Studie zeigt, warum rechtsgerichtete Ideologie zu Tierausbeutung führt

Studie zeigt, warum rechtsgerichtete Ideologie zu Tierausbeutung führt

Wieso stehen Anhänger rechtsgerichteter Ideologien auf Seiten der Tierausbeutung und essen besonders viel Fleisch? Mit dieser Fragestellung setztsich ein im psychologischen Fachjournal „Personality and Individual Differences“ veröffentlichter aktueller Artikel auseinander. Der Titel des Artikels lautet "Why do right-wing adherents engage in more animal exploitation and meat consumption?". Der Artikel gelangt zu interessanten Antworten, aus denen sich eine hohe Handlungsrelevanz für die vegane Community ergibt.

Hintergrund

Die Studie verwendet als Maße für rechtsgerichtete Ideologie die zwei Hauptkomponenten rechtsgerichteten Ideologie, die die Persönlichkeitspsychologie identifizieren und durch zahlreiche Studien validieren konnte:

- Rechtsgerichteter Autoritarismus (Right-Wing Authoritarianism) bezieht sich auf kulturellen Traditionalismus, die unkritische Unterwerfung unter Autoritäten und Aggressivität gegenüberdenjenigen, die diese Normen verletzen.

- Soziale Dominanzorientierung (Social Domiance Orientation) kennzeichnet sich durch die Beanspruchung von Überlegenheit für die Eigengruppe (z.B. angebliche Überlegenheit der eigenen Kultur etc.) und ein Plädoyer für soziale Ungleichheit.

Wissenschaftlich belegt ist, dass erhöhte Werte in diesen beiden Skalen rechtsgerichteter Ideologie mit vermehrten Tendenzen zu Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu anderen ethnischen Gruppen, Kulturen, Sprachen oder Religionen einhergehen. Ebenfalls steigen sexistische und homophobe Ausrichtungen mit wachsender Ausprägung in den beiden Skalen an. Wähler rechtsgerichteter Parteien weisen zudem typischerweise erhöhte Werte beim rechtsgerichteten Autoritarismus sowie in der sozialen Dominanzorientierung auf.

Die mit rechtsgerichteter Ideologie empirisch abgesicherten Diskriminierungstendenzen bleiben nicht auf den Menschen beschränkt, sondern generalisieren ebenfalls auf den Umgang zwischen Mensch und Tier:

Personen mit erhöhten Werten in rechtsgerichtetemAutoritarismus und in der sozialen Dominanzorientierung essen mehr Fleisch und legitimieren stärker die Tierausbeutung als dies Personen tun, die geringere Werte in diesen beiden psychischen Grunddimensionen rechtsgerichteter Ideologie aufweisen.

Je stärker jemand rechtsgerichtete Ideologien vertritt, desto eher tritt er für die Nutzung von Tieren für den menschlichen Konsum ein und desto weniger formuliert er Mitgefühl für die durch den Menschen gequälten anderen Kreaturen.

Dieser Befund konvergiert mit einer neuerlichen Umfrage von vegan.eu, in der sich zeigte, dass sich Veganer in ihrer überwältigenden Mehrheit von rechtsgerichteten politischen Ideologien distanzieren und sich stattdessen politisch auf der Gegenseite positionieren, also Traditionen und Autoritäten in Frage stellen und egalitäre Ansichten vertreten. Entsprechend ist der Anteil von Wählern rechtsgerichteter Parteien unter vegan lebenden Personen verschwindend gering. CDU/CSU, geschweige denn rechtspopulistische/rechtsradikale Parteien wie die AfD, haben bei Veganern keine Chance.

Kein Zufall sind auch die Ausfälle des neuen rechtsradikalen polnischen Ministerpräsidenten, der seine Warnung vor Kultur- und Rassenmischung mit einer Warnung vor vegetarischen Radfahrern verband. Vegetarier und Veganer sind natürliche Hassobjektie für Vertreter rechtsideologischer Ideologien.

Warum führt rechtsgerichtete Ideologie zu Tierausbeutung?

Die Studienautoren erfassten in zwei Studien bei jeweils mehreren hundert Studenten insbesondere ihre Werte inrechtsgerichtetemAutoritarismus und sozialer Dominanzorientierung, ihren Fleischkonsum, die Rechtfertigung von Tiernutzung für Konsum- und Medizinzwecke, die durch den Vegetarismus wahrgenommene subjektive Bedrohung der eigenen Lebensweise und Kultur, sowie denGlauben an die Überlegenheit des Menschen.

Im Ergebnis zeigte sich – wie erwartet und bereits vorher durch andere Studien aufgezeigt – dass sowohlrechtsgerichteterAutoritarismus als auch soziale Dominanzorientierung positiv mit Fleischkonsum und der Rechtfertigung der Tiernutzung korrelierten.

Dieser Zusammenhang wurde allerdings für beide Komponenten rechtsgerichteter Ideologie maßgeblich durch die wahrgenommene Bedrohung der eigenen carnivoren Kultur durch den Vegetarismus als kulturelles Gegenmodell vermittelt. Anhänger rechtsgerichteter Ideologie erleben also ihre Kultur als durch den Vegetarismus bedroht und reagieren mit einer verstärkten Rechtfertigung der Tierausbeutung wie auch mit erhöhtem Fleischkonsum.

Spezifisch der Zusammenhang zwischen sozialer Dominanzorientierung und der Rechtfertigung von Tierausbeutung unddem eigenen Fleischkonsum wird zusätzlich durch die Ansicht vermittelt, dass der Mensch dem Tier überlegen sei. Personen mit erhöhter sozialer Dominanzorientierung werten insofern den Menschen im Verhältnis zum Tier auf und reagieren mit einer verstärkten Rechtfertigung der Tierausbeutung wie auch wiederum mit erhöhtem eigenen Fleischkonsum.

Was sagt uns dies?

Rechtsgerichtete Ideologie kennzeichnet sich durch die unkritische Identifikation mit Autoritäten, die aggressive Abwertung/Abwehr von als nicht zur eigenen Kultur gehörig betrachteten Positionen und Personen, die Annahme der Überlegenheit der eigenen Kultur und das Streben nach sozialer Ungleichheit. Rechtsgerichtete Ideologie tritt dabei in allen Kulturen auf, wobei sie sich dann jeweils gegen die anderen Kulturen wendet.

Im Inneren tendiert rechtsgerichtete Ideologie dazu, Personen und Positionen, die mit der eigenen Ideologie nicht konform gehen, aus der Gesellschaft auszuschließen oder, wenn sie aus anderen Ländern kommen, möglichst gar nicht erst in die Gesellschaft hineinzulassen.

Im Äußeren kann rechtsgerichtete Ideologie Eroberungs- und Vernichtungskriege legitimieren, mag aber ebenfalls eine Welt der strikten Kulturtrennung propagieren, in der unterschiedliche Kulturen möglichst ohne Berührung nebeneinander existieren können. Das südafrikanische Apartheidsystem ist ein Beispiel hierfür, wobei aufgrund des eigenen Überlegenheitsanspruches der weißen Rassisten diese freilich sich selbst wesentliche bessere Lebensmöglichkeiten zusprachen als den Schwarzen, die sie in sogenannte Homelands ausgliedern wollten.

Da sich Vertreter rechtsgerichtete Ideologie aber grundsätzlich als bedroht durch andere Kulturen erleben und zudem von der eigenen Überlegenheit ausgehen, istdie Gefahr für gewaltsame Eskalationen immer hoch - um sich vor (vermeintlichen) Bedrohungen zu schützen oder/und um die eigene Überlegenheit zur Geltung zu bringen.

Gemeinsam ist den Vertretern rechtsgerichteter Ideologie eine Angst und Ablehnung gegenüber Neuem und Fremden - entsprechend ist die Persönlichkeitsdimension der Offenheit für neue Erfahrungen in Untersuchungen durchgängig negativ mit Konservatismus und rechtsgerichteter Ideologie korreliert.

Menschen, die die eigene Kultur für überlegen, andere Kulturen für eine Bedrohung und soziale Ungleichheit für ein positives Gut halten, werden ihre Einstellungen im Regelfall nicht auf das menschliche Miteinander beschränken. Vielmehr generalisieren die Orientierung an traditionellen Modellen und die eigenen Überlegenheitsgefühle unmittelbar auf den Umgang mit den Tieren.

Veganer, die den Umgang mit den Tieren grundlegend verändern und aus der Tierausbeutung aussteigen wollen, werden so von Anhängern rechtsgerichteter Ideologie sofort als Bedrohung für ihre Kultur erlebt, worauf sie mit aggressiven Abwehrhaltung reagieren. Die für die eigene Kultur beanspruchte Überlegenheit generalisiert dabei zwanglos auf die Annahme der Überlegenheit des Menschen gegenüber den Tieren, aus der wiederum die Legitimation für Tierausbeutung und Fleischkonsum gezogen wird.

Rechtsgerichtete Ideologie ist eng verbunden mit der Ausblendung von Empathie, exzessiver Egozentrik und formalistisch gerechtfertigter Grausamkeit. Diejenigen, die heute für eine Abschottung Europas gegenüber den Flüchtlingen und dem Leid in der Welt plädieren, sind die gleichen politischen Kräfte, die für die Aufrechterhaltung der Tierausbeutung und desFleischkonsums plädieren. In ihrer durch die rechtsgerichtete Ideologie und ihr paranoides Potential eingeengten Weltsicht, erachten sie alles als Bedrohung, was nicht ihrer eigenen unmittelbaren Lebenserfahrung und den von ihnen für sacrosankt erachteten Traditionen entspringt. Opfer ihrer durchaus bereits pathologienahen - wenn nicht bereits pathologischen - Weltsicht sind Menschen und Tiere, gegenüber denen sie sich als überlegen fühlen, ohne ihre Sichtweise rational zu überprüfen. Gleichzeitig immunisieren sie sich gegenüber Einstellungsänderungen, indem sie all diejenigen als Bedrohung definieren, die ihre Weltsicht in Frage stellen könnten, weshalb Veganer und Vegetarier in ihren Kreisen einen besonders schlechten Stand haben.

Veganismus und rechtsgerichtete Ideologie sind Gegenkonzepte, die miteinander nicht vereinbar sind. Der Veganismus hinterfragt die herrschende carnivore Ideologie und wendet sich - motiviert durch eine Perspektive der Leidminderung - gegen alle Unterdrückungssysteme. Rechtsgerichtete Ideologie will demgegenüber an tradierten kulturellen Vorstellungen, Stereotypen und Praktiken unbedingt festhalten, zu denen ebenfalls der Umgang mit Tieren und die Ernährung gehören.

Versuche rechtsgerichteter Kreise, die vegane Community, den Tierschutz bzw. die Tierrechtsbewegung zu unterwandern, sind vor diesem Hintergrund zum Scheitern verurteilt. Eine gemeinsame Basis ist nicht nur nicht existiert, sondern kann vor dem Hintergrund der Grundausrichtung des Veganismus auf die Niederreißung artifizieller Grenzen, an die sich Vertreter rechtsgerichteter Ideologie klammern, auch künftig nicht geschaffen werden.

Die aktuelle Gesellschaft begeht tiefgreifendes Unrecht gegen Menschen und Tiere und kann daher in dieser Form aus veganer Perspektive nicht bestehen bleiben. Eine vergangene Gesellschaft, in der kein Unrecht gegen Menschen und Tiere geschah, hat es nicht gegeben, so dass ein konservativer Rückgriff auf diese nicht möglich ist.

Eine signifikante Minderung und letztliche Überwindung von durch den Menschen verursachten vermeidbaren Tierleides kann nur bei einer globalen Perspektive erfolgen. Nur eine weltweite Vernetzung und Verbindung der veganen Bewegung und die Überwindung aller Nationen- und Kulturschranken kann dieser globalen Notwendigkeit gerecht werden. Gegen dieser weltweite Vernetzung und Sprengung der Grenzen wendet sich die rechtsgerichtete Ideologie, die entsprechend niemals in der Lage wäre, eine globale Idee, wie die des Veganismus, zu vertreten und kulturübergreifend zur Durchsetzung zu führen. Die durch Vertreter rechtsgerichteter Ideologie postulierte Abschottungspolitik dient nicht nur der Aufrechterhaltung von Krieg, Ausbeutung und Hunger in der menschlichen Gesellschaft (siehe Artikel hier), sondern ebenso der Aufrechterhaltung des unermesslichen Tierleides, welches alle gegenwärtigen menschlichen Gesellschaften praktizieren und zu verantworten haben.

Der veganen Community und allen, die sich um Tierschutz und Tierrechte bemühen, kann daher nur dringend geraten werden, sich konsequent von rechten Strebungen fernzuhalten und jede Assoziation der auf Mitmenschlichkeit, Solidarität und Emanzipation setzenden veganen Idee mit tier- und menschenverachtender rechter Ideologie zu vermeiden. Der gegenwärtige Aufstieg rechtspopulistischer und rechtsradikaler Gruppierungen und Parteien, wie der AfD, ist ebenso eine Bedrohung für das Leben von Menschen wie auch für die Tiere, die weiterhin Ausbeutung und unermesslichem Leid unterworfen werden würden, wenn sich rechtsgerichtete Ideologie machtpolitisch dauerhaft durchsetzen würde.

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