Marketing-Studien: Propaganda im Dienste der Tierausbeutung

Marketing-Studien: Propaganda im Dienste der Tierausbeutung

Vier Wissenschaftler des für Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen (Lehrstuhl Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte) haben sich mit der Frage beschäftigt, wie sich die Kommunikation zwischen Verbrauchern und der Geflügelwirtschaft "verbessern" lasse. Hierzu wurden Gruppendiskussionen zwischen Geflügelhaltern und Verbrauchern durchgeführt. Veröffentlicht wurden die Studienergebnisse im Tagungsband 2016 der 26. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Agrarökonomie.

Die Studie wird hier auf vegan.eu thematisiert, weil sie ein Lehrstück dafür ist, wie eine mit öffentlichen Mitteln finanzierte Marketing-Wissenschaft sich in den Dienst von Massentierhaltung und Tierausbeutung stellt.

Fragestellung und Ergebnisse der Studie

Im Artikel wird ausgeführt, dass die landwirtschaftliche Geflügelhaltung wegen oft nicht artgemäßen Haltungsbedingungen (z. B. fehlender Platz, Auslauf) oder aus Sorge vor missbräuchlichem Medikamenteneinsatz von vielen Verbrauchern kritisiert werde. Demgegenüber werde die Haltung von den Geflügelhaltern selbst als großenteils positiv beurteilt.

Die Wissenschaftler sehen hier unterschiedliche Wahrnehmungen, die zu einer anhaltenden Kritik an der Geflügelhaltung führe. Dadurch würden die Branche und einzelne Landwirte unter Druck gesetzt. Letztlich könnten die Daseinsberechtigung der Geflügelhaltung gefährdet werden.

Diese "Gefahr" nahmen die Wissenschaftler um den Lehrstuhlinhaber Achim Spiller zum Anlass, zu untersuchen, wie Tierhalter mit Bürgern kommunizieren und ob sie dabei Verständnis für ihre Arbeit erreichen.

Zu diesem Zwecke ließen die Wissenschaftler leitfadengestützte Gruppendiskussionen durchführen.

In einer ersten Gruppe vermittelten die Landwirte den Verbrauchern lediglich „Informationen“, wie positiv die Zustände in der Geflügelwirtschaft in Wirklichkeit seien. Die Landwirte stellten dar, dass die Kritik unberechtigt sei.

In einer anderen Diskussionsgruppe vermittelten die Landwirte weniger „Informationen“, sondern versuchten, verständnisvoller und selbstkritischer zu wirken.

Zitate aus dem Forschungsbericht:

das kann ich verstehen, Sie sagen, ja mein Gott, das ist alles technisch […] diese Technisierung, […] wir müssen es zeigen. Das Problem ist, dass wir es nicht zeigen. Dass wir zu verschlossen damit umgehen wahrscheinlich“.

Die Kritik der Verbraucher sei hier nach Meinung der Wissenschaftler thematisiert und reflektiert worden. So sei in dieser Gruppe im Gegensatz zur anderen Gruppe ein gemeinsamer Austausch möglich gewesen. Verbraucher und Geflügelhalter hätten sich gegenseitig Verständnis für ihre Anliegen und Standpunkte entgegengebracht, was in der ersten Diskussionsgruppe nicht stattgefunden habe.

Die Wissenschaftler sehen in dieser Methodik eine Möglichkeit, um einen gemeinsamen Austausch zwischen Landwirten und Verbrauchern zu fördern, der derzeit zu selten stattfinde. Ein solcher Austausch sei aber erforderlich, um langfristig Akzeptanz für die Geflügelhaltung zu erzielen.

Finanziell gefördert wurde die Studie übrigens aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Tierleid wegdiskutieren

Aus veganer Sichtweise ist die Ausrichtung der Untersuchung klar:

Es geht den Wissenschaftlern ausschließlich darum, die Kommunikation zwischen Landwirten und Verbrauchern so zu steuern, dass Verbraucher positivere Einstellungen zur Geflügelwirtschaft erwerben. Damit soll dem Druck entgegengewirkt werden, dem die Branche ausgesetzt sei. Sprich das negative Image der Geflügelwirtschaft aufgrund der in ihr grassierenden Tierausbeutung soll durch einen effektiveren PR-Ansatz aufgefrischt werden. Die Tiere selbst sind für die Wissenschaftlicher uninteressant. Tierleid wird dabei auf ein Kommunikationsproblem reduziert.

Bezeichnenderweise ist Studienleiter Achim Spieller gemäß seiner Curriculum Vitae sowohl Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des „Tierwohllabels des Deutschen Tierschutzbundes“ wie auch Mitglied im Expertenbeirat des Vereins „Die Lebensmittelwirtschaft e. V.“. Auf der Internetseite "Stoppt den Terror gegen unsere Tierhalter" ist ein Interview mit ihm zu lesen, in dem er sich u. a. mit "militanten Vegetariern" auseinandersetzt und für eine Vertrauenskommunikation zwischen Fleischwirtschaft und Verbrauchern plädiert.

Deutlich wird aus dieser Studie erneut, wie sich im Interesse der Agrar-Industrie eine Wissenschaft als Helferin von Nutztierhaltung und Tierausbeutung etabliert hat. Dieser Wissenschaft geht es nicht darum, die Probleme der Tierausbeutung zu lösen – was nur über die vegane Lebensweise geht – sondern die Probleme sollen wegdiskutiert und durch geheucheltes Verständnis entschärft werden.

Insofern beschäftigt sich die Studie tatsächlich mit der Frage, wie Verbraucher besser hinters Licht geführt werden können, um das durch die Geflügelwirtschaft verursachte extreme Tierleid weiterhin gewinnbringend vermarkten zu können.

Hierfür werden öffentliche Mitteln zweckentfremdet und es wird unter dem Mantel der Wissenschaft Propaganda betrieben. Von den tatsächlich wichtigen Fragen, wie sich das Leben von Mensch und Tier schützen und die Umwelt erhalten lässt werden im Gegenzug durch die Förderung solcher Projekte Mittel abgezogen.

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