Umfrageergebnis: So denken Veganer:innen über Politik und Gesellschaft

Die Ergebnisse der großen Vegan-Umfrage 2025 zeigen: Politische Haltungen von Veganer:innen unterscheiden sich massiv von denen der Allgemeinbevölkerung. Themen wie Klimawandel, soziale Gleichheit und Tierrechte stehen im Zentrum, während klassische Mainstream-Parteien kaum Unterstützung finden. Der Beitrag dokumentiert nicht nur diese Abweichungen, sondern erläutert auch detailliert Methodik, Stichprobe und statistische Verfahren. Wer sich ausschließlich für die Ergebnisse interessiert, kann direkt im Inhaltsverzeichnis zu den Abschnitten zur Parteiwahl, den Sorgen oder der Links-Rechts-Einordnung springen.
Wenn Veganer:innen das Sagen hätten
Die Welt sähe anders aus, wenn Veganer:innen das Sagen hätten. Das zeigt die Auswertung der politischen Ansichten und Einstellungen von 2100 Veganer:innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die wir soeben abgeschlossen haben:
- So wären die etablierten Parteien in Deutschland nicht im Bundestag – CDU/CSU, SPD und FDP, sie alle würden glatt an der 5-%-Hürde scheitern. Auch die AfD wäre chancenlos. Stattdessen wäre die Linkspartei die stärkste Partei, gefolgt von den Grünen und der Tierschutzpartei. Keine andere Partei wäre im Bundestag vertreten, auch nicht das BSW.
Aber auch jenseits der reinen Parteienwahl wäre eine vegane Gesellschaft eine andere Gesellschaft:
- Während in der Allgemeinbevölkerung die Menschen sich vor allem um Migration und Kriminalität sorgen, laufen diese Sorgen bei Veganer:innen unter ferner liefen. Bei ihnen stehen vielmehr der Klimawandel, Armut und andere Umweltgefahren an der Spitze ihrer häufigsten Sorgen.

Veganer:innen: Umfrage von vegan.eu/Gleichklang 2025 (n = 2100); Gesamtbevölkerung zum Vergleich: Ipsos-Sorgenbarometer Juli 2025 (n ≈ 1000)
Entsprechend eindeutig sind auch die Haltungen von Veganer:innen zu wichtigen gesellschaftspolitischen Themen:
- Überwältigende Mehrheiten von knapp 80 % bis nahe 100 % treten ein für die völlige Gleichberechtigung von Homosexuellen, Bisexuellen und Transgender-Personen, die Herstellung sozialer Gleichheit und die Überwindung der Armut, die Überwindung patriarchalischer Strukturen, Entschädigungsleistungen für den Kolonialismus, den Schutz von Geflüchteten und die Schaffung sicherer Fluchtwege sowie die Abkehr von Militarisierung und Aufrüstung. Nahezu alle Veganer:innen möchten zudem die Nutzung und Ausbeutung von Tieren beenden.
Keine Chance haben bei Veganer:innen zudem autoritäre Einstellungen, während diese in der Allgemeinbevölkerung durchaus eine erhebliche Verbreitung zeigen.
Auch die eigene Einschätzung auf einer Links-rechts-Skala zeigt drastische Unterschiede zwischen Veganer:innen und der Allgemeinbevölkerung:
- Veganer:innen, die sich als rechts einordnen, sind eine Rarität, aber auch die Mitte wird nur von einer Minderheit besetzt. Die große Mehrheit der Veganer:innen ordnet sich jenseits der Mitte als links ein.

Veganer:innen: Umfrage von vegan.eu/Gleichklang 2025 (n = 2100); Gesamtbevölkerung zum Vergleich: Studie "Distanzierte Mitte" 2023 (n = 1060)
Weitere Befunde:
- Veganer:innen identifizieren sich mit der Klimaschutzbewegung. Sie sehen aktuell eine weltweite Rechtswende, die bei ihnen die Sorge vor einem neuen Faschismus aufkommen lässt. Fast alle halten dabei Donald Trump für gefährlich. Die große Mehrheit der Veganer:innen hält es aktuell für notwendig, gegen den Rechtsruck Widerstand zu leisten, während nur eine kleine Minderheit für gesellschaftlichen Rückzug in sich separierende Gemeinschaften oder in Spiritualität plädiert.
Wie realistisch sind aber die Sichtweisen der Veganer:innen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung?
Der Vergleich der Sorgen spricht ein deutliches Bild:
- Aus wissenschaftlicher Sicht stellen Klimawandel und die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen unseres Planeten die drängendsten Probleme dar, welche mit enormen Gefahren und Verwerfungen verbunden sind, die wiederum weitere Probleme erzeugen. Auch Armut gehört sicherlich zu den drängendsten Problemen der Zeit, die wiederum teilweise eng mit Klimawandel und Umweltzerstörung verbunden sind.
Die Befunde deuten darauf hin, dass die Prioritätensetzung von Veganer:innen stärker mit wissenschaftlich belegten globalen Risiken übereinstimmt.
Die Befunde lassen sich nicht durch Einflüsse von Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnort (Land) oder Rekrutierungsweg für diese Umfrage erklären. Die hohe Konsistenz der Befunde in allen Teilgruppen belegt, dass es sich um Einstellungen handelt, die in hohem Ausmaß auf vegan lebende Menschen im Allgemeinen übertragbar sind.
Im Folgenden werden die Befunde im Einzelnen dargestellt und auch umfassende Überlegungen zur Repräsentativität sowie zum Einfluss von Geschlecht, Alter und Bildungsstand dargestellt.
Dieser Text ist sehr lang. Wer die Zeit nicht hat oder lieber querbeet liest, kann die folgenden Sprunglinks verwenden:
Inhaltsverzeichnis
Angaben zur Umfrage
- Vorbemerkung
- Politische und gesellschaftliche Einstellungen
- Stichprobe & Datenbasis
- Repräsentativität
- Erhobene Maße
Ergebnisse
- Parteipolitisches Wahlverhalten
- Gesellschaftliche Sorgen
- Politische Einordnung (Links–Rechts)
- Zentrale Anliegen
- Autoritarismus
- Globale Entwicklungen
Einordnung und Ausblick
Die große Vegan-Umfrage 2025 von vegan.eu
In der soeben abgeschlossenen großen Vegan-Umfrage 2025 wurde eine umfassende Erhebung zu Denk- und Handlungsweisen von Veganer:innen durchgeführt. Die Umfrage lief als Online-Befragung mit einer Dauer von etwa einer Stunde von April bis September 2025.
Die Gewinnung der Teilnehmenden erfolgte über bezahlte Facebook-Anzeigen und Postings in veganen Facebook-Gruppen, bezahlte Reddit-Anzeigen, Newsletter-Werbung bei verschiedenen veganen Kanälen, den Rückgriff auf unser eigenes Netzwerk (Gleichklang/vegan.eu), die Auslage von Flyern in veganen Restaurants sowie weitere Kanäle.
Ziel der Studie war es, ein möglichst vollständiges Bild über Einstellungen, Werte, Sorgen und Verhaltensweisen der veganen Community zu gewinnen. Entsprechend wurde eine breite Themenvielfalt erhoben, die unter anderem Politik und Gesellschaft, Sexualität und Beziehungen, Elternrolle und Kindererziehung, Motive und Werte sowie Persönlichkeitsmerkmale (Big Five, Hochsensibilität) umfasste.
Die Befunde der Umfrage werden nicht in einem einzigen Schritt, sondern in einer Reihe von Veröffentlichungen im Rhythmus von zwei bis drei Wochen auf vegan.eu präsentiert. Am Ende des Projekts entstehen auf dieser Grundlage ein Handbuch, das alle Ergebnisse zusammenfasst, sowie eine Videodokumentation, die die Befunde einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht.
Politische und gesellschaftliche Einstellungen
In diesem ersten Teil der Ergebnisdarstellung richten wir den Blick auf die politischen Einstellungen von Veganer:innen. Konkret wurden die Teilnehmenden befragt nach ihrem politischen Wahlverhalten – also danach, welche Partei sie wählen würden. Zudem wurde ihre Selbsteinschätzung auf einer in der politischen Forschung vielfach verwendeten Links-Rechts-Skala mit zehn Stufen erhoben. Ein weiterer zentraler Baustein war die Erfassung der drei größten persönlichen Sorgen, ausgewählt aus einer Liste von 18 Sorgen, für die durch das jährliche IPSOS-Sorgenbarometer repräsentative Vergleichsdaten für Deutschland sowie zahlreiche internationale Vergleichsdaten vorliegen.
Weiterhin wurden grundlegende Einstellungen zu zentralen gesellschaftlichen Fragen erfasst, wie zur Gleichberechtigung von LGBT-Personen einschließlich Transgender, zur Durchsetzung allgemeiner Geschlechtergleichberechtigung, zum Umgang mit Geflüchteten, zur Möglichkeit von Entschädigungen für koloniale Gewalt, zu Maßnahmen gegen den Klimawandel, zur Durchsetzung von Tierrechten, zur Herstellung sozialer Gleichheit, zur Überwindung der Armut sowie zur Entmilitarisierung von Politik und Gesellschaft.
Zusätzlich kamen eine in der wissenschaftlichen Forschung eingesetzte Skala zur Erfassung autoritärer Einstellungen sowie die Erhebung der Links-Rechts-Präferenz zur Anwendung.
Erfragt wurden darüber hinaus zahlreiche Einzelthemen, wie das Erleben gesellschaftlicher Entfremdung, die Wahrnehmung des aktuellen gesellschaftlichen Klimas, die Solidarität mit der Klimaschutzbewegung, die Bewertung von Donald Trump und die Einschätzung der Gefahr eines Faschismus.
Die Maße werden weiter unten im Detail dargelegt.
Warum wir die politischen Einstellungen von Veganer:innen kennen sollten
Die Verteilung politisch-gesellschaftlicher Einstellungen in definierbaren Gruppen, wie bei Veganer:innen, sagt viel aus über die Grundausrichtung dieser Gruppe und darüber, wie sie sich vermutlich in der Gesellschaft positionieren wird.
Die Bedeutung der aktuellen Befragung ermöglicht dabei auch empirische Antworten auf eine Kontroverse.:
Verschiedene Autor:innen, so Lisa Landwehr (Vier Beine gut, zwei Beine schlecht), vertreten die These, dass Veganer:innen menschenfeindlich seien oder zur Menschenfeindlichkeit neigten, was wiederum für eine Verankerung in rechtsgerichtetem Denken sprechen würde. Dies wird nicht für alle Veganer:innen behauptet, aber es wird eine inwendig mit dem Veganismus und mit Tierrechten verbundene Tendenz in dieser Richtung postuliert.
Diese Umfrage will in diese Diskussion eingreifen, indem fundierte empirische Ergebnisse zur Frage dargestellt werden, ob Veganer:innen zu Menschenfeindlichkeit und rechtsgerichtetem Denken neigen oder ob sie sich gar im Gegenteil stärker als die Allgemeinbevölkerung von Menschenfeindlichkeit und rechtsgerichtetem Denken distanzieren.
Es ist wichtig, diese Diskussion auf eine empirische Basis zu führen, da eine reine Diskussion aufgrund eigener Vermutungen oder Bewertungen einzelner Einzelfälle zu verzerrten Schlussfolgerungen gelangen kann.
Die Stichprobe
An der Umfrage nahmen insgesamt 2100 Veganer:innen teil. Unter ihnen befanden sich 620 Männer (29,5 %), 1379 Frauen (65,7 %) und 101 nicht-binäre Personen (4,8 %). Das Alter der Befragten reichte von 18 bis 84 Jahren, das Durchschnittsalter lag bei 41,4 Jahren.
Einbezogen wurden nur Personen, die ihre Ernährungsweise als vegan bezeichneten und zudem in nachfolgenden Einzelabfragen jeweils bestätigten, kein Fleisch, keinen Fisch, keine Eier und keine Milchprodukte zu konsumieren.
Die erste Auswahlfrage lautete:
- Wie ernähren Sie sich selbst? Zur Auswahl standen folgende Antwortoptionen: Vegan – kein Fleisch, Fisch, Milch, Eier, keine Gerichte, wo diese enthalten sind, Vegetarisch – kein Fleisch, aber Milch oder Eier, Pescetarier – kein Fleisch, aber Fisch, Mischkost mit Fleisch.
Die zweite relevante Auswahlfrage zu einem späteren Zeitpunkt lautete:
- Bitte geben Sie an, worauf Sie alles achten: Die Antwortmöglichkeiten waren jeweils in der Form Ja, achte ich drauf oder Nein, achte ich nicht drauf für "kein Fleisch", "kein Fisch", "keine Milch", "keine Eier".
Nur diejenigen, die die erste Auswahlfrage mit "vegan" beantworteten und bei der zweiten Auswahlfrage angaben "kein Fleisch", "kein Fisch", "keine Milch", "keine Eier" wurden in diese Auswertung einbezogen.
Hintergrund dieses Vorgehens war, dass bei reiner Abfrage vegan oftmals auch nicht vegan lebende Personen sich als vegan bezeichnen. Durch die eindeutigen Definitionen und die Mehrfachabfragen konnte dieser mögliche Verzerrungsfaktor in der aktuellen Umfrage reduziert werden.
Es wurden zahlreiche weitere Informationen zu Strengegrad und Gestaltung der veganen Lebensweise erhoben, die über die Ernährung hinausgingen, aber nicht in die aktuelle Auswertung eingingen. Sie werden zu einem späteren Zeitpunkt dargestellt.
Die Altersgruppen verteilten sich wie folgt:
- 560 Personen (26,7 %) gehörten zur Gruppe der 18–29-Jährigen, 1250 Personen (59,5 %) zur Gruppe der 30–59-Jährigen, 288 Personen (13,7 %) zur Gruppe der 60–79-Jährigen und 2 Personen (0,1 %) zählten zu den über 80-Jährigen.
Bezogen auf das Wohnsitzland lebten 1860 Personen (88,6 %) in Deutschland, 137 Personen (6,5 %) in Österreich, 85 Personen (4,0 %) in der Schweiz und 18 Personen (0,9 %) in einem anderen Land.
Der formale Bildungsstand wurde zunächst in neun Stufen erhoben und anschließend auf vier Stufen verdichtet:
- Personen ohne oder mit Hauptschulabschluss, Personen mit Mittlerer Reife, Personen mit Abitur sowie Personen mit Hochschulabschluss.
Von den Befragten verfügten 99 Personen (4,7 %) höchstens über einen Hauptschulabschluss, 403 Personen (19,2 %) über die mittlere Reife, 710 Personen (33,8 %) über das Abitur und 888 Personen (42,3 %) über einen Hochschulabschluss.
Insgesamt nahmen 2100 Veganer:innen an der Umfrage teil. Davon wurden 808 Personen (38,5 %) über Facebook gewonnen, 382 Personen (18,2 %) über Reddit, 449 Personen (21,4 %) über bezahlte Werbung in veganen Newslettern, 306 Personen (14,6 %) über unser eigenes Netzwerk (Gleichklang/vegan.eu) und 155 Personen (7,4 %) bildeten eine Restgruppe, die über verschiedene weitere Rekrutierungswege – wie Google-Anzeigen, Flyerauslage oder Empfehlungen durch Freund:innen – zur Umfrage stieß.
Übrigens haben auch Personen unterhalb des 18. Lebensjahrs an der Umfrage teilgenommen, die aber in dieser Auswertung nicht eingeschlossen sind.
Anmerkung zur Repräsentativität
Die Frage der Repräsentativität ist zentral für die Bewertung der vorliegenden Ergebnisse.
Für die aktuelle Umfrage gilt – wie für alle Umfragen unter Veganer:innen –, dass eine streng repräsentative Zufallsstichprobe de facto nicht möglich ist, da Veganer:innen nur etwa 2 % der Bevölkerung ausmachen. Um also beispielsweise 1000 Teilnehmende zu erhalten, müssten rund 50.000 Personen aus der Allgemeinbevölkerung befragt werden. Dies wäre finanziell ausgeschlossen gewesen.
Trotzdem konnten wir die Übertragbarkeit der Ergebnisse dieser Umfrage auf Veganer:innen im deutschsprachigen Raum im Allgemeinen folgendermaßen sicherstellen:
- Wir überprüften die Robustheit der Befunde über die verschiedenen Hauptkanäle unserer Untersuchung und konnten dabei in allen Kanälen eine weitgehende Übereinstimmung feststellen.
- Wir untersuchten zudem, wie stark die Befunde von Geschlecht/Gender, Alter, Wohnort und Bildungsstand abhingen. Zwar zeigten sich eine Reihe von Zusammenhängen, diese waren jedoch höchstens von meistens sehr geringer bis maximal moderater Stärke. Vor allem behielten alle wesentlichen Ergebnisse ihre Gültigkeit, auch wenn wir nur einzelne Gruppen – etwa nur Männer, Frauen oder nicht-binäre Personen, nur Ältere oder Jüngere, nur Personen mit höherem oder geringerem Bildungsstand – betrachteten. Dies belegt die Robustheit der Befunde und spricht für eine gute Übertragbarkeit auf Veganer:innen insgesamt.
Außerdem verglichen wir die Verteilung von Geschlecht/Gender, Alter und Bildungsstand in unserer veganen Stichprobe mit der Allgemeinbevölkerung und mit dem, was für Veganer:innen zu erwarten ist:
- Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 kommt zu dem Ergebnis, dass in westlichen Gesellschaften Veganer:innen und Vegetarier:innen ungefähr doppelt so häufig weiblich wie männlich sind.Eine weitere deutsche Studie fasst die Merkmale von Veganer:innen folgendermaßen zusammen: weibliches Geschlecht, jüngeres Alter, höherer Bildungsstand.
Genau dies zeigte sich auch in der aktuellen Untersuchung, was dafür spricht, dass die vegane Gesamtheit in unserer Umfrage gut repräsentiert wird, sich also so zeigt, wie sie ist:
- Alter: Das Durchschnittsalter der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland liegt bei etwa 52 Jahren, während es in der veganen Stichprobe nur 41,4 Jahre beträgt. Besonders auffällig ist die Altersverteilung: In der Gesamtbevölkerung stellen die 18–29-Jährigen nur etwa 16 %, in der veganen Stichprobe dagegen 26,7 %. Die 30–59-Jährigen machen in der Bevölkerung knapp die Hälfte aus, bei den Veganer:innen 59,5 %. Personen zwischen 60 und 79 Jahren sind in der Erwachsenenbevölkerung Deutschlands mit knapp 28 % vertreten, in der veganen Stichprobe aber nur mit 13,7 %. Bei den über 80-Jährigen beträgt der Anteil in der Erwachsenenbevölkerung etwa 8 %, unter den Veganer:innen in dieser Umfrage lediglich 0,1 %.
- Geschlecht/Gender: In der Gesamtbevölkerung sind Männer (49 %) und Frauen (51 %) nahezu gleich verteilt, der Anteil nicht-binärer/diverser Personen liegt in repräsentativen Befragungen unter 1 %. In unserer veganen Stichprobe ist das Bild ein anderes: Der Frauenanteil liegt bei 65,7 %, Männer sind mit 29,5 % klar unterrepräsentiert, während nicht-binäre Personen mit 4,8 % deutlich häufiger vertreten sind als in der Gesamtbevölkerung.
- Bildungsstand: In der deutschen Gesamtbevölkerung haben rund 30 % höchstens einen Hauptschulabschluss, etwa 25 % die mittlere Reife, rund 45 % die Hochschulreife und etwa 18 % einen Hochschulabschluss. Im Vergleich dazu zeigen die Veganer:innen in unserer Umfrage eine stark verschobene Verteilung: Nur 4,7 % hatten höchstens einen Hauptschulabschluss, während 42,3 % über einen Hochschulabschluss verfügten. Damit ist der Anteil der Hochgebildeten unter Veganer:innen mehr als doppelt so hoch wie im Bevölkerungsschnitt, während niedrige Abschlüsse deutlich seltener sind.
Diese Unterschiede zwischen der veganen Stichprobe und der Gesamtbevölkerung bedeuten, wie oben bereits angesprochen, keineswegs, dass die Umfrage verzerrt wäre. Vielmehr spiegelt unsere Stichprobe ein typisches Muster wider, das bei Veganer:innen zu erwarten ist.
Insgesamt sprechen die Befunde für eine plausible Übertragbarkeit auf Veganer:innen im deutschsprachigen Raum, auch wenn eine vollständig repräsentative Generalisierung nicht gewährleistet werden kann.
Komplett ausgeschlossen werden kann übrigens die Hypothese, dass der Einfluss unseres gesellschaftlich bereits positionierten Netzwerkes (Gleichklang/vegan.eu) die Ergebnisse verzerrt haben könnte:
- Die große Mehrheit der Teilnehmenden wurde nicht über unser Netzwerk gewonnen, und auch bei Ausschluss der Teilnehmenden unseres Netzwerkes bleiben alle hier im Folgenden dargestellten Befunde vollauf erhalten.
Zusammenfassend kann die hier vorgelegte Umfrage sicherlich nicht in einem formalen Sinn als repräsentativ für Veganer:innen betrachtet werden, was im Übrigen sogar für wissenschaftlich publizierte Studien in aller Regel nicht der Fall ist. Dennoch lässt sich tragfähig annehmen, dass sich eine solche formal repräsentative Stichprobe vermutlich nur moderat von den aktuellen Ergebnissen unterscheiden würde.
Die Relevanz dieser Umfrage ergibt sich zudem auch daraus, dass es nicht um eine tatsächlich zuverlässige Einschätzung ganz genauer Prozentzahlen geht, sondern im Mittelpunkt der Auswertung große und starke Effekte stehen, deren Schwankungen in die eine oder andere Richtung in einer auch formal repräsentativen Befragung vermutlich wenig Unterschiede machen würden.
Eine Sicherheit für Repräsentativität kann also nicht gegeben werden, doch die Wahrscheinlichkeit, dass die Ergebnisse in ihren Hauptzügen gut übertragbar sind, ist hoch.
Hinzuweisen ist auch darauf, dass es sich bei der hier publizierten Umfrage um keine wissenschaftliche Veröffentlichung handelt. Aus der Umfrage sind aber für Teilfragen (z. B. zu sexuellen und romantischen Beziehungen von Veganer:innen) wissenschaftliche Publikationen für einen späteren Zeitpunkt geplant.
Statistische Auswertung
In dieser Darstellung dominiert die deskriptive Wiedergabe von Prozentwerten oder auch Mittelwerten. Die Unterschiede zur Allgemeinbevölkerung sind teilweise so stark, dass die Signifikanz offensichtlich ist, zum Beispiel, wenn in der aktuellen Umfrage die CDU an der 5 %-Hürde scheitert.
Es wurden zusätzlich multivariate Datenanalysen, optimale Skalierungen, einfache Mittelwertvergleiche und Korrelationsrechnungen durchgeführt. Bei sehr vielen Maßen in einer Untersuchung können schnelle Scheinkorrelationen durch Zufall entstehen. Beschriebene Effekte, zum Beispiel von Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnort oder Rekrutierungsweg auf die Ergebnisse, wurden daher durch Adjustierungen für die Fehlerwahrscheinlichkeit nach Holm abgesichert.
Es wurde dabei zunächst ein Gesamtmodell berechnet, sodann separate Modelle für Prädiktoren und Kriterien mit jeweils entsprechenden Adjustierungen und nachfolgend gegebenenfalls Einzeleffekte für die verbliebenen signifikanten Variablen mit entsprechender Anpassung an die Anzahl der Vergleiche durchgeführt. Als Signifikanzniveau wurde allgemein 5 % zugrunde gelegt, mit entsprechender oben beschriebener Adjustierung bei multiplen Tests.
Im Ergebnis können die hier dargestellten Befunde als robust betrachtet werden, wobei das Vorgehen gleichzeitig bei hohem Stichprobenumfang sicherstellte, dass relevante Effekte auch als solche erkannt wurden.
Erhobene Maße
Welche Parteien wählen Veganer:innen?
Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, auszuwählen, für welche Partei sie bei einer Bundestagswahl stimmen würden. Ebenfalls hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit anzugeben, dass sie nicht wählen oder sie mit den Parteien in der Bundesrepublik Deutschland nicht vertraut seien. Nur die Wahl jeweils einer Partei war möglich, Doppelwahlen waren nicht möglich.
Folgende Parteien wurden vorgegeben:
- CDU/CSU
- AfD
- SPD
- FDP
- BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht)
- Die Linke
- Bündnis 90/Die Grünen
- Volt
- V-Partei³
- Tierschutzpartei (Partei Mensch Umwelt Tierschutz)
- Aktion Partei für Tierschutz
- Partei der Humanisten
- Deutsche Kommunistische Partei
- Ökologisch-Demokratische Partei
- Die PARTEI (Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative)
- Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands
- Sozialistische Gleichheitspartei
- Basisdemokratische Partei Deutschland
- Letzte Generation („Parlament aufmischen“)
- Klimaliste Deutschland
- Piratenpartei Deutschland
- Bündnis C – Christen für Deutschland
- Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit
- Freie Wähler
- Partei des Fortschritts
- Partei der Vernunft
- Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung
- Aktion Bürger für Gerechtigkeit
- Menschliche Welt
- Familien-Partei Deutschlands
- Die Heimat
- Bündnis Deutschland
Der Vorteil der Abfrage der Parteienwahl ist, dass sie gültige Aufschlüsse über die parteipolitische Grundorientierung gibt und zudem Vergleiche mit repräsentativen Umfragen oder Wahlen, wie der Bundestagswahl 2025, möglich sind.
Die größten Sorgen
Dieses Maß orientiert sich am Ipsos-Sorgenbarometer, einer regelmäßig weltweit und in Deutschland mit jeweils ca. 1000 Personen durchgeführten repräsentativen Erhebung über die größten Sorgen der Bevölkerung. Aus vorgegebenen 18 möglichen Sorgen wählten die Befragten jeweils ihre drei größten Sorgen aus. Es mussten exakt drei Sorgen angegeben werden, nicht mehr und nicht weniger waren erlaubt. Ausgewertet werden konnte sodann, wie viel Prozent der Befragten jeweils eine Sorge unter den drei größten Sorgen ausgewählt haben. Der Vorteil dieses Maßes ist, dass aktuelle repräsentative Daten für die Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland (sowie vieler anderer Länder) vorliegen, sodass ein direkter Vergleich von Veganer:innen mit der Gesamtbevölkerung möglich ist. Als Vergleichsmaßstab für die aktuelle Umfrage wurde die Erhebung aus Juli 2025 verwendet.
Links-Rechts-Skala
Eingesetzt wurde eine Links-Rechts-Skala mit einer Beantwortungsstufe von 1 (ganz links) bis 10 (ganz rechts). Die Werte 5 und 6 liegen hier in der Mitte, während die Werte 1–4 für eine politisch linksorientierte und die Werte 7–10 für eine politisch rechtsorientierte Einstellung sprechen. Vorteil dieses Maßes ist erneut, dass repräsentative Daten für die Bundesrepublik Deutschland vorliegen, sodass eine direkte und aussagekräftige Vergleichsmöglichkeit besteht.
Balancierte Kurzskala autoritärer Einstellungen (B-RWA-6)
Diese von Aichholzer & Zeglovits (2015) entwickelte Skala erfasst die drei Komponenten des Autoritarismus "autoritäres Unterwürfigkeit", "autoritäre Aggression" und "Konventionalismus". In der Umfrage wurde das originale Antwortformat in Form einer fünfstufigen Skala („trifft sehr zu“ bis „trifft gar nicht zu“) verwendet.
Es liegen ältere österreichische Vergleichsdaten aus AUTNES 2013 gemäß ZIS‑Dokumentation vor, sowie bezüglich des Gesamtpunktewertes u. a. eine neuere Studie aus Deutschland.
Gesellschaftliche Anliegen und Ziele von Veganer:innen
Es wurden zehn Einstellungen zu gesellschaftspolitischen Anliegen/Zielen auf einer vierstufigen Skala erfasst, die von starker Ablehnung bis zu starker Zustimmung reichte. In der Auswertung wurden die vier Stufen zu Ablehnung (starke Ablehnung, Ablehnung) und Zustimmung (starke Zustimmung, Zustimmung) jeweils zusammengefasst.
Sieben dieser Anliegen wurden regelmäßig in vorherigen Umfragen von vegan.eu und Gleichklang erfasst, während in der aktuellen Umfrage die letzten drei der zehn Anliegen hinzugefügt wurden.
Die Ablehnung der Items ist jeweils eher mit rechtsgerichtetem/konservativem Denken, die Zustimmung mit linksgerichtetem/progressivem Denken assoziiert.
Die Anliegen wurden bewusst sehr stark formuliert, sodass jede Zustimmung zu einem der Themen bereits eine klare Positionierung beinhaltet:
- Akzeptanz und Gleichberechtigung homosexueller und bisexueller Personen in allen gesellschaftlichen, juristischen und sozialen Bereichen
- Akzeptanz und Gleichberechtigung von Transgender- und nicht-binären Personen in allen gesellschaftlichen, juristischen und sozialen Bereichen
- Überwindung des Patriarchats und Gewährleistung der kompletten Geschlechter-Gleichberechtigung in allen gesellschaftlichen, juristischen und sozialen Bereichen
- Drastische und sofortige Maßnahmen, um die Klimakatastrophe aufzuhalten
- Ausstieg aus der Nutzung von Tieren und Gewährleisten von Tierrechten
- Stopp der europäischen Abschottungspolitik, Gewährleistung von sicheren Fluchtwegen, Schutz des Lebens Geflüchteter
- Leistungen von Entschädigungszahlungen und Wiedergutmachung für die koloniale Gewalt und Ausbeutung
- Beendigung von Armut und materieller Not
- Überwindung von sozialer Ungleichheit
- Offensive Entmilitarisierung und Entspannungspolitik
Alter, Geschlecht/Gender, Bildungsstand und Wohnort
Teilnehmende mussten ankreuzen, ob sie ihr Geschlecht/Gender als Mann, Frau, nicht-binär oder anderes ansehen. Die Antworten nicht-binär und anderes wurden zur gemeinsamen zur Kategorie nicht-binär zusammengeführt, da beide Kategorien von einem nicht durch eine der zwei vorgegebenen Kategorien Mann oder Frau geprägten Geschlecht/Gender ausgehen.
Das Alter wurde als ganze Zahl erhoben, wobei bei der Eingabe validiert wurde, dass ausschließlich ganze Zahlen eingegeben werden konnten. Für Vergleiche wurde auch ein Median-Split zur Veranschaulichung verwendet, mit einer jüngeren und einer älteren Gruppe.
Der höchste erreichte formale Bildungsstand wurde in neun Stufen erhoben (kein Abschluss, Hauptschule, Realschule, Fachabitur, Abitur, Fachhochschulstudium, Hochschulstudium, Promotion, Habilitation). Anschließend wurde der Bildungsstand auf vier Stufen verdichtet: höchstens Hauptschulabschluss, Realschulabschluss, Fachabitur/Abitur und Hochschulstudium. Für Vergleiche wurde zudem eine Zweiteilung herangezogen, mit einer Gruppe mit geringerer oder mittlerer Bildung (höchstens Realschulabschluss) und einer Gruppe mit höherer Bildung (Abitur oder Hochschulabschluss). Das Fachabitur wurde dabei mit dem Abitur zusammengeführt und das Fachhochschulstudium mit dem Hochschulstudium.
Als Wohnort konnte angegeben werden: Deutschland, Österreich, Schweiz oder anderes Land. Nach einer Staatsangehörigkeit wurde nicht gefragt.
Ergebnisse der Umfrage
Parteipolitisches Wahlverhalten von Veganer:innen
4,7 % der Befragten gaben an, die Parteien in Deutschland nicht zu kennen. Dies waren mehrheitlich (82,7 %) Personen mit Wohnort in Österreich (46,9 %), Schweiz (29,6 %) oder einem anderen Land außer Deutschland (6,1 %).
Nur 17,3 % derjenigen Befragten, die angaben, die Parteien nicht zu kennen, lebten zum Zeitpunkt der Umfrage in Deutschland. Demnach gaben also nur 0,9 % derjenigen, die in Deutschland lebten an, die Parteien in Deutschland nicht zu kennen. Demgegenüber lag der entsprechende Anteil bei denen, die in Österreich lebten, bei 39,4 % und bei denen, die in der Schweiz lebten, bei 30,6 %. Dies sind plausible Ergebnisse, die die Annahme stützen, dass die Teilnehmenden korrekte Angaben tätigten.
Außerdem gaben 2,7 % der Befragte an, dass sie nicht wählen werden und dies auch nicht tun würden, wenn sie wählen könnten.
Wahlverhalten der Wähler:innen
Dies sind die wichtigsten Befunde herausgegriffen:
- Etablierte Parteien marginalisiert: CDU/CSU erreichen bei Veganer:innen nur 1,2 %; SPD nur 1,6 %. FDP fällt von 4,3 % auf 0,5 % (Bundestagswahl 2025, Zweitstimmen) – praktisch keine Rolle.
- AfD: 3,3 % bei Veganer:innen.
- BSW: Bei Veganer:innen nur 2,3 %.
- Dominanz bei Veganer:innen: Klare Führung der Linken (39,9 %), gefolgt von den Grünen (32,0 %). Zusammen über 70 % – ein Spiegelbild des linken Milieus.
- Drittstärkste Kraft bei Veganer:innen: die Tierschutzpartei (7,0 %), die bundesweit nur auf rund 1,5 % kommt – also mehr als vierfacher Wert.
- Weitere kleine Parteien wie Volt (3,2 %) und V-Partei³ (3,8 %) übertreffen in der veganen Stichprobe deutlich ihre bundesweiten Ergebnisse.
In Tabelle 1 werden die Ergebnisse im Detail dargestellt:
Tabelle 1: Wahlanteile von Parteien bei Veganer:innen (absteigend sortiert, N = 1946)
Partei |
Anteil (%) |
|---|---|
Die Linke |
39,9 (37,72 – 42,07) |
Grüne |
32,0 (29,98 – 34,12) |
Tierschutzpartei |
7,0 (5,94 – 8,21) |
V-Partei³ |
3,8 (3,04 – 4,75) |
AfD |
3,3 (2,58 – 4,18) |
Volt |
3,2 (2,49 – 4,06) |
BSW |
2,3 (1,73 – 3,08) |
Aktion Partei für Tierschutz |
1,7 (1,21 – 2,37) |
SPD |
1,7 (1,21 – 2,37) |
CDU/CSU |
1,2 (0,79 – 1,77) |
Partei der Humanisten |
0,7 (0,38 – 1,27) |
Die PARTEI |
0,7 (0,38 – 1,27) |
Deutsche Kommunistische Partei |
0,6 (0,31 – 1,15) |
Ökologisch-Demokratische Partei |
0,6 (0,31 – 1,15) |
FDP |
0,5 (0,23 – 1,02) |
Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands |
0,2 (0,05 – 0,80) |
Sozialistische Gleichheitspartei |
0,2 (0,05 – 0,80) |
Basisdemokratische Partei Deutschland |
0,2 (0,05 – 0,80) |
Letzte Generation („Parlament aufmischen“) |
0,1 (0,02 – 0,57) |
Klimaliste Deutschland |
0,1 (0,02 – 0,57) |
Piratenpartei Deutschland |
0,1 (0,02 – 0,57) |
Bündnis C – Christen für Deutschland |
0,1 (0,02 – 0,57) |
Bündnis für Innovation & Gerechtigkeit |
0,1 (0,02 – 0,57) |
Freie Wähler |
0,1 (0,02 – 0,57) |
In Klammern sind die 95 %-Konfidenzintervalle angegeben, berechnet nach der Wilson-Methode. Mit 95 % Wahrscheinlichkeit liegt der wahre Prozentwert innerhalb des jeweiligen Intervalls. Nur Parteien mit mindestens einer Stimme sind aufgeführt. Personen, die angaben, die Parteien nicht zu kennen oder nicht wählen zu wollen, sind nicht enthalten. Rundungsdifferenzen von ±0,3 %-Punkten möglich).
Keine Stimmen erhielten in dieser Umfrage unter Veganer:innen die Parteien Aktion Bürger für Gerechtigkeit, Menschliche Welt, Familien-Partei Deutschlands, Die Heimat, Partei des Fortschritts, Partei der Vernunft, Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung sowie Bündnis Deutschland.
Tabelle 2 zeigt den Vergleich zwischen den Ergebnissen der Bundestagswahl 2025 und dem Wahlverhalten der Veganer:innen in dieser Umfrage für alle Parteien, die bei der Bundestagswahl oder in dieser Umfrage mindestens 1 % erzielten:
Tabelle 2: Vergleich zur Bundestagswahl (Zweitstimmen)
Partei |
Bundestagswahl 2025 (%) |
Veganer:innen-Umfrage (%, N = 1946) |
|---|---|---|
CDU/CSU |
28,5 |
1,2 |
AfD |
20,8 |
3,3 |
SPD |
16,4 |
1,6 |
Grüne (Bündnis 90/Die Grünen) |
11,6 |
32,0 |
Die Linke |
8,8 |
39,9 |
BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) |
4,9 |
2,3 |
FDP |
4,3 |
0,5 |
Freie Wähler |
1,5 |
0,1 |
Tierschutzpartei |
1,0 |
7,0 |
Volt |
0,7 |
3,2 |
V-Partei³ |
0,0 |
3,8 |
Aktion Partei für Tierschutz |
0,0 |
1,7 |
Personen, die angaben, die Parteien nicht zu kennen oder nicht wählen zu wollen, sind nicht enthalten. Rundungsdifferenzen von ±0,3 %-Punkten möglich
Das Wahlverhalten der Veganer:innen in dieser Umfrage unterschied sich also fundamental von der Allgemeinbevölkerung:
- Während bundesweit Union, SPD, FDP, AfD und BSW dominieren, fallen diese Parteien bei Veganer:innen durchweg unter die 5-%-Hürde. Stattdessen entsteht ein politisches Lager, das von Linken und Grünen angeführt wird, mit der Tierschutzpartei als drittstärkstem Akteur.
Wie wenig die Parteienpräferenzen von Veganerinnen und Veganern mit denen der Allgemeinbevölkerung zu tun haben, zeigte auch die Korrelationsanalyse:
- Sie ergab eine nicht-signifikante Rangkorrelation von nahezu null zwischen dem Wahlverhalten der Allgemeinbevölkerung bei der Bundestagswahl und den Angaben der Veganerinnen und Veganer in der aktuellen Umfrage (Spearman r = –0,08; p = 0,81).
Einflüsse von Geschlecht, Alter, Bildung und Wohnort auf die Parteienwahl
Könnte es sein, dass nicht die vegane Lebensweise, sondern Unterschiede in Geschlecht, Alter, Bildung, Wohnort oder dem Rekrutierungsweg dazu führten, dass die Teilnehmenden sich in ihrem Wahlverhalten so stark von der Allgemeinbevölkerung unterschieden?
Statistisch zeigten sich keine signifikanten eigenständigen Einflüsse von Bildungsstand und Wohnort, sodass diese bei der Beantwortung dieser Frage vernachlässigt werden konnten.
Demgegenüber beeinflussten Alter, Geschlecht und Rekrutierungsweg die Ergebnisse in einem statistisch signifikanten Sinne, wobei der Einfluss des Alters moderat und der Einfluss von Geschlecht und Rekrutierungsweg gering und nur sehr begrenzt war.
Das Alter spielte bei sechs Parteien eine signifikante Rolle, und zwar bei AfD, CDU/CSU, Grünen, Linken, BSW und der Tierschutzpartei. Das Geschlecht erwies sich nur bei den Grünen und der Linken als bedeutsam. Der Rekrutierungskanal war ausschließlich bei der Linken relevant.
In den Tabellen 3–5 wird anhand der Wählerprozente dargestellt, wie sich Alter, Geschlecht und Rekrutierungsweg auf die mit ihnen signifikant verbundenen Parteien auswirkten:
Tabelle 3: Alter und Parteiwahl unter Veganer:innen
Partei |
Jüngere (n = 925) |
Ältere (n = 1021) |
|---|---|---|
AfD |
1,5 % |
4,9 % |
Grüne |
22,1 % |
40,9 % |
Linke |
57,7 % |
23,7 % |
BSW |
1,3 % |
3,1 % |
CDU/CSU |
0,4 % |
1,9 % |
Tierschutzpartei |
3,8 % |
9,8 % |
Prozentbasis: Wähler:innen innerhalb der jeweiligen Gruppe; Nichtwähler:innen/‚Parteien nicht bekannt‘ ausgeschlossen.
Tabelle 4: Geschlecht und Parteiwahl unter Veganer:innen
Partei |
Frauen (n = 1260) |
Männer (n = 590) |
Nicht-binär (n = 96) |
|---|---|---|---|
Grüne |
35,2 % |
28,8 % |
9,4 % |
Linke |
35,1 % |
44,2 % |
76,0 % |
Prozentbasis: Wähler:innen innerhalb der jeweiligen Gruppe; Nichtwähler:innen/‚Parteien nicht bekannt‘ ausgeschlossen.
Tabelle 5: Rekrutierungskanal und Parteiwahl unter Veganer:innen
Rekrutierungskanal |
Zustimmung Linke (%, n = 1946) |
|---|---|
Facebook (n = 720) |
43,1 % |
Reddit (n = 376) |
60,1 % |
Vegane Newsletter (n = 423) |
25,5 % |
Gleichklang / Vegan.eu (n = 287) |
27,2 % |
Restgruppe (n = 140) |
38,6 % |
Prozentbasis: Wähler:innen innerhalb der jeweiligen Gruppe; Nichtwähler:innen/‚Parteien nicht bekannt‘ ausgeschlossen.
Die Ergebnisse unterstreichen insgesamt die hohe Stabilität der Befunde zum Wahlverhalten von Veganer:innen:
- In allen Untergruppen scheiterten AfD, CDU/CSU, SPD, FDP und BSW an der Prozenthürde. (Daten für SPD/FDP nicht gezeigt, liegen aber ebenfalls unter 5 %).
- In allen Untergruppen – mit Ausnahme der nicht-binären Personen – erreichten zudem Linke und Grüne weitaus höhere Werte als in der Allgemeinbevölkerung. Bei den nicht-binären Personen galt dies nur für die Linke, deren Zustimmung dort jedoch besonders stark ausgeprägt war.
- Der Rekrutierungsweg hatte ausschließlich auf die Linke einen signifikanten Einfluss, der sich in einer hohen Affinität der über Reddit gewonnenen Teilnehmenden für diese Partei ausdrückte. Bei allen Rekrutierungswegen schnitt die Linke jedoch weitaus besser ab als in der Allgemeinbevölkerung bei der Bundestagswahl.
- Auch die Tierschutzpartei erzielte in allen Gruppen deutlich höhere Zustimmungswerte als in der Allgemeinbevölkerung, wenn sie auch bei den Jüngeren die 5-Prozent-Hürde nicht überschreiten würde.
Diese Befunde verdeutlichen, dass Unterschiede nach Geschlecht, Alter, Rekrutierungsweg, Bildung oder Wohnort nicht das herausragende Muster des Wahlverhaltens von Veganer:innen erklären können. Dieses Muster ist mit der veganen Lebensweise assoziiert und bleibt auch nach Kontrolle von Alter, Geschlecht, Bildung, Wohnort und Rekrutierungskanal bestehen.
Damit wird belegt, dass Unterschiede nach Alter, Geschlecht oder Rekrutierungsweg das zentrale Muster nicht verändern. Selbst wenn man die Zusammensetzung der Stichprobe exakt an die Verteilung der Gesamtbevölkerung anpassen würde, bliebe das Bild unverändert:
- Linke, Grüne und Tierschutzpartei wären weiterhin stark überrepräsentiert, während CDU/CSU, SPD, FDP und AfD systematisch und in jedem Teilbereich deutlich unterrepräsentiert blieben.
Die vegane Lebensweise ist offenbar Ausdruck von Wertorientierungen und politischen Haltungen, die sich in einem grundlegend anderen Wahlverhalten niederschlagen. Die Ergebnisse zeigen, dass Veganer:innen anders wählen – mit einer starken Bevorzugung von Linken, Grünen und der Tierschutzpartei sowie einer durchgehend massiven Unterrepräsentation von CDU/CSU, SPD, FDP und AfD.
Die größten gesellschaftlichen Sorgen
Die Frage nach den größten Sorgen der Deutschen stellt Ipsos regelmäßig im Rahmen des Sorgenbarometers – zuletzt auch 2025. In unserer Umfrage haben wir dieselbe Frage aufgegriffen und unsere Teilnehmenden gebeten, aus 18 vorgegebenen Sorgen die jeweils drei größten zu benennen.
Tabelle 6 zeigt die prozentualen Anteile der Nennungen im Vergleich zur repräsentativen Befragung in der deutschen Allgemeinbevölkerung. Sofort werden die deutlichen Unterschiede zwischen Veganer:innen und der Gesamtbevölkerung erkennbar:
Tabelle 6: Die größten Sorgen von Veganer:innen und der Allgemeinbevölkerung im Vergleich (N = 2100, Mehrfachnennungen (genau drei) verpflichtend)
Sorge |
Veganer:innen (%, n = 2100) |
Allgemeinbevölkerung (%, n ≈ 1000) |
|---|---|---|
Klimawandel* |
65 (62,93–67,01) |
20 (17,64–22,59) |
Armut und soziale Ungleichheit* |
42 (39,91–44,12) |
30 (27,24–32,91) |
Zunehmender Extremismus* |
37 (34,96–39,09) |
22 (19,54–24,67) |
Umweltverschmutzung/-gefahren* |
37 (34,96–39,09) |
9 (7,38–10,93) |
Militärische Konflikte* |
36 (33,97–38,08) |
29 (26,27–31,89) |
Moralischer Verfall* |
21 (19.31–22.79) |
11 (9,21–13,09) |
Kriminalität und Gewalt* |
11 (9,73–12,41) |
31 (28,21–33,93) |
Gesundheitssystem* |
11 (9,73–12,41) |
19 (16,69–21,55) |
Finanzielle/politische Korruption |
10 (8,79–11,36) |
8 (6,47–9,85) |
Bildung* |
7 (5,99–8,17) |
10 (8,29–12,02) |
Zuwanderung* |
7 (5,99–8,17) |
37 (34,06–40,04) |
Aufrechterhaltung sozialer Programme |
4 (3,24–4,93) |
6 (4,69–7,65) |
Inflation* |
4 (3,24–4,93) |
27 (24,34–29,84) |
Terrorismus* |
3 (2,35–3,82) |
12 (10,13–14,16) |
Arbeitslosigkeit* |
2 (1,48–2,69) |
10 (8,29–12,02) |
Steuern* |
1 (0,65–1,52) |
11 (9,21–13,09) |
Coronavirus (Covid-19)* |
≈ 0 (0.01–0.27) |
2 (1,30–3,07) |
Zugang zu Krediten* |
≈ 0 (0.00–0.18) |
1 (0,54–1,83) |
* bedeutet, dass der Unterschied zwischen Veganer:innen und Allgemeinbevölkerung statistisch signifikant ist. In Klammern stehen 95 %-Konfidenzintervalle nach der Wilson-Methode; mit 95 % Wahrscheinlichkeit liegt der wahre Prozentwert in der Grundgesamtheit innerhalb des jeweiligen Intervalls (Angaben gerundet. Für die Vergleichsberechnungen (χ²-Tests mit Adjustierung nach Holm) mit den Ipsos-Sorgenbarometer-Daten wurde auf Basis der publizierten Prozentwerte und einer angenommenen Fallzahl von ca. 1000 Befragten (laut Ipsos-Methodenbeschreibung: c. 1000 pro Monat in Deutschland, 16–74 Jahre) eine Schätzung der absoluten Zellzahlen vorgenommen. Die exakten Fallzahlen der jeweiligen Welle sind nicht veröffentlicht, die hier verwendete Annahme führt jedoch nur zu minimalen Abweichungen und beeinflusst die Signifikanztests nicht grundsätzlich.
Große Differenzen von 20 Prozentpunkten oder mehr zeigen sich bei den Sorgen Klimawandel (45 Prozentpunkte), Zuwanderung (30 Prozentpunkte), Umweltverschmutzung (28 Prozentpunkte), Inflation (23 Prozentpunkte) und Kriminalität (20 Prozentpunkte).
Veganer:innen nannten weit häufiger den Klimawandel sowie Umweltverschmutzung, während die Allgemeinbevölkerung wesentlich häufiger Zuwanderung, Kriminalität und Inflation als zentrale Sorgen angab.
Unterschiede zwischen 10 und weniger als 20 Prozentpunkten fanden sich bei Zunehmender Extremismus, Armut und soziale Ungleichheit, Moralischer Verfall, Gesundheitssystem, Arbeitslosigkeit, Steuern und Terrorismus. Veganer:innen nannten häufiger Extremismus, Armut, Moralischer Verfall, während die Allgemeinbevölkerung häufiger Kriminalität, Gesundheitssystem, Arbeitslosigkeit, Steuern und Terrorismus benannte.
Kleinere Differenzen von unter 10 Prozentpunkten ergaben sich bei Bildung, Coronavirus (Covid-19), Zugang zu Krediten, militärischen Konflikte, Aufrechterhaltung sozialer Programme und Korruption. Veganer:innen nannten etwas häufiger Korruption und militärische Konflikte, die Allgemeinbevölkerung häufiger Bildung, Corona, Kredite und soziale Programme auswählte.
Keine signifikanten Unterschiede zeigten sich lediglich bei Korruption und Aufrechterhaltung sozialer Programme.
Ausgehend von den stärksten Abweichungen wird deutlich, dass Veganer:innen mit großem Abstand häufiger den Klimawandel und andere Umweltgefahren nannten. Gleichzeitig machten sie sich deutlich seltener Sorgen um Zuwanderung, Kriminalität und Inflation. Ebenso traten bei ihnen häufiger Sorgen wegen Armut und sozialer Ungleichheit sowie Extremismus hervor.
Besonders hervorzuheben ist der Klimawandel:
- Als größte Sorge von Veganer:innen weist er einen prozentualen Abstand von rund 45 Prozentpunkten zur Häufigkeit in der Allgemeinbevölkerung auf.
Bemerkenswert ist ebenso, dass Zuwanderung die Top-Sorge der Deutschen darstellt, bei Veganer:innen jedoch erst auf Platz 11 von 18 Sorgen rangiert.
Einflüsse von Alter, Bildung, Geschlecht, Rekrutierungskanal und Wohnort auf die größten gesellschaftlichen Sorgen
Erneut war die Frage zu stellen, ob sich die Unterschiede zur Allgemeinbevölkerung womöglich durch die besondere Zusammensetzung der Stichprobe und nicht durch die vegane Lebensweise erklären lassen. Entsprechend wurden die Einflüsse von Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Wohnort und Rekrutierungskanal erneut statistisch untersucht.
Zunächst wurde für alle 18 Sorgen überprüft, ob sich Alter, Geschlecht, Bildung, Rekrutierungskanal und Wohnort überhaupt signifikant auf die Häufigkeit ihrer Benennung auswirken.
Dabei zeigte sich, dass sich solche Effekte lediglich bei den folgenden neun Sorgen nachweisen ließen: Armut und Ungleichheit, Einwanderung, Umweltverschmutzung/-gefahren, zunehmender Extremismus, Gesundheitssystem, Kriminalität und Gewalt, Terrorismus, Klimawandel und Korruption.
Auch wenn sich bei neun Sorgen signifikante Einflüsse zeigten, war auffällig, dass die Stärke dieser Zusammenhänge zwischen trivial und gering schwankte.
Um dies zu verdeutlichen, werden hier die Auswirkungen von Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnort und Rekrutierungskanal auf die fünf Sorgen dargestellt, bei denen die größten Unterschiede zwischen Veganer:innen und der Allgemeinbevölkerung bestehen, also Klimawandel, Umweltgefahren anderer Art, Zuwanderung, Kriminalität und Gewalt sowie Inflation.
Dabei werden nur statistisch signifikante Auswirkungen berücksichtigt. So wurde die Benennung des Klimawandels lediglich durch den Bildungsstand beeinflusst, weshalb hier auch nur ein Vergleich zwischen geringem und höherem Bildungsstand gezeigt wird. Für die Inflation wird kein Vergleich dargestellt, da sich deren Nennung durch Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Wohnort und Rekrutierungskanal gar nicht signifikant auswirkte.
Tabelle 7 zeigt mit dem Bildungsstand den einzigen signifikanten Einfluss auf die Sorge um den Klimawandel. Verglichen wurden jeweils Befragte mit geringer bis mittlerer und mit hoher Bildung:
Tabelle 7: Bildungsstand und Klima-Sorgen
Gruppe |
Zustimmung % |
|---|---|
Geringe Bildung (n = 502) |
59,4 % |
Hohe Bildung (n = 1598) |
67,1 % |
Auch wenn Veganer:innen mit geringerem Bildungsstand den Klimawandel seltener als Sorge nannten, taten sie dies dennoch weitaus häufiger als die Allgemeinbevölkerung.
Die Nennung anderer Umweltgefahren als größte Sorge wurde lediglich durch das Alter beeinflusst. Tabelle 8 zeigt die Häufigkeit der Nennung anderer Umweltgefahren bei jüngeren und älteren Veganer:innen:
Tabelle 8: Alter und Umweltsorgen
Gruppe |
Zustimmung % |
|---|---|
Jüngere (n = 993) |
29,9 % |
Ältere (n = 1107) |
42,2 % |
Erkennbar wird, dass in beiden Gruppen andere Umweltgefahren sehr viel häufiger genannt wurden als in der Allgemeinbevölkerung.
Wohnort, Bildung, Alter und Geschlecht wirkten sich auf die Nennung der Zuwanderung als größte Sorge bei Veganer:innen aus. Entsprechend zeigt Tabelle 9, wie oft die drei Geschlechter, Jüngere und Ältere, Personen mit geringerem und höherem Bildungsstand sowie Personen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Zuwanderung als größte Sorge benannten:
Tabelle 9: Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnort und Zuwanderungssorgen
Gruppe |
Zustimmung % |
|---|---|
Jüngere (n = 993) |
3,6 % |
Ältere (n = 1107) |
9,8 % |
Männer (n = 620) |
5,3 % |
Frauen (n = 1379) |
7,8 % |
Nicht-binär (n = 101) |
4,0 % |
Geringe Bildung (n = 502) |
12,7 % |
Hohe Bildung (n = 1598) |
5,0 % |
Deutschland (n = 1860) |
6,8 % |
Österreich (n = 137) |
10,2 % |
Schweiz (n = 85) |
3,5 % |
Bei den nur 18 Personen aus anderen Ländern betrug die Zustimmungsrate 5,6 %.
Wiederum wird deutlich, dass Alter, Geschlecht, Bildung und Wohnort zwar einen Einfluss ausübten, dieser aber für die Interpretation wenig ins Gewicht fällt, da in allen Gruppen von Veganer:innen Zuwanderung viel seltener als größte Sorge benannt wurde, als dies bei der Allgemeinbevölkerung der Fall ist.
Abschließend zeigt sich die gleiche Situation bei der Kriminalität, deren Nennung durch Geschlecht, Bildung und den Rekrutierungskanal beeinflusst wurde. In Tabelle 10 ist ersichtlich, dass zwar eine deutliche Variation vorliegt, in allen Gruppen jedoch Kriminalität insgesamt deutlich seltener als bei der Allgemeinbevölkerung zu den Hauptsorgen gezählt wurde:
Tabelle 10: Bildung, Geschlecht und Rekrutierungs-Kanal und Kriminalitäts-Sorgen
Gruppe |
Zustimmung % |
|---|---|
Geringe Bildung (n = 502) |
20,2 % |
Hohe Bildung (n = 1598) |
9,2 % |
Männer (n = 620) |
6,8 % |
Frauen (n = 1379) |
13,4 % |
Nicht-binär (n = 101) |
8,9 % |
Kanal 1 (Facebook, n = 808) |
12,4 % |
Kanal 2 (Reddit, n = 382) |
5,5 % |
Kanal 3 (Newsletter, n = 449) |
12,5 % |
Kanal 4 (Gleichklang/Vegan.eu, n = 306) |
12,4 % |
Kanal 5 (Restgruppe, n = 155) |
13,5 % |
Die Befunde belegen, dass Veganer:innen sich von der Allgemeinbevölkerung stark in ihren größten Sorgen unterscheiden und diese Unterschiede nicht auf unterschiedliche Verteilungen in Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnort oder den Rekrutierungsweg für die Umfrage zurückgeführt werden können. Der Unterschied zwischen Veganer:innen und der Allgemeinbevölkerung ist also real und kein Artefakt von Stichprobenverzerrungen.
Sorgen und Realität
Bei Sichtung der Sorgenreihe der Veganer:innen und der Allgemeinbevölkerung entsteht der Eindruck, dass im Durchschnitt Veganer:innen die von der Wissenschaft als zentral eingestuften weltweiten Gefahren – Klimawandel, militärische Konflikte, Armut, Umweltgefahren – deutlich stärker gewichten, während die Allgemeinbevölkerung sich eher auf subjektive Sorgen (Zuwanderung, Kriminalität) oder sie direkt finanziell betreffene Sorgen (Inflation) bezieht.
Der Befund zur Allgemeinbevölkerung passt gut zu Erkenntnissen der Kriminologie, gemäß derer die subjektive Kriminalitätsfurcht nicht oder nur geringgradig mit der objektiven Kriminalitätsgefährdung korreliert.
In Anbetracht der Verheerungen, die allein durch den Klimawandel nicht nur drohen, sondern bereits begonnen haben, ist es hervorzuheben, dass dieser für Veganer:innen – nicht aber für die Allgemeinbevölkerung – an erster Stelle steht.
Links oder Rechts?
Verwendet wurde die eine Links-Rechts-Skala von 1 bis 10, wie sie auch in bevölkerungsrepräsentativen Studien eingesetzt wird. Auf dieser Skala bezeichneten sich 43 Prozent der befragten Veganer:innen als links (1–2), 41 Prozent als eher links (3–4), 13 Prozent als Mitte (5–6), 3 Prozent als eher rechts (7–8) und weniger als 1 Prozent als rechts (9–10). Es zeigt sich damit eine deutliche Häufung im linken Bereich, während rechte Positionen nahezu gar nicht besetzt sind.
Tabelle 11 verdeutlicht diese Verteilung im direkten Vergleich mit der ALLBUS-Bevölkerungsstudie 2023. In der Allgemeinbevölkerung liegt der Schwerpunkt deutlich anders: Nur rund 8 % der Befragten bezeichnen sich als links, 28 % als eher links, knapp die Hälfte (48 %) als Mitte, 13 % als eher rechts und 2 % als rechts:
Tabelle 11: Links-Rechts-Ausprägung bei Veganer:innen (N = 2100) und in der Allgemeinbevölkerung (fünfstufig)
Bereich |
ALLBUS 2023 (repräsentativ, Deutschland, N = 4992)) |
Vegan-Umfrage 2025 (N = 2100) |
|---|---|---|
Links (1–2) |
8,1 % (7,37–8,88) |
42,8 % (40,71–44,94) |
Eher links (3–4) |
28,2 % (26,97–29,47) |
40,6 % (38,54–42,73) |
Mitte (5–6) |
48,2 % (46,81–49,58) |
12,8 % (11,45–14,31) |
Eher rechts (7–8) |
13,0 % (12,10–13,96) |
3,3 % (2,60–4,14) |
Rechts (9–10) |
2,4 % (2,01–2,87) |
0,5 % (0,26–0,87) |
In Klammern stehen 95 %-Konfidenzintervalle nach der Wilson-Methode; mit 95 % Wahrscheinlichkeit liegt der wahre Prozentwert in der Grundgesamtheit innerhalb des jeweiligen Intervalls (Angaben gerunde).
Ein weiterer Vergleich wird möglich mit der Studie Distanzierte Mitte 2023, die eine fünfstufige Links-Rechts-Skala verwendete.
Um die Daten prägnant vergleichbar zu machen, wurden die Angaben zu drei Bereichen zusammengefasst:
- 1–4 als links, 5–6 als Mitte, 7–10 als rechts. In der veganen Umfrage ergeben sich so 83,3 % links, 12,8 % Mitte und 3,3 % rechts.
- Demgegenüber stehen die Werte der Gesamtbevölkerung aus der „Distanzierte Mitte“-Studie mit 29 % links, 55 % Mitte und 15 % rechts.
Tabelle 12 zeigt die Ergebnisse:
Tabelle 12: Links-Rechts-Ausprägung bei Veganer:innen und in der Allgemeinbevölkerung (dreistufig)
Bereich |
Distanzierte Mitte 2023 (repräsentativ, Deutschland, N = 1060) |
Vegan-Umfrage 2025 (N = 2100) |
|---|---|---|
Links (1–4) |
29 % (26,38 – 31,83) |
83,3 % (81,69 – 84,76) |
Mitte (5–6) |
55 % (52,01 – 57,95) |
12,8 % (11,50 – 14,34 |
Rechts (7–10) |
16 % (13,98 – 18,42) |
3,8 % (3,15 – 4,73) |
In Klammern stehen 95 %-Konfidenzintervalle nach der Wilson-Methode; mit 95 % Wahrscheinlichkeit liegt der wahre Prozentwert in der Grundgesamtheit innerhalb des jeweiligen Intervalls (Angaben gerundet .
Beide Vergleiche belegen übereinstimmend, dass die vegane Bevölkerung sich politisch fundamental von der Gesamtbevölkerung unterscheidet. Charakteristisch ist eine klare und massive Linksorientierung, verbunden mit einer sehr schwachen Mitte und dem faktischen Fehlen rechter Selbstverortungen.
Einfluss von Alter, Geschlecht, Bildung, Rekrutierungsweg und Wohnort auf die Links-Rechts-Orientierung
Es wurde untersucht, ob Alter, Geschlecht, Bildung, Rekrutierungsweg und Wohnort einen Einfluss auf die politische Selbsteinstufung auf der Links-Rechts-Skala haben. Das Ergebnis zeigte, dass nur Alter und Geschlecht eine Rolle spielten, während die anderen Faktoren ohne Einfluss blieben. Damit bestätigt sich, dass Veganer:innen unabhängig von Bildung, Rekrutierung oder Wohnort überwiegend links eingestellt sind.
Tabelle 13 und Tabelle 14 zeigen die Auswirkungen von Alter und Geschlecht durch den Vergleich von Jüngeren und Älteren (Median-Split) sowie der drei Geschlechter/Gender:
Tabelle 13: Alter und Links-Rechts-Orientierung bei Veganer:innen (N = 2100)
Altersgruppe |
Links (%) |
Mitte (%) |
Rechts (%) |
|---|---|---|---|
Jünger (n = 993) |
90,6 |
7,2 |
2,2 |
Älter (n = 1107) |
76,8 |
17,9 |
5,3 |
Tabelle 14: Geschlecht und Links-Rechts-Orientierung bei Veganer:innen (N = 2100)
Geschlecht |
Links (%) |
Mitte (%) |
Rechts (%) |
|---|---|---|---|
Frauen (n = 1379) |
81,6 |
14,3 |
4,1 |
Männer (n = 620) |
85,0 |
11,2 |
3,9 |
Nicht-binär (n = 101) |
97,0 |
2,0 |
1,0 |
Sichtbar wird, dass die Einflüsse von Alter und Geschlecht die starke Linksorientierung von Veganer:innen nicht erklären können. Auch wenn Jüngere häufiger angeben, links zu sein, als Ältere, bleibt die Linksorientierung auch bei den Älteren erhalten. Beim Geschlecht ergaben sich zudem für Frauen und Männer nahezu identische Werte. Der statistische Effekt des Geschlechts wurde allein durch den mit 97 % sehr hohen Anteil an linksorientierten Personen unter den nicht-binären Teilnehmenden verursacht.
Die Ergebnisse machen klar, dass die politische Grundausrichtung der veganen Stichprobe robust ist. Sie liegt eindeutig im linken Spektrum und dies im Wesentlichen unabhängig von soziodemografischen Merkmalen. Jüngere Personen und nicht-binäre Menschen verstärken diese Tendenz noch einmal.
Politische Ziele und geforderte Maßnahmen
Bisher ging es um die Parteienwahl, die größten Sorgen und die Selbsteinstufung auf einer Links-Rechts-Skala. Was sind aber die konkreten politischen Anliegen und Ziele, die Veganer:innen am Herzen liegen?
Tabelle 15 zeigt die Zustimmung zu den zehn gesellschaftlichen Anliegen/Zielen durch die befragten Veganer:innen in dieser Umfrage.
Tabelle 15: Zustimmung zu politischen Maßnahmen/Zielen durch Veganer:innen (absteigend sortiert, N = 2100)
Thema |
Zustimmung (%) |
|---|---|
Ausstieg aus der Nutzung von Tieren und Gewährleisten von Tierrechten |
98,5 (97,86–98,92) |
Überwindung von sozialer Ungleichheit |
98,4 (97,75–98,84) |
Beendigung von Armut und materieller Not |
98,3 (97,64–98,76) |
Akzeptanz und Gleichberechtigung homosexueller und bisexueller Personen in allen gesellschaftlichen, juristischen und sozialen Bereichen |
98,2 (97,53–98,68) |
Überwindung des Patriarchats und Gewährleistung der kompletten Geschlechter-Gleichberechtigung in allen gesellschaftlichen, juristischen und sozialen Bereichen |
96,3 (95,39–97,01) |
Akzeptanz und Gleichberechtigung von Transgender- und nicht binären Personen in allen gesellschaftlichen, juristischen und sozialen Bereichen |
94,1 (93,00–95,03) |
Drastische und sofortige Maßnahmen, um die Klimakatastrophe aufzuhalten |
93,8 (92,70–94,76) |
Stopp der europäischen Abschottungspolitik, Gewährleistung von sicheren Fluchtwegen, Schutz des Lebens Geflüchteter |
85,8 (84,25–87,24) |
Offensive Entmilitarisierung und Entspannungspolitik |
78,3 (76,47–80,00) |
Leistungen von Entschädigungszahlungen und Wiedergutmachung für die koloniale Gewalt und Ausbeutung |
77,4 (75,54–79,12) |
Zustimmung = ‚starke Zustimmung‘ + ‚Zustimmung‘ (Vierstufen‑Skala zu zwei Stufen verdichtet). In Klammern stehen 95 %-Konfidenzintervalle nach der Wilson-Methode; mit 95 % Wahrscheinlichkeit liegt der wahre Prozentwert in der Grundgesamtheit innerhalb des jeweiligen Intervalls (Angaben gerundet) .
Beim Durchsehen der Prozentzahlen in der Tabelle fällt sofort der sehr hohe Zustimmungsprozentsatz auf, der zwischen minimal 77 % und maximal 99 % schwankt.
Nahezu universell werden der Ausstieg aus der Tiernutzung, die Überwindung von sozialer Ungleichheit, die Beendigung von Armut und materieller Not, die volle Akzeptanz homosexueller und bisexueller Personen, die Überwindung patriarchischer Strukturen, die Akzeptanz und Gleichberechtigung von Transgender- und nicht-binären Personen sowie drastische Maßnahmen gegen den Klimawandel gefordert.
Seltener, aber für die aktuellen Verhältnisse in Deutschland ausgesprochen häufig, wird mit fast 86 % auch dem Stopp der europäischen Abschottungspolitik zugestimmt. Eine große Mehrheit von fast vier Fünfteln fordert zudem eine Entmilitarisierung und Entspannungspolitik sowie Entschädigungszahlungen und Wiedergutmachung für die koloniale Gewalt und Ausbeutung.
Die hier dargestellten Umfrageergebnisse sprechen für sich und bedürfen kaum einer Kommentierung:
- Veganer:innen treten in überwältigender Mehrheit für eine Gesellschaft ein, die allen die gleichen Chancen und Möglichkeiten gibt, jede Form von Diskriminierung abschafft, Wiedergutmachung für erlittenes Unrecht leistet und neben den Menschen auch den Tieren zentrale Rechte zugesteht. Tierrechte und Menschenrechte sind dabei nicht voneinander isoliert, sondern in der Vorstellungswelt von Veganer:innen offenkundig inwendig miteinander verbunden.
Einfluss von Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Rekrutierungsweg und Wohnort auf die gesellschaftlichen Anliegen von Veganer:innen
Die Untersuchung der zehn gesellschaftlichen Anliegen zeigt insgesamt ein sehr hohes Maß an Zustimmung bei Veganer:innen. Die hohen Zustimmungsraten lassen nur begrenzten Raum für Unterschiede zwischen Teilgruppen.
Entsprechend konnte die statistische Analyse (Signifikanztests mit Anpassung für multiple Vergleiche nach Holm) auch ausschließlich die folgenden signifikanten Einflüsse von Alter, Geschlecht, Bildungsstand und Wohnort identifizieren:
- Geschlecht: Unterschiede beim Thema Entmilitarisierung – Frauen 80,5 %, Männer 71,9 %, nicht-binäre Personen 88,1 %.
- Alter: Unterschiede bei zwei Themen – Asyl/Flucht: Jüngere 91 %, Ältere 81 %. Kolonialismus: Jüngere 84 %, Ältere 72 %.
- Bildung: Unterschied beim Thema Asyl/Flucht – höherer Bildungsgrad 88 %, niedriger Bildungsgrad 80 %.
- Wohnort (Land): Unterschied beim Thema Entmilitarisierung – Deutschland 77 %, Schweiz 86 %, Österreich 91 %, andere Länder 89 %.
- Rekrutierungsweg: keine robusten Unterschiede.
Diese Befunde sind konsistent und nachvollziehbar. Sie machen deutlich, dass jüngere Befragte beim Asyl- und Kolonialismusthema höhere Zustimmung äußern als ältere, was auf eine mit zunehmendem Alter etwas konservativere Haltung hinweist. Der Unterschied nach Bildungsgrad beim Asylthema zeigt, dass mit höherer Bildung eine stärkere Sensibilität gegenüber Diskriminierung und ein höheres Gewicht des Schutzes Geflüchteter verbunden sind.
Auffällig ist zudem der Wohnort-Effekt bei der Entmilitarisierung:
- Während die Zustimmung in Deutschland bereits hoch ist, fällt sie in der Schweiz und in Österreich noch deutlich stärker aus. Dies lässt sich plausibel mit der besonderen sicherheitspolitischen Situation Deutschlands im Kontext des Ukraine-Krieges einerseits und mit den langen Neutralitäts- und Diplomatietraditionen in der Schweiz und Österreich andererseits erklären.
Der eigentlich zentrale Befund ist aber, dass selbst die Gruppen mit den niedrigsten Zustimmungswerten sehr hohe Zustimmungsraten zeigen. Damit können die untersuchten Anliegen als Grundanliegen der gesamten veganen Community identifiziert werden.
Autoritarismus bei Veganer:innen – Ergebnisse der B-RWA-6
Die Balancierte Kurzskala autoritärer Einstellungen (B-RWA-6) umfasst sechs Fragen, die den drei Dimensionen Autoritäre Unterwürfigkeit (Items 1 und 2), Autoritäre Aggression (Items 3 und 4) sowie Konventionalismus (Items 5 und 6) zugeordnet sind.
Die Antworten der Befragten können in Tabelle 16 entnommen werden:
Tabelle 16: Die sechs Fragen zum autoritären Denken mit den Zustimmungsraten in der veganen Stichprobe (N = 2100)
Item |
Frage |
Zustimmung % |
Teils-teils % |
Ablehnung % |
Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|
1 |
Wir sollten dankbar sein für führende Köpfe, die uns genau sagen können, was wir tun sollen und wie. |
2,8 (2,18–3,61) |
20,1 (18,44–21,86) |
77,1 (75,25–78,84) |
Nahezu vollständige Ablehnung autoritärer Unterordnung |
2 |
Die Zeiten, in denen strikte Disziplin und Gehorsam zu den wichtigsten Tugenden gehören, sollten vorbei sein. |
75,6 (73,74–77,41) |
17,1 (15,55–18,77) |
7,3 (6,25–8,48) |
Bejahung der antiautoritären Gegenposition |
3 |
Unsere Gesellschaft muss einmal wirklich hart gegen Kriminelle durchgreifen. |
33,9 (31,91 % – 35,95) |
38,1 (36,05 % – 40,20) |
28,0 (26,12 % – 29,96) |
Ein Drittel Zustimmung, Mehrheit ablehnend oder neutral |
4 |
Es ist wichtig, auch die Rechte von Verbrechern zu schützen. |
51,1 (49,00 – 53,20) |
30,1 (28,20 – 32,10) |
18,8 (17,10 – 20,60) |
Mehrheit stimmt der antiautoritären Position zu |
5 |
Unser Land braucht Menschen, die sich Traditionen widersetzen und neue Ideen ausprobieren. |
80,4 (78,63–82,02) |
16,6 (15,09–18,27) |
3,0 (2,35–3,82) |
Mehrheit stimmt der antiautoritären Gegenposition zu |
6 |
Es würde dem Land besser gehen, wenn die jungen Leute sich mehr auf Werte und Traditionen besinnen würden. |
10,5 (9,24–11,86) |
26,4 (24,54–28,31) |
63,1 (61,01–65,13) |
Weitgehende Ablehnung autoritärer Traditionen |
Die Autoritarismus-Skala (B-RWA-6) wurde im fünfstufigen Antwortformat erhoben (trifft voll zu, trifft eher zu, teils/teils, trifft eher nicht zu, trifft gar nicht zu). Für die Auswertung wurden die Kategorien „trifft (eher) zu“ als Zustimmung und „trifft (eher) nicht zu“ als Ablehnung zusammengefasst. In Klammern stehen 95 %-Konfidenzintervalle nach der Wilson-Methode; mit 95 % Wahrscheinlichkeit liegt der wahre Prozentwert in der Grundgesamtheit innerhalb des jeweiligen Intervalls (Angaben gerundet).
Diese Einzelergebnisse verdeutlichen bereits, dass autoritäre Unterordnung und konventionelle Werthaltungen von der großen Mehrheit der befragten Veganer:innen abgelehnt werden. Auch ein scharfes Vorgehen gegen Straftäter:innen, wie es oft in der Allgemeinbevölkerung gefordert wird, wird nur von einer Minderheit der Veganer:innen bejaht.
Nach Umpolung der Skala (1 = stark antiautoritär, 5 = stark autoritär) ergeben sich in der veganen Stichprobe folgende Mittelwerte für die drei Dimensionen autoritären Denkens:
- Autoritäre Unterwürfigkeit: 1,88
- Autoritäre Aggression: 2,81
- Konventionalismus: 1,99
Alle Werte liegen unterhalb der Skalenmitte von 3 und sind insofern Ausdruck eines insgesamt antiautoritären Antwortmusters.
Zur Einordnung bietet sich der Vergleich mit den Daten der AUTNES 2013 , die in Österreich erhoben wurden. Auch diese Werte wurden nach der gleichen Logik umgerechnet:
Tabelle 17: Vergleich autoritären Denkens von Veganer:innen und Allgemeinbevölkerung
Dimension |
AUTNES (repräsentativ) |
Veganer:innen (N = 2100) |
|---|---|---|
Autoritäre Unterwürfigkeit |
2,75 |
1,88 |
Autoritäre Aggression |
3,45 |
2,81 |
Konventionalismus |
3,30 |
1,99 |
Die Vergleichswerte stammen aus zwei bei GESIS dokumentierten AUTNES-Studien (2013). Die Itemmittelwerte der F2F- und WEB-Stichprobe wurden umgepolt (6 – M), gemittelt und daraus die Skalenwerte für Unterwürfigkeit, Aggression und Konventionalismus berechnet.
Während die Bevölkerung in AUTNES Werten näher am autoritären Denken liegt, sind die Werte der Veganer:innen in allen drei Dimensionen niedriger. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied bei Unterwürfigkeit und Konventionalismus, aber auch bei Aggression ist ein Abstand erkennbar.
Vergleich mit neueren Daten
Die AUTNES-Daten sind älter; eine neuere Studie aus Deutschland aus dem Jahr 2022 mit 454 Teilnehmenden im Alter von 17 bis 75 Jahren berichtet für die B-RWA-6 zwar keine Einzel-Itemwerte oder Werte für die drei Dimensionen, aber einen Gesamtscore, aus dem sich auf umgepolter Itemebene ein Durchschnittswert von 3,49 (SD ≈ 0,65) ergibt. Dieser Wert ist signifikant höher (t = 37,49; p < 0,001) als der von der veganen Stichprobe in dieser Umfrage erreichte Mittelwert von nur 2,23 (SD = 0,64).Damit repliziert die Auswertung die vorherige Aussage, dass Veganer:innen weniger zu autoritärem Denken neigen, anhand neuerer Daten aus der Allgemeinbevölkerung.
Einfluss von Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Rekrutierungsweg und Wohnort auf autoritäre Einstellungen
Geschlecht, Wohnort und Rekrutierungskanal zeigten in dieser veganen Stichprobe keine signifikanten Effekte auf die Ausprägung in den drei Dimensionen autoritären Denkens. Signifikante Unterschiede ließen sich jedoch für Alter und Bildung nachweisen.
Deutliche Unterschiede zeigten sich vorwiegend bei der Dimension der autoritären Aggression:
- Nur 27 % der Jüngeren (n = 993) stimmten der Forderung nach hartem Durchgreifen gegen Kriminelle zu, bei den Älteren (n = 1107) waren es 40 %. Umgekehrt unterstützten 64,7 % der Jüngeren die Aussage, dass auch Rechte von Kriminellen geschützt werden müssen, während dies nur 38,9 % der Älteren taten.
Auch beim Bildungsgrad ergaben sich bei der autoritären Aggression Unterschiede:
- Gering Gebildete (n = 502) stimmten zu 49 % der Forderung nach hartem Durchgreifen zu, höher Gebildete n = 1598) nur zu 29 %. Zudem unterstützten 56 % der höher Gebildeten den Schutz von Rechten für Kriminelle, während dies bei geringer Gebildeten nur 36 % waren.
Bei Konventionalismus zeigten sich schwächere Unterschiede:
- Jüngere (n = 993) befürworteten zu 88,9 % die Aussage „Unser Land braucht Menschen, die sich Traditionen widersetzen und neue Ideen ausprobieren“, während Ältere (n = 1107) dies nur zu 72,7 % taten. Der Aussage „Es würde dem Land besser gehen, wenn die jungen Leute sich mehr auf Werte und Traditionen besinnen würden“ stimmten unter den geringer Gebildeten (n = 502) 17,0 % zu, während unter den höher Gebildeten (n = 1107) lediglich 8,5 % zustimmten.
Bei der autoritären Unterwürfigkeit bestanden demgegenüber keine signifikanten Unterschiede.
Auch unter Berücksichtigung der hier gefundenen Unterschiede von Alter und Bildungsstand lässt sich verallgemeinern, dass die antiautoritären Einstellungen von Veganer:innen mehrheitlich geteilt werden und nicht nur oder vorrangig auf Einflüsse von soziodemografischen Variablen zurückzuführen sind. Der komplett fehlende Einfluss des Rekrutierungswegs spricht ebenfalls für eine hohe Generalisierbarkeit der Befunde auf Veganer:innen im Allgemeinen.
Veganer:innen blicken mit großer Sorge auf die weltweiten Entwicklungen
Die im Folgenden kursorisch berichteten weiteren Ansichten von Veganer:innen beruhen auf vierstufigen Skalen (starke Ablehnung bis starke Zustimmung), wobei die beiden Zustimmungskategorien (Zustimmung, starke Zustimmung) jeweils zusammengefasst wurden.
Veganer:innen betrachten die weltweiten Entwicklungen mit großer Sorge und sehen eine gefährliche Zuspitzung:
- 88,7 % sprechen von einer massiven Rechtswende. 86,5 % gehen sogar davon aus, dass die Gefahr eines neuen Faschismus real ist. 91,3 % bewerten entsprechend Donald Trump als Gefahr für die Welt, während nur 1,8 % ihn positiv einschätzen. 91,5 % der Befragten beklagen, dass gesellschaftliche Empathie und Mitgefühl derzeit verloren gehen. 91,7 % geben an, dass Menschenrechte mit Füßen getreten werden. 93,3 % sehen zugleich, dass die Durchsetzung von Tierrechten dadurch erschwert werde.
Die große Mehrheit plädiert dafür, sich gegen diesen gesellschaftlichen Trend zu stemmen:
- 85,3 % geben an, Veganer:innen müssten Widerstand gegen die Rechtswende leisten. 87,1 % identifizieren sich dabei mit den Protesten der Klimaschützer:innen. Nur 11,1 % setzen stattdessen auf gesellschaftlichen Rückzug in vegane Kommunen. 18,6 % geben aber an, eine Antwort in der Spiritualität suchen zu wollen.
Letztlich plädieren Veganer:innen für eine grundlegend veränderte Gesellschaft:
- 89,9 % der befragten Veganer:innen bejahten die Aussage, dass ein fundamental anderes, nicht auf Wachstum orientiertes Wirtschaftssystem notwendig sei, um einen Ausweg aus der gegenwärtigen Abwärtsspirale zu finden.
Begrenzungen und Interpretation
Die Hauptbegrenzung ist, wie bereits ausführlich diskutiert, die Frage der Repräsentativität:
- Eine strenge formale Repräsentativität ist dabei nicht gegeben. Dies gilt allerdings für alle uns bekannten Umfragen unter Veganer:innen und auch für wissenschaftlich veröffentlichte Artikel.
Die Stichprobe entspricht in ihrer Zusammensetzung bezüglich soziodemografischer Merkmale dem, was nach wissenschaftlichen Studien für Veganer:innen zu erwarten ist: weiblich geprägt, jünger und gebildet. Der über 4 % liegende prozentuale Anteil nicht-binärer Personen weist darauf hin, dass wahrscheinlich auch diese Gruppe unter Veganer:innen überrepräsentiert ist im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung – ein interessanter Befund, der zu replizieren und weiter zu untersuchen wäre.
Die Begrenzungen, die sich aus der formal nicht gegebenen Repräsentativität ergeben, sind ihrerseits begrenzt, wenn die Umfrage im Rahmen dessen, was aus ihr tatsächlich über Veganer:innen ableitbar ist, richtig interpretiert wird:
- Die Analysen haben gezeigt, dass bei allen starken und großen Effekten eine hohe Robustheit gegenüber Auswirkungen von Rekrutierungsweg, Geschlecht/Gender, Bildungsstand, Alter und Wohnort (Wohnsitzland) besteht. Vor diesem Hintergrund ist es unwahrscheinlich, dass sich in einer auch formal repräsentativen Studie diese Ergebnisse nicht wesentlich anders darstellen würden.
Die Umfrage ermöglicht insofern ein glaubwürdiges Bild der politischen Einstellungen von Veganer:innen, ohne dass versucht werden sollte, kleinere Unterschiede übermäßig zu interpretieren – selbst wenn diese signifikant sind – oder genaue Prozentwerte für alle Veganer:innen schätzen zu wollen:
- Der drastische Absturz von CDU/CSU, AfD und SPD in dieser Umfrage ist also beispielsweise sicherlich insgesamt für Veganer:innen gültig, die Unterschiede zwischen CDU/CSU, SPD und AfD, die geringgradig sind, sollten demgegenüber nicht als gesichert angenommen werden.
- In ähnlicher Weise ist der 45 Prozentpunkte umfassende Unterschied in der Bedeutsamkeit der Sorge Klimawandel im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung fraglos relevant und gültig, während kleine Prozentunterschiede, z. B. von 3 % bezüglich Bildung als Sorge nicht interpretiert werden sollten – auch wenn sie statistisch signifikant sind –, weil hier Verschiebungen durch eine formal repräsentative Befragung zu anderen Ergebnissen gelangen könnten.
- Der starke Unterschied in der Links-Rechts-Verteilung von Veganer:innen zur Allgemeinbevölkerung kann höchstwahrscheinlich als gültig und robust angesehen werden. Die geringfügigen Unterschiede in der Häufigkeit von „links“ und „eher links“ in der veganen Stichprobe sollten demgegenüber nicht interpretiert werden.
- Auch bezüglich der erfassten zehn zentralen Anliegen verbleibt als Hauptaussage, dass eine große Mehrheit der Veganer:innen sich mit diesen Anliegen identifiziert, was sicherlich in einem Kontrast zur Allgemeinbevölkerung steht. Ob aber Veganer:innen sich beispielsweise im Allgemeinen stärker mit Entschädigungszahlungen für die Folgen des Kolonialismus oder mit dem Stopp der europäischen Abschottungspolitik gegenüber Geflüchteten identifizieren, bleibt offen, auch wenn in dieser Umfrage die Zustimmung zum Stopp der Abschottungspolitik größer war.
- Ähnlich sind die Befunde zum autoritären Denken zu interpretieren, wobei hier besonders einschränkend hinzukommt, dass aktuell auf ältere Vergleichsdaten zurückgegriffen wird. Wir haben die Autor:innen einer neueren Studie angeschrieben und um die Mitteilung der Mittelwerte und Standardabweichungen für die sechs Fragen gebeten und werden den Artikel später gegebenenfalls ergänzen. Aufgrund einer Terminierung der Veröffentlichung haben wir uns für dieses Vorgehen entschieden.
- Auch die Alters-, Geschlechts- und Bildungsunterschiede oder Unterschiede zwischen den Wohnsitzländern sollten nur mit Vorsicht interpretiert werden, bevor diesbezügliche Replikationen in anderen Stichproben erfolgt sind.
Insgesamt lässt sich sagen, dass die zentralen Hauptaussagen als robust eingeschätzt werden können, innerhalb der Details aber viel Unsicherheit verbleibt, ob Besonderheiten und Unterschiede tatsächlich generalisierbar sind oder nicht.
Die Auswertung, die auf die maßgeblichen allgemeinen Trends innerhalb der veganen Community fokussiert, ist einerseits ihre Stärke, andererseits aber auch eine weitere Begrenzung in sich:
- Wir erfahren viel über die typischen Denkweisen von Veganer:innen. Interessant ist jedoch nicht nur das Allgemeine, sondern auch das Differenzielle, also die Unterschiede zwischen Veganer:innen. Zwar wurden diese Unterschiede ausführlich in Bezug auf Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungsweg analysiert, doch lag der Schwerpunkt eher auf der Allgemeinheit und der Robustheit der Ergebnisse als auf einem vertieften Verständnis der individuellen Differenzen innerhalb der veganen Community.
Dies stellt allerdings eher eine aktuelle Schwerpunktsetzung dar. Einerseits ist diese hilfreich, weil so das Vertrauen in die Befunde und ihren allgemeinen Bedeutungscharakter steigt. Andererseits lenkt diese Schwerpunktsetzung den Blick von den vielfältigen Unterschieden zwischen Veganer:innen und deren möglicher Bedeutung ab:
- So wäre es unter anderem interessant zu erfahren, was in den 3,3 % der Veganer:innen vorgeht, die die AfD wählen. Ebenso stellt sich die Frage, welche Unterschiede zwischen jenen Veganer:innen bestehen, die Widerstand gegen die Rechtsentwicklung leisten, und solchen, die sich in eigene Communitys von der Gesellschaft zurückziehen möchten.
Es tut sich hier eine nahezu unendliche Zahl von Fragen und Analysemöglichkeiten auf, die in der aktuellen Auswertung nicht behandelt wurden. Einige dieser Fragen werden wir jedoch anhand derselben Umfrage in künftigen Auswertungen untersuchen. Die derzeitige Begrenzung bedeutet also nicht, dass diese Fragen nicht beantwortet werden können.
Resümee aus veganer Sicht – Eine Community, die Empathie, Mitgefühl und Gerechtigkeit ins Zentrum stellt
In Anbetracht der Fülle an Daten und der Länge des Artikels bleibt das Resümee kurz und auf sechs Schlussfolgerungen verdichtet:
- In dieser Umfrage haben wir 2100 Veganer:innen zu ihren politischen Einstellungen befragt. Dies ist die größte uns bekannte Erhebung unter Veganer:innen im deutschsprachigen Raum. Die Befunde sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im Wesentlichen auf die vegane Community als Ganzes in Deutschland, Österreich und der Schweiz übertragbar. Die überwiegend weibliche, jüngere und gebildete Stichprobe ist keine Verzerrung, sondern entspricht der Verteilung dieser Merkmale in der veganen Community. Zudem bleiben alle wesentlichen Befunde aufrechterhalten, auch wenn Unterschiede zwischen Geschlecht/Gender, Alter, Bildungsstand, Wohnort und Rekrutierungskanal berücksichtigt werden. Die hohe Robustheit der Befunde gerade auch bezüglich der verschiedenen Rekrutierungskanäle, aber auch bezüglich Alter, Geschlecht, Bildungsstand und Wohnort, unterstützt die Generalisierbarkeit der Befunde. Diese Umfrage zeigt also, wie die vegane Community politisch-gesellschaftlich tatsächlich tickt.
- Veganer:innen identifizieren sich mit politischen Zielen, die auf die Förderung von Diversität, den Abbau von Diskriminierung jeder Art und den Schutz von Geflüchteten, die Entschädigung für koloniale Gewalt, die Überwindung von sozialer Ungleichheit und Armut, den Abbau patriarchalischer Strukturen und den Ausstieg aus einer auf Aufrüstung und Drohgebärden setzenden Außenpolitik gerichtet sind. Gleichzeitig plädieren Veganer:innen dabei ebenfalls nahezu universell für den Ausstieg aus Tiernutzung und Tierausbeutung sowie die Herstellung von Tierrechten. Politisch ordnen sich Veganer:innen in großer Mehrheit links ein. Rechte sind unter Veganer:innen eine Rarität. Dass die vegane Lebensweise genau keine Assoziation mit rechtsgerichtetem oder menschenfeindlichem Denken aufweist, zeigt auch das politische Wahlverhalten von Veganer:innen, wo die AfD ebenso wenig eine Chance hat wie die altbekannten Mainstreamparteien CDU/CSU, SPD oder FDP. Vielmehr wählen Veganer:innen überwiegend die Linke, gefolgt von den Grünen oder auch die Tierschutzpartei. Veganer:innen zeigen zudem eine Abneigung gegenüber autoritärem Denken, sind unkonventionell und orientieren sich wenig an Traditionen.
- Die Unterschiede zwischen Veganer:innen und der Allgemeinbevölkerung kommen deutlich auch bei den größten gesellschaftlichen Sorgen zum Tragen. Während sich die Allgemeinbevölkerung insbesondere an möglichen Auswirkungen auf die eigene Person und eher subjektiven Befürchtungen orientiert, beziehen sich Veganer:innen in ihren größten Sorgen auf die drängenden Fragen der Welt und Menschheit, wie Klimawandel, andere Umweltgefahren oder Armut. Ängste vor Zuwanderung stehen bei Veganer:innen ganz hinten, stellen aber bei der Allgemeinbevölkerung die Topsorge dar. Auch Kriminalitätsgefahren werden von Veganer:innen deutlich geringer bewertet als von der Allgemeinbevölkerung. Veganer:innen zeigen damit eine stärkere Orientierung in ihren Prioritäten an den auch aus wissenschaftlicher Sicht erkennbaren globalen Bedrohungen.
- Eine besondere Nähe von Veganer:innen zu menschenfeindlichem und rechtsgerichtetem Denken kann sicher anhand der vorliegenden Befunde ausgeschlossen werden. Veganer:innen sind in überwältigender Mehrheit tierethisch motiviert und sie treten mit demselben Impetus für Menschenrechte ein. Der teilweise behauptete Widerspruch zwischen Menschenrechten und Tierrechten ist jedenfalls anhand der aktuellen Befunde konstruiert. Aus veganer Perspektive – dies sei ergänzt – kann gerade eine tierethische Orientierung die Schwelle für Gewalt und Grausamkeit erhöhen und Empathie und Mitgefühl fördern, wodurch die Rechte von Menschen und von Tieren gefördert werden.
- Freilich bedeutet dies nicht, dass es keine menschenrechtsgerichtete oder menschenfeindliche Veganer:innen geben würde. In jeder Gruppe von Menschen gibt es immer Variabilität, und in jeder Gruppe lassen sich auch problematische Muster identifizieren. Sicherlich gibt es etwa einzelne Veganer:innen, die Tiere misshandeln, aber dies bedeutet nicht, dass der Veganismus eine Nähe zur Tierquälerei aufweisen würde. Ebenso ist es mit rechtsgerichtetem und menschenfeindlichem Denken. Es gibt einzelne Veganer:innen, die solches vertreten, aber diese sind nicht der Regelfall, sondern die Ausnahme innerhalb einer ethischen Grundorientierung, die tatsächlich mit rechtsgerichtetem Denken schwer vereinbar ist. Die in dieser Umfrage erbrachten Ergebnisse stützen diese Annahmen.
- Abschließend sei aus veganer Perspektive argumentiert, dass die Gesellschaft gut daran täte, die Sorgen der Veganer:innen ernst zu nehmen, die eine generalisierte Erosion von Empathie und Mitgefühl, eine Aushöhlung der Menschenrechte und das Verfangensein in einem fundamental weder nachhaltigen noch solidarischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem beklagen. Gerade weil Veganer:innen in ihren Einstellungen ein hohes gesellschaftliches Realitätsbewusstsein bezüglich globaler Gefahrenlagen zeigen, ergibt es Sinn, ihren Wahrnehmungen Gewicht zukommen zu lassen.
Ausblick
Es gibt noch viele Fragen, die offenbleiben, und wir haben in der Umfrage zahlreiche weitere Aspekte erhoben, die wir auch mit den politisch-gesellschaftlichen Einstellungen von Veganer:innen zu einem späteren Zeitpunkt in Verbindung bringen werden:
- Wie wirken sich beispielsweise religiöse oder spirituelle Vorstellungen oder Praktiken der Selbstoptimierung auf die politischen Ansichten aus?
- Welche Rollen spielen Empathie und Mitgefühl als Vermittlungsglieder zur politischen Positionierung?
- Wie wirken sich Motive für die vegane Lebensweise aus?
Diese und zahlreiche weitere Fragen werden wir noch in weiteren Auswertungen beantworten. Die nächste Auswertung aus unserer großen Vegan-Umfrage 2025 wird in ca. drei Wochen erscheinen.
Eine abschließende Bitte:
- Bitte schreibt eure Anmerkungen und Erfahrungen zur Thematik unten in die Kommentare, macht diese Umfrage und die Ergebnisse in eurem Freundes- und Bekanntenkreis sowie über die sozialen Netzwerke bekannt und tragt euch auch in unseren Newsletter ein, um über die nächste Etappe der Ergebnisauswertung informiert zu werden.







Super Ergebnis. Danke für die sehr gute Umfrage. Ich stelle mir nur die Frage, wie wir schneller mehr werden? – Damit die Welt zu einem friedlicheren, gerechteren Ort wird.
Leider gibt es auf diese Frage keine ganz einfache Antwort. Aktuell – aufgrund der politischen Situation – nimmt das Interesse beispielsweise an veganen Produkten sogar ab. Die Fleischwirtschaft geht wieder in die Offensive. Grundsätzlich ist bei einer gesellschaftlichen Rechtswende zu erwarten, dass Einstellungen gefördert werden, die der Tiernutzung zugrunde liegen. Insofern befindet sich der Veganismus derzeit eher in einer Phase der Stagnation und hat momentan auch nicht mehr in der Öffentlichkeit die Stimme, die er noch vor fünf Jahren hatte.
Was wir tun können, ist wohl nicht zu resignieren, sondern weiterhin in unserem Umfeld die Möglichkeit und den Sinn der veganen Lebensweise zu vertreten, uns öffentlich für Veganismus einzusetzen und uns der aktuellen gesellschaftlichen Rechtswende entgegenzustellen. Natürlich ist es frustrierend, dass nach so langer Zeit und bei so vielen guten Argumenten Veganer:innen weiterhin eine kleine Minderheit bleiben.
Nach soziologischen Studien können Minderheiten am besten Auswirkungen auf die Gesamtgruppe haben, wenn sie ihr Anliegen konsistent vertreten, ohne es zu verwässern. Gehen sie zu stark auf die Mehrheitsposition zu, gehen sie in der Mehrheit unter und ihre eigenen Positionen und Lebensweisen erodieren. Insofern bleibt nach meiner Einschätzung als einziger Weg, auf allen Ebenen konsistent und begründet für die vegane Lebensweise zu werben.
Es lässt mich fassungslos, zugleich traurig zurück, wenn ich das lese. Vielen Veganern scheint (ist) es offenbar/offensichtlich/tatsächlich völlig egal zu sein, was Menschen angetan wurde, und weiterhin angetan wird!
NIEMAND kann über das was ab 01.01.2020 begann und über Jahre weltweit, insbesondere (wieder so „wie damals”) in Deutschland seitens der großen Masse der Bevölkerung, sowie der s. g. „etablierten” Parteien (SPD, CDU, CSU, GRÜNE [insbesondere!], LINKE, FDP) und den Mainstream-Medien, allen voran ÖRR (ARD, ZDF & Co) geschah behaupten, „ich wusste es nicht”… „habe es nicht gehört”… „nicht gesehen”. Nochmal: NIEMAND !!!
Zutiefst erschreckend, diese Ignoranz, Gleichgültigkeit, dieser Egoismus und diese Empathielosigkeit… dieses Augen, Ohren und Mund verschlossen gehalten zu haben und weiterhin zu verschließen… Genau so „wie damals”.
Wie viele von denen, die ab 01.01.2020 mitgemacht haben, sprich Augen, Ohren und Mund verschlossen gehalten haben, insbesondere die aktiv mitgemacht haben, hätten wohl auch „damals” mitgemacht ??? Möchte gar nicht drüber nachdenken, geschweige zu Ende denken. Denn das Ergebnis würde sicher nichts Gutes bedeuten!
„Wer schweigt (und schwieg), macht(e) sich mitschuldig.”
Irgendwie sprichst Du für mich wie von einem anderen Planeten. Veganer:innen sehen in großer, überwältigender Mehrheit den Klimawandel, andere Umweltgefahren, weltweite Armut etc. als die größten Gefahren. Sie erkennen den dramatischen Rechtsruck und die Gefahr, die von Donald Trump ausgeht. Sie setzen sich entschieden für Menschenrechte UND für Tierrechte ein. Sie sind am untersten Ende von Skalen zum autoritären Denken angesiedelt. Die treten ein u.a. für die Überwindung von sozialer Ungleichheit, drastische Maßnahmen für den Klimaschutz, Anerkennung von Diversität, Entmilitarisierung und Diplomatie, sichere Fluchtwege. Ich habe ehrlich gesagt noch über keine anhand des Lebensstiles definierbare Teilgruppe gehört, die in so einem hohen Ausmaß mitmenschliche und auf Mitgefühl beruhende Grundeinstellungen vertritt.
Diese Umfrage zeigt, dass Veganer:innen nicht nur gut für Tiere sind, sondern auch für eine bessere Welt kämpfen. Sie wählen eher die Grünen als die CDU, was ja auch verständlich ist – wer nachhaltig kochen will, möchte ja auch die Welt ein bisschen grüner machen. Und Sorgen um den Klimawandel? Na klar, wer sich so intensiv um Tiere kümmert, denkt ja auch an, dass die Erde ein kleines Lebewesen ist. Lang lebe die Vegane Demokratie!MIM
Ich sehe Deinen Kommentar eher als einen ironischen Kommentar, auch wenn ich vielleicht nicht ganz verstehe, worauf Du hinauswillst. Veganer:innen wählen an erster Stelle die Linke. An zweiter Stelle kommen dann tatsächlich die Grünen. Hauptbefunde sind aber die inhaltlichen Aspekte, dass Veganer:innen
sich einsetzen für Diversität, Geflüchtete, drastische Maßnahmen zum Klimaschutz, gegen Armut, für Entschädigung für koloniales Unrecht oder auch dafür, dass Sie deutlich seltener autoritäre Einstellungen haben. Zudem sehen sie den Klimawandel als die größte Sorge an und nicht Migration wie viele andere. Wie sich das parteipolitisch umsetzt, hängt auch mit strategischem Denken etc. zusammen. Die überwältigende Mehrheit der Veganer:innen lehnt jedenfalls die aktuelle Rechtswende ab und will dagegen Widerstand leisten. Legen wir die inhaltlichen Positionen zugrunde, lässt sich gut erkennen, dass viele Veganer:innen, die grün wählen, tatsächlich diese eher als aus ihrer Sicht kleineres Übel betrachten. Nach den Ergebnissen der Umfrage sind Veganer:innen jedenfalls nicht vorwiegend egozentriert (ausschließlich „nachhaltig kochen wollen“), sondern am Gemeinwohl orientiert. Das wundert auch nicht, schließlich geht es dem Veganismus letztlich vorrangig darum, Leid, das vermeidbar ist, zu vermeiden.
Ich wuerde mir eine zusaetzliche Differenzierung des Wohnhorts innerhalb Deutschlands nach Alte vs. Neue Bundeslaender, sowie allgemein nach urbane vs. rurale Regionen wuenschen.
Da hast Du Recht, sie war in der Untersuchung leider nicht enthalten.