Gibt es Vegansexualität? Unsere Umfrage gibt Antworten

Gibt es Vegansexualität? Unsere Umfrage gibt Antworten

Eine große Umfrage unter 2100 Veganer:innen zur sexuellen Präferenz, Partnerernährung und Beziehungserleben

Als die Soziologinnen Annie Potts und Mandala White das Konzept der Vegansexualität als sexuelle Vorliebe für vegan lebende Menschen in die Diskussion einführten, ernteten sie Empörung, Spott und den Vorwurf, ein modisches Etikett zu erfinden, um Alltägliches aufzublasen oder sich moralisch zu profilieren.

  • Doch ist das wirklich alles, was sich hinter dem Begriff verbirgt?
  • Oder gibt es tatsächlich eine psychologisch bedeutsame sexuelle Präferenz für vegan lebende Menschen, die sich messbar im Beziehungs- und Sexualerleben niederschlägt?

Genau diese Frage stand im Zentrum der großen Vegan-Umfrage 2025 von vegan.eu und Gleichklang.de, in der über 2100 vegan lebende Personen zu ihrer veganen Lebensweise, zur Ernährung ihrer Partner:innen, ihren sexuellen Präferenzen sowie zu ihrer Beziehungszufriedenheit und sexuellen Zufriedenheit befragt wurden.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich Vegansexualität als eine Dimension der sexuellen Präferenz statistisch klar belegen lässt. Sie ist messbar, psychometrisch kohärent und geht mit systematischen Unterschieden im Beziehungserleben einher. Für einen relevanten Teil der Veganer:innen ist die vegansexuelle Präferenz so stark ausgeprägt und generalisiert, dass sie – nach etablierten sexualwissenschaftlichen Kriterien – sogar als sexuelle Orientierung eingeordnet werden kann.

In der Umfrage berichten vegan lebende Personen von höherer Beziehungszufriedenheit und auch einer höheren sexuellen Zufriedenheit, wenn auch ihre Partner:innen vegan leben.

Die weiteren Auswertungen zeigten jedoch, dass hier die Vegansexualität eine entscheidende Rolle spielt:

  • Personen mit ausgeprägter Vegansexualität schildern tatsächlich eine deutlich höhere Beziehungszufriedenheit und sexuelle Zufriedenheit mit veganen Partner:innen als mit fleischessenden oder vegetarischen Partner:innen.
  • Bei Veganer:innen ohne vegansexuelle Präferenz zeigt sich dieser Zusammenhang hingegen nicht, sondern ihre Beziehungs- und sexuelle Zufriedenheit ist unabhängig von der Ernährung der Partner:innen.

 

Die Vegan-Umfrage von vegan.eu/Gleichklang.de zeigt, dass vegansexuelle Personen eine höhere Beziehungszufriedenheit erreichen, wenn auch ihre Partner:innen vegan leben.

Die Vegan-Umfrage von vegan.eu/Gleichklang.de zeigt, dass vegansexuelle Personen eine höhere sexuelle Zufriedenheit erreichen, wenn auch ihre Partner:innen vegan sind.

Die Befunde der Umfrage bleiben stabil, wenn für Effekte von Alter, Geschlecht/Gender, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungskanal statistisch kontrolliert wird. Vegansexualität erweist sich nach diesen Befunden nicht als modisches Label, sondern als psychologisch relevantes Erlebensmuster, das erklärt, warum die vegane Lebensweise für manche Menschen tief in Liebe, Sexualität und Beziehungsglück eingreift – und für andere nicht.

Inhaltsverzeichnis

Der Artikel ist sehr lang, aber es ist möglich, sich direkt an den folgenden Sprunglinks zu orientieren:

Hintergründe und Methodik

Ergebnisse

Interpretation

Untersuchungen zu Partnerschaften und sexuellen Präferenzen von Veganer:innen

Eine Reihe von vorherigen Umfragen und Auswertungen von vegan.eu und Gleichklang.de haben in der Vergangenheit ergeben, dass viele Veganer:innen eine Präferenz für vegane Partner:innen haben. Selbst wenn Veganer:innen nicht-vegane Partner:innen haben, berichten sie zudem oft von einer Sehnsucht nach einer Beziehung mit einer veganen Person.

In einer qualitativen Auswertung von 549 freien Selbstschilderungen (Auswertung dargestellt im Gleichklang-Beziehungsblog) konnten sechs übergeordnete Gründe identifiziert werden, warum Veganer:innen sich vielfach ebenfalls vegan lebende Personen als Partner:innen wünschen:

  • Alltagserleichterung: Eine gemeinsame vegane Lebensweise vereinfacht praktische Abläufe: Einkauf, Kochen und gemeinsame Mahlzeiten lassen sich leichter gestalten. Auch soziale Situationen, etwa Restaurantbesuche oder Einladungen, werden unkomplizierter erlebt.
  • Gemeinsame Wertebasis: Der geteilte Veganismus spiegelt grundlegende ethische Überzeugungen wider. Eine gemeinsame Haltung zu Mitgefühl, Gewaltfreiheit und Verantwortung wird als stabilisierender Faktor in Beziehungen erlebt.
  • Konfliktreduktion und Beziehungsharmonie: Gemeinsamer Veganismus führt häufig zu weniger Spannungen, fördert Verbundenheit und erleichtert offene, respektvolle Kommunikation zwischen Partner:innen.
  • Motivation und Weiterentwicklung: Paare, die beide vegan leben, unterstützen sich gegenseitig, die eigene Lebensweise zu festigen, neue Ideen umzusetzen, Versuchungen zu widerstehen und sich gesellschaftlich oder politisch für Tierrechte und Umwelt einzusetzen.
  • Emotionale Entlastung: Das gemeinsame vegane Leben schützt vor inneren Spannungen, die entstehen könnten, wenn Tierprodukte im gemeinsamen Haushalt vorkommen. Körperliche Nähe und Intimität werden als angenehmer erlebt, da kein Widerspruch zwischen ethischem Empfinden und Zärtlichkeit besteht.
  • Familien- und Erziehungsvereinbarkeit: Eine gemeinsame vegane Überzeugung erleichtert die Familienplanung und Kindererziehung. Entscheidungen über Ernährung und Wertevermittlung können ohne Grundsatzkonflikte getroffen werden.

Die sich auch in diesen Umfragen zeigenden Präferenzen für vegane Partner:innen bilden auch den Ausgangspunkt der seit der Gründung von Gleichlang 2006 als psychologischer Dating-Plattform angebotenen veganen Vermittlungsoption.

Mittlerweile sind auch wissenschaftliche Studien den Beziehungen zwischen veganer Lebensweise und der Präferenz für vegane Partner:innen nach gegangen, wobei diese allerdings bisher vorwiegend qualitativ geblieben sind:

  • Die Soziologinnen Annie Potts und Mandala White führten 2007 den Begriff der Vegansexualität ein. Sie hatten beobachtet, dass mehrere vegane Frauen angaben, nur mit Nicht-Fleischessern intim sein oder partnerschaftliche Beziehungen pflegen zu wollen. Die Autorinnen verstanden unter Vegansexualität entsprechend eine ethisch motivierte Form der Sexualität, bei der der Verzicht auf Tierprodukte die Partnerwahl bestimmt.
  • In der Folge zeigten Potts und Parry auf, dass das Konzept der Vegansexualität in der Öffentlichkeit starke Abwehrreaktionen hervorrief - vor allem von Männern, die Fleischessen mit Männlichkeit und sexueller Stärke verbanden. Die Autorinnen interpretierten die aggressiven Reaktionen auf Vegansexualität als Symptom einer bedrohten Geschlechternorm, in der der Verzicht auf Fleisch symbolisch für den Verlust traditioneller Macht steht.
  • Rasmus Simonsen widmete sich der Thematik aus einer queer-theoretischen Sichtweise. Er sieht Vegansexualität einerseits als verständliche Abgrenzung gegenüber einer fleischdominierten Kultur, kritisiert aber zugleich die Gefahr, selbst exkludierend zu wirken.
  • Megan Todd verortet Vegansexualität in einem neuen Artikel schließlich im Kontext von Klima- und Geschlechterpolitik. Sie argumentiert, dass die bewusste Wahl veganer Partner:innen traditionelle Rollenbilder und umweltzerstörerische Konsummuster infrage stelle. Vegansexualität wird so als eine beziehungsbezogene Strategie für nachhaltige, gleichberechtigte Lebensweisen betrachtet.

Die Bezeichnung Vegansexualität verweist bereits in sich auf die Möglichkeit, dass eine vegane Präferenz sich spezifisch auch oder nur auf die sexuelle Anziehung durch eine andere Person beziehen könnte.

Die dargestellten qualitativen Studien liefern dazu aber keine belastbaren quantitativen Daten, wobei wir in einer früheren Umfrage von vegan.eu tatsächlich Hinweise dafür erhalten, dass sich eine vegane Präferenz auch auf sexuelles Erleben beziehen kann:

  • 68 % der befragten Veganer:innen gaben damals an, sich sexuelle Begegnungen mit Fleischessern vorstellen zu können. Dies bedeutet gleichzeitig, dass 38 % sich solche sexuellen Begegnungen mit Fleischesser:innen nicht vorstellen konnten.

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Ziele der aktuellen Untersuchung

Ziel dieser Untersuchung war es herauszufinden, ob sich tatsächlich eine vegansexuelle Präferenz im Sinne einer sexuellen Präferenz von Veganer:innen für andere Veganer:innen nachweisen lässt und, wenn ja, wie weit eine solche mögliche vegansexuelle Präferenz bei Veganer:innen tatsächlich verbreitet ist.

Ein weiteres, hiermit zusammenhängendes Ziel war es, herauszufinden, ob eine solche mögliche vegansexuelle Präferenz ein eindimensionales Konstrukt ist oder ob sich eine mögliche vegansexuelle Präferenz in unterschiedliche, mehr oder weniger miteinander zusammenhängende Präferenzen zerlegen lässt.

Mit diesem Ziel war außerdem die Absicht verbunden, aus einer Serie von Fragen eine psychometrisch fundierte Skala zu entwickeln, die Vegansexualität zuverlässig messen kann.

Über diese Betrachtung der Vegansexualität im engeren Sinne hinausgehend, ging es in dieser Studie ebenfalls darum, wie sich Beziehungen von Veganer:innen typischerweise bezüglich der Ernährung ihrer Partner:innen gestalten. Wie häufig sind Konstellationen, bei denen sich beide Partner:innen vegan ernähren, oder bei denen sich Partner:innen von Veganer:innen vegetarisch, pescetarisch oder omnivor ernähren?

Aber auch hier war es das Ziel, einen möglichen moderierenden Effekt der Vegansexualität zu untersuchen:

  • Haben vegansexuelle Personen besonders oft ebenfalls vegan lebende Partner:innen?

Spezifisch für vegane – vegane Paarkonstellationen stellten wir außerdem die Frage, wie sich solche gemeinsamen veganen Lebensweisen in den Beziehungen unserer Befragten entwickelten:

  • Wie oft lebten beide Partner:innen bereits vor ihrer Beziehung vegan und wie oft entstand die gemeinsame vegane Ernährung erst im Verlauf der Beziehung? Welchen Einfluss übten Partner:innen dabei aufeinander aus?

Ein Hauptziel der Untersuchung war es schließlich, zu erkunden, wie sich eine mögliche vegansexuelle Präferenz auf die Beziehungszufriedenheit und die sexuelle Zufriedenheit in Abhängigkeit von der Ernährung der Partner:innen auswirkt.

Dabei gingen wir von der Hypothese aus, dass Personen mit ausgeprägter vegansexueller Präferenz eine höhere Beziehungszufriedenheit und eine höhere sexuelle Zufriedenheit erreichen, wenn ihre Partner:innen sich ebenfalls vegan ernähren. Demgegenüber erwarteten wir, dass ihre Beziehungszufriedenheit und sexuelle Zufriedenheit sinken, wenn ihre Partner:innen sich mit einer omnivoren Mischkost mit Fleisch ernähren.

Ebenfalls wollten wir untersuchen, wie sich in diesem Kontext vegetarische und pescetarische Ernährungsweisen von Partner:innen auf Beziehungszufriedenheit und sexuelle Zufriedenheit auswirken.

Ein mit allen Einzelzielen verbundenes zentrales Ziel unserer Untersuchung war die Ermittlung der Robustheit der Befunde durch eine umfassende Kontrolle bezüglich möglicher Auswirkungen von Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungskanal für die Umfrage.

Auch wenn Unterschiede zwischen unterschiedlichen Gruppen, wie Geschlechtern oder Altersstufen, an sich interessant und inhaltlich relevant sind, ging es uns vorrangig um die Abschätzung der Robustheit der Befunde.

Diesem Ansatz lag die Überlegung zugrunde, dass unsere Ergebnisse je stärker auf vegan lebende Personen im deutschsprachigen Raum im Allgemeinen generalisiert werden können, desto robuster sie gegenüber Auswirkungen von Geschlecht/Gender, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungskanal sind.

Das übergeordnete Ziel unserer Untersuchung war es, einen Beitrag zu einem besseren Verständnis der sexualen Strebungen und des Beziehungsverhaltens von vegan lebenden Personen zu leisten, weshalb wir unsere Beobachtungen auch mit neueren psychologischen und sexualwissenschaftlichen Befunden und Theorien verbinden wollten, die sich mit alternativen sexuellen Orientierungen beschäftigen, die über die klassische Kopplung des Begriffs der sexuellen Orientierung an Geschlecht oder Gender hinausgehen.

Letztlich wollten wir insbesondere herausfinden, ob eine sexuelle Präferenz von vegan lebenden Personen für andere Veganer:innen von einer solch fundamentalen Bedeutsamkeit sein kann, dass Vegansexualität die Rolle einer sexuellen Orientierung übernimmt.

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Stichprobenzusammensetzung

An der aktuellen Erhebung nahmen insgesamt 2100 vegan lebende, volljährige Personen teil.

Unter den Teilnehmenden befanden sich 1379 Frauen (65,7 %), 620 Männer (29,5 %), sowie 101 nicht-binäre Teilnehmende (4,8 %).

Das Alter der Befragten variierte zwischen 18 und 84 Jahren, mit einem Durchschnittsalter von 41,4 Jahren. Es ergab sich die folgende Altersverteilung:

  • 560 Personen (26,7 %) gehörten zur Gruppe der 18–29-Jährigen,
  • 1250 Personen (59,5 %) zur Gruppe der 30–59-Jährigen,
  • 288 Personen (13,7 %) zur Gruppe der 60–79-Jährigen,
  • 2 Personen (0,1 %) waren über 80 Jahre alt.

Bezüglich des Bildungsstandes verfügten 99 Befragte (4,7 %) höchstens über einen Hauptschulabschluss, 403 (19,2 %) über die Mittlere Reife, 710 (33,8 %) über das Abitur und 888 (42,3 %) über einen Hochschulabschluss.

Im Hinblick auf das Wohnsitzland lebten 1860 Befragte (88,6 %) in Deutschland, 137 (6,5 %) in Österreich, 85 (4,0 %) in der Schweiz und 18 (0,9 %) in anderen Ländern.

808 Personen (38,5 %) kamen über Facebook (bezahlte Werbung oder Postings in Gruppen) zur Umfrage. 382 (18,2 %) wurden durch bezahlte Werbung bei Reddit gewonnen, 449 (21,4 %) fanden über bezahlte Newsletter-Werbung zur Umfrage, 306 (14,6 %) über unser eigenes Netzwerk (Gleichklang/vegan.eu) und 155 (7,4 %) gelangten über sonstige Wege zur Umfrage, wie Google-Anzeigen, Flyer oder Empfehlungen.

1305 (62,1 %) der Befragten gaben an, zum Zeitpunkt der Erhebung in einer romantischen Beziehung zu leben, während 795 (37,9 %) erklärten, aktuell Single zu sein.

In die Auswertung wurden ausschließlich Personen aufgenommen, die sich selbst als vegan bezeichneten und diese Angabe in nachfolgenden Kontrollfragen bestätigten, indem sie erklärten, weder Fleisch noch Fisch, Eier oder Milchprodukte zu konsumieren.

Die erste zentrale Auswahlfrage lautete: Wie ernähren Sie sich selbst?

Zur Auswahl standen die Antwortoptionen:

  • Vegan: kein Fleisch, Fisch, Milch, Eier, keine Speisen, die diese Produkte enthalten.
  • Vegetarisch: kein Fleisch, aber Milch oder Eier.
  • Pescetarisch: kein Fleisch, aber Fisch.
  • Mischkost mit Fleisch.

Eine weitere, zu einem späteren Zeitpunkt gestellte Serie von Kontrollfragen, fragte dezidiert im Einzelnen ab, inwiefern die Befragten bestimmte Lebensmittel (und andere Aspekte) tatsächlich ausschlossen. Es wurden nur Teilnehmende in diese Auswertung eingeschlossen, die jeweils dezidiert den Ausschluss von Fleisch, Fisch, Eiern und Milch aus ihrer Ernährung bestätigen.

Im Ergebnis wurden nur Befragte in die Umfrage aufgenommen, die sich sowohl als vegan bezeichneten als auch den Ausschluss von Fleisch, Fisch, Eiern und Milch bestätigten. Hintergrund dieses Vorgehens war die Erfahrung, dass sich in Befragungen auch Personen als vegan bezeichnen, die tatsächlich nicht vegan leben. Durch die Kombination mehrerer präziser Nachfragen konnte dieser Verzerrungsfaktor deutlich verringert werden.

Insgesamt wurden dabei 828 Personen aus der Auswertung ausgeschlossen. 684 wurden durch die Eingangsfrage zur Ernährung ausgeschlossen, weil sie sich bereits von vornherein als nicht vegan bezeichneten. 61 weitere wurden durch die Nachfragen ausgeschlossen, da sie sich zwar als vegan bezeichneten, aber tatsächlich nicht auf den Ausschluss von Fleisch, Fisch, Eiern und Milch achteten. Dies bedeutet, dass 2,8 % derjenigen Befragten, die sich als vegan bezeichneten, tatsächlich nicht die hier verwendeten Mindestkriterien für eine vegane Lebensweise erfüllten.

Das bedeutet, dass einige der Befragten zwar angaben, vegan zu leben, tatsächlich aber nicht alle Kriterien erfüllten. In einer späteren Auswertung wird untersucht werden, wodurch sich Personen, die sich als vegan bezeichnen, aber nicht vollständig nach den Mindestanforderungen einer veganen Lebensweise handeln, tatsächlich auszeichnen und in welchen Punkten sie sich von konsequent vegan lebenden Menschen unterscheiden. Dazu wird es einen eigenständigen Artikel geben.

Diese Auswertung bezieht sich ausschließlich auf volljährige Personen, die zum Zeitpunkt der Umfrage also 18 Jahre alt oder älter waren. Tatsächlich füllten auch 79 Befragte im minderjährigen Alter den Fragebogen aus. Über mögliche Besonderheiten von Veganer:innen, die jünger als 18 Jahre sind, wird später ein eigener Artikel veröffentlicht werden.

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Fragen der Umfrage und Hypothesen

Es handelt sich hier um eine Teilauswertung der großen Vegan-Umfrage 2025, die sich mit zahlreichen Thematiken beschäftigt und die wir hier sukzessive veröffentlichen werden. Vorherige Veröffentlichungen erfolgten bereits zu politischen Einstellungen von vegan lebenden Personen, sowie zu den Motiven für eine vegane Lebensweise:

Insofern erfolgt in diesem Artikel nur die Vorstellung derjenigen Maße, die für die Auswertungen in diesem Artikel verwendet wurden. Für ein besseres Verständnis unserer Vorgehensweise werden zudem bei der Erläuterung der verwendeten Maße zusätzlich auch bereits die Hypothesen vorgestellt, die mit diesen Maßen verbunden waren und denen wir sodann bei der Ergebnisauswertung nachgegangen sind.

Erfassung der Vegansexualität

Für die Erfassung von Vegansexualität wurden 24 Items eingesetzt. Bei der Formulierung der Items wurde darauf geachtet, in sich überlappenden Inhaltsbereichen verschiedene Aspekte von sexueller Exklusivität, sexueller Anziehung und sexueller Aversion zu berücksichtigen.

Alle formulierten Vegansexualitäts-Items thematisierten insofern eine Koppelung von Sexualität mit der veganen Lebensweise potenzieller Sexualpartner:innen. Dies sind die 24 vegansexuellen Items, die in unserer Umfrage verwendet wurden:

Vegansexuelle Items

Für mein sexuelles Wohlbefinden ist es entscheidend, dass die andere Person keine Tierprodukte konsumiert.
Ich empfinde eine sexuelle Verbindung nur dann als stimmig, wenn mein Gegenüber vegan lebt.
Wenn ich weiß, dass jemand Tierprodukte konsumiert, verliere ich das sexuelle Interesse.
Ich spüre eine unangenehme Anspannung bei sexueller Nähe zu Menschen, die Tierprodukte konsumieren.
Für mich ist der Verzicht auf Tierprodukte eine grundlegende Voraussetzung für sexuelle Nähe.
Ich kann mir in der Vorstellung keine erfüllende sexuelle Nähe zu jemandem vorstellen, der Tierprodukte konsumiert.
Auch bei starker Anziehung empfinde ich sexuelle Nähe zu nicht vegan lebenden Personen als unpassend.
Wenn jemand Tierprodukte konsumiert, wirkt das auf mich belastend in Bezug auf sexuelle Nähe.
Eine sexuelle Beziehung mit einer Person, die Tierprodukte konsumiert, ist für mich ausgeschlossen.
Ich kann mich sexuell nur dann öffnen, wenn mein Gegenüber Mitgefühl mit Tieren hat und keine Tierprodukte konsumiert.
Selbst bei starker gegenseitiger Anziehung wäre sexuelle Nähe mit einer nicht vegan lebenden Person für mich unvorstellbar.
Ich empfinde Veganismus in einer sexuellen Begegnung als ebenso wichtig wie gegenseitigen Respekt oder körperliche Hygiene.
Ich kann meine Zärtlichkeit nur dann zulassen, wenn mein Gegenüber keine Tierprodukte konsumiert hat.
Wenn mein Gegenüber tierische Produkte konsumiert hat, fällt es mir beim Sex schwer, mich fallen zu lassen – ich spüre eine innere Anspannung.
Sinnliche Nähe ist für mich nur erfüllend, wenn mein Gegenüber vegan lebt.
Ich spüre sexuelle Abwehr, wenn mein Gegenüber kürzlich Tierprodukte konsumiert hat.
Ich suche sexuelle Nähe ausschließlich zu vegan lebenden Menschen.
Wenn jemand Tiere als Nahrungsmittel betrachtet, verliert Sexualität für mich an Sinnlichkeit.
Ich verspüre weniger sexuelle Lust, wenn ich weiß, dass mein Gegenüber Tierprodukte gegessen hat.
Ich erlebe tiefere sexuelle Harmonie, wenn mein Gegenüber vegan lebt.
Auch in sexuellen Fantasien sind nicht vegan lebende Personen für mich ausgeschlossen.
In meinen sexuellen Fantasien erscheinen mir nur vegan lebende Menschen anziehend.
Der Geruch oder Geschmack beim Küssen einer Person, die Tierprodukte konsumiert hat, wirkt für mich abstoßend.
Ich empfinde Menschen als sexuell besonders anziehend, wenn sie aus Überzeugung vegan leben.

Hypothesen:

  • Es wurde erwartet, dass die 24 Items zur Vegansexualität miteinander korrelieren und sich eine hohe Messzuverlässigkeit (Reliabilität) ergeben wird, wenn sie zu einer gemeinsamen Skala zusammengefasst werden. Ebenso wurde erwartet, dass die statistischen Analysen für eine Unidimensionalität der Skala sprechen, das heißt, dass ein Gesamtwert über die 24 Items das Antwortverhalten der Teilnehmenden gut repräsentieren kann. Eine weitere Erwartung war, dass sich über die Gesamtstichprobe der gemittelte Gesamtwert über die 24 Items signifikant über dem neutralen Bewertungspunkt 3 befinden und damit weit entfernt vom Ablehnungsbereich liegen würde. Eine dritte Erwartung war, ohne konkrete Prozentanteile zu prognostizieren, dass ein substanzieller Anteil der befragten Veganer:innen sich als vegansexuell klassifizieren lassen würde, wenn die in der Literatur vorgeschlagenen Schwellen eines gemittelten Durchschnittswerts von 4 (Zustimmung) oder die strengere Schwelle von 4,5 zugrunde gelegt werden.

Fragen zu partnerschaftlichen Beziehungen

Ernährungsweise von Partner:innen und Single-Status

Eine einzige Frage erfasste gleichzeitig die Ernährungsweise potenzieller Partner:innen und den Beziehungsstatus. Dies erfolgte über die folgende Auswahlfrage mit fünf einander ausschließenden Antwortoptionen:

  • Partner:in lebt vegan – kein Fleisch, Fisch, Milch, Eier, keine Gerichte, die diese enthalten,
  • Partner:in lebt vegetarisch – kein Fleisch, aber Milch oder Eier,
  • Partner:in ist pescetarisch – kein Fleisch, aber Fisch,
  • Partner:in isst Mischkost mit Fleisch,
  • bin Single.

Hypothesen:

  • Erwartet wurde, dass vegan lebende Personen bei weitem häufiger vegan lebende oder zumindest vegetarisch lebende Partner:innen haben, als dies in der Allgemeinbevölkerung der Fall ist. Ausgehend von einem ungefähren Anteil von Veganer:innen an der Allgemeinbevölkerung von 2 % und von Vegetarier:innen von 5 % wurde angenommen, dass der Anteil von Veganer:innen mit veganen oder mindestens nicht fleischessenden Partner:innen bei weitem über diesen Bevölkerungsanteilen liegen wird. Konkrete Prozentanteile wurden nicht prognostiziert.

Vegane Ernährung und Beziehungsentwicklung

Die Teilnehmenden wurden gefragt, ob sie – sofern sie eine Beziehung hatten – vor oder nach dem Beziehungsbeginn vegan wurden.

Bei vegan-veganen Paarkonstellationen wurden die Teilnehmenden zudem gebeten, zwischen folgenden möglichen Entwicklungswegen zur vegan-veganen Konstellation auszuwählen:

  • Partner:in wurde aufgrund meines Einflusses vegan.
  • Ich wurde aufgrund des Einflusses von Partner:in vegan.
  • Wir waren bereits beide vor der Beziehung vegan.
  • Nichts von alledem

Hypothesen:

  • Es gab keine spezifischen Hypothesen zu diesen Fragen. Jedoch wurde erwartet, dass jeweils substanzielle Anteile an Veganer:innen bereits vor der Beziehung vegan waren oder umgekehrt nach Beziehungsbeginn vegan wurden. Zudem wurde neben einem Effekt der Partnerwahl (beide vor der Beziehung vegan) auch eine Partnerdynamik in dem Sinne erwartet, dass bei einem veganen Partner:in die andere Person ebenfalls vegan werden würde.

Beziehungszufriedenheit und sexuelle Zufriedenheit

Die Beziehungszufriedenheit (bitte schätzen Sie Ihre Zufriedenheit mit Ihrer Beziehung ein) wurde auf einer zehnstufigen Skala von 0 (sehr unzufrieden) bis 10 (sehr zufrieden) erhoben. Die Frage wurde nur Personen gestellt, die vorher angegeben hatten, eine Beziehung zu haben.

Analog dazu wurde mit derselben 10-stufigen Skala die sexuelle Zufriedenheit für alle Befragten erfasst. Die sexuelle Zufriedenheit wurde für alle Personen erhoben, da Sexualität anders als Beziehungszufriedenheit nicht notwendigerweise in eine Partnerschaft eingebettet sein muss. Allerdings erfolgten die aktuellen Auswertungen nur für diejenigen, die in einer Partnerschaft waren, da nur in diesem Fall Informationen über die Ernährung der Partner:innen vorlagen.

Hypothesen:

  • Erwartet wurde, dass eine vegansexuelle Präferenz zu einer höheren Beziehungszufriedenheit und sexuellen Zufriedenheit führt, wenn auch die Partner:innen vegan sind, als wenn die Partner:innen Fleisch essen. Für die vegetarische Ernährung wurde eine mittlere Position erwartet. Für nicht-vegansexuelle Personen wurde kein Zusammenhang zwischen Beziehungszufriedenheit und sexueller Zufriedenheit und der Ernährungsweise der Partner:innen erwartet.

Fragen zu Geschlecht/Gender, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungsweg für die Umfrage

Teilnehmende gaben ihr Geschlecht/Gender anhand der Antwortoptionen Mann, Frau, nicht-binär oder anderes an. Die Kategorien „nicht-binär“ und „anderes“ wurden später zu einer gemeinsamen Kategorie zusammengeführt.

Das Alter wurde als ganze Zahl erhoben, wobei das Eingabefeld ausschließlich die Eingabe von Ganzzahlen zuließ. Zusätzlich wurde für bestimmte Darstellungen ein Median-Split gebildet, der die Teilnehmenden in eine jüngere und eine ältere Gruppe aufteilte.

Der Bildungsstand wurde zunächst in neun Stufen erhoben (kein Abschluss, Hauptschule, Realschule, Fachabitur, Abitur, Fachhochschulstudium, Hochschulstudium, Promotion, Habilitation).

Der Wohnort wurde anhand der Antwortoptionen Deutschland, Österreich, Schweiz oder anderes Land erfasst. Eine Abfrage der Staatsangehörigkeit erfolgte nicht.

Auf Basis der URL ließen sich die Teilnehmenden unterschiedlichen Rekrutierungswegen zuordnen:

Insgesamt 808 Personen (38,5 %) gelangten über Facebook zur Umfrage, entweder durch entsprechende Anzeigen oder durch Beiträge in vegan ausgerichteten Gruppen. Weitere 382 Personen (18,2 %) kamen über Reddit. Über Werbeschaltungen in veganen Newslettern konnten 449 Personen (21,4 %) erreicht werden. Aus dem eigenen Netzwerk von Gleichklang/vegan.eu gingen 306 Teilnahmen (14,6 %) hervor. Eine zusätzliche Gruppe von 155 Personen (7,4 %) stammte aus sonstigen Rekrutierungswegen, darunter Google-Anzeigen, Flyerauslagen oder Empfehlungen durch Freund:innen.

Hypothesen:

  • Die erhobenen soziodemografischen Variablen (Geschlecht/Gender, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland) sowie der erfasste Rekrutierungsweg dienten vorwiegend dazu, die Stabilität der Befunde über verschiedene soziodemografische Variablen und Rekrutierungswege hinweg feststellen zu können. Die entscheidende Hypothese war, dass sich alle wesentlichen Befunde im Wesentlichen gegenüber unterschiedlichen Ausprägungen der Kontrollvariablen robust verhalten würden.

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Zur Frage der Repräsentativität

Wie bei allen Befragungen unter Veganer:innen ist eine streng repräsentative Zufallsstichprobe praktisch nicht realisierbar, da vegan lebende Menschen nur höchstens 2 % der Bevölkerung ausmachen – siehe hierzu die das nationale Ernährungsmonitoring, was den prozentualen Anteil vegan lebender Personen in Deutschland sogar auf lediglich etwa 1 % schätzt, während in der internationalen Analyse Veganism Around the World 2025 sich für Deutschland ein Anteil von rund 2 % ergibt, was auch Befunden aus anderen früheren Erhebungen entspricht.

Um bei einer Schätzung von 2 % Bevölkerungsanteil beispielsweise 1000 Veganer:innen zufällig zu erfassen, müssten rund 50 000 Personen aus der Gesamtbevölkerung befragt werden, bei 1 % wären es 100 000 – ein finanziell kaum durchführbares Vorhaben.

Um dennoch eine möglichst gute Übertragbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten, wurden mehrere Validierungsschritte vorgenommen:

  1. Die Konsistenz der Befunde wurde über alle Haupterhebungskanäle hinweg überprüft. Dabei konnten alle Teilnehmenden anhand der URL, mit der sie zur Umfrage gelangten, einem der folgenden Erhebungskanäle zugewiesen werden. In den Auswertungen (siehe Ergebnisteil) zeigte sich, dass Unterschiede zwischen den Kanälen höchstens moderat ausfielen und in Bezug auf die Hauptergebnisse die Befunde aus den verschiedenen Kanälen im Wesentlichen übereinstimmten. Zudem konnte ebenfalls entsprechend ausgeschlossen werden, dass das eigene Netzwerk (Gleichklang/vegan.eu) die Ergebnisse verzerrt hat: Die Mehrheit der Teilnehmenden wurde über externe Kanäle erreicht, und selbst bei Ausschluss dieser Teilgruppe blieben die zentralen Befunde vollständig erhalten.
  2. Es wurde untersucht, inwieweit Geschlecht/Gender, Alter, Bildungsgrad und Wohnsitzland die Befunde beeinflussten. Zwar zeigten sich erwartungsgemäß einzelne Zusammenhänge (siehe Darlegungen im Ergebnis-Teil), deren Stärke blieb jedoch gering bis höchstens moderat. Die zentralen Ergebnisse blieben auch dann stabil, wenn nur Teilgruppen – etwa ausschließlich Frauen, Männer, nicht-binäre Personen, Jüngere oder Ältere – betrachtet wurden. Zusammen mit den Befunden bezüglich der Kanäle ist dies erneut ein starker Hinweis auf eine hohe Robustheit und daher gute Generalisierbarkeit der Befunde.

Ferner wurde die Verteilung zentraler demografischer Merkmale mit der Allgemeinbevölkerung und mit bisherigen wissenschaftlichen Befunden zu Veganer:innen verglichen:

  • Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 kommt zu dem Ergebnis, dass in westlichen Gesellschaften Veganer:innen und Vegetarier:innen etwa doppelt so häufig weiblich wie männlich sind. Auch eine deutsche Untersuchung beschreibt typische Merkmale vegan lebender Menschen als weiblich, jünger und höher gebildet.

Diese Muster spiegeln sich präzise in der vorliegenden Stichprobe wider:

  • Alter: Während das Durchschnittsalter der erwachsenen Bevölkerung Deutschlands bei etwa 52 Jahren liegt, beträgt es in unserer veganen Stichprobe 41,4 Jahre. Besonders auffällig ist der hohe Anteil der 18–29-Jährigen (26,7 % gegenüber 16 % in der Gesamtbevölkerung) und der geringere Anteil älterer Personen.
  • Geschlecht/Gender: In der Gesamtbevölkerung halten sich Männer (49 %) und Frauen (51 %) nahezu die Waage, nicht-binäre Personen liegen unter 1 %. In unserer Stichprobe hingegen beträgt der Frauenanteil 65,7 %, der Männeranteil 29,5 %, und 4,8 % identifizierten sich als nicht-binär – ein deutlicher Unterschied, der die bekannte Tendenz innerhalb veganer Bevölkerungssegmente bestätigt.
    Bildungsstand: Während in der deutschen Gesamtbevölkerung rund 30 % maximal einen Hauptschulabschluss besitzen und nur etwa 18 % einen Hochschulabschluss, beträgt der Anteil der Hochschulabsolvent:innen in unserer Stichprobe 42,3 %, während niedrige Bildungsabschlüsse deutlich seltener vorkommen.

Diese Differenzen zur Allgemeinbevölkerung sind nicht als Verzerrung, sondern als charakteristisch für die vegane Bevölkerungsgruppe zu verstehen. Die sich in der aktuellen Umfrage zeigende soziodemografische Verteilung spricht daher ebenfalls für eine gute Übertragbarkeit der Befunde auf Veganer:innen im deutschsprachigen Raum – auch wenn eine formale Repräsentativität naturgemäß nicht gegeben ist.

Insgesamt kann die Befragung daher zwar nicht im strengen wissenschaftlichen Sinn als repräsentativ gelten – was auch für die meisten publizierten Studien zutrifft –, sie liefert jedoch belastbare, stabile und generalisierbare Ergebnisse.

Die Relevanz der Untersuchung liegt zudem weniger in exakten Prozentzahlen als in der Identifikation klarer, starker Zusammenhänge. Solche Effekte würden sich selbst bei einer formal repräsentativen Stichprobe vermutlich nur geringfügig verändern.

Eine absolute Sicherheit der Repräsentativität kann somit nicht behauptet werden; die Wahrscheinlichkeit einer hohen Übertragbarkeit der Hauptbefunde ist jedoch groß.

Schließlich ist hervorzuheben, dass es sich bei der hier vorgestellten Erhebung um keine wissenschaftliche Publikation handelt. Für spezifische Themenbereiche – insbesondere zu romantischen und sexuellen Aspekten veganer Beziehungen – sind jedoch wissenschaftliche Veröffentlichungen in Vorbereitung.

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Ergebnisse der Umfrage

Stärke der vegansexuellen Präferenz

Durchschnittswert über die Gesamtstichprobe

Über alle 24 vegansexuellen Items gemittelt ergab sich ein Durchschnittswert von 3,19. Bei einem 95 %-Konfidenzintervall (Bootstrap) schwankten die Durchschnittswerte zwischen minimal 3,15 und maximal 3,24.

Der Mittelwert in Höhe von 3,19 wich damit statistisch signifikant vom neutralen Mittelwert von 3 ab. Die Gesamtverteilung war somit in Richtung der Zustimmung zu einer vegansexuellen Präferenz verschoben.

Deutlich wird aus diesem Befund, dass die befragten Veganer:innen im Durchschnitt eine vegansexuelle Präferenz formulierten. Ebenso wird jedoch sichtbar, dass die Abweichung vom neutralen Wert 3 nicht stark, sondern – über alle Items gemittelt – nur geringgradig ausgeprägt war.

Einflüsse von Alter, Bildungsstand, Geschlecht, Wohnsitzland und Rekrutierungskanal

Zur Prüfung der Frage, ob und in welchem Ausmaß sich Vegansexualität in Abhängigkeit von Alter, Bildungsstand, Geschlecht, Wohnsitzland, Rekrutierungskanal sowie möglichen Wechselwirkungen zwischen diesen Faktoren unterscheidet, wurde eine univariate Varianzanalyse durchgeführt. Bei einer solchen Analyse wird untersucht, ob sich der durchschnittliche Ausprägungsgrad eines Merkmals – hier die mittlere Vegansexualität – systematisch zwischen verschiedenen Gruppen unterscheidet oder mit bestimmten Einflussgrößen zusammenhängt.

Zunächst zeigte sich, dass das Gesamtmodell statistisch signifikant war (F(40, 1264) = 3,022, p < .001, R² = .087). Das bedeutet, dass die Gesamtheit der berücksichtigten Einflussfaktoren die Unterschiede in der Ausprägung der Vegansexualität besser erklärte, als dies durch Zufall zu erwarten gewesen wäre. Gleichzeitig weist das erklärte Varianzmaß darauf hin, dass der aufgeklärte Anteil insgesamt sehr begrenzt ist.

Welche einzelnen Faktoren trugen tatsächlich zu diesem signifikanten Gesamtergebnis bei? Es zeigte sich, dass sich der statistisch bedeutsame Einfluss ausschließlich auf Alter und Bildungsstand beschränkte:

  • Alter hatte einen signifikanten Einfluss auf Vegansexualität (F(1, 1264) = 24,301, p < .001).
  • Bildungsstand zeigte ebenfalls einen signifikanten Einfluss (F(1, 1264) = 30,831, p < .001).

Demgegenüber ergaben sich keine signifikanten Effekte für

  • Geschlecht (F(2, 1264) = 1,926, p = .146),
  • Wohnsitzland (F(3, 1264) = 0,345, p = .793),
  • Rekrutierungskanal (F(4, 1264) = 0,479, p = .752),

sowie keinerlei signifikante Wechselwirkungen zwischen diesen Faktoren (alle p > .34).

Das bedeutet, dass sich Vegansexualität weder zwischen Geschlechtern unterschied, noch vom Wohnsitzland oder vom Rekrutierungskanal abhing, und dass auch Kombinationen dieser Merkmale keinen zusätzlichen Einfluss ausübten.

Zur besseren Einordnung der Effekte von Alter und Bildungsstand wurden ergänzend Korrelationen berechnet. Korrelationen geben an, in welche Richtung und wie stark zwei Merkmale miteinander zusammenhängen.

Dabei zeigte sich:

  • Zwischen Alter und Vegansexualität bestand ein positiver Zusammenhang (r = .167, p < .001). Das bedeutet: Mit zunehmendem Alter war Vegansexualität im Durchschnitt leicht höher ausgeprägt.
  • Zwischen Bildungsstand und Vegansexualität bestand ein negativer Zusammenhang (r = −.173, p < .001). Das bedeutet: Personen mit höherem Bildungsstand wiesen im Durchschnitt eine geringfügig niedrigere Ausprägung von Vegansexualität auf.

Beide Zusammenhänge waren zwar statistisch signifikant, aber nur schwach ausgeprägt. Sie erklärten jeweils nur einen sehr kleinen Teil der Unterschiede in der Vegansexualität zwischen den Teilnehmenden.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich die Stärke der vegansexuellen Präferenz bei den Teilnehmenden nicht systematisch nach Geschlecht, Wohnsitzland oder Rekrutierungskanal unterschied und auch nicht durch Wechselwirkungen dieser Faktoren beeinflusst wurde. Die gefundenen Zusammenhänge mit Alter und Bildungsstand waren zwar statistisch nachweisbar, aber marginal und erklärten nur einen kleinen Teil der Unterschiede in der Vegansexualität zwischen den Teilnehmenden.

Klassifizierung der Teilnehmenden nach ihrer Vegansexualität

Untersucht wurde im Weiteren, wie viele der Befragten im Zustimmungsbereich, im neutralen Bereich und im Ablehnungsbereich der Vegansexualität lagen. Ziel war es, die Verteilung der Teilnehmenden über diese drei inhaltlich unterscheidbaren Bereiche der Skala darzustellen.

Die Vegansexualitäts-Skala reicht von 1 bis 5, wobei die Werte 1 und 2 Ablehnung, der Wert 3 eine neutrale Haltung sowie die Werte 4 und 5 Zustimmung ausdrücken. Für die Einteilung der individuellen Mittelwerte wurden Rundungsregeln angewendet:

  • Werte ab 2,5 wurden auf 3 aufgerundet, Werte ab 3,5 auf 4.

Auf dieser Grundlage wurden drei Bereiche definiert:

  • Ablehnungsbereich für Mittelwerte unter 2,5
  • Indifferenzbereich für Mittelwerte von 2,5 bis unter 3,5
  • Zustimmungsbereich für Mittelwerte ab 3,5.

Diese Einteilung erlaubte eine unmittelbare inhaltliche Interpretation der Skalenwerte.

Tabelle 1 zeigt auf dieser Basis die prozentuale Verteilung der Befragten über die drei definierten Bereiche der Vegansexualitäts-Skala:

Tabelle 1: Verteilung der Vegansexualität, N = 2100 (Mittelwerte über die 24 vegansexuellen Items).

Vegansexueller Bereich

Prozent (%)

Ablehnung (kleiner 2,5)

24,9

(23,1–26,6)

Indifferenz (2,5 bis 3,5)

37,0

(35,1–39,1)

Zustimmung (ab 3,5 bis 5)

38,1

(35,9–40,3)

Das 95-%-Konfidenzintervall gibt den Bereich an, in dem der wahre Anteilswert der Grundgesamtheit mit 95 % Wahrscheinlichkeit liegt.

Die Prozentanteile in der Tabelle zeigen das Folgende:

  • Bei 38,10 % der Befragten ließ sich eine vegansexuelle Präferenz aufzeigen.

Diejenigen Befragten, die sich im Indifferenzbereich befanden, konnten für die Interpretation mit denjenigen zusammengefasst werden, die im Ablehnungsbereich lagen, da bei beiden Gruppen keine vegansexuelle Präferenz vorlag:

  • Bei 61,9 % der befragten Veganer:innen lag keine vegansexuelle Präferenz vor.

Befunde zur Frage der vegansexuellen Orientierung

Wie aber sind diejenigen einzuordnen, die sich im Zustimmungsbereich, aber nicht im hohen Zustimmungsbereich befanden?

Personen, die lediglich eine gewisse, moderat ausgeprägte Präferenz zugunsten vegan lebender Partner:innen beschreiben, erreichen nicht das Ausmaß einer Ausrichtung ihres sexuellen Begehrens oder ihrer sexuellen Anziehung auf die vegane Lebensweise von Sexualpartner:innen, das notwendig wäre, um hierfür den Begriff einer sexuellen Orientierung zugrunde zu legen.

Wann geht eine vegansexuelle Präferenz über eine bloße Vorliebe hinaus und wird zur vegansexuellen Orientierung?

Alternative sexuelle Orientierungen

Traditionell wird der Begriff der sexuellen Orientierung auf die Richtung sexuellen Begehrens in Bezug auf Geschlechtermerkmale bezogen, also auf die Anziehung zu Männern, Frauen oder später auch zu nicht-binären Personen. Diese Definition war lange Zeit leitend für Psychologie und Sexualwissenschaft.

Abseits dieser traditionellen Fassung haben Betroffene jedoch begonnen, weitere strukturprägende Merkmale ihres sexuellen Erlebens als identitätsrelevant zu beschreiben und diese ebenfalls als sexuelle Orientierungen zu benennen.

Robert Cover beschreibt diesen Prozess in seinem Artikel Competing contestations of the norm: emerging sexualities and digital identities (Konkurrierende Anfechtungen der Norm: Neue Sexualitäten und digitale Identitäten):

  • Cover zeigt, wie neue sexuelle Identitäten und Orientierungen häufig zunächst im sozialen und digitalen Raum entstehen. Betroffene entwickeln Begriffe, um ihr Erleben sichtbar zu machen, insbesondere dort, wo bestehende Kategorien dieses Erleben nicht angemessen abbilden. Auch Dating-Plattformen spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie Räume bieten, in denen sexuelle Präferenzen, Begehren und Selbstbeschreibungen explizit formuliert werden müssen und dadurch sprachlich verdichtet werden.

Inzwischen hat dieser Diskurs auch Eingang in die Psychologie und Sexualwissenschaft gefunden. Jenseits von Heterosexualität, Homosexualität und Bisexualität werden in peer-reviewten Arbeiten weitere sexuelle Orientierungen benannt und untersucht.

Charles Moser argumentiert vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen, dass der Begriff der sexuellen Orientierung nicht auf Geschlechtsmerkmale beschränkt bleiben sollte, sondern weiter gefasst werden muss:

  • Moser schlägt vor, sexuelle Orientierungen anhand mehrerer Kriterien zu beurteilen, wie der Stärke und Qualität der sexuellen Lust, der relativen Stabilität über die Zeit, der Möglichkeit zu begrenzter Erweiterung oder Fluidität, eines typischerweise frühen Beginns – wobei auch spätere Entstehung möglich ist –, des Festhaltens an der Orientierung trotz sozialer Nachteile oder persönlichem Aufwand sowie eines meist langfristigen oder lebenslangen Verlaufs.

Nicht alle Kriterien müssen gleichzeitig erfüllt sein. Entscheidend ist vielmehr das Gesamtbild:

  • Ein sexuelles Interesse kann dann als Orientierung gelten, wenn es das sexuelle Erleben in starkem Maße prägt, dauerhaft relevant bleibt und handlungsleitend wird.

Gemberling, Cramer und Miller plädieren dafür, dass beispielsweise BDSM als sexuelle Orientierung fungieren kann:

  • Unter BDSM-Praktikant:innen gebe es eine Gruppe, deren sexuelles Begehren primär und dominierend auf BDSM ausgerichtet ist. In diesen Fällen träten andere sonst übliche Orientierungsdimensionen wie Geschlecht oder Gender der Partnerperson in den Hintergrund oder verlören an Bedeutung. Während BDSM für einen großen Teil der Praktizierenden eine sexuelle Präferenz darstelle, nehme BDSM für andere die Funktion einer eigenständigen sexuellen Orientierung ein.

Exemplarische Einordnung der Sapiosexualität

Für die begriffliche und empirische Einordnung von Vegansexualität ist hier auch die Forschung zur Sapiosexualität relevant, weil sie mithilfe klar operationalisierter methodischer Ansätze und Kriterien exemplarisch zeigt, unter welchen Bedingungen eine sexuelle Präferenz nicht mehr nur als Interesse, sondern als sexuelle Orientierung verstanden werden kann:

Die bislang umfangreichste und zugleich methodisch direkteste Untersuchung zur Sapiosexualität stammt von Gignac und Kolleg:innen. Im Unterschied zu früheren Arbeiten, die Intelligenz lediglich als allgemein positiv bewertetes Partnermerkmal erfassten oder qualitative Hinweise auf eine erregungssteigernde Wirkung lieferten, entwickelten die Autor:innen ein explizit auf sexuelle Anziehung bezogenes Messinstrument aus 6 Items. Die Items fragten explizit danach, ob ein sehr hohes Maß an Intelligenz, sexuelle Anziehung oder sexuelles Interesse auslöst. Die Antworten erfolgten jeweils auf einer fünfstufigen Skala von starker Ablehnung (1) bis starker Zustimmung (5).

Entscheidend ist in der Argumentation der Autoren, dass sich diese Items statistisch eindeutig auf einen einzigen Faktor reduzieren ließen, der konsistent eine sexuelle Präferenz für Intelligenz abbildet. Damit konnte empirisch gezeigt werden, dass Sapiosexualität kein unscharfes oder heterogenes Sammelkonstrukt darstellt, sondern ein in sich geschlossenes Muster sexuellen Erlebens.

Auf dieser Grundlage schlugen Gignac und Kolleg:innen sodann ein Schwellenmodell vor, um systematisch zwischen bloßer sexueller Präferenz und sexueller Orientierung zu unterscheiden. Sie definierten zwei Schwellen:

  • eine mildere Schwelle mit einem durchschnittlichen Zustimmungswert von mindestens 4,0 sowie eine strengere Schwelle mit einem durchschnittlichen Zustimmungswert von mindestens 4,5 auf der fünfstufigen Skala.

Anhand dieser beiden Schwellen identifizierten die Autor:innen in ihrer Stichprobe einen relevanten Anteil von Personen, bei denen Sapiosexualität nicht lediglich eine zusätzliche Vorliebe darstellt, sondern eine prägende Struktur sexueller Anziehung:

  • Konkret erreichten 8,1 % der Teilnehmenden einen Mittelwert von mindestens 4,0 und 1,3 % sogar einen Mittelwert von mindestens 4,5 auf der Sapiosexualitäts-Skala.

Übertragung auf Vegansexualität

Die psychometrische Logik und Vorgehensweise von Gignac und Kolleg:innen ist für die hier untersuchte Vegansexualität unmittelbar relevant:

  • Die psychometrischen Argumente von Gignac und Kolleg:innen können direkt auf die hier untersuchte vegansexuelle Präferenz übertragen werden, auch wenn die Anzahl der Items in der hier durchgeführten Untersuchung höher ist, was die Einordnungen noch strenger macht.

Es ergaben sich die folgenden Ergebnisse:

  • Bei Zugrundelegung der strengen Schwelle (Durchschnittswert ab 4,5) lag demnach bei 14,4 % der untersuchten Stichprobe eine dezidierte vegansexuelle Orientierung vor.
  • Unter der weniger strengen Schwelle (Durchschnittswert ab 4,0) bestand sogar bei 26,8 % der Befragten in dieser Erhebung eine vegansexuelle Orientierung.

Die in dieser Umfrage unter Veganer:innen gefundenen Schätzungen für eine vegansexuelle Orientierung sind damit im Verhältnis zu anderen sexuellen Orientierungen als fraglos für die vegane Grundgesamtheit relevant zu bewerten.

Diese Befunde unterstützen von daher die von Annie Potts und Mandala White in ihren qualitativen Analysen eingeführte Konzeptualisierung der Vegansexualität als einer sexuellen Präferenz oder sexuellen Orientierung, die bei einer relevanten Anzahl von Veganer:innen besteht.

Umgekehrt zeigen die Befunde freilich ebenfalls, dass Veganer:innen offenbar nicht mehrheitlich vegansexuell sind.

Bevor jedoch von Vegansexualität als einem einheitlichen Merkmal gesprochen werden kann, ist analog zum Vorgehen von Gignac und Kolleg:innen zu klären, ob die 24 vegansexuellen Items tatsächlich auf ein einheitliches Konstrukt verweisen oder ob es sich um ein Sammelsurium unterschiedlicher Tendenzen handelt, die daher nicht zu einem Gesamtwert zusammengefasst werden dürfen.

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Vegansexualität als eindimensionales Konstrukt?

Es wurde im Weiteren für die 24 vegansexuellen Items geprüft, inwiefern sie tatsächlich eine homogene, in sich konsistente Skala bilden, die sinnvoll als Vegansexualität bezeichnet werden kann.

Zur Beantwortung dieser Frage wurden zwei sich ergänzende methodische Verfahren eingesetzt:

  • die Berechnung von Cronbachs Alpha sowie die Durchführung einer Hauptkomponentenanalyse.

Cronbachs Alpha dient der Prüfung der internen Konsistenz einer Skala:

  • Es gibt an, wie stark die einzelnen Items miteinander zusammenhängen und ob sie gemeinsam dasselbe übergeordnete Merkmal erfassen.

Auch wenn eine hohe interne Konsistenz gegeben ist, bleibt es dennoch denkbar, dass unterschiedliche Items nicht auf ausschließlich einer, sondern mehreren, korrelierten Dimensionen beruhen, sodass bei einer Verdichtung zu einem einzigen Gesamtwert relevante Informationen verloren gehen könnten:

  • Die Hauptkomponentenanalyse prüft daher stringenter, ob sich die Zusammenhänge zwischen den Items tatsächlich auf nur eine gemeinsame Dimension zurückführen lassen oder ob mehrere voneinander unterscheidbare Komponenten anzunehmen sind.

Homogenitätsanalyse mit Cronbachs Alpha

Die Ergebnisse zeigten eine außerordentlich hohe interne Konsistenz der Skala:

  • Das Cronbachs Alpha betrug .985 (bei 24 Items) und lag damit deutlich über den in der psychologischen Forschung üblichen Schwellenwerten für eine gute (.80) oder hervorragende (.90) Reliabilität.

Ein derart hoher Wert spricht dafür, dass die Items in sehr hohem Maße dasselbe latente Merkmal erfassen und nicht aus zufällig oder heterogen zusammengesetzten Inhalten bestehen.

Dieses Ergebnis wurde durch die Inter-Item-Korrelationen weiter gestützt:

  • Sämtliche Items korrelierten positiv miteinander. Die Korrelationen lagen – je nach Itempaar – im Bereich von etwa .43 bis über .90. Damit bewegten sie sich durchgängig in einem moderaten bis sehr hohen Bereich.

Ein solches Muster ist typisch für eine klar definierte, homogene Skala:

  • Die Items sind hinreichend stark miteinander verbunden, ohne ausschließlich identisch zu sein, und erfassen unterschiedliche Facetten desselben übergeordneten Konstrukts.

Befunde der Hauptkomponentenanalyse

Für die Hauptkomponentenanalyse wurde der Scree-Plot zugrunde gelegt, um zu beurteilen, wie viele Komponenten den 24 Fragen zugrunde liegen:

  • Im Scree-Plot werden die sogenannten Eigenwerte der einzelnen Komponenten dargestellt. Der Eigenwert gibt an, wie viel der Unterschiede in den Antworten aller Befragten durch eine Komponente gemeinsam erklärt werden kann, also wie stark sie dazu beiträgt, die Vielzahl einzelner Antworten auf ein gemeinsames Grundmerkmal zurückzuführen. Komponenten mit hohen Eigenwerten bündeln viel gemeinsame Information, während Komponenten mit sehr niedrigen Eigenwerten kaum mehr erklären als zufällige Streuung.

Zeichnung 1: Verlauf der Eigenwerte für Komponenten 1–24 (Hauptkomponentenanalyse über die 24 vegansexuellen Items, N = 2100)

Der in Zeichnung 1 dargestellte Scree-Plot verweist auf nur eine Komponente:

  • Der Scree-Plot zeigt einen sehr deutlichen Knick nach der ersten Komponente. Diese erste Komponente weist einen extrem hohen Eigenwert von 17,21 auf und erklärt rund 75 % der gesamten Varianz. Alle weiteren Komponenten fallen danach stark ab und tragen jeweils nur noch einen sehr geringen zusätzlichen Varianzanteil bei.

Dieses Muster spricht mit hoher Eindeutigkeit dafür, dass nur eine einzige inhaltlich bedeutsame Komponente der Vegansexualität vorliegt, während die übrigen Komponenten überwiegend statistisches Rauschen widerspiegeln.

Im nächsten Schritt wurde betrachtet, wie stark jedes einzelne Item mit dieser einen Komponente zusammenhängt:

  • Diese Zusammenhänge werden als Ladungen bezeichnet. Eine Ladung zeigt, wie eng eine einzelne Frage mit der gemeinsamen Komponente verbunden ist und wie gut sie das zugrunde liegende Merkmal abbildet. Üblicherweise gelten Ladungen ab etwa 0,30 als relevant, ab etwa 0,50 als substanziell und ab etwa 0,70 als hoch.

Tabelle 2 zeigt die Ladungen der 24 vegansexuellen Items auf der einen zugrundeliegenden Komponente „Vegansexualität“.

Tabelle 2: Ladungen der 23 vegansexuellen Items auf der Hauptkomponente, N = 2100

Vegansexuelle Items

Ladungen

Für mein sexuelles Wohlbefinden ist es entscheidend, dass die andere Person keine Tierprodukte konsumiert.

.932

Ich empfinde eine sexuelle Verbindung nur dann als stimmig, wenn mein Gegenüber vegan lebt.

.927

Wenn ich weiß, dass jemand Tierprodukte konsumiert, verliere ich das sexuelle Interesse.

.920

Ich spüre eine unangenehme Anspannung bei sexueller Nähe zu Menschen, die Tierprodukte konsumieren.

.919

Für mich ist der Verzicht auf Tierprodukte eine grundlegende Voraussetzung für sexuelle Nähe.

.916

Ich kann mir in der Vorstellung keine erfüllende sexuelle Nähe zu jemandem vorstellen, der Tierprodukte konsumiert.

.914

Auch bei starker Anziehung empfinde ich sexuelle Nähe zu nicht vegan lebenden Personen als unpassend.

.907

Wenn jemand Tierprodukte konsumiert, wirkt das auf mich belastend in Bezug auf sexuelle Nähe.

.906

Eine sexuelle Beziehung mit einer Person, die Tierprodukte konsumiert, ist für mich ausgeschlossen.

.904

Sex11 sIch kann mich sexuell nur dann öffnen, wenn mein Gegenüber Mitgefühl mit Tieren hat und keine Tierprodukte konsumiert.

.895

Selbst bei starker gegenseitiger Anziehung wäre sexuelle Nähe mit einer nicht vegan lebenden Person für mich unvorstellbar.

.890

Ich empfinde Veganismus in einer sexuellen Begegnung als ebenso wichtig wie gegenseitigen Respekt oder körperliche Hygiene.

.884

Ich kann meine Zärtlichkeit nur dann zulassen, wenn mein Gegenüber keine Tierprodukte konsumiert hat.

.878

Wenn mein Gegenüber tierische Produkte konsumiert hat, fällt es mir beim Sex schwer, mich fallen zu lassen – ich spüre eine innere Anspannung.

.872

Sinnliche Nähe ist für mich nur erfüllend, wenn mein Gegenüber vegan lebt.

.871

Ich spüre sexuelle Abwehr, wenn mein Gegenüber kürzlich Tierprodukte konsumiert hat.

.870

Ich suche sexuelle Nähe ausschließlich zu vegan lebenden Menschen.

.867

Wenn jemand Tiere als Nahrungsmittel betrachtet, verliert Sexualität für mich an Sinnlichkeit.

.864

Ich verspüre weniger sexuelle Lust, wenn ich weiß, dass mein Gegenüber Tierprodukte gegessen hat.

.835

Ich erlebe tiefere sexuelle Harmonie, wenn mein Gegenüber vegan lebt.

.807

Auch in sexuellen Fantasien sind nicht vegan lebende Personen für mich ausgeschlossen.

.798

In meinen sexuellen Fantasien erscheinen mir nur vegan lebende Menschen anziehend.

.784

Der Geruch oder Geschmack beim Küssen einer Person, die Tierprodukte konsumiert hat, wirkt für mich abstoßend.

.647

Ich empfinde Menschen als sexuell besonders anziehend, wenn sie aus Überzeugung vegan leben.

.638

Ersichtlich ist aus Tabelle 2, dass sämtliche 24 Items hoch bis sehr hoch auf der ersten Komponente laden, überwiegend im Bereich von etwa 0,80 bis über 0,90. Auch die niedrigste Ladung in Höhe von .64 liegt noch deutlich oberhalb des Bereichs substanzieller Zusammenhänge.

Damit wird belegt, dass alle Items in hohem Maße auf dieselbe gemeinsame Dimension bezogen sind und keine einzelnen Fragen aus dem Gesamtzusammenhang herausfallen.

Diese Komponente lässt sich inhaltlich als Vegansexualität interpretieren, da alle Items Aspekte sexueller Präferenz, Anziehung, Abgrenzung und emotionaler Reaktion in Bezug auf den veganen Lebensstil des Gegenübers beinhalten.

Zwischenresümee zur Struktur der Vegansexualität

Zusammenfassend zeigen die Befunde zu Cronbachs Alpha, den Inter-Item-Korrelationen und der Hauptkomponentenanalyse übereinstimmend, dass die 24 Items eine eindimensionale und in sich homogene Skala bilden.

Die Items erfassen gemeinsam ein einheitliches zugrunde liegendes Konstrukt, das inhaltlich als Vegansexualität beschrieben werden kann. Die Zusammenfassung der Items zu einem gemeinsamen Gesamtwert ist damit empirisch abgesichert.

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Ernährung von Partner:innen

Wenn die vegane Lebensweise eine bedeutsame innerpsychische und alltagsbezogene Rolle spielt, ist zu erwarten, dass vegane Personen besonders häufig mit anderen ebenfalls veganen Personen in partnerschaftlichen Beziehungen verbunden sind.

Tabelle 4 zeigt für die Stichprobe von 1305 Personen, die zum Befragungszeitpunkt angaben, eine Partnerschaft zu haben, die Verteilung der Ernährungsformen ihrer Partner:innen.

Tabelle 3: Ernährungsweisen der Partner:innen nach Gesamtstichprobe, N = 1305

(Angaben in Prozent; 95 %-Konfidenzintervall in Klammern, Bootstrap mit 1000 Stichproben)

Ernährungsweise

Prozent (%)

Vegan

49,5

(46,9–52,1)

Vegetarisch

16,2

(14,3–18,3)

Pescetarisch

1,6

(1,0–2,3)

Fleisch

32,6

(30,2–35,3)

Das 95-%-Konfidenzintervall in den Klammern gibt den Bereich an, in dem der wahre Mittelwert der Grundgesamtheit mit 95 % Wahrscheinlichkeit liegt.

Ausgehend von einer Grundwahrscheinlichkeit in der Gesamtbevölkerung von etwa 2 % veganer und 5 % vegetarischer Ernährung zeigt sich in den vorliegenden Daten eine sehr starke Koppelung der Ernährungsweise zwischen der eigenen veganen Ernährung und der Ernährungsweise der Partner:innen:

  • Der Anteil von veganen Partner:innen über die Gesamtstichprobe lag mit 49,5 % ein Vielfaches über diesen Bevölkerungswerten. Vegane Ernährung trat bei Partner:innen von Veganer:innen somit nicht zufällig auf, sondern als dominante Ernährungsform. Vegetarische Ernährung war mit 15,6 % in der Gesamtstichprobe ebenfalls deutlich überrepräsentiert. Die fleischbasierte Ernährung von Partner:innen war demgegenüber mit 32,6 % in der Gesamtstichprobe stark unterrepräsentiert im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.

Damit unterstützen die Befunde die Hypothese, dass Veganer:innen bevorzugt Beziehungen mit anderen Veganer:innen oder zumindest mit Personen führen, die kein Fleisch essen. Andererseits zeigen die 32,6 % der Stichprobe, die mit fleischessenden Partner:innen zusammen waren, dass eine vegane Ernährung Beziehungen mit fleischessenden Partner:innen nicht ausschließt und solche Beziehungen auch keine Rarität darstellen.

Einflüsse von Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungskanal auf die Ernährung von Partner:innen

Um die Robustheit (Generalisierbarkeit) der Befunde zur Partner:innen-Ernährung beurteilen zu können, wurde der Einfluss der möglichen Einflussvariablen Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungskanal auf die Ernährung der Partner:innen untersucht.

Mithilfe einer CATREG-Regressionsanalyse wurde dabei zunächst untersucht, inwiefern die genannten potenziellen Einflussvariablen überhaupt einen statistisch signifikanten, nicht durch Zufall bedingten Einfluss auf die Ernährung der Partner:innen der Teilnehmenden dieser Umfrage aufwiesen.

Dabei wurde der Einfluss auf die nominale Variable „Ernährung der Partner:innen“ der jeweils ordinal skalierten Variablen Alter und Bildungsstand sowie der ebenfalls nominalen Variablen Geschlecht (Frauen, Männer, nicht-binär), Wohnsitzland (Deutschland, Österreich, Schweiz, Rest) und Rekrutierungskanal (Facebook, Reddit, vegane Newsletter, Gleichklang/vegan.eu, Rest) untersucht. Es zeigte sich ein statistisch signifikanter Gesamteinfluss dieser Variablen auf die Ernährung von Partner:innen, sodass nunmehr die Signifikanz der Einzelvariablen betrachtet wurde, wobei eine Alpha-Fehler-Adjustierung nach Hommel zugrunde gelegt wurde.

Ein signifikanter Einfluss auf die Ernährung von Partner:innen ließ sich dabei lediglich für Geschlecht und Rekrutierungskanal feststellen, während Alter, Bildungsstand und Wohnsitzland die Signifikanz verfehlten.

Im Folgenden sind in Tabelle 4 die Daten für die signifikanten Variablen „Geschlecht/Gender“ und „Rekrutierungskanal“ dargestellt. Auf die Darstellung der Einflüsse von Alter, Bildungsstand und Wohnsitzland wurde verzichtet, da diese nicht von Zufallsschwankungen abwichen.

Tabelle 4: Ernährungsweisen der Partner:innen nach Geschlecht/Gender und Rekrutierungskanal, N = 1305

(Angaben in Prozent; 95 %-Konfidenzintervall in Klammern, Bootstrap mit 1000 Stichproben)

Teilgruppe

Vegan

Vegetarisch

Pescetarisch

Fleisch

Geschlecht / Gender

Prozent (%)

Prozent (%)

Prozent (%)

Prozent (%)

Frauen (N = 874)

43,6

(40,2–47,0)

15,6

(13,2–18,2)

1,6

(0,8–2,5)

39,2

(35,9–42,3)

Männer (N = 386)

62,4

(57,3–66,8)

16,8

(13,0–20,7)

1,8

(0,5–3,3)

18,9

(15,4–22,8)

Nicht-binär (N = 45)

53,3

(38,9–67,8)

24,4

(12,2–38,3)

22,2

(10,3–33,3)

Rekrutierungskanal
Facebook (N = 514)

47,5

(43,2–51,6)

15,2

(12,2–18,3)

1,2

(0,4–2,2)

36,2

(32,0–40,3)

Reddit (N = 249)

53,0

(46,6–59,3)

16,1

(11,9–20,7)

2,0

(0,4–3,8)

28,9

(23,2–35,1)

Vegane Newsletter (N = 304)

50,3

(44,8–55,8)

16,1

(12,2–20,5)

2,0

(0,6–3,7)

31,6

(26,2–37,2)

Gleichklang (N = 138)

48,6

(40,1–57,3)

19,6

(12,8–26,3)

1,4

(0,0–3,8)

30,4

(22,5–38,4)

Rest (N = 100)

50,0

(40,4–59,8)

18,0

(10,9–26,7)

2,0

(0,0–5,0)

30,0

(21,1–38,8)

Das 95-%-Konfidenzintervall in den Klammern gibt den Bereich an, in dem der wahre Anteilswert der Grundgesamtheit mit 95 % Wahrscheinlichkeit liegt.

Auch wenn sich Geschlecht/Gender und der Rekrutierungsweg – wie in der oben dargestellten CATREG-Analyse – signifikant auf die Ernährungsweisen der Partner:innen auswirkten, besteht der zentrale Haupteffekt darin, dass die Befunde über alle Teilgruppen hinweg in hohem Maße generalisierbar sind:

In sämtlichen Geschlechts- und Gendergruppen ebenso wie in allen Rekrutierungskanälen zeigt sich konsistent, dass Partner:innen deutlich häufiger vegan lebten, als dies auf Grundlage einer geschätzten Populationsrate von etwa 2 % zu erwarten gewesen wäre. Ebenso liegt der Anteil vegetarisch lebender Partner:innen in allen Teilgruppen klar über der Populationsrate für Vegetarismus von rund 5 %. Zwar ist unter anderem erkennbar, dass Männer häufiger vegane Partner:innen angaben als Frauen; analytisch zentral ist jedoch nicht dieser Gruppenunterschied, sondern die Robustheit und Generalisierbarkeit des Befundmusters über alle untersuchten Teilgruppen hinweg.

Die vegan lebenden Befragten dieser Umfrage gaben insgesamt weit überzufällig häufig an, vegane oder vegetarische Partner:innen zu haben, verglichen mit dem, was auf Basis der allgemeinen Bevölkerungsraten für Veganismus und Vegetarismus zu erwarten wäre. Ein zweiter zentraler Befund besteht darin, dass in allen Gruppen die vegane Ernährungsweise der Partner:innen klar dominiert, gefolgt von Mischkost mit Fleisch, danach vegetarischer Ernährung und schließlich – mit deutlichem Abstand – pescetarischer Ernährung.

Vor dem Hintergrund dieses in allen Teilgruppen konsistent erkennbaren Befundmusters kann mit hoher Wahrscheinlichkeit geschlossen werden, dass Veganer:innen im Allgemeinen deutlich häufiger vegane oder vegetarische Partner:innen haben, als dies für die Allgemeinbevölkerung gilt. Auf eine Untersuchung der detaillierten Unterschiede zwischen den Geschlechts-/Gendergruppen und den Rekrutierungskanälen wurde verzichtet, da diese für die hier untersuchten Fragen nicht relevant ist.

Vegan vor oder während der Beziehung

Im Weiteren wurde untersucht, ob die veganen Befragten vor ihrer aktuellen Beziehung bereits vegan waren oder im Verlauf der Beziehung vegan wurden. Dabei wurde zunächst mithilfe einer CATREG-Regressionsanalyse untersucht, inwiefern sich die möglichen Einflussvariablen Geschlecht/Gender, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungskanal auf die Häufigkeit auswirkten, mit der die Befragten vor ihrer Beziehung bereits vegan waren oder während ihrer Beziehung vegan wurden. Es zeigte sich ein signifikanter Gesamteffekt, und nach Holm-Adjustierung zeigten sich signifikante Einflüsse von Geschlecht/Gender, Alter und Rekrutierungsweg.

In Tabelle 5 werden die Befunde für die Gesamtstichprobe sowie darunter für die Teilstichproben nach Geschlecht/Gender (Frauen, Männer, nicht-binär), Alter (Jüngere, Ältere nach Mediansplit) und Rekrutierungsweg (Facebook, Reddit, vegane Newsletter, Gleichklang, Rest) dargestellt.

Tabelle 5: Vegan vor Beziehung vs. vegan nach Beziehung nach Gesamtstichprobe, Geschlecht/Gender, Alter und Rekrutierungskanal, N = 1305

(Angaben in Prozent; 95-%-Konfidenzintervall jeweils in Klammern unter dem Prozentwert, Bootstrap mit 1000 Resamples)

Teilgruppe

Vegan vor Beziehung

Vegan nach Beziehung

Prozent (%)

Prozent (%)

Alle (N = 1305)

33,1

(30,6–35,7)

66,9

(64,3–69,4)

Geschlecht / Gender
Frauen (N = 874)

31,8

(28,6–35,1)

68,2

(64,9–71,4)

Männer (N = 386)

33,4

(28,7–38,2)

66,6

(61,8–71,3)

Nicht-binär (N = 45)

55,6

(40,8–70,7)

44,4

(29,3–59,2)

Alter
Jüngere (N = 627)

40,8

(36,9–44,8)

59,2

(55,2–63,1)

Ältere (N = 678)

26,0

(22,7–29,3)

74,0

(70,7–77,3)

Rekrutierungskanal
Facebook (N = 514)

30,9

(26,9–35,2)

69,1

(64,8–73,1)

Reddit (N = 249)

33,7

(27,9–39,7)

66,3

(60,3–72,1)

Vegane Newsletter (N = 304)

28,6

(23,7–33,8)

71,4

(66,2–76,3)

Gleichklang (N = 138)

42,8

(33,6–51,6)

57,2

(48,4–66,4)

Rest (N = 100)

43,0

(33,3–52,8)

57,0

(47,2–66,7)

Das 95-%-Konfidenzintervall in den Klammern gibt den Bereich an, in dem der wahre Anteilswert der Grundgesamtheit mit 95 % Wahrscheinlichkeit liegt.

Auch wenn in der Varianz- bzw. CATREG-Analyse signifikante Auswirkungen von Geschlecht/Gender, Alter und Rekrutierungsweg gefunden wurden, besteht erneut der eigentlich interessante Befund darin, dass die Befundlage bezüglich der relevanten Haupttendenzen über die Gesamtstichprobe hinweg und in allen Teilgruppen weitgehend konsistent ist:

  • In der Gesamtstichprobe ebenso wie in sämtlichen untersuchten Teilgruppen wurde die Mehrheit der Befragten erst nach Beginn ihrer Beziehung vegan. Dieser Befund ist ausgesprochen robust und kann daher mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf Veganer:innen im Allgemeinen übertragen werden.

Der stärkste Unterschied zwischen relevanten Teilgruppen zeigte sich beim Vergleich zwischen jüngeren und älteren Befragten:

  • Bei den Älteren waren mit lediglich 26,0 % deutlich weniger Personen bereits vor der Beziehung vegan als bei den Jüngeren mit 40,8 %.

Dieser Unterschied ist unmittelbar plausibel:

  • Die vegane Ernährungsweise hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich an Popularität und gesellschaftlicher Verbreitung gewonnen. Personen mit höherem Lebensalter befinden sich im Durchschnitt häufiger in längeren Partnerschaften, und zum Zeitpunkt des Beziehungsbeginns war der Anteil vegan lebender Personen entsprechend geringer.

Der Befund, dass die Mehrheit der vegan lebenden Befragten vor ihrer aktuellen Beziehung nicht vegan lebte, spricht dagegen, dass vegan-vegane Beziehungen überwiegend durch eine gezielte Auswahl bereits vegan lebender Partner:innen zustande kommen.

Vielmehr legen die Ergebnisse nahe, dass Veganismus in Partnerschaften häufig im Verlauf der Beziehung entsteht und sich sodann innerhalb bestehender Beziehungsdynamiken entwickelt.

Wie entstehen vegane Paare?

Die Teilnehmenden, die vegane Partner:innen hatten, wurden direkt gefragt, wie ihre vegan-vegane Beziehungskonstellation entstanden ist. Eine CATREG-Analyse zeigte, dass ausschließlich Geschlecht (Frauen, Männer, nicht-binär) und Rekrutierungsweg (Facebook, Reddit, vegane Newsletter, Gleichklang, Rest) einen signifikanten Einfluss auf die Häufigkeit der verschiedenen Wege zur veganen Beziehungskonstellation aufwiesen.

In Tabelle 6 ist die Häufigkeit der verschiedenen Wege für die Gesamtstichprobe sowie getrennt nach Geschlecht/Gender und Rekrutierungsweg dargestellt.

Tabelle 6: Weg zur veganen Lebensweise, N = 646 (Befragt wurden ausschließlich Personen, deren Partner:innen vegan leben; Angaben in Prozent, 95-%-Konfidenzintervalle jeweils in Klammern unter dem Prozentwert; Bootstrap, 1000 Resamples)

Teilgruppe

Partner:in auf meine Anregung vegan geworden

Ich bin auf Anregung von Partner:in vegan geworden

Beide bereits vorher vegan

Nichts davon

Prozent (%)

Prozent (%)

Prozent (%)

Prozent (%)

Alle (N = 646)

46,1
(42,3–49,9)

17,8
(15,1–20,6)

15,6
(12,8–18,5)

20,4
(17,5–23,7)

Geschlecht/ Gender
Frauen (N = 381)

53,5
(48,5–58,7)

14,7
(11,0–18,3)

13,4
(10,2–17,2)

18,4
(14,7–22,5)

Männer (N = 241)

36,9
(30,7–43,3)

21,6
(16,6–27,1)

18,3
(13,5–23,2)

23,2
(18,2–29,2)

Nicht-binär (N = 24)

20,8
(5,0–38,9)

29,2
(11,1–50,0)

25,0
(8,3–44,0)

25,0
(8,0–42,3)

Rekrutierungsweg
Facebook (N = 244)

46,7
(40,3–52,7)

18,9
(14,0–23,7)

11,9
(7,6–16,2)

22,5
(17,0–28,5)

Reddit (N = 132)

44,7
(36,9–53,2)

21,2
(14,4–28,9)

11,4
(6,1–16,9)

22,7
(15,8–30,0)

Vegane Newsletter (N = 153)

49,7
(41,8–57,4)

19,0
(12,7–25,3)

14,4
(8,9–20,3)

17,0
(11,5–23,1)

Gleichklang (N = 67)

41,8
(29,3–53,5)

7,5
(1,6–14,3)

29,9
(18,8–41,3)

20,9
(11,8–31,9)

Rest (N = 50)

42,0
(28,0–55,1)

14,0
(5,3–24,1)

30,0
(16,7–42,5)

14,0
(5,0–25,0)

Das 95-%-Konfidenzintervall in den Klammern gibt den Bereich an, in dem der wahre Anteilswert der Grundgesamtheit mit 95 % Wahrscheinlichkeit liegt.

Über alle Teilgruppen hinweg zeigte sich, dass in den meisten vegan-veganen Beziehungskonstellationen beide Partner:innen nicht bereits von Beginn an vegan waren.:

  • In der Gesamtstichprobe lag der Anteil der Fälle, in denen beide Partner:innen bereits vor der Beziehung vegan waren, bei 15,6 %, was deutlich über einer rein zufälligen Erwartung liegt, aber dennoch klar die Minderheit darstellt.

Bezogen auf den Rekrutierungsweg zeigten sich niedrigere Anteile beidseitig bereits vor der Beziehung veganer Paare bei über Reddit rekrutierten Befragten mit 11,4 % sowie bei über Facebook rekrutierten Befragten mit 11,9 %.

Deutlich höhere Anteile fanden sich dagegen bei den über den Rekrutierungsweg „Rest“ erfassten Befragten mit 30,0 % sowie bei Gleichklang mit 29,9 %.

Damit lag selbst der niedrigste beobachtete Wert noch um ein Vielfaches über dem, was bei einer allgemeinen Veganismus-Rate von etwa 2 % zufällig zu erwarten wäre, da rein zufällige vegan-vegane Paarungen unter diesen Bedingungen nur in rund 2 % der Fälle auftreten würden.

Auch im Bereich Geschlecht und Gender bestanden sich Unterschiede, die jedoch ebenfalls eher begrenzt waren:

  • Der Anteil der Personen, bei denen beide Partner:innen bereits vor der Beziehung vegan waren, lag bei Frauen bei 13,4 %, bei Männern bei 18,3 % und bei nicht-binären Personen bei 25,0 %.

Diese Spannweite verdeutlicht, dass es zwar Unterschiede zwischen den Geschlechts- und Gendergruppen bei den Teilnehmenden gab, diese jedoch nicht den grundlegenden Trend veränderten.

Der zentrale Anker für eine vegan-vegane Ernährung in Beziehungen lag bei den Befragten eindeutig in der Beziehungsdynamik:

  • In der Gesamtstichprobe berichteten 63,9 % der Befragten, dass eine Einflussnahme innerhalb der Beziehung stattgefunden habe. In 46,1 % der Fälle wurde die Partner:in auf eigene Anregung vegan, während 17,8 % angaben, selbst auf Anregung der Partner:in vegan geworden zu sein.

Damit entstand die gemeinsame vegane Ernährungsweise in der Mehrheit der vegan-veganen Beziehungskonstellationen erst im Verlauf der Beziehung.

Auffällig ist, dass deutlich häufiger der eigene Einfluss auf die Partner:in berichtet wurde als der Einfluss der Partner:in auf die eigene Ernährungsumstellung. Dieses Muster ist psychologisch plausibel, da Menschen ihre eigenen Handlungen und Einflussnahmen eher als aktiv wahrnehmen und erinnern, während sie den Einfluss anderer auf ihre eigenen Entscheidungen tendenziell unterschätzen.

Zwischen den Teilgruppen bestanden also zwar Unterschiede, etwa nach Geschlecht, Gender oder Rekrutierungsweg, diese relativierten sich jedoch im Gesamtbild. Unabhängig von der Teilgruppe zeigte sich konsistent, dass vegan-vegane Beziehungskonstellationen überwiegend durch Dynamiken innerhalb bestehender Beziehungen entstanden und nur zu einem kleineren Teil darauf zurückgingen, dass zwei bereits vegan lebende Personen von Beginn an zueinanderfanden. Gleichzeitig trat aber auch Letzteres deutlich häufiger auf, als es auf Basis allgemeiner Bevölkerungsraten zu erwarten gewesen wäre.

Ob diese bereits vorab vegan-veganen Konstellationen auf eine gezielte Partnersuche nach vegan lebenden Personen oder auf die Einbettung in soziale Umfelder mit hohem Veganeranteil zurückzuführen sind, lässt sich mit den vorliegenden Daten nicht klären und war nicht Gegenstand dieser Untersuchung.

Zwischenresümee „Ernährung von Partner:innen und vegane–vegane Entwicklungswege“

Die vegan lebenden Befragten dieser Umfrage hatten insgesamt deutlich häufiger vegane oder vegetarische Partner:innen, als dies bei einer zufälligen Partnerwahl zu erwarten gewesen wäre. Tatsächlich lebten rund 49,5 % der Befragten in einer Beziehung mit einer ebenfalls vegan lebenden Partnerperson, und unter Einbezug vegetarischer Ernährungsweisen lebten sogar etwa 65,8 % in einer insgesamt pflanzenbasierten Beziehung. Innerhalb dieses pflanzenbasierten Spektrums überwog die vegane Ernährungsweise deutlich. Dieser Befund zeigt, dass innerhalb von Beziehungen vegan lebender Personen die vegane Lebensweise häufig geteilt wird.

Dieses Muster erwies sich als ausgesprochen robust. Es zeigte sich unabhängig von Bildungsstand, Alter und Wohnsitzland und war trotz einzelner Unterschiede im Detail in allen Geschlechts- und Gendergruppen sowie über alle fünf Rekrutierungswege hinweg klar erkennbar. Die zentralen Befunde blieben damit über sämtliche untersuchten Teilgruppen hinweg stabil.

Ein genauerer Blick auf die Entstehung vegan-veganer Beziehungskonstellationen zeigt, dass diese nur selten bereits zu Beginn der Beziehung bestanden. Lediglich 15,6 % der Befragten gaben an, dass beide Partner:innen bereits beim Beziehungsbeginn vegan lebten. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle entwickelte sich die vegane Ernährungsweise erst im Verlauf der Beziehung.

Diese Entwicklungswege zeigen sich über alle Teilgruppen hinweg in verwandter Form. Unabhängig von Geschlecht, Gender und Rekrutierungsweg finden sich konsistente Muster, nach denen die vegane Ernährungsweise innerhalb der Beziehung entsteht und nicht primär durch eine gezielte Auswahl bereits vegan lebender Partner:innen vorgegeben ist. Auch wenn die meisten Befragten somit nicht mit einer vegan-veganen Beziehung starteten, liegt selbst der Anteil der von Beginn an vegan-veganen Konstellationen deutlich über dem, was unter der Annahme zu erwarten wäre, dass vegane Personen zufällig Partner:innen aus der Allgemeinbevölkerung wählen und der Anteil vegan lebender Personen dort bei rund 2 % liegt.

Insgesamt weisen die Befunde darauf hin, dass die vegane Ernährungsweise in Beziehungen häufig gemeinsam entwickelt wird. Zwar beginnen manche Paare bereits mit einer vegan-veganen Konstellation, in der Mehrheit der Fälle entsteht die gemeinsame vegane Lebensweise jedoch erst im Verlauf der Beziehung durch den Einfluss einer der beteiligten Personen. Die Tatsache, dass nahezu die Hälfte der Befragten in einer veganen Beziehung lebte und unter Einbezug vegetarischer Ernährungsweisen fast zwei Drittel in einer insgesamt pflanzenbasierten Beziehung, verdeutlicht, dass vegane Ernährung und der Verzicht auf Fleisch ein zentrales Lebensstilmerkmal darstellen, das sich tiefgreifend auf partnerschaftliche Beziehungen auswirkt.

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Einfluss von Vegansexualität auf die Ernährung von Partner:innen

Tabelle 7 zeigt die Häufigkeit der Ernährung von Partner:innen jeweils im Vergleich für vegansexuelle und nicht vegansexuelle Personen.

Dabei wurden alle Teilnehmenden ab einem Durchschnittswert von 4 bei den vegansexuellen Items als vegansexuell und alle unter diesem Wert als nicht vegansexuell klassifiziert.

Tabelle 7: Ernährungsweise der Partner:innen nach Vegansexualität (milde Schwelle), N = 1305
(Angaben in Prozent; 95-%-Konfidenzintervall in Klammern, Bootstrap mit 1000 Stichproben)

Ernährungsweise der Partner:innen

Nicht vegansexuell (N = 1011)

Vegansexuell (N = 294)

Prozent (%)

Prozent (%)

Fleisch

39,1

(36,1–42,1)

10,5

(7,3–14,3)

Pescetarisch

1,7

(0,9–2,5)

1,4

(0,3–2,8)

Vegetarisch

18,4

(16,0–21,0)

8,8

(5,6–12,2)

Vegan

40,9

(37,8–43,8)

79,3

(74,6–84,2)

Das 95-%-Konfidenzintervall in den Klammern gibt den Bereich an, in dem der wahre Anteilswert der Grundgesamtheit mit 95 % Wahrscheinlichkeit liegt.

Aus Tabelle 7 ist unmittelbar ersichtlich, dass vegane Partner:innen bei vegansexuellen Personen sehr viel häufiger vorkommen als bei nicht vegansexuellen Personen:

Während bei den nicht vegansexuellen Befragten 40,9 % der Partner:innen vegan lebten (413 von 1011), betrug dieser Anteil bei den vegansexuellen Befragten 79,3 % (233 von 294). Bereits dieser direkte Vergleich verdeutlicht einen ausgeprägten Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

Gleichzeitig wird aus der Tabelle deutlich, dass fleischessende Partner:innen bei vegansexuellen Personen wesentlich seltener vertreten sind als bei nicht vegansexuellen Personen:

  • In der nicht vegansexuellen Gruppe waren 39,1 % der Partner:innen fleischessend (395 von 1011), in der vegansexuellen Gruppe hingegen nur 10,5 % (31 von 294).

Auch vegetarische Partner:innen kamen bei vegansexuellen Personen seltener vor:

  • Der Anteil vegetarischer Partner:innen lag bei den vegansexuellen Teilnehmenden bei 8,8 % (26 von 294), während er bei nicht vegansexuellen Personen 18,4 % betrug (186 von 1011).
  • Pescetarische Partner:innen spielten in beiden Gruppen nur eine sehr geringe Rolle, mit Anteilen von 1,7 % bei nicht vegansexuellen Personen (17 von 1011) und 1,4 % bei vegansexuellen Personen (4 von 294).

Zur statistischen Prüfung, ob sich diese Häufigkeitsverteilungen systematisch zwischen vegansexuellen und nicht vegansexuellen Personen unterscheiden, wurde ein Chi-Quadrat-Test auf Unabhängigkeit durchgeführt:

  • Der Test ergab einen hochsignifikanten Zusammenhang zwischen vegansexueller Orientierung und der Ernährungsweise der Partner:innen (χ²(3) = 137,571, p = .000, N = 1305).

Damit ist eindeutig belegt, dass die in der Tabelle sichtbaren Unterschiede nicht zufällig zustande gekommen sind, sondern einen stabilen statistischen Zusammenhang widerspiegeln.

Um zu klären, welche konkreten Ernährungsweisen diesen Gesamteffekt tragen, wurden die adjustierten Residuen der Kreuztabelle herangezogen:

  • Für vegane Partner:innen zeigte sich bei vegansexuellen Personen ein sehr stark positives adjustiertes Residuum von +11,6, während es bei nicht vegansexuellen Personen entsprechend stark negativ ausfiel (−11,6). Dies bedeutet, dass vegane Partner:innen bei vegansexuellen Personen hochsignifikant häufiger vorkamen, als es bei gleicher Verteilung zu erwarten wäre (p < .001).

Für fleischessende Partner:innen zeigt sich das entgegengesetzte Muster:

  • Bei vegansexuellen Personen war das adjustierte Residuum stark negativ (−9,2), bei nicht vegansexuellen Personen stark positiv (+9,2), was darauf hinweist, dass fleischessende Partner:innen bei vegansexuellen Personen hochsignifikant seltener vertreten waren (p < .001).

Auch vegetarische Partner:innen waren bei vegansexuellen Personen signifikant unterrepräsentiert:

  • Hier beträgt das adjustierte Residuum −3,9 (nicht vegansexuell: +3,9), was ebenfalls einen signifikanten Unterschied anzeigte (p < .001).

Für pescetarische Partner:innen lagen die adjustierten Residuen mit −0,4 und +0,4 deutlich unterhalb der Signifikanzschwelle, sodass sich für diese Ernährungsweise kein statistisch belastbarer Unterschied zwischen den Gruppen ergab. Dies ist im Zusammenhang mit den sehr geringen Fallzahlen pescetarischer Ernährung zu interpretieren, sodass kaum statistisch signifikante Effekte gefunden werden konnten.

Zusammenfassend bestätigen die statistischen Analysen, dass sich vegansexuelle und nicht vegansexuelle Personen in dieser Umfrage dahingehend unterschieden, dass vegansexuelle Personen sehr viel häufiger vegane Partner:innen hatten, während fleischessende und vegetarische Partner:innen bei ihnen deutlich seltener vorkamen.

Dieser Befund ist inhaltlich plausibel, da bei einer vegansexuellen Orientierung zu erwarten ist, dass Partnerschaften eher mit Veganer:innen gesucht werden, Konstellationen mit nicht veganer Ernährung seltener fortbestehen oder sich dadurch verändern, dass nicht vegane Partner:innen vegan werden, sodass sie hier nunmehr innerhalb der veganen Stichprobe erfasst sind.

Es gibt es aber auch eine weitere mögliche Erklärung für die besonders häufige Konstellation vegan–vegan bei vegansexuellen Personen:

  • Möglicherweise entstand die Vegansexualität erst dadurch, dass Partner:innen ebenfalls vegan waren. Durch das Erleben einer hohen Passung könnte sich eine vegansexuelle Orientierung herausgebildet haben.

Zwischen diesen Möglichkeiten kann mit den Daten der vorliegenden Querschnitts-Umfrage nicht unterschieden werden.

Unabhängig davon ist die hohe Häufigkeit vegan-veganer Paarkonstellationen bei vegansexuellen Personen als Stützung der inhaltlichen Bedeutsamkeit des Konstrukts der Vegansexualität zu bewerten.

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Einfluss vegansexueller Orientierung auf Beziehungszufriedenheit

Wie wirkte sich eine vegansexuelle Orientierung auf die Beziehungszufriedenheit und die sexuelle Zufriedenheit bei jenen Befragten aus, die sich zum Zeitpunkt der Umfrage in einer festen romantischen Beziehung befanden?

Wenn Vegansexualität eine tatsächliche Ausrichtung der sexuellen Orientierung erfasst, wäre zu erwarten, dass vegansexuelle Personen mit veganen Partner:innen in ihren Beziehungen und in ihrer Sexualität zufriedener sein werden als mit fleischessenden Partner:innen. Auch eine vegetarische Ernährung könnte sich womöglich im Vergleich zur Ernährung mit Fleisch positiv auf die Beziehungszufriedenheit und die sexuelle Zufriedenheit auswirken. Auch könnte erwartet werden, dass die Zufriedenheit mit veganen Partner:innen höher ist als mit vegetarischen.

Die Beziehungszufriedenheit und die sexuelle Zufriedenheit wurden jeweils auf einer Skala von 0 (extreme Unzufriedenheit) bis 10 (extreme Zufriedenheit) erhoben.

Tabelle 8 zeigt die durchschnittliche Zufriedenheit von Personen mit und ohne vegansexuelle Orientierung in Abhängigkeit von der Ernährung der Partner:innen.

Als vegansexuell galten jene Teilnehmenden, die über die 24 vegansexuellen Items hinweg einen Durchschnittswert von mindestens 4 erreichten. Alle Personen, deren Mittelwert unterhalb dieser Schwelle lag, wurden als nicht vegansexuell klassifiziert.

Tabelle 8: Beziehungs- und sexuelle Zufriedenheit nach Vegansexualität und Ernährungsweise der Partner:innen, N = 1305

(Angaben: Mittelwert, minimale Zufriedenheit = 0, maximale Zufriedenheit = 10; 95-%-Konfidenzintervall in Klammern, Bootstrap 1000 Stichproben)

Gruppe

Vegan

Vegetarisch

Pescetarisch

Fleisch

Prozent (%)

Prozent (%)

Prozent (%)

Prozent (%)

Vegansexuell (milde Schwelle, ≥ 4,0, N = 294)
Beziehungszufriedenheit

8,75

(8,52–8,97)

6,88

(5,88–7,81)

6,50

(4,25–8,00)

4,19

(3,16–5,23)

Sexuelle Zufriedenheit

7,65

(7,36–7,94)

6,15

(5,00–7,31)

6,50

(5,00–8,75)

3,52

(2,50–4,54)

Nicht vegansexuell (milde Schwelle, N = 1011)
Beziehungszufriedenheit

8,60

(8,43–8,75)

8,23

(7,97–8,47)

8,00

(7,44–8,53)

7,74

(7,54–7,95)

Sexuelle Zufriedenheit

7,05

(6,82–7,27)

7,17

(6,79–7,55)

7,35

(6,22–8,38)

7,05

(6,78–7,29)

Das 95-%-Konfidenzintervall in den Klammern gibt den Bereich an, in dem der wahre Anteilswert der Grundgesamtheit mit 95 % Wahrscheinlichkeit liegt.

Bereits bei rein kursorischer Sichtung der Tabelle zeigen sich klare Trends:

  • Vegansexuelle Personen wiesen im Vergleich zu nicht vegansexuellen Personen eine geringere Beziehungszufriedenheit und eine geringere sexuelle Zufriedenheit auf, wenn ihre Partner:innen Fleisch aßen.
  • Vegansexuelle Personen mit veganen Partner:innen gaben eine höhere Beziehungszufriedenheit und auch eine höhere sexuelle Zufriedenheit an als nicht vegansexuelle Personen mit veganen Partner:innen.
  • Beim Vergleich innerhalb der vegansexuellen Gruppe zeigt sich konsistent, dass die Beziehungszufriedenheit und die sexuelle Zufriedenheit höher ausfielen, wenn sie vegane Partner:innen hatten, als wenn ihre Partner:innen Fleisch aßen.

Ferner entsteht bei der Durchsicht der Tabelle der Eindruck, dass die Befunde zu vegetarischer und pescetarischer Ernährung der Partner:innen zwischen den beiden Polen fleischessender und veganer Partner:innen lagen:

Sowohl die Beziehungszufriedenheit als auch die sexuelle Zufriedenheit waren bei vegansexuellen Personen bei vegetarischer und pescetarischer Partner-Ernährung tendenziell höher als bei fleischessenden Partner:innen, jedoch niedriger als bei veganen Partner:innen.

Bereits diese deskriptiven Befunde deuten darauf hin, dass Vegansexualität mit der Beziehungszufriedenheit und der sexuellen Zufriedenheit in Abhängigkeit von der Ernährung der Partner:innen zusammenhängt.

Für die weiterführende Interpretation ist jedoch die statistische Absicherung dieser Befunde entscheidend. Zudem war zu prüfen, ob Unterschiede in Geschlecht/Gender, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland oder Rekrutierungskanal diese Befunde erklären könnten.

Statistische Gesamtanalyse mit gleichzeitiger Betrachtung von Beziehungs- und sexueller Zufriedenheit

Es wurde mithilfe einer multivariaten Varianzanalyse (MANOVA) geprüft, wie sich Vegansexualität (ja vs. nein), die Ernährungsweise der Partner:innen (vegan, vegetarisch, pescetarisch, omnivor mit Fleisch), Alter (in Jahren), Geschlecht (Mann, Frau, nicht-binär), Bildungsstand, Wohnsitzland (Deutschland, Österreich, Schweiz, anderes) sowie der Rekrutierungskanal (Facebook, Reddit, vegane Newsletter, Gleichklang (vegan.eu), Restgruppe) gemeinsam auf die Beziehungszufriedenheit und die sexuelle Zufriedenheit auswirken.

Beide Zufriedenheitsmaße wurden als abhängige Variablen in eine MANOVA aufgenommen, um zu vermeiden, dass durch getrennte Analysen der Beziehungszufriedenheit und der sexuellen Zufriedenheit die Anzahl statistischer Tests unnötig erhöht wird und dadurch die Wahrscheinlichkeit zufälliger, scheinbar bedeutsamer Ergebnisse ansteigt.

Bei dieser Auswertung wurden Alter und Bildungsstand als metrische Einflussgrößen (Kovariablen) berücksichtigt, während Geschlecht, Wohnsitzland, Rekrutierungskanal, die Ernährungsweise der Partner:innen und Vegansexualität als kategoriale Einflussfaktoren in die Analyse eingingen. Alle diese Variablen wurden gleichzeitig berücksichtigt, das heißt, statistisch kontrolliert.

Mit diesem Vorgehen wurde sichergestellt, dass möglicherweise sichtbar werdende Unterschiede zwischen vegansexuellen und nicht vegansexuellen Personen nicht auf Unterschiede in Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Rekrutierungskanal oder Wohnsitzland zurückgehen, sondern unabhängig von diesen Faktoren beurteilt werden können.

Von besonderem und eigentlichem Interesse war bei dieser Auswertung die Wechselwirkung zwischen Vegansexualität und der Ernährungsweise der Partner:innen:

  • Diese Wechselwirkung entspricht der inhaltlichen Annahme, dass Vegansexualität sich darauf auswirkt, ob und in welchem Ausmaß die Ernährungsweise der Partner:innen einen Einfluss auf die Beziehungszufriedenheit und die sexuelle Zufriedenheit hat.

Dabei wurde außerdem eine Analyse aller Wechselwirkungen höherer Ordnung (z. B. Vegansexualität × Partnernährung × Geschlecht) durchgeführt, um zu prüfen, ob eine eigentlich interessierende Wechselwirkung zwischen Vegansexualität und Partnernährung stabil ist, oder ob sie durch andere Merkmale verändert wird, beispielsweise nur für Frauen, aber nicht für Männer gilt etc.

Es wurde also konkret untersucht, ob Faktoren wie Geschlecht, Rekrutierungskanal oder Wohnsitzland den Einfluss der Partnernährung in Abhängigkeit von Vegansexualität auf Zufriedenheit abschwächen, verstärken oder aufheben.

Aufgrund der Anzahl der zu berücksichtigenden Einflussfaktoren, der Wechselwirkungen zwischen ihnen und der Kovariaten ergaben sich zunächst 18 einzelne statistische Prüfungen. Da jede dieser Prüfungen getrennt für die Beziehungszufriedenheit und die sexuelle Zufriedenheit erfolgen musste, resultierten 36 statistische Einzeltests pro Rechenschritt.

Um zu vermeiden, dass bei dieser Vielzahl von Einzeltests zufällige Effekte fälschlich als statistisch bedeutsam interpretiert werden, wurde eine Alpha-Fehler-Kontrolle vorgenommen. Der Alpha-Fehler bezeichnet die Wahrscheinlichkeit, einen Effekt irrtümlich als signifikant zu bewerten, obwohl er tatsächlich nur zufällig entstanden ist. Diese Fehlerwahrscheinlichkeit steigt mit der Anzahl der durchgeführten Tests.

Zur Kontrolle dieses Problems wurden die Ergebnisse aller Einzeltests mithilfe des Hommel-Verfahrens angepasst. Dieses Vorgehen verhindert, dass bei vielen gleichzeitigen Prüfungen zufällige Unterschiede fälschlich als bedeutsam interpretiert werden.

Es ergaben sich die folgenden Befunde:

Nach Adjustierung aller multivariaten Tests mit dem Hommel-Verfahren zeigte sich in der multivariaten Varianzanalyse letztlich nur ein einziger signifikanter Effekt:

  • die Interaktion zwischen Vegansexualität und der Ernährungsweise der Partner:innen. Dieser Interaktionseffekt war multivariat hochsignifikant (Pillai’s Trace = .027, F(6, 2320) = 5.355, p < .001).

Alle übrigen Haupteffekte sowie alle weiteren Interaktionen, einschließlich sämtlicher Interaktionen höherer Ordnung, verfehlten nach Hommel-Adjustierung die Signifikanz.

Diese zentrale Interaktion wurde anschließend getrennt für die beiden abhängigen Variablen überprüft:

  • Für die Beziehungszufriedenheit erwies sich die Interaktion zwischen Partner-Ernährung und Vegansexualität als hochsignifikant (F(3, 1160) = 8.536, p < .001). Für die sexuelle Zufriedenheit zeigte sich ebenfalls eine hochsignifikante Interaktion (F(3, 1160) = 8.452, p < .001).

Da keine weiteren Interaktionen unter Einbezug von Vegansexualität, Wohnsitzland, Rekrutierungskanal oder Geschlecht signifikant waren, ist damit sichergestellt, dass der Einfluss der Vegansexualität auf die Beziehungszufriedenheit und die sexuelle Zufriedenheit in Abhängigkeit von der Ernährungsweise der Partner:innen nicht durch Unterschiede in diesen Faktoren moderiert wird. Ebenso wurden die nicht signifikanten Einflüsse von Alter und Bildungsstand statistisch kontrolliert, sodass der beobachtete Interaktionseffekt bereinigt von diesen Kovariaten interpretiert werden kann.

Es steht damit bereits an dieser Stelle fest, dass Vegansexualität tatsächlich eine Auswirkung auf die Beziehungszufriedenheit und die sexuelle Zufriedenheit in Abhängigkeit von der Ernährungsweise der Partner:innen ausübt.

Bildliche Darstellung der gefundenen Interaktion „Vegansexualität Partnerernährung“ auf Beziehungszufriedenheit und sexuelle Zufriedenheit

Die folgenden Abbildungen veranschaulichen die Zusammenhänge zwischen Vegansexualität, der Ernährungsweise der Partner:innen sowie der Beziehungszufriedenheit und der sexuellen Zufriedenheit.

Dargestellt sind die geschätzten Randmittelwerte in der Beziehungszufriedenheit (Zeichnung 2) und der sexuellen Zufriedenheit (Zeichnung 3) vegansexueller und nicht vegansexueller Personen bei Berücksichtigung der Kontrollvariablen, jeweils differenziert nach fleischessender, pescetarischer, vegetarischer und veganer Partnerernährung:

 

Zeichnung 2: Vegansexualität und Beziehungszufriedenheit in Abhängigkeit von der Ernährung von Partner:innen (Veranschaulichung der MANOVA-Ergebnisse, N = 1305)
Auswirkungen von Vegansexualität auf die Beziehungszufriedenheit in Abhängigkeit von der Ernährung von Partner:innen

Zeichnung 3: Vegansexualität und sexuelle Zufriedenheit in Abhängigkeit von der Ernährung von Partner:innen (Veranschaulichung der MANOVA-Ergebnisse, N = 1305)

Auswirkungen von Vegansexualität auf die sexuelle Zufriedenheit in Abhängigkeit von der Ernährung von Partner:innen

In beiden Grafiken zeigen sich ähnliche Muster für Beziehungszufriedenheit und sexuelle Zufriedenheit:

  • Bei nicht vegansexuellen Personen blieben die Werte der Beziehungszufriedenheit und der sexuellen Zufriedenheit auf einem ähnlichen Niveau, unabhängig davon, ob die Partner:innen Fleisch aßen, pescetarisch, vegetarisch oder vegan lebten. Die Ernährungsweise der Partner:innen schien in dieser Gruppe kaum eine Rolle für die erlebte Beziehungszufriedenheit zu spielen.
  • Bei vegansexuellen Personen war die Beziehungszufriedenheit und die sexuelle Zufriedenheit klar sichtbar von der Ernährungsweise der Partner:innen abhängig. Sie fiel am niedrigsten aus, wenn die Partner:innen Fleisch konsumierten, bei pescetarischer und vegetarischer Ernährung lag sie im mittleren Bereich, während sie bei vegan lebenden Partner:innen am höchsten ausfiel.

Dieses zunächst rein deskriptiv-visuell betrachtete Muster bildet die Grundlage für die nachfolgende differenzierte Analyse der einzelnen Effekte, um festzustellen, welche Unterschiede tatsächlich bedeutsam und signifikant sind.

Getrennte Berechnungen für vegansexuelle und nicht vegansexuelle Personen

Um das Befundmuster besser zu verstehen, wurden getrennte multivariate Varianzanalysen für nicht-vegansexuelle und vegansexuelle Personen berechnet:

Nicht vegansexuelle Personen

Für nicht vegansexuelle Personen zeigte sich kein signifikanter Einfluss der Partner-Ernährung auf Beziehungs- und sexuelle Zufriedenheit (Pillai’s Trace = .003, F = 0.441, p = .852). Entsprechend wurden für diese Gruppe keine Einzelvergleiche zwischen Ernährungsweisen mehr durchgeführt.

Der bereits visuell sichtbare Eindruck bestätigte sich rechnerisch:

  • Bei nicht vegansexuellen Personen spielt nach den vorliegenden Befunden die Ernährung von Partner:innen keine Rolle für Beziehungszufriedenheit und sexuelle Zufriedenheit. Die minimalen Unterschiede, die visuell sichtbar sind, lassen sich durch Zufallsschwankungen erklären.

Vegansexuelle Personen

Für vegansexuelle Personen ergab sich ein hochsignifikanter Einfluss der Partner-Ernährung im multivariaten Modell (Pillai’s Trace = .143, F = 6.226, p = .000). Dieser Effekt zeigte sich unter Kontrolle von Geschlecht, Wohnsitzland, Rekrutierungskanal, Alter und Bildungsstand. Der Effekt wurde separat für Beziehungszufriedenheit (F(3, 242) = 12.880, p < .001) und sexuelle Zufriedenheit (F(3, 242) = 7.675, p < .001) überprüft, wobei für beide Zufriedenheitsmaße ein hochsignifikanter Effekt zu beobachten war.

Damit steht außer Frage:

  • Bei vegansexuellen Personen besteht eine hochsignifikante Abhängigkeit ihrer Beziehungszufriedenheit und ihrer sexuellen Zufriedenheit von der Ernährungsweise ihrer Partner:innen.

Im Folgenden wurden diese Effekte näher analysiert, indem geprüft wurde, welche spezifischen Ernährungsweisen sich bei vegansexuellen Personen im Hinblick auf Beziehungszufriedenheit und sexuelle Zufriedenheit voneinander unterschieden.

Einzelvergleiche der Ernährungsweisen bei vegansexuellen Personen

Beziehungszufriedenheit:
  • Beziehungen mit veganen Partner:innen wiesen eine signifikant höhere Beziehungszufriedenheit auf als Beziehungen mit fleischessenden Partner:innen (Hommel-adjustiert p < .001) sowie als Beziehungen mit vegetarischen Partner:innen (Hommel-adjustiert p = .0018). Auch bei vegetarischen Partner:innen war die Beziehungszufriedenheit signifikant höher als bei omnivoren (Fleisch essenden) Partner:innen (Hommel-adjustiert p = .0385).
  • Demgegenüber erreichten die Vergleiche mit pescetarischer Partner-Ernährung keine statistische Signifikanz (gegenüber fleischbasierter Ernährung: Hommel-adjustiert p = .1688; gegenüber vegetarischer Ernährung: Hommel-adjustiert p = .7148; gegenüber veganer Ernährung: Hommel-adjustiert p = .2895). Diese nicht signifikanten Befunde sind jedoch vor dem Hintergrund der extrem geringen Zahl von Personen mit pescetarischen Partner:innen (N = 4) zu interpretieren. Aufgrund dieser sehr niedrigen Fallzahl ist die statistische Teststärke stark eingeschränkt, sodass selbst inhaltlich relevante Unterschiede nicht zuverlässig abgesichert werden können. Die fehlende Signifikanz kann daher nicht als Hinweis auf das Fehlen von Unterschieden gewertet werden.
Sexuelle Zufriedenheit:

Für die sexuelle Zufriedenheit zeigt sich ein ähnliches, wenn auch nicht komplett identisches Bild:

  • Die sexuelle Zufriedenheit in Beziehungen mit veganen Partner:innen war signifikant höher als in Beziehungen mit fleischessenden Partner:innen (Hommel-adjustiert p < .001) sowie als in Beziehungen mit vegetarischen Partner:innen (Hommel-adjustiert p = .0064).
  • Der Unterschied zwischen vegetarischer und fleischbasierter Ernährung der Partner:innen erreichte nach Hommel-Adjustierung jedoch für die sexuelle Zufriedenheit keine Signifikanz (Hommel-adjustiert p = .3376). Ebenso unterscheiden sich die sexuellen Zufriedenheitswerte für pescetarische Partner:innen signifikant von jenen für fleischbasierte (p = .1563), vegetarische (p = .6494) oder vegane Ernährung (p = .7148). Auch hier ist die fehlende Signifikanz angesichts der sehr geringen pescetarischen Fallzahl erwartbar und erlaubt keine belastbare inhaltliche Interpretation.

Zusammenfassend, zeigen die Einzelvergleiche, dass die vegansexuellen Personen in dieser Befragung zufriedener mit ihren Beziehungen und ihrem Sexualleben waren, wenn Partner:innen ebenfalls vegan lebten.

Eine vegetarische Lebensweise von Partner:innen war zwar mit einer geringeren Beziehungszufriedenheit assoziiert als eine vegane Lebensweise, aber dennoch einer fleischbasierten Ernährung von Partner:innen überlegen.

Bei der sexuellen Zufriedenheit zeigte sich dieser Effekt einer Überlegenheit einer vegetarischen Partnerernährung gegenüber einer fleischbasierten Partnerernährung jedoch nicht, und nur die vegane Ernährung von Partner:innen war mit einer signifikant erhöhten sexuellen Zufriedenheit verbunden. Aufgrund der sehr geringen Fallzahlen konnten zur pescetarischen Ernährung keine aussagekräftigen statistischen Aussagen gemacht werden.

Anmerkung zur Operationalisierung der Vegansexualität

In den hier berichteten Analysen wurde Vegansexualität über einen Schwellenwert operationalisiert. Grundlage bildeten die 24 vegansexualitätsbezogenen Items mit einer fünfstufigen Antwortskala (1–5). Als liberale Schwelle wurde ein gemittelter durchschnittlicher Zustimmungswert von mindestens 4,0 über alle Items definiert und den dargestellten Analysen zugrunde gelegt.

Zur Überprüfung der Robustheit der Befunde wurden sämtliche Analysen zusätzlich mit einer strengeren Schwelle (Mittelwert ≥ 4,5) sowie mit einer niedrigeren Schwelle (Mittelwert ≥ 3,5) wiederholt. In allen Fällen ergaben sich dieselben inhaltlichen Effekte.

Aus Gründen der Darstellungsübersichtlichkeit und leichten Nachvollziehbarkeit werden im Haupttext die Ergebnisse dieser dichotomen Gruppenvergleiche (vegansexuell ja versus nein) berichtet, da sie eine klare und intuitive Gegenüberstellung ermöglichen.

Methodisch muss Vegansexualität jedoch nicht auf eine Ja-/Nein-Variable beschränkt werden, sondern kann ebenso als kontinuierliches Merkmal mit unterschiedlichen Ausprägungsgraden (mehr oder weniger vegansexuell) verstanden werden.

Entsprechend wurden ergänzend Analysen durchgeführt, in denen Vegansexualität über den durchschnittlichen Itemwert aller 24 Items als kontinuierliche Variable modelliert wurde. Hierfür kam eine kategoriale Regression mit optimaler Skalierung (CATREG) zum Einsatz, die sämtliche individuelle Abstufungen der Vegansexualität simultan berücksichtigte. Auch bei diesem Analyseansatz zeigte sich derselbe Befund einer signifikanten Interaktion zwischen Vegansexualität und der Ernährung der Partner:innen in Bezug auf Beziehungs- und sexuelle Zufriedenheit, wie er ebenfalls bei dichotomem Gruppenvergleich sichtbar wurde.

Die übereinstimmenden Ergebnisse über unterschiedliche Schwellenwerte hinweg sowie in sowohl dichotomen Zwei-Gruppen-Vergleichen als auch in kontinuierlichen Analysen, die alle Ausprägungen der Vegansexualität ohne Gruppeneinteilung berücksichtigen, belegen die Robustheit der Befunde über verschiedene Analyse- und statistische Betrachtungsweisen hinweg.

Zwischenresümee zu Vegansexualität und Zufriedenheit mit Beziehungen und Sexualität

Zusammenfassend legen die Analysen die folgenden Schlussfolgerungen nahe:

  • Die Ernährungsweise der Partner:innen beeinflusst Beziehungszufriedenheit und sexuelle Zufriedenheit von Veganer:innen nicht allgemein, sondern tut dies ausschließlich bei vegansexuellen Personen. Dieser Zusammenhang bleibt unter Kontrolle aller berücksichtigten Faktoren und Kovariaten bestehen und wird in den Einzelvergleichen innerhalb der vegansexuellen Gruppe konkret sichtbar.
  • Als gesichert kann insbesondere gelten, dass eine vegane Ernährung von Partner:innen bei vegansexuellen Veganer:innen zu einer erhöhten Beziehungszufriedenheit und sexuellen Zufriedenheit führt, als wenn die Partner:innen sich omnivor oder auch vegetarisch ernähren würden. Ebenfalls zeigen die Befunde, dass bezüglich der Beziehungszufriedenheit, nicht aber bezüglich der rein sexuellen Zufriedenheit, eine vegetarische Ernährung von Partner:innen bei vegansexuellen Personen besser abschneidet als eine omnivore Ernährung mit Fleisch.
  • Merkmale wie Alter, Bildungsstand, Geschlecht/Gender, Wohnsitzland oder Rekrutierungskanal in dieser Umfrage wirkten sich nicht substanziell auf den Einfluss von Vegansexualität auf die Beziehungszufriedenheit und sexuelle Beziehungszufriedenheit in Abhängigkeit von der Ernährung der Partner:innen aus. Vor diesem Hintergrund sind die Befunde als robust und mit aller Wahrscheinlichkeit auf Veganer:innen im Allgemeinen übertragbar zu bewerten.

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Theoretische und übergreifende Einordnung der Befunde

Vegansexualität als reales sexuelles Erleben

Die Befunde dieser Umfrage unter 2100 vegan lebenden Personen zeigen, dass Vegansexualität, wie sie durch Annie Potts und Mandala White in die Diskussion eingeführt wurde, ein tatsächliches und signifikantes sexuelles und beziehungsbezogenes Erleben widerspiegelt.

Die Befunde zeigen insbesondere Folgendes:

  • Eine vegansexuelle Präferenz stellt keine bloß verbale Selbsteinschätzung dar, bei der sich Personen mehr oder weniger reflektiert oder unreflektiert, vielleicht auch aufgrund von Trend- oder Coolness-Erleben als vegansexuell bezeichnen.
  • Vielmehr existiert bei vielen Veganer:innen ein tatsächlich bedeutsames inneres Erlebensmuster, das sich in der Beziehungszufriedenheit und sexuellen Zufriedenheit in Abhängigkeit von der Lebensweise der Partner:innen konkret niederschlägt.
  • Je stärker Veganer:innen vegansexuell in ihren Präferenzen orientiert sind, desto höher ist ihre Beziehungszufriedenheit und sexuelle Zufriedenheit, wenn ihre Partner:innen ebenfalls vegan leben, und desto stärker sinkt die Zufriedenheit, wenn ihre Partner:innen omnivor leben.
  • Während Veganer:innen insgesamt vielfach mit Partner:innen zusammen sind, die ebenfalls vegan leben, nimmt der prozentuale Anteil vegan-veganer Paarkonstellationen bei vegansexuellen Personen noch einmal deutlich zu und erreichte in der aktuellen Umfrage 79,3 %, während bei den nicht vegansexuellen Teilnehmenden lediglich 40,9 % angaben, dass ihre Partner:innen ebenfalls vegan lebten.

Die Ergebnisse dieser Auswertung belegen, dass eine vegansexuelle Präferenz ein relevantes inneres Erlebensmuster im Hinblick auf sexuelle und romantische Beziehungen darstellt. Diese Präferenzrichtung geht bei Veganer:innen mit einer erhöhten Beziehungs- und sexuellen Zufriedenheit bei veganer Partnerwahl einher.

Dabei ergibt sich aus der Beantwortung der 24 vegansexuellen Items durch die Teilnehmenden in dieser Umfrage ein statistisch und inhaltlich-psychologisch kohärentes Muster einer bestehenden sexuellen Präferenz für vegan lebende Personen. Diese Präferenz konnte mit den in dieser Umfrage verwendeten 24 Items hochgradig zuverlässig gemessen werden, wobei die angewandten statistischen Verfahren den eindimensionalen Charakter der Vegansexualität belegen.

Die vegansexuelle Präferenz kann in diesem Sinne als sexuelle Vorliebe für Personen definiert werden, die sich vegan ernähren. Vegansexualität kennzeichnet sich dabei sowohl durch eine positive sexuelle Anziehung durch vegane Personen als auch durch eine erlebte sexuelle Aversion gegenüber Personen, die Tierprodukte konsumieren.

Vegansexuelle Orientierung

Unter Anwendung der in einer Studie zur Sapaosexualität vorgeschlagenen psychometrischen Kriterien weisen die Ergebnisse der aktuellen Umfrage darauf hin, dass die vegansexuelle Präferenz bei 14,4 % bis 26,8 % der Befragten so stark ausgeprägt war, dass von einer sexuellen Orientierung gesprochen werden kann.

Solche vegansexuellen Personen erleben einen äußerst engen Zusammenhang zwischen der veganen Ernährung von Partner:innen und dem Erleben von sexueller Anziehung, emotional-körperlicher Nähe und dem Wunsch nach gemeinsamer Sexualität. Die Bedeutung der veganen Ernährung von potenziellen Sexualpartner:innen spielt für diese Personen dabei eine so entscheidende Rolle, dass es begründet ist, von einer sexuellen Orientierung zu sprechen.

Diese Befunde zur Vegansexualität decken sich mit neueren sexualwissenschaftlichen Theorien, die darauf hinweisen, dass sexuelle Orientierungen nicht ausschließlich an Merkmale von Geschlecht oder Gender gebunden sein müssen, sondern dass sexuelle Präferenzen anderer Art so stark ausgeprägt sein können, dass sie als eine sexuelle Orientierung wirken. Entsprechende alternative sexuelle Orientierungen, die in der wissenschaftlichen Literatur diskutiert werden, sind beispielsweise Sapiosexualität oder auch BDSM-Neigungen.

Vegansexualität lässt sich in diese Betrachtungsweise zwanglos als eine weitere mögliche Form der menschlichen sexuellen Orientierung einbetten.

Die Besonderheit der Vegansexualität besteht dabei – beispielsweise im Vergleich zur Sapiosexualität oder auch zu BDSM-Neigungen – darin, dass die ihr zugrunde liegende vegane Lebensweise eng verknüpft ist mit ethischen Überzeugungen, die sich gegen die Tötung von Tieren für unseren Konsum wenden und ein generalisiertes Streben betonen, Leid, wo immer es möglich ist, zu vermeiden.

  • Aus psychologischer Sicht ist die bei der Vegansexualität deutlich werdende Verknüpfung zwischen sexuellen und ethischen Bestrebungen nicht erstaunlich:
  • Ethische Prinzipien sind in hohem Ausmaß mit emotionalen Empfindungen verbunden, in dem Sinne, dass die Einhaltung ethischer Prinzipien zu positiven und der Verstoß gegen ethische Prinzipien zu negativen Gefühlen führt. Sexualität ist nicht allein ein rein körperlich-physiologischer Prozess, sondern ebenfalls ein kognitiv und emotional eingebettetes Geschehen. Sexualität kennzeichnet sich auch durch den Wunsch nach und das Erleben von Nähe, wobei Wünsche nach und das Erleben von Nähe vorwiegend gegenüber solchen Personen entstehen, mit denen wir positive Gefühle verbinden. Verhalten sich Menschen demgegenüber in einer Weise, die unseren tiefgreifenden ethischen Prinzipien widerspricht, werden negative Gefühle und das Streben nach Distanzierung aktiviert.

Die in dieser Umfrage untersuchte Vegansexualität lässt sich insofern als ein sich auch körperlich-sexuell manifestierender, generalisierter Wunsch nach Nähe und ein Erleben von Nähe zu Menschen verstehen, die die als zentral erlebte ethische Grundüberzeugung miteinander teilen, dass wir das Leben von Tieren respektieren und uns pflanzlich ernähren sollten. Das Aufeinandertreffen von Menschen, die diese Grundüberzeugung teilen, führt zu Anziehung, während umgekehrt vegansexuelle Personen das Aufeinandertreffen mit einer Haltung, die die Nutzung und Tötung von Tieren legitimiert, als einen unvereinbaren Gegensatz erleben, der eine emotional eingebettete körperlich-sexuelle Aversion auslöst.

Damit unterscheidet sich Vegansexualität fraglos von traditionellen sexuellen Orientierungen wie Heterosexualität, Homosexualität oder Bisexualität, für welche ein früher Beginn und eine vermutliche biologische Mitursache eine Rolle spielen.

Wird sexuelle Orientierung jedoch vorwiegend anhand der Stärke und innerpsychischen sowie verhaltensbezogenen Bedeutsamkeit einer sexuellen Präferenz definiert, sprechen diese Unterschiede dennoch nicht gegen die Einordnung der vegansexuellen Präferenz als sexuelle Orientierung bei denjenigen, bei denen die Präferenz in so hohem Ausmaß gegeben ist, dass sie ihr sexuelles Erleben und Verhalten prägt.

Andere werden den Begriff der sexuellen Orientierung aber weiterhin für die traditionellen sexuellen Orientierungen reservieren wollen – oder umgekehrt den Begriff der sexuellen Orientierung durch einen weiter gefassten, individuelleren Ansatz wie den der sexuellen Konfigurationstheorie von Sari van Anders ersetzen. In dieser Theorie lassen sich sexuelle Konfigurationen in ihrem Bezugspunkt zu Geschlecht/Gender, Personenanzahl sowie anderen Parametern darstellen (wozu z. B. die Ernährungsweise von Partner:innen gehören kann), wobei innerhalb aller Bereiche wiederum zwischen Erotizismus (als lustorientierte Dimension) und Nurturance (Fürsorglichkeit) als stärker romantischer Dimension unterschieden werden kann.

Vegane Lebensweise und Ernährung von Partner:innen

Der Anteil von vegan lebenden Personen in der Allgemeinbevölkerung beträgt nach neueren Daten höchstens ca. 2 %, der von Vegetarier:innen ca. 5 %. Bei rein zufälliger Konstellation wäre insofern zu erwarten, dass lediglich in 2 % der partnerschaftlichen Beziehungen von Veganer:innen auch die Partner:innen vegan und in 5 % vegetarisch leben würden.

Die überwältigende Mehrheit der Partner:innen sollte sich – nach Logik rein zufälliger und nicht voneinander beeinflusster Prozesse – weiterhin omnivor im Sinne einer Mischkost mit Fleisch ernähren.

Je zentraler die vegane Lebensweise demgegenüber auch für das Beziehungserleben wahrgenommen wird, desto eher wäre zu erwarten, dass kein Zufallsmodell zugrunde gelegt werden kann, weil sich Veganer:innen entweder von Anfang an vegane Partner:innen suchen oder aber Beziehungsdynamiken eintreten, die zu einer gemeinsamen veganen Ernährung im Beziehungsverlauf führen.

Die aktuelle Ergebnisauswertung zeigt, dass innerhalb von partnerschaftlichen Beziehungen bei weitem häufiger eine gemeinsame vegane Lebensweise vorliegt, als dies allein durch Zufall zu erwarten wäre:

  • In dieser Umfrage gaben 49,5 % der Befragten, die sich in Beziehungen befanden, an, dass auch ihre Partner:innen vegan leben. 16,2 % benannten eine vegetarische Ernährung ihrer Partner:innen. Lediglich 32,6 % gaben an, dass ihre Partner:innen Fleisch essen.

Ausgehend von den 2 % Veganer:innen und ca. 5 % Vegetarier:innen in der Gesamtbevölkerung belegt dies eine sehr starke Tendenz von Veganer:innen, Beziehungen mit anderen Veganer:innen oder mindestens fleischlos lebenden Personen zu führen.

Diese Umfrage, die eine Querschnittsbefragung darstellt, lässt es nicht zu, die genauen Entwicklungswege zur gemeinsamen veganen Lebensweise in Partnerschaften zu identifizieren.

33,1 % der Befragten gaben aber an, bereits vor ihrer Beziehung vegan gelebt zu haben. 66,9 % der Befragten waren demgegenüber erst im Verlauf ihrer Beziehung vegan geworden.

Insgesamt gaben 15,6 % der Befragten an, dass sie und ihre Partner:innen bereits vor der Beziehung vegan gewesen seien. Demgegenüber berichteten 63,9 % von einer partnerschaftlichen Dynamik, nach der entweder sie selbst (17,8 %) oder die Partner:innen (46,1 %) den entscheidenden Einfluss ausgeübt hätten, der zur gemeinsamen veganen Ernährung führte oder dazu beitrug.

Die Tatsache, dass weitaus mehr angeben, selbst Einfluss ausgeübt zu haben, als beeinflusst worden zu sein, ist psychologisch erklärbar durch einen Bias, wonach wir uns selbst eher als aktiv erlebend und Einfluss ausübend wahrnehmen als umgekehrt. Entscheidend ist insofern vorwiegend der hohe Anteil der Befragten, die angaben, dass die gemeinsame vegane Ernährung durch eine Beziehungsdynamik entstanden sei, ohne den berichteten Einfluss der einzelnen Personen überbewerten zu wollen.

Diese Befundlage zeigt, dass die vegane Ernährungsweise als so wichtig auch für die Beziehungsgestaltung erlebt wird, dass Veganer:innen sich vegane Partner:innen suchen oder aber im Beziehungsverlauf eine Angleichung auf eine gemeinsame vegane oder mindestens fleischlose Ernährung erfolgt.

Umgekehrt ist jedoch ebenfalls darauf hinzuweisen, dass immerhin 32,6 % der Befragten über weiterhin fleischessende Partner:innen berichteten.

  • Auch wenn eine starke Tendenz für eine partnerschaftliche Übereinstimmung in der veganen Ernährungsweise aus den vorliegenden Daten erkennbar wird, lässt sich entsprechend nicht universal sagen, dass in Beziehungen von Veganer:innen die vegane Ernährungsweise geteilt wird.

Dies ist konsistent mit den Befunden vorheriger Umfragen von vegan.eu, in denen sich zeigte, dass sich die Mehrheit von Veganer:innen vegane Partner:innen wünschte und selbst bei denen, die mit fleischessenden Partner:innen zusammenlebten, eine Sehnsucht nach einer vegan-veganen Paarkonstellation verblieb.

Vegansexualität und die Ernährung von Partner:innen

In der Regel übt aufgrund der Verbindung von Sexualität und Romantik die sexuelle Orientierung einen starken Einfluss darauf aus, mit wem wir Liebesbeziehungen führen. Heterosexuelle führen beispielsweise in der Regel Beziehungen zum anderen Geschlecht, Homosexuelle zum gleichen Geschlecht – auch wenn es Ausnahmen von dieser Regel gibt.

Wenn Vegansexualität als sexuelle Orientierung zu verstehen ist, wäre zu erwarten, dass vegansexuelle Personen häufiger mit sich ebenfalls vegan ernährenden Partner:innen zusammenleben als dies bei nicht vegansexuellen Personen der Fall ist.

Für diese Erwartung hat diese Umfrage starke Belege erbracht:

  • Während in der nicht vegansexuellen Gruppe 40,9 % mit veganen Partner:innen zusammenlebten, betrug dieser Prozentsatz in der vegansexuellen Stichprobe 79,3 %.

Der wesentlich höhere Anteil an Personen mit veganen Partner:innen in der vegansexuellen Gruppe stützt insofern die Annahme, dass Vegansexualität eine tatsächlich bedeutsame sexuelle Präferenz oder Orientierung darstellt, die Einfluss darauf ausübt, wie wir unsere partnerschaftlichen Beziehungen gestalten.

Einfluss der Vegansexualität auf sexuelle und Beziehungszufriedenheit in Abhängigkeit von der Partnerernährung

Ist Vegansexualität ein echtes psychologisches Erleben, würde sich die Erwartung ergeben, dass die Ernährung von Partner:innen bei vegansexuellen Personen einen Einfluss auf ihre Beziehungszufriedenheit und sexuelle Zufriedenheit ausüben sollte:

  • Vor dem Hintergrund der engen Kopplung von Liebe und Sexualität sollten vegansexuelle Personen mit veganen Partner:innen glücklicher in ihrer Beziehung und auch in der Sexualität werden als mit fleischessenden Partner:innen. Für die vegetarische Partner:innen-Ernährung wäre am ehesten eine Mittelposition im Hinblick auf die Zufriedenheit zwischen omnivorer Mischkost mit Fleisch und veganer Ernährung zu erwarten.

Die Befunde in dieser Umfrage belegen, dass diese Erwartungen zutreffen:

  • Die vegansexuellen Personen in dieser Umfrage erreichten mit veganen Partner:innen eine signifikant und substanziell höhere Beziehungszufriedenheit und sexuelle Zufriedenheit als mit fleischessenden Personen. Ebenso war die Beziehungszufriedenheit und sexuelle Zufriedenheit mit veganen Partner:innen höher als mit vegetarischen Partner:innen.
  • Deskriptiv lag die sexuelle Zufriedenheit und Beziehungszufriedenheit mit vegetarischen Partner:innen im Mittelfeld zwischen veganer und fleischbasierter Partner:innen-Ernährung, wobei jedoch nur für die Beziehungszufriedenheit ein signifikanter Vorteil der vegetarischen Partner:innen-Ernährung gegenüber der omnivoren Partner:innen-Ernährung nachweisbar war.

Während klare Belege vorliegen, dass vegansexuelle Personen mit veganen Partner:innen am glücklichsten in ihren Beziehungen im Allgemeinen und in der gemeinsamen Sexualität werden, zeigten sich keinerlei signifikante Einflüsse der Partner:innen-Ernährung auf die Beziehungszufriedenheit oder sexuelle Zufriedenheit bei den nicht-vegansexuellen Veganer:innen dieser Umfrage.

Nicht vegansexuelle Veganer:innen zeigen in ihren Beziehungen mit nicht veganen Partner:innen kein reduziertes Beziehungsglück und keine reduzierte Zufriedenheit. Vegansexuelle Personen schildern sich demgegenüber in Beziehungen mit Veganer:innen bei weitem glücklicher und sexuell erfüllter als in Beziehungen mit omnivoren Personen.

Dieses konträre Befundmuster zwischen vegansexuellen und nicht vegansexuellen Personen ist ein starker Beleg für die psychische Realität der Vegansexualität:

  • Vegansexualität ist nicht einfach nur ein Label, welches sich Befragte zuweisen, sondern Vegansexualität trennt als messbares Merkmal diejenigen vegan lebenden Personen voneinander, die mit fleischessenden Partner:innen ebenso glücklich werden können wie mit veganen, von denen, bei denen dies nicht der Fall ist.

Genau dieser Befund ist zu erwarten, wenn wir Vegansexualität als ein relevantes psychisches Erleben betrachten.

Die Befunde in dieser Umfrage zur Beziehungszufriedenheit und sexuellen Zufriedenheit von vegansexuellen und nicht vegansexuellen Personen unterstreichen damit die psychische Bedeutsamkeit der vegansexuellen Präferenz.

Robustheit und Generalisierbarkeit der Befunde

Die Befunde dieser Umfrage zeigen eine bemerkenswerte Stabilität über Alter, Geschlecht/Gender, Bildungsgrad, Wohnsitzland und Rekrutierungskanal hinweg. Zwar bestehen teilweise statistisch signifikante Unterschiede zwischen Geschlechtern/Gendern, Altersgruppen und Rekrutierungskanälen, diese wirken sich jedoch nicht auf die Hauptbefunde aus.

Unabhängig von Alter, Geschlecht/Gender, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungskanal gilt, dass die vegansexuellen Befragten in dieser Umfrage häufiger mit veganen Partner:innen zusammen waren als die nicht-vegansexuellen Befragten und sie – anders als die nicht-vegansexuellen Befragten – in Beziehungen mit Fleischesser:innen oder mit Vegetarier:innen unglücklicher und sexuell weniger zufrieden waren als in Beziehungen mit Veganer:innen.

Die hohe Robustheit der Befunde lässt eine gute Übertragbarkeit auf vegan lebende Personen im deutschsprachigen Raum im Allgemeinen vermuten.

Begrenzungen der Studie

Es handelt sich um eine Querschnittsbefragung, die nicht dazu in der Lage ist, kausale Prozesse oder Veränderungen im Verlauf mit ausreichender Sicherheit zu erkennen und zu dokumentieren. So wäre es hochgradig interessant zu wissen, wie sich die Ernährung von Partner:innen zum aktuellen Zeitpunkt auf die Beziehungszufriedenheit und die sexuelle Zufriedenheit in Abhängigkeit von Vegansexualität in der Zukunft auswirkt. Aus der Umfrage folgt sicherlich die Hypothese, dass eine vegane Ernährung von Partner:innen sich bei vegansexuellen Personen positiv auf Beziehungszufriedenheit und sexuelle Zufriedenheit in der Zukunft auswirken wird. Belegt werden kann diese Hypothese durch die aktuelle Umfrage jedoch nicht.

Die retrospektiven Befragungen über den Beginn der veganen Lebensweise sowie über den Einfluss der eigenen Person oder von Partner:innen auf die vegane oder nicht-vegane Lebensweise der jeweils anderen Person sind instruktiv. Allerdings sind solche retrospektiven Angaben typischerweise mit zahlreichen Unsicherheiten und möglichen Fehlern verbunden. Sie haben von daher lediglich hypothesengenerierenden, nicht aber einen hypothesenprüfenden Charakter.

Die Umfrage liefert ebenfalls keine Erkenntnisse dazu, wie sich eine vegansexuelle Präferenz oder Orientierung lebensgeschichtlich entwickelt. Auch hierzu wäre ein längsschnittliches Vorgehen und der Einbezug weiterer Maße erforderlich.

In der Untersuchung wurde für relevante Kontrollvariablen wie Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungskanal kontrolliert. Es zeigt sich eine hohe Robustheit, die die Generalisierbarkeit der Befunde auf Veganer:innen im Allgemeinen im deutschsprachigen Raum unterstützt. Dennoch handelt es sich nicht um eine repräsentative Studie. Bei Zugrundelegung repräsentativer Daten wäre mit gewissen Verschiebungen zu rechnen, auch wenn die aktuelle Datenauswertung starke empirische Belege dafür liefert, dass die Hauptbefunde stabil bleiben sollten.

Die bisherigen Befunde sprechen für einen unidimensionalen Charakter der Vegansexualität. Diese Aussage ist jedoch als vorläufig zu bewerten. Eine größere Variationsbreite möglicher vegansexueller Items könnte in Zukunft den unidimensionalen Charakter der Vegansexualität überzeugender bestätigen oder unterhalb der übergeordneten Struktur der Vegansexualität einzelne stärker differenzierende Facetten identifizieren.

Ebenfalls ist darauf hinzuweisen, dass die Schwelle, ab der nicht mehr von einer Präferenz, sondern von einer sexuellen Orientierung gesprochen wird, trotz psychometrischer Fundierung immer einen gewissen Willkürlichkeitsgrad hat, weshalb in dieser Umfrage auch mit unterschiedlichen Schwellen gearbeitet wurde. Die Robustheit der Befunde über Replikationen mit anders gesetzten Schwellen und auch mit optimierten Regressionsanalysen, die den vollen Umfang der Merkmalsausprägung von Vegansexualität berücksichtigen (ohne eine Zweiteilung vorzunehmen), spricht dabei jedoch für eine gute Tragfähigkeit der aktuellen Befunde.

Zahlreiche weitere Fragen und Auswertungen sind möglich, wie Zusammenhänge zu anderen sexuellen Orientierungen, politischen Überzeugungen, Motiven etc., die auch noch in späteren Auswertungen erfolgen werden. Der aktuelle hier vorgestellte Befundstand ist insofern noch nicht vollständig, sondern wird in weiteren Artikeln ergänzt werden.

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Resümee zur Vegansexualität

Die Untersuchung verdeutlicht, dass eine vegane Lebensweise nicht nur eine Ernährungsform, sondern ein sozial-emotionales Identitätskonzept darstellt, das auch in sexuelle Präferenzen und das partnerschaftliche Beziehungserleben eingreift. Vegansexualität als reales Phänomen konnte in dieser großen veganen Stichprobe empirisch abgesichert werden.

Deutlich wird aus diesen Befunden übergreifend, dass ethische Werte, wie sie in der veganen Ernährungsweise zum Ausdruck kommen, mit sexuellem Begehren und der Bindungsgestaltung in Verbindung stehen. Die Häufigkeit von Vegansexualität schwankt je nach zugrunde gelegter Schwelle. Unter einer strengeren Schwelle lag bei 14,4 % der untersuchten Stichprobe eine dezidierte vegansexuelle Orientierung vor, während unter einer weniger strengen Schwelle ein Anteil von 26,8 % erreicht wurde. Umgekehrt verneinten lediglich 24,9 % der Befragten in dieser Umfrage für sich eine vegansexuelle Tendenz dezidiert.

Vegansexualität stellt damit eine greifbare Dimension des sexuellen Erlebens vieler Veganer:innen dar, die – je nach Schwellenwert – bei etwa jeder vierten bis siebten veganen Person so stark ausgeprägt ist, dass von einer vegansexuellen Orientierung gesprochen werden kann.

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Vegansexuelle erleben nur vegane Menschen als anziehend.

 

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2 Antworten

  1. Vielen Dank für diese spannende und differenzierte Auswertung.

    Ich erkenne mich in vielen der beschriebenen Phänomene wieder – insbesondere darin, dass für manche Veganer:innen die Ernährung von Partner:innen bis in die körperliche Nähe hinein eine Rolle spielt und die Beziehungszufriedenheit stark beeinflussen kann. Das halte ich für einen sehr wichtigen und gut herausgearbeiteten Befund.

    Gleichzeitig würde ich persönlich die Schlussfolgerung vorsichtiger formulieren, hier von einer „sexuellen Orientierung“ zu sprechen. Für mich – und ich vermute für viele andere – ist Veganismus kein sexuelles Auswahlkriterium, sondern ein zentrales Wertekriterium für Nähe, Alltag und Beziehung.

    Ähnlich wie ich mir keine Partnerschaft mit einer rassistischen oder gewaltbefürwortenden Person vorstellen könnte, ohne dass dies etwas mit „Sexualität“ zu tun hätte, ist für mich auch der Umgang mit Tieren ein fundamentaler Wert, der Nähe ermöglicht oder erschwert.

    In diesem Sinne sehe ich den großen Wert der Studie weniger darin, eine neue sexuelle Orientierung zu beschreiben, sondern darin zu zeigen, wie tief ethische Werte in das Beziehungs- und Näheempfinden hineinwirken können. Und das finde ich ausgesprochen erhellend.

    • Danke für Deinen Kommentar.

      Bei der Orientierung ist es so, dass von dieser nur gesprochen wird, wenn über die 24 Items aggregiert ein so hoher Durchschnitt erreicht wird, dass auch dezidierte Fragen, die sich z. B. darauf beziehen, dass sexuelle Fantasien auf vegan bezogen sind oder vegan als sexuell erregend erlebt wird, bejaht wurden:

      – Auch in sexuellen Fantasien sind nicht vegan lebende Personen für mich ausgeschlossen.
      – In meinen sexuellen Fantasien erscheinen mir nur vegan lebende Menschen anziehend.
      – Ich empfinde Menschen als sexuell besonders anziehend, wenn sie aus Überzeugung vegan leben.

      Aber Du hast auf jeden Fall recht, dass der Begriff für die Mehrheit nicht zutrifft, es waren ja in der Stichprobe nur 14–26 %, wo der Begriff je nach Schwellenwert verwandt werden könnte.

      Allerdings ist der Begriff der sexuellen Orientierung in den vergangenen Jahrzehnten ohnehin weniger eindeutig geworden und wird zunehmend kritisch betrachtet. Ein Beispiel ist die Asexualität, die für die einen klar eine sexuelle Orientierung darstellt, für die anderen hingegen nicht, da es sich nicht um eine gerichtete Sexualität handelt. Man könnte jedoch auch hier von einer Orientierung zur Sexualität sprechen.

      Wenn wir Vegansexualität analog zu mittlerweile auch in der Fachliteratur analysierten alternativen sexuellen Orientierungen wie etwa der Sapiosexualität betrachten, erscheint es für mich plausibel, eine sehr stark ausgeprägte vegansexuelle Präferenz mit dem Begriff der sexuellen Orientierung zu koppeln. Ein anderer Zugang wäre allerdings, ganz auf den Begriff zu verzichten und stattdessen ausschließlich von mehr oder weniger starken, generalisierten sowie in sich konsistenten sexuellen Präferenzen zu sprechen.

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