Umfrage: Sind Veganer menschenfeindlich?

Umfrage: Sind Veganer menschenfeindlich?

Wir haben untersucht, wie Veganer politisch und religionsbezogen ticken

Veganer setzen sich für die Befreiung der Tiere und eine ökologisch nachhaltigere Welt ein, aber wie stehen sie zu ihren Mitmenschen? Dieser Artikel veröffentlicht die Ergebnisse einer Umfrage, die sich dieser Frage widmet. Die Umfrage ist fortlaufend und es werden weitere Ergebnisse hier auf vegan.eu veröffentlicht werden. 

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Hat das Klischee des menschenfeindlichen Tierfreundes einen Wahrheitsgehalt oder handelt es sich um ein blankes Vorurteil? Sind es nur wenige einzelne, die versuchen, die vegane Szene mit rechtspopulistischen und fremdenfeindlichen Tendenzen zu kapern, oder stoßen Rechtspopulismus und Fremdenfeindlichkeit bei Veganern auf breitere Resonanz?

Wie verbreitet sind unterschiedliche Auffassungen zu Religion und Spiritualität in der veganen Community?   Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Spiritualität, Esoterik, religiösen Bekenntnissen, Religionskritik und politischen Grundauffassungen in der veganen Gemeinschaft? Haben Veganer mit unterschiedlichen Auffassungen zu Religionen dennoch vergleichbare politisch-gesellschaftliche Positionen, oder ergibt sich zwischen ihnen eine Kluft? Gibt es in der veganen Community einen fruchtbaren Boden für rechtsgerichtete Esoterik, die rassistisches, antisemitisches, homophobes, frauenfeindliches oder anderes politisches, anti-emanzipatorisches Gedankengut mit esoterisch-spirituellen Verklärungen legitimiert oder sie dahinter verbirgt? Oder sind Veganer gegen solche Anwandlungen eher gefeit?

Diese Fragen sind aktuell und brisant. Aber es fehlen belastbare empirische Daten. Deshalb haben wir eine Umfrage zum Thema durchgeführt, die wir fortsetzen, deren erste Ergebnisse aber Verfasser Guido F. Gebauer in diesem Artikel bereits vorstellt und bewertet.

 

Stichprobe

In der jetzigen Ergebnisauswertung sind die Angaben von 707 vegan lebenden Personen im Alter von 16 bis 84 enthalten (Durchschnittsalter: 39,20), unter ihnen 445 Frauen, 257 Männer und 5 Menschen mit drittem Geschlecht (Intersexuelle). Das Geschlechterungleichgewicht ergibt sich daraus, dass es mehr vegane Frauen als vegane Männer gibt. 223 (31,5%) der Stichproben sind oder waren Mitglieder der alternativen Dating-Plattform www.Gleichklang.de. 484 Personen (68,5%) sind und waren keine Mitglieder von Gleichklang.  Die Rekrutierung erfolgte insbesondere über vegan.eu (Internetseite, Newsletter, vegan.eu bei Facebook), vegan.eu wird monatlich von ca. 30000 unterscheidbaren Besuchern gelesen, wobei die Mehrheit über die google-Suche auf die Seite kommt. Fast alle derjenigen, die über google zu vegan.eu finden, gelangen hierher über Suchbegriffe, wie vegan, Veganer, Veganismus, bzw. über die Verknüpfung dieser Begriffe mit im Regelfall weiteren gesundheitsbezogenen oder auch ökologischen Suchworten. Da sich zwischen den beiden Gruppen (Gleichklang-Mitglieder & Ex-Mitglieder, Nicht-Mitglieder) keine bedeutsamen Unterschiede im Hinblick auf die in diesem Artikel dargestellten Ergebnisse ergab, konnte die Analyse über die Gesamtstichprobe erfolgen. Die Stichprobe hat einen recht hohen Bildungsstand, wobei 3,3% als höchsten Bildungsabschluss eine Promotion angaben, 36,5% einen Hochschul-/Fachhochschulabschluss, 35,7% das Abitur/Fachabitur, 19,4% einen Realschulabschluss, 4,8 % einen Hauptschulabschluss und 0,3% keinen Schulabschluss.

Die Umfrage ist  nicht beendet, sondern läuft weiter. Mit wachsendem Stichprobenumfang werden wir weitere Ergebnisse veröffentlichen, wobei wir die laufende Umfrage auch abschnittsweise durch neue Fragen ergänzen werden, die wir dann in entsprechenden Teilstichproben untersuchen können.

 

So stehen Veganer zu politisch-emanzipatorischen Themen

Die Frage lautete: „ Was liegt ihnen gesellschaftlich am Herzen?“ Erfasst wurde die Zustimmung zu folgenden emanzipatorischen Themen:

Gleichberechtigung Homosexueller und Bisexueller, einschließlich Heirats- und Adoptionsrecht, Einsatz für Flüchtlinge - Beendigung der Abschottungspolitik, Gleichberechtigung der Geschlechter - Überwindung patriarchalischer Strukturen, Gesellschaftliche Emanzipation von Transgender und drittem Geschlecht (Intersexualität), Friedliche Konfliktlösung - Beendigung von Kriegen, Beendigung der Ausbeutung der dritten Welt, Soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz, Überwindung der Tierausbeutung, Chancengleichheit für Menschen mit Behinderungen und Erkrankungen, Überwindung von Rassismus und Antisemitismus, Friedlicher Dialog der verschiedenen Weltanschauungen und Religionen, Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus stoppen.

Die Frage war wieder vierstufig auf einer Skala von überhaupt nicht, eher nicht, eher ja und absolut zu beantworten. In der Ergebnisauswertung erfolgt wiederum eine Zusammenfassung in zwei Kategorien, die die Verneinung (überhaupt nicht, eher nein) und die Bejahung (eher ja, absolut) miteinander kontrastiert.

Tabelle 1 zeigt den Prozentsatz der befragten Veganer, die angaben, dass Ihnen eines von 13 emanzipatorischen Themen am Herzen liege. Die Frage lautete: „ Was liegt ihnen gesellschaftlich am Herzen?“

 

Tabelle 1: Welchen emanzipatorischen Themen stimmen Veganer zu?

Emanzipatorisches Thema Zustimmungsrate
Gleichberechtigung Homo- und Bisexueller, einschließlich Heirats- und Adoptionsrecht 89.8%
Einsatz für Flüchtlinge - Beendigung der Abschottungspolitik 87.7%
Gleichberechtigung der Geschlechter, Überwindung patriarchalischer Strukturen 96.2%
Gesellschaftliche Emanzipation von Transgender und drittem Geschlecht (Intersexualität) 84.2%
Friedliche Konfliktlösung - Beendigung von Kriegen 98.7%
Beendigung der Ausbeutung der dritten Welt 98.6%
Soziale Gerechtigkeit 98.2%
Umweltschutz 99.6%
Überwindung der Tierausbeutung 99.6%
Chancengleichheit für Menschen mit Behinderungen und Erkrankungen 96.4%
Überwindung von Rassismus und Antisemitismus 97.6%
Friedlicher Dialog der verschiedenen Weltanschauungen und Religionen 92.6%
Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus stoppen 94.4%

 

Aus der Tabelle wird ersichtlich, dass die Zustimmung zu den emanzipatorischen Themen unter den befragten Veganern insgesamt enorm hoch war, wobei ein Zustimmungsgrad über 90% bei 10 der 13 Themen zu verzeichnen ist. Aber auch die beiden Themen, die die 90% Zustimmung verpassten, wiesen mit fast 90% (Gleichberechtigung Homo- und Bisexueller), fast 88% (Einsatz für Flüchtlinge) und knapp 84% (Emanzipation von Transgender und drittem Geschlecht) sehr hohe Zustimmungsraten auf.

Insgesamt fällt bei Betrachtung der hohen durchschnittlichen Zustimmungsraten zu den emanzipatorischen Themen auf, dass sich die befragten Veganer hier durch eine hohe Homogenität/Übereinstimmung bei der grundsätzlichen Zustimmung zu den Themen kennzeichnen, während sich bei den Einstellungen zu Spiritualität, Religion, Esoterik und Atheismus/Agnostizismus eher eine ausgeprägte Heterogenität zeigte. Die Diversität bei den Einstellungen zu Religion spiegelt sich aber nicht in einer vergleichbaren Diversität bei den emanzipatorischen Themen wider, sondern hier ist ein weitaus höherer Übereinstimmungsgrad zu verzeichnen.

Erkennbar wird aus den Daten dass Veganer in ihrer großen Mehrheit offenbar den Veganismus keineswegs nur isoliert als eine Ernährung ohne Tierprodukte betrachten, sondern den Veganismus mit einer grundsätzlich emanzipatorischen Haltung verbinden, die Rassismus, Diskriminierung, soziale Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung und kriegerische Auseinandersetzungen überwinden will.

Demgegenüber zeigen Untersuchungen in der Gesamtbevölkerung, wie die aktuelle Studie "Die enthemmte Mitte" einen erheblichen und wachsenden Anteil von Menschen mit fremdenfeindlichen, homophoben und rechtsnahen Ansichten auf. So bejahten 36,2% der Befragten in der Studie  "Die enthemmte Mitte" die Frage, ob Ehen zwischen einer Frau und einer Frau oder einem Mann und einem Mann verboten sein sollten, während fast 90% der hier befragten Veganer für die volle und uneingeschränkte Bejahung der Gleichberechtigung Homosexueller und Bisexueller eintraten. 80,9% der Befragten in der Studie "Die enthemmte Mitte" meinten zudem, der Staat solle bei der Prüfung von Asylanträgen nicht großzügig sein, während fast 90% der hier befragten Veganer für den Ausstieg aus der Abschottungspolitik plädierten.

Das Klischee des menschenhassenden Veganers ist mit diesen Daten schwerlich vereinbar, jedenfalls soweit es für sich beansprucht, eine vegane Grundhaltung, die einen erheblichen Anteil der Veganer betrifft, zu charakterisieren. Dies bedeutet nicht, dass der menschenfeindliche Veganer nicht existieren würde, aber jedenfalls nach den vorliegenden Daten dieser Stichprobe ist er wohl innerhalb der veganen Community eher eine isolierte Randfigur und keineswegs ein veganer Prototyp.

 

So wählen Veganer

Die Befragten wurden gebeten, anzugeben, wie sie wählen würden. Die Frage lautete: Welche Partei würden Sie am ehesten wählen. Antwortmöglichkeiten waren: SPD, Bündnis90/ die Grünen, CDU/CSU, die Linke, FDP, AfD, Keine davon. Nur eine Antwort war erlaubt.

Tabelle 2: Wahlentscheidungen von Veganern

Partei Wahlprozente
SPD 1.1%
Bündnis90/ dieGrünen 32.5%
CDU/CSU 1.6%
die Linke 26.9%
FDP 1.6%
AfD 1.7%
Keine davon 34.7%

Tabelle 2 zeigt die Ergebnisse. Ersichtlich wird, dass die befragten Veganer sich bezüglich ihrer parteipolitischen Wahlentscheidungen in drei größere Gruppen differenzieren lassen, die sich dadurch kennzeichnen, dass sie keine der genannten Parteien (34,7%), Bündnis90/die Grünen (32,5%) oder die Linke (26,9%) wählen.

Die sogenannten Volksparteien SPD (1,1%) und CDU/CSU (1,6%) haben demgegenüber unter Veganern ebensowenig wie die FDP (1,6%) eine relevante Anhängerschaft und würden ausnahmslos an der 5% Hürde scheitern. Gleiches gilt für die dezidiert rechtspopulistisch-rechtsradikal auftretende AfD, der lediglich 1,70% der befragten Veganer ihre Stimmen geben würden.

Diese Ergebnisse passen gut zu den Befunden zu den emanzipatorischen Themen und weisen darauf hin, dass rechtspopulistische und rechtsradikale Positionen bei Veganern offenbar nur eine minimale Resonanz finden, eine Resonanz, die jedenfalls bei weitem kleiner ist als in der Gesamtgesellschaft.

Parteipolitisch scheinen sich demnach Veganer zusammenfassend vorwiegend dahingehend zu unterscheiden, inwiefern sie Bündnis90/ die Grünen, die Linke oder gar keine der angefragten Parteien wählen.

 

Verbreitung von Auffassungen zur Religion

In diesem Artikel werden die Formulierungen religionsbezogene Auffassungen, Auffassungen zur Religion oder auch religionsbezogene Überzeugungssysteme verwandt. Diese Formulierungen sind inhaltsneutral. So ist beispielsweise auch der Atheismus eine religionsbezogene Auffassung, nämlich die, dass es keinen Gott gibt.

Die Frage an die Teilnehmenden lautete: „Würden Sie sich als Anhänger eines oder mehrerer der folgenden Überzeugungssysteme bezeichnen?“.

Die Frage war vierstufig auf einer Skala von überhaupt nicht, eher nicht, eher ja und absolut zu beantworten. In der Ergebnisauswertung erfolgte eine Zusammenfassung in zwei Kategorien, die die Verneinung (überhaupt nicht, eher nein) und die Bejahung (eher ja, absolut) umfassten.

Als religionsbezogene Überzeugungssysteme oder Auffassungen wurden erfasst:

Atheismus (Überzeugung: Es gibt keinen Gott), Agnostizismus (Position: Wir können nicht wissen, ob religiöse Glaubens-Annahmen korrekt oder falsch sind), Spiritualität (bewusste und aktive Auseinandersetzung mit einer als solcher verstandenen religiösen, geistlichen, immateriellen Wirklichkeit), Esoterik (bestimmte religiöse, mystische oder philosophische Riten, Ideen und Gebräuche, die für Eingeweihte (geistig) zugänglich sein sollen), Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus.

Es war möglich, mehrere Auffassungen zu bejahen, da – anders als es ein simplifizierender Begriff, wie der der Religionszugehörigkeit, impliziert -  Menschen in Wirklichkeit verschiedene Auffassungen zu Religionen und religiösen Themen gleichzeitig vertreten können und dies auch tun. Die meisten Auffassungen schließen sich nicht notwendigerweise aus bzw. lassen sich durch individuelle Interpretationen verbinden. So können Menschen beispielsweise gleichzeitig Atheisten und Buddhisten sein. Auch ein gleichzeitiges Bekenntnis zu Christentum, Judentum und Islam ist durchaus möglich. Alle Religionen sind zudem mit der Bejahung einer spirituellen und auch einer esoterischen Grundeinstellung grundsätzlich vereinbar. Agnostiker mögen die grundlegende Skepsis im Sinne einer Nicht-Belegbarkeit religiöser Glaubensvorstellungen vertreten und sich dennoch zu bestimmten religiösen Auffassungen hingezogen fühlen.

Tabelle 3 enthält die Verbreitung der verschiedenen Auffassungen zu Religionen und religiösen Meinungen, die von uns erfragt wurden.

 

Tabelle 3: Welchen Auffassungen zu Religionen hängen Veganer an?

Religion Zustimmungsrate
Atheismus (Überzeugung: Es gibt keinen Gott) 51.2%
Agnostizismus (Position: Wir können nicht wissen, ob religiöse Glaubens-Annahmen korrekt oder falsch sind) 41.38%
Spiritualität (bewusste und aktive Auseinandersetzung mit einer als solcher verstandenen religiösen, geistlichen, immateriellen Wirklichkeit) 43.0%
Esoterik (bestimmte religiöse, mystische oder philosophische Riten, Ideen und Gebräuche, die für Eingeweihte (geistig) zugänglich sein sollen) 18.5%
Christentum 18.5%
Judentum 1.5%
Islam 1.5%
Buddhismus 27.3%
Hinduismus 7.8%

 

Aus Tabelle 3 wird ersichtlich, dass der Atheismus mit 51% die größte Zustimmungsrate bei den befragten Veganern fand, unmittelbar gefolgt von der nicht an eine bestimmte Religion gekoppelten Spiritualität mit 43%. Fast ebenso oft bejaht wie Spiritualität wurde der Agnostizismus, mit dem sich 42% der Befragten identifizierten. Mit weitem Abstand (27%) folgt der Buddhismus als populärste Einzelreligion. 18% der Befragten bekannten sich zum Christentum und 18% gaben an, einem esoterischen Überzeugungssystem anzuhängen. Schließlich gaben 8% an, dem Überzeugungssystem des Hinduismus zu folgen, während jeweils knapp unter 1,5% der Befragten den Islam und das Judentum als eigenes Überzeugungssystem benannten.

39% der Befragten verneinten übrigens sowohl alle Einzelreligionen als auch Spiritualität und Esoterik, wobei sich von diesen 75% als Atheisten und 40% als Agnostiker bezeichneten, auch hier addieren sich die Prozente nicht, weil sich beide Kategorien nicht ausschließen bzw. nicht als sich ausschließend wahrgenommen werden. 61% der befragten Veganer bejahten mindestens eine Einzelreligion, Esoterik oder Spiritualität.

Tabelle 4 zeigt die Korrelationen zwischen den verschiedenen Überzeugungssystemen. Mit Sternchen markierte Korrelationen sind auf dem 5% Niveau signifikant und insofern vermutlich nicht auf Zufallsschwankungen zurückzuführen.

 

Tabelle 4: Korrelationen zwischen Auffassungen zur Religion

Ath Agn Spir Eso Chr Ju Isl Bud Hin
Atheismus 1 -,002 -,478* -,360* -,450* -,074 -,132* -,285* -,208*
Agnostizismus 1 ,000 -,019 -,004 ,053 ,034 ,065 ,017
Spiritualität 1 ,631* ,270* ,170* ,159* ,495* ,354*
Esoterik 1 ,198* ,186* ,204* ,493* ,381*
Christentum 1 ,198* ,139* ,160* ,174*
Judentum 1 ,451* ,259* ,296*
Islam 1 ,211* ,241*
Buddhismus 1 ,492*
Hinduismus 1

Ath = Atheismus, Agn = Agnostizismus, Spir = Spiritualität, Chr = Christentum, Ju = Judentum, Bud =Buddhismus, Isl = Islam, Eso = Esoterik, Hind = Hinduismus, *= statistisch signifikant auf dem 5% Niveau.

 

Die Korrelationen zeigen vorwiegend folgendes inhaltliches Befundmuster:

Atheismus korreliert in der Stichprobe der befragten Veganer generell negativ mit Spiritualität, Esoterik und allen Einzelreligionen. Obwohl sich Atheismus und andere Überzeugungssysteme nicht notwendigerweise beim Einzelnen völlig ausschließen, ist es also doch typischerweise so, dass diejenigen, die sich als Atheisten sehen, keinen spirituellen, esoterischen oder religiösen Überzeugungssystemen angehören

Agnostizismus weist keinerlei signifikante Zusammenhänge zu den anderen Überzeugungssystemen auf. Dies bedeutet, dass innerhalb aller Überzeugungssysteme eine skeptische Grundhaltung bestehen kann. Agnostizismus wirkt sich weder förderlich noch hemmend auf die Zugehörigkeit zu einem der anderen Überzeugungssysteme aus.

Alle nicht-atheistischen und nicht-agnostischen Überzeugungssysteme sind miteinander positiv korreliert. Besonders hoch ist die Korrelation zwischen Spiritualität und Esoterik, sowie die Korrelation von Buddhismus zu Spiritualität und Esoterik, aber auch alle anderen Einzelreligionen sind mit Spiritualität und Esoterik korreliert. Veganer, die sich zu Spiritualität, Esoterik oder bestimmten Einzelreligionen hingezogen fühlen, weisen also miteinander - und zwar unabhängig vom spezifischen Überzeugungssystem - Ähnlichkeiten auf.

Bezüglich der Höhe der Korrelationen liegen diese höchstens im mittleren und oftmals im geringen Bereich, so dass im Einzelfall kaum vom Vorliegen eines Überzeugungssystems auf das potentielle Vorliegen oder Nicht-Vorliegen eines weiteren Überzeugungskonzepts geschlossen werden kann.

Zusammenfassend, sind die befragten Veganer bezüglich ihrer Auffassungen zu Religionen heterogen. 51% gaben in der Umfrage an, sich mit dem Atheismus zu identifizieren, wobei tatsächlich aber nur 39% keinerlei Bejahung eines spirituellen, esoterischen oder religiösen Überzeugungssystem zeigten. Die Bejahung von Spiritualität war mit 42% innerhalb der Befragten stark verbreitet, wobei der Buddhismus mit einer Bejahung durch 27% der Befragten die populärste Einzelreligion war. Explizit esoterische Vorstellungen wurden lediglich von 18% der Befragten geäußert und auch das Christentum fand lediglich bei 18% der Befragten glaubensbezogenen Zuspruch.

Auch in Anbetracht der positiven Korrelationen der verschiedenen spirituellen, religiösen und esoterischen Überzeugungssysteme untereinander sowie ihrer negativen Korrelation zum Atheismus, lässt sich vereinfachend sagen, dass sich bei den befragten Veganern zwei mehr oder weniger gleich starke Gruppen zeigten:

Die Gruppe der zu allen Religionen, Spiritualität und Esoterik kritisch eingestellten Veganer und die Gruppe der einem oder mehreren spirituellen, religiösen oder esoterischen Überzeugungssysteme mehr oder weniger stark anhängenden Veganer.

Die vegane Community ist insofern gemäß dieser Umfrageergebnisse bezüglich ihrer Einstellungen zu Religionen, Spiritualität, Esoterik, Atheismus und Agnostizismus keineswegs ein monolithischer Blog, sondern kennzeichnet sich durch eine deutliche Diversität, woraus durchaus Spannungspotential entstehen kann.

 

Religionsbezogene Auffassungen und politische Einstellungen

Tabelle 5 zeigt die durchschnittlichen Zustimmungsraten zu den erhobenen 13 emanzipatorischen Themen für die einzelnen religionsbezogenen Überzeugungssysteme. Aufgrund der äußerst geringen Fallzahl sind die Ergebnisse für die Überzeugungssysteme Judentum und Islam nur eingeschränkt gültig und sollten daher nur besonders vorsichtig interpretiert werden.

 

Tabelle 5: Religionsbezogene Auffassungen und Emanzipatorische Themen

Emanzipatorisches Thema Zustimmungsrate
Ath Agn Spir Chr Ju Bud Isl Eso Hin
Gleichberechtigung Homo- und Bisexueller, einschließlich Heirats- und Adoptionsrecht 95.7% 93.2% 85.5% 78.6% 100% 89.1% 88.9% 85.1% 90.6%
Einsatz für Flüchtlinge - Beendigung der Abschottungspolitik 89.0% 88.9% 84.9% 83.3% 77.8% 85.3% 88.9% 82.5% 88.5%
Gleichberechtigung der Geschlechter, Überwindung patriarchalischer Strukturen 96.0% 96.8% 96.0% 96.9% 100% 95.7% 88.9% 96.7% 96.2%
Gesellschaftliche Emanzipation von Transgender und drittem Geschlecht (Intersexualität) 89.3% 87.9% 80.3% 75.0% 90.0% 80.8% 77.8% 80.7% 82.0%
Friedliche Konfliktlösung - Beendigung von Kriegen 97.4% 98.6% 99.3% 100% 100% 99.5% 100% 99.2% 100%
Beendigung der Ausbeutung der dritten Welt 97.7% 98.6% 99.0% 99.2% 100% 99.5% 100% 98.4% 100%
Soziale Gerechtigkeit 97.1% 97.9% 98.7% 100% 100% 98.9% 100% 98.4% 100%
Umweltschutz 99.1% 98.9% 100% 100% 100% 100% 100% 100% 100%
Überwindung der Tierausbeutung 99.4% 99.6% 99.7% 100% 100% 100% 100% 100% 100%
Chancengleichheit für Menschen mit Behinderungen und Erkrankungen 96.0% 96.1% 95.3% 98.4% 100% 95.7% 88.9% 96.7% 96.2%
Überwindung von Rassismus und Antisemitismus 97.4% 97.5% 97.6% 96.1% 100% 97.3% 100% 97.5% 100%
Friedlicher Dialog der verschiedenen Weltanschauungen und Religionen 88.2% 94.3% 97.7% 98.4% 100% 95.7% 100% 97.5% 98.1%
Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus stoppen 95.4% 95.4% 91.3% 89.7% 100% 91.9% 100% 86.9% 94.3%

Ath = Atheismus, Agn = Agnostizismus, Spir = Spiritualität, Chr = Christentum, Ju = Judentum, Bud =Buddhismus, Isl = Islam, Eso = Esoterik, Hind = Hinduismus

 

Bei der rein deskriptiv-visuellen Sichtung der Zustimmungsraten für die verschiedenen weltanschaulichen Überzeugungssysteme fällt bereits auf den ersten Blick die hohe Zustimmungsrate zu allen emanzipatorischen Themen in allen Überzeugungssystemen auf.

Unabhängig davon, welches Überzeugungssystem vorliegt, stimmte eine große Mehrheit der befragten Veganer den emanzipatorischen Themen zu. Über die verschiedenen religionsbezogenen Überzeugungssysteme hinweg, zeigt sich also ein großer Übereinstimmungsgrad in der Zustimmung zu emanzipatorischen Thematiken.

Dies bedeutet umgekehrt, dass keines der hier berücksichtigten Überzeugungssysteme von den Betreffenden mehrheitlich als unvereinbar mit ihrer Zustimmung zu den emanzipatorischen Thematiken bewertet wird. Vielmehr ist sich eine große Mehrheit derjenigen, die sich als Atheisten, Agnostiker, spirituell Orientierte, Esoteriker, Buddhisten, Christen, Juden, Muslime oder Hindus ansehen, im Hinblick auf ihre Zustimmung zu den 13 emanzipatorischen Thematiken einig.

Die deutlich erkennbare Divergenz der befragten Veganer bezüglich ihrer Einstellungen und Überzeugungen zu religiösen Themen spiegelt sich also nicht in einer vergleichbar starken Divergenz ihrer Einstellungen zu emanzipatorischen Themen wider. Bezüglich der gesellschaftlich-politischen Überzeugungen dominiert vielmehr eine über die verschiedenen religionsbezogenen Überzeugungssysteme generalisierende Grundübereinstimmung der befragten Veganer.

Die erkennbare Haupttendenz besteht eindeutig in einer generalisierten Grundübereinstimmung bezüglich der verschiedenen emanzipatorischen Thematiken, was aber im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass keinerlei politische Meinungsunterschiede zwischen den verschiedenen religionsbezogenen Überzeugungssystemen bestehen würden. Wenn sie aber bestehen – dies wird bereits bei der rein visuellen Betrachtung der Daten deutlich -  können sie keinesfalls ein dominanter Faktor sein.

Aufgrund der Möglichkeit von Zufallsschwankungen in den Daten können erkennbar werdende Unterschiede in den Zustimmungsraten zwischen den religiösen Überzeugungssystemen nicht direkt interpretiert werden. Es wurde daher zunächst regressionsanalytisch mit den 9 religionsbezogenen Überzeugungssystemen als Prädiktoren und den 13 emanzipatorischen Thematiken als statistisch vorherzusagende Kriterien geprüft, inwiefern die Überzeugungssysteme überhaupt einen (statistischen) Einfluss auf die Zustimmung zu den emanzipatorischen Thematiken ausübten oder nicht. Ebenfalls war es so möglich, die Stärke dieses Einflusses für jede emanzipatorische Thematik zu bestimmen.

Tabelle 6 zeigt die Prozentsätze der Varianz/Unterschiedlichkeit innerhalb der einzelnen emanzipatorischen Thematiken an, die (statistisch) durch Unterschiede in den religionsbezogenen Überzeugungssystemen erklärt werden können (abgeleitet  aus den quadrierten multiple Korrelationen). Mit einem Stern markierte Werte sind auf dem 5 Prozent Niveau signifikant, lassen sich also schwerlich mit Zufallsschwankungen in den Daten erklären.

Tabelle 6: Zusammenhänge zwischen religionsbezogenen Auffassungen und emanzipatorischen Themen (quadrierte multiple Korrelationen in Prozent)

Emanzipatorisches Thema Religions-Auffassungen
Gleichberechtigung Homo- und Bisexueller, einschließlich Heirats- und Adoptionsrecht 7,7% *
Einsatz für Flüchtlinge - Beendigung der Abschottungspolitik 2,3%
Gleichberechtigung der Geschlechter, Überwindung patriarchalischer Strukturen 0,8%
Gesellschaftliche Emanzipation von Transgender und drittem Geschlecht (Intersexualität) 3,8%*
Friedliche Konfliktlösung - Beendigung von Kriegen 1,5%
Beendigung der Ausbeutung der dritten Welt 0,9%
Soziale Gerechtigkeit 1,3%
Umweltschutz 1,3%
Beendigung der Tierausbeutung 0,3%
Chancengleichheit für Menschen mit Behinderungen und Erkrankungen 1,1%
Überwindung von Rassismus und Antisemitismus 1,1%
Friedlicher Dialog der verschiedenen Weltanschauungen und Religionen 4,8%*
Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus stoppen 4,9%*

* = signifikant auf dem 5%-Niveau

 

Die Befunde lassen sich folgendermaßen interpretieren:

- Unterschiede in den religionsbezogenen Überzeugungssysteme gehen tatsächlich einher mit statistisch signifikanten Unterschieden in der Zustimmungsrate zu vier emanzipatorischen Thematiken (Gleichberechtigung Homo- und Bisexueller, einschließlich Heirats- und Adoptionsrecht, Gesellschaftliche Emanzipation von Transgender und drittem Geschlecht (Intersexualität), Friedlicher Dialog der verschiedenen Weltanschauungen und Religionen, Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus stoppen) Demgegenüber unterscheiden sich Veganer aber nicht, ganz egal, welche religionsbezogenen Auffassungen sie haben,  in ihren Einstellungen zu neun emanzipatorischen Thematiken zeigen (Einsatz für Flüchtlinge - Beendigung der Abschottungspolitik, Gleichberechtigung der Geschlechter, Überwindung patriarchalischer Strukturen, Friedliche Konfliktlösung - Beendigung von Kriegen, Beendigung der Ausbeutung der dritten Welt, Soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz, Beendigung der Tierausbeutung, Chancengleichheit für Menschen mit Behinderungen und Erkrankungen, Überwindung von Rassismus und Antisemitismus). Diese Ergebnisse begründen sich u.a. auch damit, dass es bei vielen der emanzipatorischen Themen so hohe Zustimmungsraten gibt, dass praktisch kaum noch Unterschiedlichkeiten bestehen, die mit unterschiedlichen religionsbezogenen Auffassungen korreliert werden können. Dies ist aber kein Artefakt, sondern ein wichtiges inhaltliches Ergebnis, welches impliziert, dass bei einem Großteil der hier abgefragten emanzipatorischen Thematiken verschiedene Veganer nahezu immer  die gleiche Meinung vertreten - und zwar unabhängig davon, was sie von Religionen oder religionsbezogenen Auffassungen halten.

- Auch die signifikanten Zusammenhänge sind inhaltlich nur sehr schwach, wobei sich durch sie lediglich maximal 7,8% bis minimal 3,8% der Unterschiede in der Zustimmungsrate zu den betreffenden gesellschaftlichen Thematiken aufgrund von Unterschieden in Auffassungen zu allen religionsbezogenen Auffassungen zusammen erklären lassen. Dies verdeutlicht erneut den äußerst begrenzten Einfluss, den religionsbezogene Auffassungen bei Veganern offenbar maximal auf ihre politischen Ansichten ausüben können. Auf keinen Fall sind derartige Zusammenhänge jedenfalls nach den hiesigen Befunden so stark ausgeprägt, dass sie in einem Einzelfall allein aufgrund der Kenntnis der religionsbezogenen Auffassung mit auch nur annähernder Sicherheit einen Schluss auf die politischen Einstellungen eines Betreffenden zu den dargestellten 13 emanzipatorischen Thematiken zulassen würden.

- Ob dies hier gefundenen Beziehungen zwischen religionsbezogenen Auffassungen und politischen Einstellungen ursächlich sind, kann im Rahmen einer Umfrage nicht geklärt werden. Es ist also unklar, ob Unterschiede in religiösen Auffassungen Unterschiede in politischen Denkweisen erzeugen. Es könnte auch umgekehrt sein oder  - was plausibler wäre - es könnten unbekannte andere Faktoren als Ursachen fungieren. Sollte es aber tatsächlich kausale (ursächliche)  Beziehungen zwischen religionsbezogenen Überzeugungssystemen und Einstellungen zu politischen Einstellungen bei Veganern geben, können diese offenbar nur schwach ausgeprägt sein und insofern nur eine sehr begrenzte Rolle spielen.

Es lässt sich nun ebenfalls für die insgesamt signifikanten Zusammenhänge prüfen, welche religionsbezogenen Auffassungen spezifisch (statistisch) zu einer Verringerung oder Erhöhung des Zustimmungsgrades bei einzelnen politischen Einstellungen führen. Auch diese Ergebnisse sind aufgrund der Sachlage, dass der Gesamtzusammenhang bereits sehr gering ist (siehe Tabelle 7), von dem diese wiederum lediglich einen Teil bilden,  aufgrund ihrer ausgesprochen geringen Stärke nur sehr vorsichtig zu interpretieren.

Dennoch lassen sich diese Befunde folgendermaßen zusammenfassen:

- Das Bekenntnis zu christlicher Religiosität geht einher mit einer  (geringgradig) geringeren Zustimmung zur vollen Gleichberechtigung Homo- und Bisexueller, einer (geringgradig) geringeren Zustimmung zur gesellschaftlichen Emanzipation von Transgender-Personen und Intersexuellen und, einer (geringgradig) geringen Zustimmung zur Bekämpfung von Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus.

- Eine agnostische Auffassung geht einher mit einer (geringgradig)  erhöhten Zustimmung zur vollen Gleichberechtigung Homo- und Bisexueller und einer ebenfalls (geringgradig) erhöhten Zustimmung zur gesellschaftlichen Emanzipation von Transgender-Personen und Intersexuellen.

- Eine atheistische Auffassung geht einher mit einer (geringgradig) erhöhten Zustimmung zur vollen Gleichberechtigung Homo- und Bisexueller und einer (geringgradig)  erniedrigten Zustimmung (borderline signifikant, p= 0,54) zum friedlichen Dialog zwischen allen Religionen.

- Ein Bekenntnis zu Spiritualität geht einher mit einer (geringgradig) erhöhten Zustimmung zum friedlichen Dialog zwischen allen Religionen.

-  Ein Bekenntnis zur Esoterik geht einher mit einer (geringgradig) geringeren Zustimmung zur Bekämpfung von Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus.

Die inhaltlichen Zusammenhänge scheinen durchaus weitgehend plausibel. Demnach wäre aus emanzipatorische Sichtweise das Bekenntnis zur christlichen Religion als am kritischsten zu bewerten und eine agnostische Auffassung erschiene als insgesamt am progressivsten. Keine kritischen Auswirkungen sind von Spiritualität zu erkennen, während Esoterik aber mit einer geringeren Zustimmung zur Bekämpfung von Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus einhergeht. Bei der Interpretation ist zu berücksichtigen, dass nur sehr wenige der insgesamt möglichen Zusammenhänge zwischen den 13 emanzipatorischen Themen und den religionsbezogenen Auffassungen Signifikanz erreichten und dass, wie bereits mehrfach ausgeführt, alle Zusammenhänge nur sehr niedrig sind. Was tatsächlich bei weitem überwiegt, ist nicht die Unterschiedlichkeit, sondern die Übereinstimmung von Veganern in politisch-emanzipatorischen Denkweisen völlig unabhängig von ihren religionsbezogenen Auffassungen.

Wahlpräferenzen und religionsbezogene Auffassungen

Zeigen sich bei Veganern unterschiedliche politische Wahlpräferenzen in Abhängigkeit von ihren religionsbezogenen Auffassungen? Tabelle 7 zeigt die hierfür relevanten Daten:

 

Tabelle 7: Wahlverhalten und religionsbezogene Auffassung (in Prozent)

Partei Wahlprozente
Ath Agn Spir Chr Ju Bud Isl Eso Hind
SPD 0.9% 1.4% 0.3% 3.2% 0.0% 0.0% 0.0% 0.0% 0.0%
Bündnis90/ dieGrünen 29.6% 31.3% 34.0% 38.7% 30.0% 39.2% 22.2% 29.6% 25.0%
CDU/CSU 0.9% 1.4% 0.3% 5.7% 0.0% 0.6% 11.1% 1.7% 3.9%
die Linke 32.5% 29.1% 20.4% 13.7% 20.0% 22.7% 33.3% 19.0% 21.2%
FDP 3.2% 1.8% 0.7% 0.0% 20.0% 1.1% 0.0% 0.0% 1.9%
AfD 0.6% 2.2% 3.1% 4.0% 0.0% 3.3% 0.0% 6.6% 3.9%
Keine davon 32.5% 32.7% 41.2% 34.7% 20.0% 33.2% 33.3% 43.0% 44.2%

Ath = Atheismus, Agn = Agnostizismus, Spir = Spiritualität, Chr = Christentum, Ju = Judentum, Bud =Buddhismus, Isl = Islam, Eso = Esoterik, Hind = Hinduismus

 

Bei rein visueller Inspektion der Einträge in Tabelle 7 fällt sogleich auf, dass bei allen religionsbezogenen Auffassungen hohe Werte in den drei Wahlkategorien Keine davon, Bündnis90/ die Grünen und die Linke erkennbar werden. Dies scheint eine Gemeinsamkeit zu sein, die trotz aller Unterschiede in den religionsbezogenen Auffassungen zum Tragen kommt. Weitere Gemeinsamkeiten sind, dass die sogenannten Volksparteien SPD und CDU/CSU vergleichsweise bei allen religionsbezogenen Auffassungen nur sehr geringe Wahlprozente erhalten. Gleiches gilt für die FDP und die AfD.

Ebenfalls ergeben sich bei visueller Inspektion der Daten aber Hinweise auf mögliche Unterschiede, so scheinen Bekenntnisse zu Christentum und Islam eher mit eher erhöhten Wahlwerten für CDU/CSU und spezifisch das Bekenntnis zum Christentum mit einem eher geringen Wahlwert für die Linke zusammen zu hängen. Beim Bekenntnis zur jüdischen Religion fallen erhöhte Wahlwerte für die FDP auf und ein Bekenntnis zu esoterischen Auffassungen scheint mit einem erhöhten Wahlwert für die AfD einherzugehen.

Zunächst ist aber zu klären, inwiefern es sich hier um Zufallsschwankungen oder tatsächlich signifikante Zusammenhänge handelt, wobei bei Judentum und Islam die Fallanzahl so gering ist, dass die Ergebnisse sowieso nur eingeschränkt interpretierbar sind. Zur Klärung der statistischen Signifikanz wurden Regressionsanalysen gerechnet, wobei für jede Wahlpräferenz untersucht wurde, inwiefern diese durch die religionsbezogenen Auffassungen insgesamt signifikant in einem statistischen Sinne vorhergesagt werden kann.

Tabelle 8 zeigt die Prozentsätze der Unterschiedlichkeit innerhalb der einzelnen Wahlentscheidungen, die (statistisch) durch Unterschiede in den religionsbezogenen Überzeugungssystemen erklärt werden können (erneut abgeleitet  aus den quadrierten multiple Korrelationen). Mit einem Stern markierte Werte sind auf dem 5 Prozent Niveau signifikant, lassen sich also schwerlich mit Zufallsschwankungen in den Daten erklären:

 

Tabelle 8: Prozentualer statistischer Einfluss religionsbezogener Auffassungen auf die Wahlentscheidungen

Emanzipatorisches Thema Religions-Auffassungen
SPD 1,5%
CDU/CSU 9,1%*
Bündnis90/ die Grünen 2,4%
die Linke 5,0%*
FDP 6,5%*
AfD 4,9%*
Keine davon 2,5%

* = signifikant auf dem 5 Prozent-Niveau

 

Gemäß der aus Tabelle 8 ersichtlichen Ergebnisse gibt es signifikante Zusammenhänge zwischen den religionsbezogenen Auffassungen und der Häufigkeit einer Wahlentscheidung für CDU/CSU, FDP, die Linke und AfD. Die Stärke dieser Zusammenhänge ist jedoch eher gering bis sehr gering. Der statistische Erklärungsgrad der religionsbezogenen Auffassungen schwankt je nach Wahloption zwischen maximal 9,1% (CDU/CSU) bis lediglich 4,9% (AfD).  Die allergrößte Anteil der Unterschiede im Wahlverhalten von Veganern hängt insofern sicherlich nicht mit ihren religionsbezogenen Auffassungen zusammen.

Es lässt nun für die insgesamt signifikanten Zusammenhänge prüfen, welche religionsbezogenen Auffassungen spezifisch (statistisch) zu einer häufigeren oder selteneren spezifischen Wahlentscheidung führen. Erneut sind diese Ergebnisse aufgrund der Sachlage, dass die Gesamtzusammenhänge bereits sehr gering sind (siehe Tabelle 8), von denen diese wiederum lediglich einen Teil bilden,  aufgrund ihrer ausgesprochen geringen Stärke nur sehr vorsichtig zu interpretieren. Dennoch lassen sich diese Befunde folgendermaßen zusammenfassen:

- Ein Bekenntnis zum Christentum geht einher mit der häufigeren Wahl der CDU/CSU und der selteneren Wahl von die Linke.

- Eine atheistische Auffassung geht mit einer häufigeren Wahl der FDP einher

- Ein Bekenntnis zur jüdischen Religiosität geht mit einer häufigeren Wahl der FDP einher

- Ein Bekenntnis zum Islam geht mit einer häufigeren Wahl der CDU/CSU und einer geringeren Wahl der FDP einher

- Spiritualität geht mit einer selteneren Wahl von CDU/CSU einher

- Esoterik geht mit einer häufigeren Wahl der AfD einher

Diese Ergebnisse würden implizieren, dass Bekenntnisse zu Christentum und Islam (sehr geringe Fallanzahl) Zusammenhänge zur Wahl einer konservativen (nicht-emanzipatorischen) Partei aufweisen, Spiritualität damit eher unvereinbar ist, Atheismus und Bekenntnis zur jüdischen Religion (sehr geringe Fallanzahl!) eine Affinität zur FDP aufweisen (die mit einem gleichzeitigen Bekenntnis zu emanzipatorischen Bürgerrechten und nicht-emanzipatorischem Neoliberalismus komplex ist) und Esoterik mit einer verstärkten Wahl der rechtspopulistisch-rechtsradikalen und anti-emanzipatorischen AfD einhergeht.

Natürlich ist hier wiederum vor jeder Pauschalisierung strikt zu warnen, schließlich wählen mehr als 97% derjenigen, die der Esoterik anhängen, nicht die AfD und auch die Wahlrate der CDU/CSU bei den Christen beträgt lediglich etwas über 13%. In Anbetracht der geringen Stärke der sichtbar werdenden Zusammenhänge und des starken Überwiegens der Gemeinsamkeiten zwischen den befragten Veganern in ihrem Wahlverhalten verbietet sich jede generalisierende und pauschalisierende Interpretation.

 

Robustheit der Ergebnisse

Die hier dargestellten Ergebnisse bleiben auch bei Berücksichtigung von Faktoren, wie Geschlecht, Alter und Bildungsstand der Befragten nahezu identisch, interpretatorische Auswirkungen ergeben sich auf die oben dargestellte Befunde nicht.

Folgende Ergebnisse ergaben sich zu Zusammenhängen zwischen Alter, Geschlecht und Bildungsstand mit religionsbezogenen Auffassungen und emanzipatorischen Themen im Einzelnen (in Klammern die Korrelationen, es werden nur die statistisch auf dem 5% Niveau signifikanten Einzel-Ergebnisse genannt):

- Wachsendes Alter geht statistisch signifikant einher mit häufigerem Bekenntnis zu Christentum (,306), Spiritualität (r=,279), Esoterik (r=,251), Buddhismus (r=,210) und Hinduismus (r=,128). Abnehmendes Alter geht signifikant häufiger einher mit Zustimmung zu Atheismus (r=,236) und Agnostizismus (r=,101).

- Männliche Geschlecht geht einher mit häufigerer Zustimmung zu Atheismus (r=,185), das weibliche Geschlecht geht einher mit häufigerer Zustimmung zu Spiritualität (r=185), Esoterik (r=,098), Christentum (r=,092) und Buddhismus (r=,093).

- Wachsender Bildungsstand geht einher mit häufigerer Zustimmung zum Atheismus (r=,112). Abnehmender Bildungsstand geht einher mit häufigeren Zustimmungen zu Esoterik (r=,173), Spiritualität (r=,159) und Buddhismus (r=,079).

 

Erkennbar wird vereinfacht, dass mit dem Alter die Zustimmung zu religiös-spirituellen und esoterischen Konstrukten eher zunimmt, während sie mit wachsendem Bildungsstand eher abnimmt. Frauen stimmen demnach eher religiös-spirituellen und esoterischen Ausrichtungen zu als Männer. Alle Zusammenhänge sind aber maximal gering-moderat, in ihrer Mehrheit gering oder sogar extrem gering.

Während sich zwischen religionsbezogenen Auffassungen und den sozio-demografischen Variablen Alter, Geschlecht und Bildungsstand noch (eher geringgradige) Zusammenhänge aufweisen lassen, bleiben die Einstellungen zu den emanzipatorischen Themen hiervon aber nahezu unberührt. Es ergeben sich hier lediglich folgende sehr geringe Zusammenhänge:

- Mit sinkendem Alter nimmt die Zustimmung zur Gleichberechtigung Homo- und Bisexueller (r=,113) und zur Emanzipation von Transgender-Personen und Intersexuellen (r=,094) minimal zu. Mit wachsendem Alter nimmt die Zustimmung zu friedlicher Dialog der verschiedenen Weltanschauungen und Religionen ( r=,154), Chancengleichheit für Behinderte (r=,115), Umweltschutz (r=,077) und friedliche Konfliktlösung (r=,76) minimal zu.

- Frauen stimmen der Chancengleichheit für Behinderte (r=,101) minimal häufiger zu als Männer.

- Abnehmender Bildungsstand geht mit einer minimal häufigeren Zustimmung zu friedlicher Dialog der verschiedenen Weltanschauungen und Religionen (r=,119) einher.

Während sich bezüglich der Zusammenhänge zwischen Geschlecht, Bildungsstand und Alter zu den religionsbezogenen Auffassungen noch signifikante sehr geringe bis maximal gering-moderate Zusammenhänge aufweisen lassen, sind die meisten Zusammenhänge zwischen Alter, Geschlecht und Bildungsstand zu den politischen Einstellungen (emanzipatorischen Themen) nicht-signifikant oder äußerst gering. Statistische Einflüsse von Alter, Geschlecht und Bildungsstand auf die religionsbezogenen Auffassungen spiegeln sich also nicht oder nur in äußerst geringem Ausmaß in Einflüssen auf die politischen Einstellungen wider. Entsprechend führte eine statistische Kontrolle von Alter, Geschlecht und Bildungsstand auch zu keinen substantiellen Veränderungen der oben dargestellten Hauptergebnisse. Dies unterstützt wiederum die Schlussfolgerung, dass Veganer eine hohe Grundübereinstimmung in ihren politischen Auffassungen aufweisen, die durch Unterschiede in religionsbezogenen Auffassungen und eben auch in Alter, Geschlecht und Bildungsstand kaum affiziert wird. Die hier dargestellten Ergebnisse und Schlussfolgerungen sind insofern gegenüber möglichen Auswirkungen von Geschlecht, Bildungsstand und Alter robust.

 

Frage der Repräsentativität

Es gibt keine Untersuchung, die für sich beanspruchen oder gar belegen könnte, eine repräsentative vegane Stichprobe untersucht zu haben. Dies gilt auch für alle in wissenschaftlichen Fachjournalen veröffentlichten Studien. Grund ist, dass der Anteil an vegan lebenden Menschen mit < 1% an der Gesamtbevölkerung nach wie vor so klein ist, dass es nicht mit vertretbarem finanziellen Aufwand möglich wäre, eine für Veganer repräsentative Stichprobe ausreichender Anzahl aus einer  repräsentativen Gesamtbevölkerungsstichprobe zu gewinnen.

Die Sachlage, dass die Ergebnisse ausgesprochen eindeutig sind und auch Faktoren des Geschlechts, Alters und Bildungsstandes keinen wesentlichen Einfluss auf die Hauptergebnisse ausüben, spricht dafür, dass die hier erhobenen Befunde zwar nicht im stringenten Sinne repräsentativ für alle Veganer sind, aber doch eine hohe Aussagekraft haben und sich vermutlich auch bei einer repräsentativen Veganer-Stichprobe nicht grundsätzlich verändern würden. Hierfür spricht ebenfalls , dass ein erheblicher Anteil der Leser und Leserinnen von vegan.eu über allgemeine Suchbegriffe, wie vegan, auf die Seite kommt, was nicht auf eine systematische Verzerrung hinweist.

 

Gesamt-Interpretation

Hauptergebnis dieser weiterlaufenden Umfrage ist bisher, dass eine große Mehrheit der befragten vegan lebenden Personen sich positiv zu 13 emanzipatorischen Themen artikulierte. Die Befunde legen nahe, dass die generalisierte Zustimmung zu diesen (und sicherlich auch anderen) emanzipatorischen Themen ein wesentliches Merkmal der vegane Lebensweise ist.

Spezifisch zeigten die Umfrageergebnisse, dass Veganer in überwältigender Mehrheit einstehen für die vollständige Gleichberechtigung Homo- und Bisexueller (einschließlich Ehe- und Adoptionsrecht), die gesellschaftliche Emanzipation und vollständige Gleichberechtigung von Transgender-Personen und Intersexuellen, den Schutz von Flüchtlingen, einschließlich des Ausstiegs aus der gegenwärtigen Abschottungspolitik, die Beendigung der andauernden Ausbeutung der dritten Welt, die Überwindung von Rassismus und Antisemitismus, soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz, die Überwindung der Tierausbeutung, friedliche Konfliktlösung und die Beendigung von Kriegen, den friedlichen Dialog zwischen unterschiedlichen Weltanschauungen und Religionen, die Herstellung von Chancengleichheit für Menschen mit Behinderungen und Handicaps, sowie den Kampf gegen Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus.

Vegan lebende Menschen sind damit  im Regelfall das Gegenteil von menschenfeindlich. Sie folgen gerade nicht einer Logik „Hauptsache für die Tiere, egal, wie es Menschen geht“. Diese empirischen Befunde stimmen überein mit dem grundsätzlichen Ziel des Veganismus, Leid zu mindern, weshalb der Veganismus mit allen Vorstellungen, Ideologien und Praktiken unvereinbar ist, die Leid über Menschen oder Tiere bringen. Leid erzeugt es aber, wenn Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, eines Handicaps  oder ihrer Herkunft ausgegrenzt werden. Leid erzeugen ebenfalls die Ausbeutung der dritten Welt, soziale Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung. Leid erzeugen Kriege und Konflikte und Leid erzeugen Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus, indem sie für die Ausgrenzung von Menschen eintreten. Weil vegan lebende Menschen  nicht für die Erzeugung von Leid, sondern für dessen Minderung und soweit als mögliche Beseitigung eintreten, wollen sie beides überwinden: Menschen- und Tierausbeutung.

Mit den Einstellungen der befragten Veganer zu den emanzipatorischen Themen konform gehen die Befunde zum politischen Wahlverhalten: Die rechtspopulistische Partei AfD gelangt auf unter 2%, was im sehr starken Kontrast zu ihren allgemeinen Umfrageergebnissen in der Allgemeinbevölkerung steht. Ebenso abgeschlagen landet die konservativ, nicht-emanzipatorische Positionen vertretene CDU/CSU weit unter der 5% Hürde. Die SPD, die gemeinsam mit der CDU/CSU beispielsweise die Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen betreibt, hat bei Veganern offenbar ebenfalls keine Chance. Gleiches gilt für die FDP, die zwar grundsätzlich für Bürgerrechte eintritt, aber dies in der Vergangenheit in der Praxis nur unzureichend zeigte und zudem ebenfalls marktliberale Positionen vertritt, die sozialer Gerechtigkeit und der Beendigung der Ausbeutung der dritten Welt entgegenstehen. Stattdessen wählen Veganer vorwiegend Bündnis90/die Grünen oder die Linke oder aber sie geben keiner der genannten Parteien ihre Stimme.

Ein weiterer Hauptbefund der Umfrage ist, dass vegan lebende Menschen sich zwar im Hinblick auf politische Einstellungen und Forderungen weitgehend einig sind, aber von Veganern unterschiedliche Auffassungen zu religionsbezogenen Themen vertreten werden. Neben dezidierten Religionskritikern, Atheisten und Agnostikern gibt es ebenfalls sehr viele Veganer, die sich zu einzelnen oder mehreren Religionen, Spiritualität oder Esoterik hingezogen fühlen. Grob lassen sich die befragten Veganer in zwei ungefähr gleichstarke Gruppen mit oder ohne Zustimmung zu religiös-spirituellen oder esoterischen Gedankengut einteilen.

Diese doch erheblichen Unterschiede bezüglich religionsbezogener Auffassungen gehen nur in sehr geringem Ausmaß mit Unterschieden in politischen Positionen bezüglich der erfragten emanzipatorischen Themen und auch bezüglich des erfragten parteipolitischen Wahlverhaltens einher. Dies bedeutet: Egal, ob eine vegan lebende Person Atheistin, Agnostikerin, Buddhistin, Christin, Jüdin, Muslimin oder spirituell oder esoterisch interessiert ist, mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sie für politisch emanzipatorische Positionen eintreten und mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sie ihre Stimme keinen konservativen, rechtspopulistischen oder rechtsradikalen Parteien geben.

Zwar gibt es auch statistisch signifikante Auswirkungen der religionsbezogenen Auffassungen auf die politischen Einstellungen und das Wahlverhalten, diese sind aber von derartig niedriger Stärke, dass sie bei der Beurteilung einer einzelnen Person keine Rolle spielen können. Mit anderen Worten: Wenn die religionsbezogene Auffassung einer vegan lebenden Person bekannt ist, lässt sich daraus nicht mit einer auch nur halbwegs angemessen erscheinenden Wahrscheinlichkeit darauf schließen, dass sie gegebenenfalls anti-emanzipatorische, rechtspopulistische oder rechtsradikale politische Positionen vertreten würde.

So wirkt sich statistisch nach den hier ausgewerteten ein Bekenntnis zum Christentum negativ auf die Zustimmung zur Gleichberechtigung Homo- und Bisexueller, Transgender-Personen und Intersexueller und die Bekämpfung von Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus aus. Außerdem geht ein christliches Bekenntnis mit einer stärkeren Wahl der nicht-emanzipatorischen/anti-emanzipatorischen CDU/CSU einher. Ein Bekenntnis zur Esoterik wirkt sich demnach negativ auf die Bekämpfung von Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus aus und geht mit einer häufigeren Wahl der AfD einher. Dies sollte und darf aber nicht den Blick darauf verstellen, dass die überwältigende Mehrheit auch der christlichen und esoterischen Veganer sich klar für die Bekämpfung von Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus ausspricht und dass die überwältigende Mehrheit der esoterischen Veganer eben nicht die AfD wählen. Ebenso tritt die überwältigende Mehrheit der christlichen Veganer für die volle Gleichberechtigung Homo- und Bisexueller, Transgender und Intersexueller ein.

Den rechtsradikalen, vegan lebenden Esoteriker gibt es - das lässt sich auch aus den Daten erkennen -  er stellt aber nach den hier erhobenen und ausgewerteten Befunde eine sehr kleine Minderheit innerhalb der Veganer insgesamt wie auch innerhalb der esoterischen Veganer dar. Das typische Verhalten für vegan lebende Menschen im Allgemeinen wie auch für vegan lebende Menschen, die esoterischen Ideen anhängen, ist es demgegenüber, sich beispielsweise für den Schutz von Flüchtlingen und die Bekämpfung des Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus einzusetzen. Gleiches gilt analog für alle anderen religionsbezogenen Auffassungen.

Wachsamkeit gegenüber rechtspopulistischen, rechtsradikalen, homophoben, fremdenfeindlichen, rassistischen und anderen anti-emanzipatorischen Einstellungen innerhalb der  veganen Community ist angesagt, weil es auch unter vegan lebenden Menschen anti-emanzipatorische Überzeugungen und Fehlannahmen gibt und es ebenfalls fraglos Versuche gibt, die vegane Community rechtspopulistisch und rechtsradikal zu infiltrieren.  Dies bedeutet aber nicht, dass vegan lebende Menschen für solche menschenfeindlichen Konzepte besonders anfällig wären, sondern die Umfrage zeigt, dass das Gegenteil der Fall ist:

Was als die große Mehrheit der befragten Veganer verbindendes Element in der Umfrage zu Tage tritt, ist gerade das Eintreten für emanzipatorische Themen und die daraus ersichtlich werdende Solidarität mit allen, die von Ausgrenzung und Diskriminierung betroffen sind.

Die große Solidarität der befragten vegan lebenden Menschen mit allen, die ausgegrenzt und unterdrückt werden, ist  das  hervorstechende Ergebnis dieser Umfrage und offenbar maßgeblicher Teil des Selbstbildes der veganen Community. Mit Menschenfeindlichkeit ist dies nicht vereinbar.

Anmerkung: Artikel wurde am 21.06.2016 in der Darstellung der Reihenfolge der Ergebniseteile verändert.

Verfasser: Guido F. Gebauer schreibt regelmäßig für vegan.eu und arbeitet für die psychologische Kennenlern-Plattform www.Gleichklang.de. Hintergrund des Verfassers: Studium der Psychologie an den Universitäten Trier, Humboldt Universität zu Berlin und University of Cambridge (Großbritannien), Promotion zu den Zusammenhängen zwischen implizitem Lernen und Intelligenz an der University of Cambridge

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