schwerpunktsetzungen innerhalb einer hoch engagierten Population. Wenn also beispielsweise ein Durchschnittswert bei Tierrechten erreicht wird, ist dies bereits eine sehr hohe Ausprägung, da Veganer:innen im Durchschnitt hoch tierrechtlich motiviert sind.

Zur besseren Vergleichbarkeit wurden auch hier die standardisierten Werte in die bekanntere IQ-Skala mit einem Mittelwert von 100  übertragen

Tabelle 6 zeigt die Cluster-Lösung:

Tabelle 6: Motivprofile der vier Cluster (Skala mit Mittelwert von 100 und SD von 15 (IQ-Skala); Bootstrap-Konfidenzintervalle, 1000 Replikationen, 95 %-Konfidenzintervall, N = 2100)

Cluster
Anteil
Tierethik
Ökologie
Gesundheit & Körper
1 – Tierethisch-ökologisch motivierte Mehrheit
54 %
104 (103.5–104.2)
107 (106.5–107.3)
94 (93.6–94.4)
2 – Gesundheitsorientierte Veganer:innen mit ethisch-ökologischer Einbettung
22 %
102 (100.8–102.4)
102 (100.9–102.6)
120 (118.7–120.3)
3 – Vorwiegend tierethisch motivierte Veganer:innen
17 %
104 (103.6–104.7)
74 (73.5–74.8)
93 (92.0–94.4)
4 – Ökologisch und gesundheitlich motivierte, aber tierethisch schwach geprägte Veganer:innen
7 %
56 (52.2–58.9)
101 (97.8–104.8)
99 (95.7–102.0)

 

Die Cluster lassen sich folgenderweise beschreiben und benennen:

  • Cluster 1 (54 %): Tierethisch-ökologisch motivierte Mehrheit. Diese Gruppe bildet die große Mehrheit und kombiniert hohe Tierethik und ausgeprägte Ökologie, während Gesundheit & Körper etwas weniger stark betont sind. Dieses Cluster repräsentiert den zentralen Typus veganer Lebensweise, in dem ethische und ökologische Werte eng miteinander verknüpft sind. Der Scheffé-Test zeigte, dass dieses Cluster bei Ökologie signifikant höhere Werte aufweist als Cluster 2 und 4 (p < .001).
  • Cluster 2 (22 %): Gesundheitsorientierte Veganer:innen mit ethisch-ökologischer Einbettung. Diese Gruppe von Veganer:innen zeichnet sich durch eine besonders hohe Gesundheitsorientierung aus (IQ 120). Gleichzeitig sind Tierethik und Ökologie überdurchschnittlich ausgeprägt. Der Scheffé-Test zeigte, dass dieses Cluster bei Gesundheit & Körper signifikant höhere Werte aufweist als alle anderen Gruppen (p < .001). Cluster 2 steht damit für einen ganzheitlichen Lebensstil, bei dem Gesundheit, Tierwohl und Umweltverantwortung eng miteinander verbunden sind.
  • Cluster 3 (17 %): Vorwiegend tierethisch motivierte Veganer:innen. Diese Gruppe zeigt eine klare tierethische Fokussierung bei deutlich geringerer Ökologie. Gesundheit & Körper sind in dieser Gruppe leicht unterdurchschnittlich ausgeprägt. Der Scheffé-Test bestätigte, dass Cluster 3 bei Ökologie signifikant niedrigere Werte aufweist als alle anderen (p < .001), während sich die Tierethik nicht von den Clustern 1 und 2 unterscheidet. Cluster 3 steht somit für Personen, die vegan leben, um Tierleid zu vermeiden, während ökologische und gesundheitliche Aspekte eine geringere Rolle spielen.
  • Cluster 4, die kleinste Gruppe (7 %): Ökologisch-gesundheitsorientierte Veganer:innen mit schwacher Tierethik. Dies ist die einzige Gruppe, bei der die tierethische Motivation deutlich schwach ausgeprägt ist. Stattdessen liegen Ökologie und Gesundheit & Körper im mittleren Bereich. Der Scheffé-Test zeigte, dass Cluster 4 bei Tierethik signifikant niedrigere Werte aufweist als alle anderen (p < .001), während es bei Ökologie und Gesundheit & Körper keine signifikanten Unterschiede zu Cluster 1 oder 2 gibt. Diese Gruppe versteht Veganismus eher als umweltbewusste oder gesundheitsorientierte Lebensweise und nicht als Ausdruck tierethischer Überzeugungen.

Die Vier-Cluster-Lösung zeigt damit eine klar strukturierte Motivlandschaft:

  • Cluster 1 bildet die große Mehrheit der tierethisch-ökologisch motivierten Veganer:innen.
  • Cluster 2 ergänzt dieses Bild durch eine stark gesundheitsorientierte Gruppe, die zugleich ethisch und ökologisch denkt.
  • Cluster 3 repräsentiert konsequent tierethisch motivierte Personen, bei denen ökologische Erwägungen in den Hintergrund treten.
  • Cluster 4 schließlich ist die einzige Gruppe mit geringer Tierethik, die ihren Veganismus vor allem über Gesundheit und Nachhaltigkeit definiert.

Die hohe Bedeutung der Tierethik lässt sich auch in der Clusterlösung sofort erkennen:

  • 93 % aller Befragten gehören Clustern mit stark ausgeprägter Tierethik an. Nur 7 % – die Mitglieder von Cluster 4 – weichen davon ab.

Ökologische Werte sind ebenfalls weitverbreitet, Gesundheit und Körper variieren stärker.

Damit ergibt sich als konsistentes, empirisch stabiles Gesamtbild, dass der Veganismus bei fast allen auf einer tierethischen Grundhaltung basiert, wobei aber auch ökologische und gesundheitsbezogene Aspekte relevant sind. .

Soziodemografische Verankerung der Cluster

Zur Einordnung der Clusterergebnisse wurde eine kategoriale Regressionsanalyse (CATREG) durchgeführt. Diese prüft, ob die Zugehörigkeit zu den Clustern durch Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Land und Rekrutierungskanal beeinflusst wird. Das Gesamtmodell war signifikant, erklärte aber nur rund fünf Prozent der Varianz (R² = 0.047). Damit sind die Effekte insgesamt gering und beziehen sich nahezu ausschließlich auf Cluster 4, die kleine Gruppe mit schwach tierethischer, dafür stärker ökologisch-gesundheitsbezogener Motivation.

Bei Alter und Bildungsstand fanden sich keine Zusammenhänge. Beim Geschlecht zeigte sich, dass nicht-binäre Personen mit rund 12 % deutlich häufiger zum kleinen, nicht tierrechtlich motivierten Cluster 4 gehörten als Frauen und Männer zusammen (7 %). Der deutlichste Zusammenhang zeigte sich beim Rekrutierungskanal. Unter den über Reddit rekrutierten Teilnehmenden gehörten rund 15 % zu Cluster 4, während es bei allen anderen Kanälen zusammen nur rund 5 % waren.

Damit bestätigt die Regressionsanalyse, dass soziodemografische und kontextuelle Faktoren nur einen geringen Einfluss auf die Motivstruktur veganer Lebensweise haben. Wo Unterschiede auftreten, konzentrieren sie sich auf Cluster 4 – die kleine Gruppe mit schwacher Tierethik.

Insgesamt sind die Cluster de facto weitgehend unabhängig von soziodemografischen Merkmalen und auch vom Rekrutierungskanal. Dies stützt die Robustheit der Befunde.

Resümee

Veganer:innen haben viele Gemeinsamkeiten:

  • Fast alle teilen den Fokus auf Tierrechte. Danach folgt der ebenfalls zentrale Fokus auf Ökologie & Politik. Ebenfalls wichtig, aber weniger stark ausgeprägt ist der Fokus auf Gesundheit und Körper.
  • Der inhaltliche Hauptgrund für die vegane Lebensweise und zugleich der handlungssteuernde Aspekt für die große Mehrheit ist die tierethische Motivation.

Die verschiedenen möglichen Motive – wie auch viele angeben – lassen sich auf drei tiefgehende Dimensionen oder Komponenten verdichten:

  • die der Tierethik, die des Bezugs zu Ökologie und Politik sowie die des Gesundheits- und Körperbezugs.

Andere mögliche Motive, wie religiöse oder soziale Einflüsse, spielen jedenfalls im Durchschnitt nur eine marginale Rolle.

Bei allen Gemeinsamkeiten lassen sich auch Differenzierungen erkennen, die eine Gruppeneinteilung ermöglichen:

  • Die größte Gruppe der Veganer:innen ist hochgradig tierethisch und ebenso ökologisch motiviert.
  • Es gibt eine weitere Gruppe der vorrangig Gesundheitsorientierten, die diese Orientierung aber mit tierethischen und ökologischen Aspekten verbindet.
  • Die dritte Gruppe ist überwiegend tierethisch, aber nicht ökologisch motiviert.
  • Nur eine sehr kleine Gruppe von etwa sieben Prozent ist nicht tierethisch bewegt, sondern stellt ökologische und gesundheitliche Gründe in den Vordergrund.

Die Analysen zu den Einflüssen von Geschlecht, Alter, Bildung, Wohnsitzland und Rekrutierungskanal zeigten die Robustheit der Ergebnisse, da diese Faktoren nur kleine Auswirkungen erkennen ließen.

Es ist auch vor diesem Hintergrund mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass diese Befunde im Wesentlichen für die vegane Population im deutschsprachigen Raum auch im Allgemeinen gültig sind.

Weitere Auswertungen unserer großen Vegan-Umfrage werden in etwa drei Wochen veröffentlicht. Dann wird es um die Themen Veganismus, Beziehungen und Sexualität gehen.

Eine Bitte an die Leser:innen:

  • Solche Umfragen machen sehr viel Arbeit. Bitte hilf mit, diesen Artikel und die Umfrage in sozialen Netzwerken und auf anderen Wegen bekannt zu machen und zu teilen. Jede Weiterverbreitung trägt dazu bei, die Sichtbarkeit der veganen Community zu erhöhen und ein besseres Verständnis ihrer Werte, Lebensweisen und Perspektiven zu fördern.

Durch deine Unterstützung können wir dazu beitragen, dass die Vielfalt und Tiefe veganer Lebensformen in der Öffentlichkeit deutlicher wahrgenommen wird.

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Hinweis: Es hieß ursprünglich in der ersten Version des Artikels, dass 94 % der Veganer:innen Clustern angehören, die eine hohe tierethische Motivation zeigen. Es sind 93 % und wurde korrigiert.

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9 Antworten

  1. Die Studie bestätigt, dass die überwältigende Mehrheit von Veganer:innen primär von der Tierethik angetrieben wird – eine ermutigende Nachricht für die Tiere! Interessant finde ich die detaillierte Aufschlüsselung der Motive und die Clusteranalyse. Man lernt, dass es nicht nur die große, überzeugende Gruppe gibt, sondern auch subtile Unterschiede, wie die etwas weniger tierethisch motivierten Öko-Gesundheitlichen (Cluster 4). Der witzige Teil ist vielleicht, dass selbst bei allen diesen tiefgreifenden Motiven die größte Gruppe doch nur 54 % tierethisch-ökologisch ist – also noch Platz für einen kleinen Teil Lachszutaten bleibt. Die Soziodemografie zeigt zudem, dass nicht-binäre Personen eher zu Cluster 4 gehören, was ja auch eine Art Mischpokeinheitlichkeit im Motivationsbereich wäre. Gut, dass Bildung und Geschlecht letztlich kaum eine Rolle spielen, da wäre ja sonst noch mehr Streit gewesen.

    • Nein, es gibt keinen Platz für Lachszutaten. An der Studie beteiligten sich nur Personen bzw. wurden nur solche eingeschlossen, die dies für sich ausschließen. Außerdem zeigt sich nicht nur bei der größten Gruppe, sondern in drei Gruppen eine starke tierethische Orientierung. Nur in der kleinsten Gruppe von 7 % ist diese nicht vorhanden. Dass Bildung, Geschlecht, Alter etc. eine so geringe Rolle spielen, weist darauf hin, dass die entscheidenden Antriebe vermutlich ähnlich sind, wenn es um die Entscheidung geht, vegan zu werden und zu bleiben. Wer diese Entscheidung trifft, tut dies aus vergleichbaren Gründen – unabhängig davon, ob die betreffende Person alt oder jung, Mann, Frau oder nicht-binär ist. In geringem Ausmaß wirken sich diese Faktoren natürlich doch aus, aber in der Gesamtbetrachtung stehen sie eher im Hintergrund.

  2. Das sind an sich ermutigende Ergebnisse für den Aktivismus – aber unter den Teilnehmern sind tatsächlich mehr als doppelt so viele Frauen im Vergleich zu Männern? Ist das auch repräsentativ für die Gesamtbevölkerung?

    Ich staune gerade noch mehr darüber, warum die vielen tierethisch motivierten Frauen sich lieber mit unveganen Männern zufrieden geben, anstatt sich die vielen auch vorhandenen veganen Single-Männer überhaupt mal genauer anzuschauen. Wir wissen doch aus der Beziehungspsychologie, dass ähnliche Wertvorstellungen essentiell sind. Aber bei der Partnerwahl sind dann wohl noch deutlich irrationalere und unreflektiertere Dynamiken im Spiel…?

  3. Sehr interessante Studie. Danke!

    In einem Artikel über Veganer:innen in UK im Vergleich zu den USA habe ich gelesen, dass die Motivation Einfluss auf die Gesundheit hat. Während die US-Bürger:innen vor allem gesundheitliche Gründe nannten, war bei den Menschen aus UK vornehmlich das Tierwohl wichtig für einen veganen Lebensstil. Daher seien es mehr Amerikaner:innen die sich „plant based“ ernähren und mehr „Puddingveganer:innen“ in GB. Mit den daraus folgenden Ergebnissen bei Untersuchungen zum Gesundheitszustand, nämlich viel gesündere Amis als Briten die „plant based“ bzw. vegan Leben.

    Persönlich finde ich mich in keinem der Cluster wieder. Ich bin Vegetarier geworden aus politischen Gründen, die dann mehr und mehr öko-politisch wurden. Dabei bemerke ich den Unterschied der Motivation im Alter auch an mir. Als ich vor rund dreißig Jahren vegan geworden bin spielte Gesundheit eine weniger wichtige Rolle als heute. In Punkto Tierethik vertrete ich einen an Nietzsche angelehnte Haltung der aristokratischen Moral. Ich habe es nicht nötig Tiere zu essen. Die Frage „ich oder das Tier“ stellt sich eher selten. (Obwohl ich durchaus Mücken und andere Insekten töte.) Ich ernähre mich „plant based“und habe einen ziemlich veganen Lebensstil, soll. heißen es gibt noch immer – wenn auch wenige -, Lederschuhe und ein paar Wollpullover. Allerdings ist der Großteil meiner Kleidung und rund 90% meiner Nahrung ökologisch zertifiziert.

    • Die von Dir genannten Unterschiede können sich womöglich sehr gut durch den Einfluss der Siebenten-Tags-Adventist:innen in den USA erklären, die große Studien zur veganen Ernährung auch unter eigenen Mitgliedern durchgeführt haben. Für diese Religionsgruppe ist es notwendig, gesund zu leben – eine Forderung Gottes. Viele Siebenten-Tags-Adventist:innen sind daher zwar häufig, aber nicht vollständig vegan. Manche leben fleischarm, vegetarisch oder quasi vegan, machen jedoch gelegentlich Ausnahmen.

      Die von Dir genannte Motivation würde ich vermutlich entweder Cluster 4 oder doch eher Cluster 1 zuordnen. Solche Clusteranalysen charakterisieren sich dadurch, dass wir Menschen, die sich durchaus auch unterscheiden, in eine Gruppe einordnen. Das hat den Vorteil, dass große Linien klarer werden – aber zu 100 % stimmt es natürlich nie.

  4. Meine Motivation fing damit an, dass ich in der Schule ausgegrenzt wurde und somit immer eine beobachtenden, zuhörende Rolle einnehmen musste. Ich habe dann auch im Fach Mensch Natur Technik oder Ethik, mich mehr für Buddhismus interessiert, später Antinatalismus, Radikalfeminismus und habe auch viel über die Gegnerseite gelesen (also Rechtsextremismus, Religion). Ich werde bisheute wegen Behinderungen, meine armen Herkunft und weiblichen Geschlecht diskriminiert und möchte daher das rechte System ungern unterstützten.
    Ich bin in so einem Landkreis aufgewachsen in Thüringen wo die Mehrheit über Jahre hinweg, rechtsliberal ist, also wirklich Nazis und hier auch AfD und CDU gewählt wurde zur Regierung. Von den meisten Menschen wird man als hässlich, dumm, faul (weil ich hier keinen Job kriege), Mannweib, Missgeburt beleidigt und verwahrlost. Ich habe hier nicht mal eine Gesundheitsversorgung wegen der Ärzte die auch so rechts geartet sind.
    Die Leute sind wie in der Schule die Mobber die eben beliebt sind und psychopathische Charakteristiken haben. Ich will mich von denen auch lieber distanzieren, und würde mir unheimliche gerne mit anderen Frauen eigenen Lebensraum durchsetzen, wo wir unser eigenes Dorf und eigene Produktion und echte Sozialhilfe haben als Kreislauf der uns versorgt. Das Ziel ist dann kein Wachstum sondern ein friedliches Verebben. Gut wäre wenn auch endlich Sterbhilfe (Natriumpendobarbital) legal und kostenfrei für alle zugänglich wäre.

  5. Hallo zusammen,
    das ist eine sehr spannende Studie mit interessanten Ergebnisse.
    Meine Frage ist nun, ob sie in einer bestimmten Art und Weise veröffentlicht wurde (nicht nur auf dieser Website) und sie somit zitierbar wäre?

    Ich bedanke mich für die Arbeit, die hier drin steckt.

    • Nein, momentan bin ich jenseits von Kapiteln, sie in einem wissenschaftlichen Journal zu veröffentlichen. Das ist zwar für die Zukunft geplant, aber noch nicht anstehend.

      Ich selbst sehe das, was ich hier mache, eher im Bereich der Gray Science. Das heißt: Es geht nicht darum, selbst sofort peer-reviewte Arbeiten zu veröffentlichen, sondern darum, Daten, Beobachtungen, Hypothesen und Hinweise sichtbar zu machen und einzuordnen. Auf vegan.eu wird dabei seit jeher wissenschaftliche Literatur zitiert und genutzt. Was ich inzwischen aber auch gesehen habe, ist, dass manchmal umgekehrt Umfrage-Befunde von vegan.eu in wissenschaftlichen Arbeiten aufgegriffen und zitiert werden.

      Die Funktion dessen, was ich mache, sehe ich darin, Themen zu diskutieren und bekannt zu machen. Ziel ist, Fragen aufzuwerfen, Zusammenhänge sichtbar zu machen und andere dazu anzuregen, diese Befunde weiter zu prüfen und schließlich wissenschaftlich zu untersuchen und zu publizieren. Tatsächlich sind unsere Umfragen auch typischerweise so aufgesetzt, dass die Ergebnisse mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit repliziert werden können, wenn es jemand tut.

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HI

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