Tauben: Wie widerlegte Mythen den Ruf einer ganzen Tierart ruinieren

Tauben: Wie widerlegte Mythen den Ruf einer ganzen Tierart ruinieren

Es gibt in unseren Städten keine Taubenüberpopulation. Tauben stellen für den Menschen kein größeres Gesundheitsrisiko dar als Amseln, Drosseln oder Stare. Selbst wer Tauben hält, lebt nicht gefährdeter als Hundehalter. Gebäudeerosion durch Tauben ist ein verschwindender Anteil an der Gesamterosion, die in Wirklichkeit menschenverursacht ist. Gesund gefütterte Stadttauben, denen artgerechte Wohnmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden, führen zu viel weniger "Verschmutzung" als Tauben, die mangels Fütterung und Wohnmöglichkeiten ungesund leben müssen.

Trotz all dieser Fakten behält die Taube ihren schlechten Ruf, offenbar weil sie als Sündebock für die Sünden anderer herhalten soll, von denen sich so herrlich leicht ablenken lässt. Selbst der NABU tut für die Tauben wenig, gewährte ihn in den all den Jahren nicht ein einziges Mal den "Status des Vogel des Jahres".

Solche und weitere Sachverhalte werden in diesem im Vergleich aus der üblichen negativ-hysterisierenden Berichterstattung hervorstechenden Artikel des Tagesspiegel nachlesbar.

Manko des Artikel bleibt, dass er hätte konsequenterweise die Frage hätte aufwerfen können, ob überhaußt Maßnahmen zur Begrenzung der Taubenpopulation notwendig sind, zumal bei uns in Deutschland ein Vielfaches weniger Tauben in den Städten leben als anderswo. In Wirklichkeit gibt es keinerlei fachwissenschaftlich begründbare Argumente für eine objektive Überpopulation der Stadttauben irgendwo in Deutschland.

Statt dieser Frage nachzugehen, plädiert der Artikel für die Ersetzung von Eiern durch Gipseiern in Taubenhäusern, was fraglos eine bei weitem weniger Lied erzeugende Maßnahme ist als die nach wie vor stattfindenden Vernichtungsaktionen. Dies gilt umso mehr, als dass in den offenen Taubenhäusern gesundes Futter gegeben wird, die Tauben dort nach eigener Wahl einziehen und die Eier unmittelbar nach der Ablage ausgetauscht werden, und nicht erst, wenn bereits ein zum Schlüpfen bereites Küken sich entwickelt hat.Aus Sicht der Tiere ist es insofern sicherlich vorzuziehen, wenn die einzige menschlich begrenzende Maßnahme ein Gelegeaustausch ist und dafür den Tauben die Möglichkeit gegeben wird, ihr Leben ohne Anfeindungen, Vernichtungsaktionen undmit gesunder Nahrung zu führen.

Dem Autor Sebastian Leber gebührt, auch wenn seine Vorurteile in Frage stellende Betrachtungsweise nicht ganz konsequent zu Ende gedacht ist, gerade auch im Vergleich zu sonstigen Medienberichten großes Lob. Es ist selten, dass unsere Medien ähnlich informiert und objektiv über Stadttauben berichten.

Fast in allen Städten werden Stadttauben verfolgt und verpönt. An diesem Verhalten zeigt sich, dass in unserer Gesellschaft der Mensch noch nicht verstanden hat, dass nicht nur er, sondern auch Tiere Rechte auf Leben, Ernährung, Wohnplätze und freie Bewegungsmöglichkeiten haben. Anstatt sich zu freuen, dass wenigstens einige Tiere mit uns in unseren Städten leben können, wollen wir die Tiere loswerden, die sich mit uns heimisch fühlen.

Gerade Veganer und Veganerinnen sind aufgerufen, sich mehr als bisher auch für die Stadttauben zu engagieren. Wer sich dafür interessiert, wie Tauben geholfen und ihr Ruf verbessert werden kann, der findet beispielsweise beim Gnadenhof für Stadttauben in Frankfurt weitere Informationen und kompetente Ansprechpartner.

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