Veganer sind meistens sozial gut integriert

Veganer sind meistens sozial gut integriert

Vegan ist eine Ernährungsweise und Lebensweise, die weltweit erheblich von der Ernährung und Lebensweise der Mehrheit abweicht. Eine Studie zeigt, dass die meisten vegan lebenden Menschen sich dennoch gut sozial integriert und unterstützt fühlen.

Ernährung ist ein Thema, welches tiefgreifend in sozialen Bezügen eingebettet ist. In unserem Test „Überprüfe dein Wissen über die vegane Ernährung“ zeigt sich, dass Fleischesser (Omnivoren) erhebliche Befürchtungen haben, dass sich ein Wechsel zur veganen Ernährung sozial negativ auswirken könnte. Tatsächlich bejahen von 965 bisher befragten Fleischessern 419 (43,2%) die Aussage, dass eine vegane Ernährung sie sozial isolieren würde.

Welche sozialen Auswirkungen hat eine vegane Ernährung aber tatsächlich?

Unter anderem dieser Frage ist vor Kurzem Christina Gabrielle Paxman im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der University of Iowa (USA) nachgegangen. Die Doktorarbeit beschäftigt sich insbesondere mit der Frage, wie vegan lebende Personen ihre vegane Identität kommunizieren. Im Rahmen ausführlicher Telefoninterviews wurden 40 vegan lebende Personen befragt. Die Interviews wurden anschließend transcribiert und qualitativ ausgewertet.

Ergebnisse

  • Ganz entgegen der Angst vor Isolation gab die überwältigende Mehrheit der Befragten an, dass sie von ihrem sozialen Umfeld (Freunde, Familienangehörige, Partner) akzeptiert und unterstützt werde. Viele schilderten dabei auch besondere Gesten und Bemühungen des sozialen Umfeldes, wie den Einkauf veganer Lebensmittel, das Schenken von veganen Kochbüchern oder die Zubereitung veganer Gerichte.
  • Mehrheitlich wurden die Vorteile eines veganen Partners oder einer veganen Partnerin betont, wobei teilweise aber auch bereits eine positive Einstellung des Partners zum Veganismus als hilfreich angesehen wurde. Ebenfalls beschrieben wurden Entwicklungen, in deren Verlauf der Partner oder die Partnerin zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls vegan wird.
  • Nur wenige Befragte schilderten, dass ihnen von Familienangehörigen vorgehalten werde, dass ihre vegane Ernährung eine Belastung für die Familie sei. In ihren eigenen Wahrnehmungen konnten sich die Betreffenden von diesem Vorwurf klar abgrenzen.
  • Viele Befragte kommunizierten über ihre vegane Lebensweise kontrolliert und selektiv. So berichteten einige Befragte, über ihre vegane Lebensweise teilweise auf der Arbeit oder auch bei Ärzten aus Angst vor Ablehnung oder anderen unangemessenen Reaktionen nicht zu berichten. Ebenfalls gaben Befragte an, vorwiegend dann über ihre vegane Lebensweise zu erzählen, wenn das Gegenüber auch interessiert sei. In großer Mehrheit versuchten die Befragten dabei gezielt, den Veganismus mit positiven Argumenten zu vermitteln.
  • Einen großer Raum in der sozialen Kommunikation nahm für viele Befragte das Zubereiten von Gerichten und das gemeinsame Essen ein. Dies betraf auch explizit die Zubereitung veganer Gerichte für Nicht-Veganer.

Resümee

Wie alle Minderheiten sind auch Veganer Vorurteilen und Diskriminierung ausgesetzt. Hierüber berichteten viele Befragte auch in einer Umfrage bei vegan.eu, aus der aber ebenfalls deutlich wurde, dass die große Mehrheit sich hiervon ausreichend abgrenzen kann.

Dass Vorurteile und Diskriminierung gegenüber Veganern einen erheblichen Missstand darstellen, steht außer Zweifel. Extremes Beispiel sind aktuell beispielsweise Bemühungen in Italien, vegane Eltern zu kriminalisieren.

Die Untersuchung von Paxman zeigt aber, dass soziale Ausgrenzung offenbar keineswegs der Regelfall ist. Vielmehr scheinen vegan lebende Menschen typischerweise in ihrem sozialen Umfeld gut integriert zu sein und auch von nicht-vegan lebenden Menschen akzeptiert zu werden.

In ihrem engsten selbstgewählten Umfeld (Partnerschaft) achten Veganer dabei aber besonders stark auf Passung und Akzeptanz. Innerhalb partnerschaftlicher Beziehungen wird demnach grundsätzlich Fleischkonsum, mindestens aber eine Ablehnung des Veganismus durch Beziehungspartner als schwierig erlebt.

Dies stimmt mit ebenfalls mit vorherigen Umfragen von vegan.eu überein, gemäß derer Veganer sich mehrheitlich ebenfalls vegan, mindestens aber vegetarisch lebende Beziehungspartner wünschen. Aus der Untersuchung von Paxman wird deutlich, dass es vegan lebenden Menschen im Regelfall zu gelingen scheint, einen unterstützenden Menschen für eine Partnerschaft zu finden.

Die Angst mancher Fleischesser vor sozialer Isolation bei einem Wechsel zur veganen Lebensweise ist insgesamt also unbegründet. Vegan lebende Menschen können vielmehr ein hohes Ausmaß an sozialer Integration und Zufriedenheit mit ihren sozialen Bezügen erreichen. Aus sozialen Gründen braucht niemand von einer veganen Ernährung Abstand nehmen.

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5 Kommentare auf "Veganer sind meistens sozial gut integriert"

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Max
Gast

Dass Fleischesser Angst vor Ablehnung haben, wenn sie zu Veganern würden, liegt meiner Meinung und auch meiner Erfahrung nach in erster Linie daran, dass diese Menschen im Grunde ein schwaches Selbstbewusstsein haben und dringend auf die Anerkennung anderer angewiesen sind. Als Veganer ist ein starkes Selbstbewusstsein notwendig, da manche uninformierte Zeitgenossen, z. B. auch Ärzte und andere sogenannte “Experten”, auch versuchen, diese Lebensweise lächerlich zu machen.
Letztendlich ist die Fleischesserei ein Teil des Machismus und unserer patriarchalen Weltordnung und dient lediglich dazu, die dahinter versteckten Ängste und Unsicherheiten zu kompensieren bzw. zu vertuschen.

Drawida
Gast
Die richtigen Feststellungen von Max möchte ich noch vertiefen, indem ich darauf hinweise, dass wir zumindest in den reichen, überzivilisierten Ländern heute in allen Bereichen unseres Lebens in einer illusionären, unwirklichen und "medial erlogenen" Realität leben, was sich im Sinne des reinen kapitalistischen Denkens natürlich auch stark im Bereich Medizin und Ernährung auswirkt. Die Menschen müssen heute wieder lernen, selber auf ihren Körper und ihre Psyche achtzugeben und ihren eigenen Sinnen nicht weniger vertrauen als den ihnen medial untergejubelten, Profitinteressen- gesteuerten "Wahrheiten". Ich bin aber zuversichtlich, dass sich das mit der Zeit durchsetzt, zu erkennen, dass die Ernährung über Tiere… Read more »
Betti
Gast
Den beiden Kommentaren stimme ich voll und ganz zu. Ergänzend möchte ich festhalten, dass die Gesetzesordnungen über Medizin, Krankenkasse, Lebensmittel, Hochschule, Tierversuche, Pharma, usw. durch staatliche Gesetze und Verordnungen formuliert werden. Wir "müssen" bis zu einem gewissen Grad die Macho-Kultur durch die staatliche Gesetzesordnung soweit mittragen, wo dann die eigene persönliche Entscheidung beginnt, wo wir bewusst auf alle tierischen Produkte verzichten und auf die Umwelt acht geben, indem wir vor allem nur noch geeignete (Gesundheit, Umwelt, Tierfreundlichkeit) Produkte kaufen und verwenden. Der Druck auf die Politik als Grundlage wird sich hoffentlich immer mehr durchsetzen, dass neue tierfreundlichere und umweltfreundliche Gesetze… Read more »
iM@ryAnn
Gast

Gegenfrage:

Wie GUT ist die so-(selbst-)genannte Zivilisation in die Natur interferiert?

Wie kultiviert ist der zivilisierte Mensch dem Leben gegenüber wirklich?

Wie sozial ist die Menschliche Zivilisation wirklich, sich selbst gegenüber gestellt?

Wie viele noch so strukturierte Fragen müssen gestellt werden, um sich der so integrierten inhumanen Denkweise entledigen zu können?

Wer Krieg gegen das Leben führen will steht zum Schluss alleine da …

Die Sozialisation ist nicht ein Produkt des Diktats einer wirtschaftlichen Ordnung, sondern ein Wunder (ein unbezahlbares Geschenk) der Phänomenologie des Lebens zu entnehmen!!!

Mit freundlichen Grüßen und in Dankbarkeit
© by M@ryAnn
AHIMSA

horsche
Gast
Kann leider den Untersuchungsergebnissen aus eigenem Erleben nicht generell zustimmen. Vielleicht weil ich gleichzeitig noch anstrebe selbstversorgender Minimalist zu sein und somit sämtliche gesellschaftliche Verhaltensweisen kritisch hinterfrage. Selbst in sog. Ökokreisen, ja auch in solchen Verbänden und auch in einschlägigen Foren, wird man argwöhnisch beurteilt und als Exot zur Seite gestellt, weil man mit so einem keinen Umgang haben möchte und auch nicht haben kann; in der Familie übrigens genau so – man lebt gemieden und ungeliebt nebenher. An anderer Stelle in diesem Forum habe ich schon beschrieben, daß eine ernsthaft gemeinte Absage, wozu auch immer, wohl stets gezwungenermaßen erfolgt.… Read more »
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