kotest findet Mineralöl und mehr in Grillwürsten

kotest findet Mineralöl und mehr in Grillwürsten

Vor Kurzem machte eine Ökotest-Untersuchung veganer Fleischersatzprodukte negative Schlagzeilen. Obwohl der einzig tatsächlich bedenkliche Befund Mineralölrückstände aus der Verpackung in den meisten Produkten war, sprachen die Medien landesweit von ungesunden veganen Produkten. Jetzt berichtet eine aktuelle Ökotest-Untersuchung den gleichen Befund für die Mehrheit untersuchter Grillwürste aus Schweinefleisch. Damit bestätigt sich, was wir bei vegan.eu zu den damaligen Ökotest-Befunden für vegane Produkte schrieben: Mineralölrückstände in Lebensmitteln sind kein veganes Problem, sondern betreffen potentiell alle verpackten Lebensmittel. Es ist völliger Unsinn, dieses Problem speziell mit veganen Lebensmitteln in Verbindung zu bringen.

Aber zunächst zurück zu den Grillwürsten:

In den meisten Grillwürsten wurdeaußerdem zugesetztes Phosphat und in einem Produkt eine enorme Antibiotika-Menge gefunden. Katastrophal sah es bei allen Produkten beim Thema Tierschutz aus. Auch wenn Ökotest einige Öko-Produkte bei der Tierhaltung recht gut bewertete, ergibt sich aus dem Bericht tatsächlich, dass auch dort die Schweine nach ihrer Geburt unter Schmerzen und ohne Betäubung kastriert werden und ihnen nur 1,3 bis maximal 2,5 m Stallfläche zur Verfügung stehen. Bei der Kastration werden den Tieren bei vollem Bewusstsein die Hoden herausgerissen, was ein äußerst schmerzhafter Vorgang ist. Das Schreien der Ferkel bei der Kastration kann hier gehört werden. Dass dieses Vorgehen dennoch bei Ökotest mit der Gesamtbewertung „gut“ für die Tierhaltung vereinbar gewesen ist, ist schwerlich nachvollziehbar, wobei Transport und Schlachtung in die Bewertung sogar gar nicht einbezogen wurden.

Vergleich zu veganen Produkten:

Vegane Produkte sind tierleidfrei. Bei der Bewertung veganer Produkte benötigt es keiner Kunstgriffe und Kopfakrobatik, um eine Tierhaltung selbst dann als „gut“ zu bewerten, wenn Tieren ohne Betäubung die Hoden herausgerissen werden. Jedes vegane Lebensmittel ist jedem Fleischprodukt beim Tierschutz hochgradig überlegen. Jedes Fleischstück, auch wenn es von Tieren aus Bio-Haltung kommt, ist ein Qualprodukt. Diese Sachlage wird leider in den bewertenden Teilen des Ökotest-Berichts nicht ausreichend berücksichtigt.

Abgesehen von den Mineralölrückständen hatte Ökotest keinerlei substantielle negative Befunde bei veganen Produkten feststellen können. Moniert wurden lediglich bei einigen Produkten völlig harmlose Hefeextrakte – in England traditionsreiches Lebensmittel -, minimal gegenüber dem Ökotest-Kriterium erhöhte Salzgehalte, sowie in drei Produkten Spuren gentechnisch veränderten Soja, welches nicht den Herstellern anzulasten ist, sondern der Nutztierhaltung. Schließlich werden über 90% der Sojaernte an Nutztiere verfüttert, was der entscheidende Antrieb für Einsatz von Gentechnik und Monokulturen ist. Es ist eine bedauerliche Sachlage, dass eine Kontamination nicht-gentechnisch veränderten Soja durch gentechnisch veränderten Soja letztlich nicht möglich ist.

Bei den Grillwürsten verzichtete Ökotest auf die Auswertung des Salzgehaltes. Leider findet sich im gesamten Text auch kein Wort zum Fettgehalt, der im Durchschnitt bei den Grillwürsten wesentlich höher als bei den veganen Produkten ausfällt und sich zudem vorwiegend aus gesättigten Fetten zusammensetzt.

Vergleich ist notwendig

Die neue Ökotest-Veröffentlichung wird wohl nur eingeschränkt den Schaden gutmachen, den die negativen Medienberichte über die Befunde zu den veganen Produkten verursachten. Es wäre wünschenswert, wenn Ökotest künftig vegane und nicht-vegane Produkte grundsätzlich vergleichend bei identischen Bewertungsprinzipien untersuchen würde. Ein solches Vorgehen könnte ähnliche fehlerhafte Schlussfolgerungen bis hin zu offener Häme wie bei dem Test zu veganen Produkten vermeiden helfen.

Fraglos ist auch bei vegane Produkten noch vieles verbesserungsbedürftig, kein Zweifel besteht aber daran, dass sie ökologisch, gesundheitlich und tierschutzbezogen nicht-veganen Produkten überlegen sind. Dies wird in den Auswertungen und in der Medienberichterstattung aber immer wieder untergehen, wenn Ökotest und andere Produkttester ihr derzeitiges Vorgehen beibehalten und vegane und nicht-vegane Produkte isoliert anstatt vergleichend zu testen.

Gerade weil Ökotest sich dem Thema der Ökologie verschrieben hat, wäre es schade, wenn die Berichte des Magazins weiterhin dazu beitragen würden, die vegane Lebensweise in ein unbegründet schlechtes Licht zu setzen, weil der eigentlich entscheidende Vergleich zu den nicht-veganen Produkten unterlassen wird.

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2 Kommentare auf "kotest findet Mineralöl und mehr in Grillwürsten"

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Andrea
Gast

Vielen Dank wiedermal für den interessanten Artikel!
Gerade heute habe ich in der Taz den Artikel von Hilal Sezgin darüber gelesen, wie "grün" die Vorstellungen der Grünen von guter Tierhaltung sind. Da ist es im Gesamtbild nur passend, dass die von Ökotest angelegten Kriterien ähnlich "öko" sind. Schade.
Kleine Anmerkung übrigens: Ich glaube, am Ende des 5. Absatzes war eigentlich gemeint "nicht vermeidbar sind." – Oder?

Martin
Gast
Wenn vegane Würste als bedenklich eingestuft werden, gehen die Fleischesser – Journalisten der Print-Medien eingeschlossen – auf die Barrikaden und mutmaßen, dass Veganer sich total ungesund ernähren, und benutzen das natürlich auch als Aufruf, sich gar nicht erst vegan zu ernähren. Wenn aber Würste aus Tieren – erneut – als bedenklich eingestuft werden, und es dabei noch weitere, spezifische Problemfelder gibt (z.B. das entsetzliche Tierleid und die hohen Antibiotika-Rückstände), wird diese Nachricht von den Fleischessern gar nicht erst groß beachtet. Sehr seltsam, dass es so herum ist. Ich denke, Karnismus ist bei vielen Menschen so eine Art psychische Störung –… Read more »
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