Garnelen-Fang mit Pferden: Wie Tiertötung zu wertvoller Tradition verklärt wird

Garnelen-Fang mit Pferden: Wie Tiertötung zu wertvoller Tradition verklärt wird

Schon mehrfach habe ich hier auf vegan.eu über Tradition und Heimat geschrieben.
Die Verbindung dieser Thematik mit dem Veganismus ergibt sich sehr direkt, wenn auch auf unschöne Art und Weise:

Wo immer wir hinschauen, finden wir in allen Kulturen und in allen Ländern Traditionen, deren Essenz aus Tierquälerei und Tiertötung besteht. Die Beteiligten reflektieren dies jedoch nicht, sondern erleben ihre Tradition als Ausdruck von Heimatverbundenheit, der sie aus sich selbst heraus einen besonderen Wert zuweisen, der wiederum unbegründet bleibt.

Ob Osterfest oder muslimisches Opferfest, Jagd oder Angeln, Stierkampf in Spanien, das massenhafte Töten von Klapperschlangen als Spektakel in den USA, Hundesfleischfestival in China, Fischertag von Memmingen in Deutschland:

All diesen Praktiken ist die Berufung auf Tradition und Heimat gemeinsam. All diesen Praktiken ist ebenfalls gemeinsam, dass sie eben deshalb von den Betieligten als legitim, wertvoll und schützenswert erlebt werden. Dies kann bis zum ehrenamtlichen Engagement für die Traditionspflege gehen.

Ich habe hier nur eine kleine Liste solcher Traditionen benannt. Tatsächlich könnten für jedes Land und jede Kultur unzählige weiterer vergleichbarer Traditionen benannt werden.

Der Grund für das universale Auftreten solcher Traditionen ist übrigens recht klar:
Tierausbeutung ist universal. Die gesamte Menschheitsgeschichte durchdrungen von der Ausbeutung, Nutzung und Tötung von Tieren. Dies gilt für alle Kontinente und alle Länder, selbst für Indien, wo mehr Vegetarier leben als irgendwo auf der Welt. Auch dort gehört die Ausbeutung von Tieren zur Tradition, an der sich nicht nur die fleischessenden Inder, sondern ebenfalls die milchtrinkenden Vegetarier beteiligen. Der Konsum von Milch wird traditionell religiös verklärt.

Tierausbeutung wird überall und seit jeher, aber regions- und landestypisch in unterschiedlicher Art und Weise, praktiziert. Hieraus entstehen die verschiedenen Traditionen. Weil die Tierausbeutung allgegenwärtig ist und wesentlichen menschlichen Grundbedürfnissen, wie Ernährung, Bekleidung und Unterhaltung dient, wird sie emotional positiv verarbeitet und mit dem Begriff der Heimat verknüpft.

Soeben habe ich ein Video über eine weitere solche Traditionen gesehen:

Garnelen-Fang mit Pferden im belgischen Ort Oostduinkerke – eine Tradition der Heimatpflege, die es bis auf die UNESCO-Liste des unberührbaren Erbes der Menschheit gebracht hat (List of the Intangible Cultural Heritage of Humanity).

Im Video höre ich, dass es sich hier um eine einzigartige Tradition handele, die vom Untergang bedroht gewesen und aber doch gerettet worden sei.

Es gehe um eine besondere Beziehung zwischen See, Mensch, Tier und Tätigkeit.
Diese wertvolle Heimatgeschichte gebe den Fischern stolz und führe zu einer hohen Verbundenheit der örtlichen Gemeinschaften.

Der Schutz dieser Tradition sei von immenser Wichtigkeit und hierfür werde daher intensive Öffentlichkeitsarbeit geleistet, so gebe es extra Klassen für Kinder, in denen diesen der Garnelen-Fang mit Pferden demonstriert werde.

Große Worte von Heimat und Tradition, was aber verbirgt sich konkret hinter ihnen?
Fischer benutzen Pferde, die sie schwere Netze durch das Wattenmeer ziehen lassen, in denen sich neben Garnelen auch unzählige weitere Meerestiere verfangen. Der Beifang wird unversehrt, verletzt oder bereits tot zurück ins Meer geschüttet. Die Garnelen werden aussortiert und zu großen Kochtöpfen gebracht, wobei die kiemenatmenden Tiere bei der Ankunft bereits erstickt sind. Sie werden nun in Salzwasser nach, wie es heißt - geheimen Rezepten gekocht, sodass sie besonders schmackhaft würden.

Das ist alles und es genügt, um die Praxis auf die Liste der schützenswerten Traditionen der Menschheit zu bringen. Dass dies genügt, zeigt wiederum, wie inwendig die menschlichen Gesellschaften mit der Tierausbeutung verbunden sind, die sie selbst zur Essenz ihres eigenen Wesens erklären. Entsprechend genügt diese Praxis, um Filme zu drehen, Touristen in den Ort zu bringen, Öffentlichkeitsarbeit zu unternehmen und Kinder für die Tradition zu begeistern. Es genügt, um Heimatstolz zu entwickeln und eine Verbundenheit der Gemeinschaften zu begründen.

Deutlich wird hier erneut der konservative Charakter der Tierausbeutung.

Dem konservativen Charakter der Tierausbeutung steht der revolutionäre Charakter des Veganismus gegenüber, der mit der global aufs engste mit der Menschheitsgeschichte und lokal mit der Heimatgeschichte verbundenen menschlichen Tradition der Tierausbeutung brechen will.

Aus veganer Perspektive ist es egal, ob es sich um das christliche Osterfests, das muslimische Opferfest, den spanischen Stierkampf oder das Garnelen-Fischen mit Pferden im belgischen Oostduinkerke handelt.

Genau dies unterscheidet vegan von heimatverbundenem Traditionalismus, der gelegentlich ebenfalls vorgibt, die Tiere schützen zu wollen, allerdings dabei jeweils nur die Traditionen der anderen und nicht die eigene Tradition meint.

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