Everyone wants to live“ – Anna Dührsen und ihr früher Weg zum Veganismus

Everyone wants to live“ – Anna Dührsen und ihr früher Weg zum Veganismus

Anna gehört zu denjenigen Kindern, die bereits →in frühem Alter aufgrund einer natürlichen Reaktion des Mitgefühls den Konsum von Fleisch beenden und dies in ihrem sozialen Umfeld durchsetzen. Diese Kinder weisen eine moralische Reife auf, die viele Erwachsene nicht erreichen.

Anja hat uns einen Text zu den Themen Massentierhaltung und Veganismus geschickt, den wir hier gerne veröffentlichen. Zusätzlich haben wir ein kleines Interview mit ihr gemacht, um mehr über sie und ihren frühen Weg zur veganen Lebensweise zu erfahren.

Anna im Interview mit Vegan.eu

Anna, du hast uns einen Text zum Thema des Veganismus geschrieben, den wir hier gerne veröffentlichen. Der Text ist selbsterklärend, aber wir haben noch ein paar Fragen an dich. Du bist seit dem siebten Lebensjahr Vegetarierin, wie bist du so früh dazu gekommen?

Mit 6 habe ich zum ersten Mal den Begriff „Vegetarier“ gehört und meine Mutter gefragt, was das ist. Nachdem sie mir dies erklärt hatte, habe ich mir eine Zeit lang Gedanken zu dem Thema gemacht. Nach einiger Zeit habe ich mich (das war am Anfang der 1. Klasse) dazu entschieden, Vegetarierin zu werden, da ich Tiere liebte und diese nicht essen wollte.

Jetzt bist du im Alter von 13 Jahren Veganerin geworden. Was hat diesen Schritt ausgelöst? +

Angefangen hat es eigentlich damit, dass mich der vegane Lebensstil sehr interessiert hat und ich mehr darüber erfahren wollte. Da bin ich auf den Film „earthlings“ gestoßen, der alles verändert hat. Ich wollte, nachdem ich Szenen gesehen hatte, in denen Tiere nur für die Produktion unseres Essens misshandelt wurden, dieses Leid einfach nicht mehr unterstützen. Mir wurde klar, dass ich diese Industrie mit jedem Glas Milch, das ich kaufe, unterstütze und das wollte ich nicht mehr.

Wie reagierten Familie, Freunde, Klassenkameraden und Lehrer?

Meine Freunde fanden es zuerst sehr überraschend, als ich ihnen davon erzählte, doch sie verstehen meinen Punkt gut und kommen auch sehr gut damit klar. Meine Familie war zuerst ein bisschen skeptisch, weil sie nicht wusste, was ich dann noch essen kann. Jetzt findet sie es sehr gut, da sie gesehen hat, dass es sehr viele vegane Produkte gibt und es mir damit sehr gut geht. Meine Klassenkameraden wissen davon, aber machen es nicht zu einem großen Thema. Die meisten meiner Lehrer wissen noch nicht davon, aber diejenigen, die davon wissen, finden es gut.

Viele Fleischesser fühlen sich von Veganern unter Druck gesetzt. Wie gehst du damit um und was sagst du diesen Menschen?

Ich denke, dass diese Menschen einfach mal darüber nachdenken sollten, was Fleisch eigentlich ist und woher es kommt. Ich dränge sie keinesfalls dazu Vegetarier oder sogar Veganer zu werden, aber ich probiere, sie zum Nachdenken zu bringen.

Was hast du für eine Beziehung zu Tieren? Wie glaubst du kommt es, dass die meisten Menschen wenig darüber nachdenken, dass es lebende Tiere waren, die auf ihren Teller gelandet sind?

Ich habe schon mein Leben lang eine sehr gute Beziehung zu Tieren. Ich habe selbst einen Hund und ein Pony und habe eine sehr enge Bindung zu beiden. Ich verbringe jeden Tag viele Stunden bei meinem Pony, welches ich über alles liebe. Ich liebe alle Tiere.

Den meisten Menschen wird von Geburt an immer Fleisch auf den Teller getan. Daher gehört es für diese zum normalen Essen dazu und sie machen sich keine Gedanken darüber, was es eigentlich ist.

Welche Ziele hast du für die Zukunft und was möchtest du im Leben noch so alles tun?

Ich möchte mich natürlich weiterhin für Tiere einsetzten und damit möglichst weit kommen, daher zum Beispiel auch vor vielen Menschen darüber sprechen. Ich bin jetzt erst in der 8. Klasse eines Gymnasiums und möchte mein Abitur machen. Danach möchte ich erstmal ein soziales Jahr oder ähnliches machen. Was ich später studieren möchte, weiß ich noch nicht. Ich möchte außerhalb der beruflichen Dinge weiter mit der Arbeit mit Pferden (speziell mit meinem Pony) kommen.

“Everyone wants to live”, ein Text von Anna Dührsen zu Massentierhaltung und Veganismus

90-95% aller tierischen Produkte kommen aus schlechter Haltung und jede Sekunde werden in den USA ca. 300 Tiere für unser Essen getötet. In der Zeit in der ihr den ganzen Text lesen werdet, werden circa 122.000 Tiere allein in den USA für den Fleischkonsum getötet.

Warum hinterfragen wir das nicht?

Nur weil uns immer eingeredet wurde, dass tierische Produkte zu essen normal und nicht schlimm ist. Es ist die Geschichte, die man uns immer erzählt und diese rechtfertigt scheinbar die Handlung. Redet man sich selbst oder anderen Personen immer wieder dieselbe schöne Geschichte ein, so glaubt man sie irgendwann. Uns wurde immer erzählt „Du musst Fleisch essen und Milch trinken, damit du groß und stark wirst“, aber stimmt das? Warum muss die Wahrheit ein Geheimnis sein?

Ich möchte der Welt die Augen öffnen und die Wahrheit zeigen.

Ihr würdet wahrscheinlich kein Tier zum Essen töten, oder? Das Mitgefühl wäre zu groß.Wenn ihr es aus der Packung kauft, seid ihr jedoch genauso an der Tötung beteiligt, wie die Person, die es getötet hat. Genau den Punkt wollen die meisten Menschen nicht einsehen. Durch Kauf von Fleisch unterstützt man die Tötung. Wo ist das Mitleid plötzlich hin?

Zurück zu dem was uns immer eingeredet wurde. Wenn du ein Schwein siehst, denkst du vielleicht an Essen, aber wenn du einem Welpen siehst nicht. Das liegt daran, dass uns immer eingeredet wurde, dass Hunde unsere Freunde und Haustiere sind. Jetzt frage ich mich "Wo liegt der Unterschied zwischen Schwein und Hund?“. Es sind beides faszinierende Wesen, die es verdient haben zu leben. Wenn wir in andere Länder reisen, sehen wir vielleicht, dass die Menschen beispielsweise Hunde essen und wir denken, es sei abstoßend. Doch wenn wir eine Kuh essen, denken andere Religionen dasselbe über uns. Das zeigt doch, dass alle Tiere letztendlich gleich viel wert sind. Fragen sie sich: „Warum ist es für mich falsch einen Hund zu essen und töten, aber bei Schweinen ist es okay?“

Menschen hatten nie den Instinkt zu sagen, welches Tier unser Freund ist und welches unser Essen: all diese Gedanken führen nur darauf zurück, was uns immer eingeredet wurde. Wenn ihr auf die Straße geht und seht, wie ein Hund geschlagen wird, greift ihr ein, richtig? Aber warum greifen wir nicht ein, wenn Tiere hinter unserem Rücken Tieren wehgetan wird?

Alle Tiere haben Gefühle, sowie Angst, Fröhlichkeit oder Schmerz. Kein Tier will sterben.

Viele von euch können wahrscheinlich keine Filme gucken, in denen Tiere verletzt werden. Warum könnt ihr sie dann essen? Ist das denn nicht noch viel schlimmer? Die meisten Menschen denken, es wäre nicht schlimm Milch zu trinken, da das Melken ja nicht schlimm wäre; das stimmt nicht. Dabei werden Kälbern ihren Müttern entrissen, gequält, getreten, grausam behandelt.

Ich kann nicht glauben, dass wir im 21. Jahrhundert immer noch auf solch einem Stand sind. Ich kann Videos in denen Tiere misshandelt werden einfach nicht sehen, da ich in Tränen ausbreche und wütend, enttäuscht von dieser Welt bin. Genau das ist auch der Grund, aus dem ich diese Produkte nicht esse.

Ich will, dass die Welt endlich ihre Augen öffnet, ich will diesen Planeten verändern und werde dafür kämpfen!

Fleisch, Milch und Eier kommen von echten Tieren und nicht bloß aus dem Supermarkt! Diese Tiere verdienen es zu leben! Sie verdienen die Freiheit, keine Angst haben zu müssen! In den heutigen „Farmen" kennen die Tiere nur Angst, keine Gnade und Barmherzigkeit des Menschen. Viele Menschen ignorieren diese Grausamkeiten einfach, doch eigentlich muss man sie wahrnehmen und verändern. Ich muss mehr als nur weinen, während ich diesen Text schreibe, da diese Fakten mich so verletzten und ich dieses Verhalten der Menschen nicht einsehen kann. Wenn ich höre, dass Menschen 8 Stunden am Tag als Arbeit Schweinen ihren Hals durchschneiden, könnte ich wirklich zusammenbrechen vor Frust, weil ich es so herzlos finde. Wie können diese Menschen so etwas tun? Sie verletzten und töten Tiere und denken dabei nicht darüber nach, was sie tun. In Filmen wie "Earthlings" sieht man die Tiere leiden, während sie auf ihren Tod oder weiter Qualen vorbereitet werden. Wenn ich sehe, wie Menschen so etwas tun, will ich kein Mensch mehr sein! Ich will nicht einer von denen sein, die Tiere quälen! Viele Menschen wissen nicht, wie es wirklich ist: die meisten Menschen denken, dass Tiere in den "Farmen" reaktiv gut behandelt werden, doch in Wirklichkeit ist es anders. Tiere werden geschlagen, getreten, erschossen, gefangen gehalten, und das soll okay sein!? Sehen sie der Tatsache ins Gesicht! Schauen die den Film "Earthlings" und ich verspreche ihnen, danach werden sie nicht mehr so denken wie jetzt! All dieses Leid ist für mich unerträglich! Ich habe Ausschnitte des Films und auch anderen ähnlichen Filmen gesehen und kann diese Szenen nicht ertragen. Trotzdem denke ich, dass man Jugendlichen ab einem gewissen Alter die Wahrheit nicht verschweigen darf. Auch die jungen Generationen müssen wissen, was sie wirklich essen.

Ich frage mich "Wieso muss so etwas passieren?“

Da mich dieses Thema eigentlich schon mein ganzes Leben lang beschäftigt, bin ich aus eigener Überzeugung (meine Eltern sind keine und waren nie Vegetarier oder Veganer) seit meinem 7. Lebensjahr Vegetarierin und seit meinem 14. Lebensjahr Veganerin. Beide Entscheidungen lagen allein bei mir. Die Antwort auf die Frage "Warum werden Tiere so gequält?“ ist wieder, dass uns immer eingeredet wird, es sei normal. Als Veganer ändert man seine Sichtweise und ich kann wirklich jedem empfehlen diesen Lebensstil zu probieren, da er auch weitere positive Aspekte mit sich bringt.

Einige von euch werden jetzt sagen "Man kann ja einfach bei besseren Bedingungen tierische Produkte kaufen“. Warum braucht man denn überhaupt tierische Produkte? Man braucht sie gar nicht und Tiere brauchen nicht für unser Essen ausgebeutet werden. Auch wenn die Tötungsbedingungen verbessert werden, werden die Tiere immer noch für uns getötet, richtig? Und das ist nicht nötig. Selbst wenn auf einem Produkt "käfigfrei" steht, sind ca. 500 Hennen in einem kleinen Raum gefangen. Nach den Richtlinien „käfigfrei“, doch hat das irgendwas mit Freiheit zu tun? Die Hühner, die nicht für die Industrie gebraucht werden, werden wirklich weggeschmissen. Es ist einfach nur grausam.

Manche von euch denken wahrscheinlich, Kühe sind Tiere, die immer Milch produzieren? Nein, natürlich nicht. Wir befruchten sie ständig künstlich, nur damit sie Milch produzieren und wir Profit davon machen können. Die Menschen beuten Kühe, Hühner und alle Industrietiere aus. Wenn das künstliche Kalb dann geboren ist, wird es sofort seiner Mutter entrissen und mit dem Hals an einem Gitter angekettet. Dort bekommt es nur unausgewogenes Essen. Diese Tiere werden nie den Himmel sehen oder das Gras schmecken. Sie werden ihr ganzes, kurzes Leben lang gefangen sein! Jedes Glas Milch, das wir kaufen, unterstützt diese Industrie. Nur ein anderes Beispiel für diese Grausamkeiten ist die Methode um die Zutaten für das „Foie Gras“ zu bekommen. Dabei führen die Menschen den Enten Rohre in den Schlund ein.

All diese Tiere müssen leiden, nur für unser Essen. Und nun stellen sie sich mal vor, wie sich eine Kuh fühlt, dessen Kalb ihr entrissen wird.

Sie produziert ihre Milch nicht für uns, sondern für ihr Baby. Die meisten Menschen denken, vegan zu leben wäre verrückt, aber ist es wirklich so verrückt nicht die Milch eines anderen Lebewesens zu stehlen?

Zuletzt komme ich noch zu der Gesundheit. Vegan zu sein kann durchaus viel gesünder sein, als "normal" zu essen. Viele Eltern sind besorgt, dass ihren Kindern als Vegetarier oder Veganer Vitamin B12 oder Eisen fehlen würde, doch dies passiert bei einer ausgewogenen veganen oder vegetarischen Ernährung nicht. Essen sie einfach genügend Obst, Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte und Nüsse und sie werden sich als Veganer besser fühlen denn je. In Sojamilch ist beispielsweise genau so viel Calcium wie in Kuhmilch. Warum also Kuhmilch trinken? Kuhmilch ist wenn man ihre einzelnen Bestandteile betrachtet, sogar ziemlich ungesund.

Menschen waren nie dazu gedacht, tierische Produkte zu essen. Ich meine, haben wir denn scharfe, spitze Zähne wie Raubtiere? Nein, wir haben Zähne wie Pflanzenfresser, sowie Pferde, Affen oder Elefanten. Ich esse als Veganer alles, was auch "normale" Menschen essen, nur eben auf Pflanzenbasis.

Ich habe diesen Text nicht geschrieben, um euch vorzuschreiben wie ihr leben oder was ihr essen sollt. Im Gegenteil, die Entscheidung liegt bei euch. Ich zeige euch nur die Seite dessen, was man bei dieser Entscheidung bedenken muss. Wir sind alle „Earthlings“ und wir alle wollen leben, auch die Tiere.

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4 Kommentare auf "Everyone wants to live“ – Anna Dührsen und ihr früher Weg zum Veganismus"

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birgit heitmann
Gast

Im Internet ist mein Appell auf der Webseite der UWG-Aachen. Darin erkläre ich die globalen Zusammenhänge von unserem Fleischkonsum und Armut in der Welt. Ich appelliere an unseren Verstand, unser Gewissen und unser Mitgefühl für die leidenden Tiere. Denn unsere "Schlachttiere und Milchkühe" sind gleiche biologische Wesen wie wir Menschen und fühlen die gleichen Schmerzen und Ängste. Wir sollten uns nicht an der Verbreitung von Dummheit, Bosheit, Ausbeutung, Gleichgültigkeit beteiligen.

Marie
Gast

So jung und schon so weise…
ich musste trotz Tierliebe und "Menschen-Skeptis" (ich hab denen nie geglaubt was die so überzeugend erzählen) 44 Jahre alt werden um endlich komplett umzudenken, heisst klarzusehen.
Eben weil man das, was man von kleinauf beigebracht bekommt verinnerlicht.
Wie tragisch ist die Welt…
Ich wünsche Dir starke Nerven und Durchhaltevermögen gegen die "Normalen".

Heike
Gast

Wirklich super; endlich mal jemand, der schon in jungen Jahren nachdenkt. Es könnte so einfach sein; aber wie du schon sagst, es ist eine Sache der Erziehung und Gewöhnung.
Ich hoffe, dass der Trend sich weiter in die richtige Richtung entwickelt. Bin selbst sei meinem 18. Lebensjahr Vegetarier und jetzt (mit 46) auf dem Weg zur Veganerin.
Weiter so! LG Heike

Eva
Gast

Liebe Anna, ich habe großen Respekt vor dir und deinem Auftreten.
Ich ernähre mich seit einigen Monaten vegan und habe für Mann und Kind weiterhin fleischlich gekocht. Da ich die Umstellung hauptsächlich aus gesundheitlichen Gründen vollzogen habe, habe ich es nie groß zum Thema in der Familie gemacht. Vor zwei Monaten wollte dann aber meine damals Fünfjährige kein Fleisch mehr, weil sie es ungerecht findet, wenn ein Tier für sie sterben muss. Seither ist sogar mein Mann zum Vegetarier geworden.
Uns dreien geht es super damit. So ausgewogen haben wir uns mit Fleisch nie ernährt.

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