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Vegan schützt die Umwelt

(Kommentare: 3)

Vegan schützt unsere Umwelt

Balter et al. (2012) beschäftigen sich mit den Auswirkungen der Ernährung auf unsere Umwelt. Sie gelangen zu dem Schluss, dass die Hinwendung zu einer pflanzenbasierten Ernährung einen entscheidenden Beitrag gegen die weltweite Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen unseres Planeten leisten könnte.

 

Die Nutztierhaltung ist gemäß mittlerweile weithin replizierter und anerkannter Analysen eine der Hauptursachen der weltweiten Umweltzerstörung. Balter et. al weisen u.a. auf folgende Sachverhalte und Befunde hin:

 

- Die Nutztierhaltung ist verantwortlich für 30% der weltweiten Landnutzung und sogar für 70% der Nutzung von Land für landwirtschaftliche Zwecke.

 

- Die Nutztierhaltung ist einer der größeren Ursachenfaktoren für die globale Erderwärmung. Sie trägt zu 18% zur Emission von Treibhausgasen bei und ist damit ein stärkerer Faktor als der Verkehr.

 

- Weltweit besteht eine zunehmende  Verknappung von Trinkwasser, wobei 64% der Weltbevölkerung bereits in Problemgebieten leben. Die Nutztierhaltung ist eine wesentliche Ursache für die Wasserverknappung. Sie verbraucht direkt 8% der globalen Wasserbedarfs, erschwert aber zusätzlich die Wiederauffüllung des Trinkwassers durch Bodenverdichtung, Entwaldung, Zerstörung der Ufer von Fließgewässern und Absenkung der Wasserspiegel.

 

- Die Artenvielfalt reduziert sich rapide. Die Nutztierhaltung bedroht die Biovielfalt vor allem durch die Besetzung von Naturland, wobei in Lateinamerika 70%  des abgeholzten Urwaldes als  Weidefläche benutzt wird.

 

- Für ein Kilogramm Fleischprotein werden 11 mal so viele fossile Energien verbraucht wie für ein Kilogramm Pflanzenprotein und 100 mal mehr Wasser. Für die gleiche Menge Fleischprotein werden in Vergleich zu Sojaprotein 6-17 mal mehr Land verbraucht.

 

- Die umweltprotektiven Auswirkungen einer pflanzenbasierten Ernährung sind stärker als die des biologischen Landbaus, wenn der Gesamtprozess von Herstellung, Transport, Verteilung, Benutzung und Entsorgung berücksichtigt wird. Die umweltverträglichste Form der Ernährung ist die vegane Ernährung mit Bio-Produkten, gefolgt von der veganen Ernährung mit konventionellen Produkten. Erst danach kommen vegetarische und fleischbasierte Ernährungsformen.

 

- Nicht vegetarische Ernährungsformen sind mit höherem Verbrauch von Pestiziden und Düngemitteln assoziiert.

 

Die Autoren gelangen zu dem Schluss, dass die Befundlage zeigt, dass die größräumige Umstellung auf eine pflanzenbasierte Ernährung den negativen menschlichen Einfluss auf die Umwelt reduzieren  und sich günstig auswirken würde auf die weltweit größten Umweltprobleme, wie Trinkwasserknappheit und Klimawandel.

 

Darüber hinaus zeigen die die Autoren im übrigen auf, dass eine pflanzenbasierte Ernährung sozial verträglicher ist, da sie bessere Voraussetzungen bietet, um die gesamte Menschheit zu ernähren. Zusätzlich spricht die Befundlage auch für gesundheitliche Vorteile einer pflanzenbasierten Ernährung, insbesondere bezogen auf Herzerkrankungen, Diabetes Typ II, Dickdarm- und Enddarmkrebs, sowie im Hinblick auf sogenannte Zoonosen, wie die Vogelgrippe.

 

Die Autoren setzen sich ebenfalls mit der Frage auseinander, was bisher eine Umstellung auf eine pflanzenbasierte Ernährung, trotz ihrer vielfältigen Vorteile, verhindert. Als ein wesentlicher Faktor ergibt sich die mangelnde Information der Öffentlichkeit. So benennen in Umfragen 60 % der Befragten die Möglichkeit, die Umwelt durch eine Veränderung des Verkehrverhaltens zu schonen, während lediglich 3% die Möglichkeit einer Veränderung des Ernährungsverhalten benennen.  

 

Zudem stehen einer Umstellung der Ernährung hedonistische Konsumbedürfnisse, fehlerhafte Annahmen, Festhalten an Gewohnheiten, familiäre Einflüsse und geringe Kenntnisse über die Möglichkeit einer fleischlosen Ernährung entgegen:

 

So konnten als wesentliche individuelle Barrieren für einen Verzicht auf Fleisch identifiziert werden: Geschmack von Fleisch (78%), Unwille, den Aufwand für eine Veränderung des Ernährungsverhaltens zu investieren (56%), Glaube, dass Menschen von Natur aus Fleisch essen sollten (44%), Fleischkonsum von Familienmitgliedern (44%), sowie Mangel an Informationen über eine fleischlose Ernährung (42%).

 

Deutlich wird, dass vegan zu leben, einen entscheidenden Beitrag für den Schutz unserer Umwelt leistet. Auffällig ist aber, dass die hohe Bedeutsamkeit des Faktors einer pflanzenbasierten und möglichst rein veganen Ernährung für die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen unseres Planeten bisher durch die Bevölkerung erst unzureichend erkannt worden ist. Selbst umweltbewusste Teile der Bevölkerung halten entsprechend oftmals an einer umweltschädigenden Mischkost unter Einbezug von Tierprodukten fest. Zusätzlich steht einer Ernährungsumstellung auf individueller Ebene entgegen,  dass Menschen häufig sich einer Veränderung ihrer Gewohnheiten zu entziehen trachten.

 

Neben der Überwindung des ausgeprägten Informationsdefizits bezüglich der umweltprotektiven Auswirkungen einer pflanzenbasierten Ernährung wird es daher ebenso wichtig sein, Menschen konkrete Hilfestellungen zu geben, um die in ihrer Schwierigkeit bei weitem überschätzte Umstellung auf eine pflanzenbasierte Ernährung bewerkstelligen zu können.

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Kommentar von Silke |

Eine sehr gute Zusammenfassung der Umweltauswirkungen nicht-veganer Lebensformen, aber auch der individuellen Barrieren, die eine Verhaltensänderung bei Mischköstler_innen behindern.

Leider wird im Text noch ein weiteres "Informationsdefizit" sichtbar: Es gibt noch mindestens ein oder zwei umweltverträglichere Anbaumethoden, die dem folgenden Satz voran gestellt werden sollten:
"Die umweltverträglichste Form der Ernährung ist die vegane Ernährung mit Bio-Produkten, gefolgt von ..."
Bio-Produkte werden zumeist mit Tierprodukten und unter Ausnutzung von Tieren erzeugt. Betriebe, die bio-vegan - also ohne tierliche Düngemittel wie Mist/Gülle, Schlachtabfälle und ohne Tiernutzung - wirtschaften sind zwar noch rar gesät, aber es gibt sie: http://vebu.de/lifestyle/essen-a-trinken/bioveganer-landbau

Auch wenn die gegenwärtige Situation Vieler eine Versorgung mit bio-veganen Produkten erschwert, finde ich es wichtig, auf die Möglichkeiten der bio-veganen Landbaumethode zu verweisen, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, ohne die keine Wege gesucht und gefunden werden können, um auch im regionalen Bereich bio-vegane Betriebe anzusiedeln, ggf. SoLawi-Projekte zu initiieren oder gar selbst anzubauen.

Für eine flächendeckende Versorgung mit bio-veganen Produkten bzw. die Vernetzung der verschiedenen Akteur_innen setzt sich das Bio-Vegane Netzwerk ein. Mitwirkung erwünscht: http://biovegan.org

Zwischen bio-veganen (i.d.R. auch ethisch motivierten) und tierhaltenden Bio-Betrieben liegen noch die "vieh"losen Betriebe, die zumeist eher aus wirtschaftlichem interesse keine Tiere halten und möglicherweise tierliche Dünger einsetzen.

Kommentar von Gärtnermeister Fidibus |

Mal ne Frage : Wieviel Bio-vegane Landwirtschaftsbetriebe sind denn dieses Jahr in Deutschland neu dazu gekommen ? Finde darüber leider nirgends infos.

Und der bio-vegane "Gärtnerhof Bienbüttel" ? Das ist doch der Betrieb, von dem die tödliche EHEC-Epedemie 2011 ausgegangen ist, oder ? Sollte man den nicht aus der Liste entfernen ?

Kommentar von Michaela Weiß |

Zum "Thema Ehec" gibt es eine gute Darstellung unter www.inpfkritik.de/ehec
Nachdenkenden Menschen müßte eigentlich inzwischen klar sein, daß bei diesen "Panikmachen-Aktionen" entweder die Pharmaindustrie oder auch die Nahrungsmittelindustrie dahinter steht!