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Nachhaltige Welternährung durch vegane, pflanzenbasierte Ernährung

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Natur können wir nur erhalten, wenn wir global vegan leben

Joan Sabaté und Sam Soret setzen sich in einem wegweisen Artikel in der aktuellen Ausgabe des American Journal of Clinical Nutrition mit der Frage der Nachhaltigkeit der Welternährung auseinander. Der Titel lautet bezeichnenderweise: "Sustainability of plant-based diets: back to the future".

 

Die Autoren gelangen zu der Schlussfolgerung, dass die derzeitige Welternährung nicht nachhaltig sei, sondern mehr Ressourcen verbrauche als sie bereitstelle. Mit zunehmender Weltbevölkerung würde ohne grundlegende Veränderung hieraus eine nicht mehr tragbare Situation entstehen, die zu einem Zusammenbruch der ökologischen Ressourcen des Planeten und einer Gefährdung der Gesundheit und Ernährungssicherheit der Menschen führen könnte. In einem Wechsel zu einer pflanzenbasierten Ernährung sehen die Autoren jedoch eine Chance für eine nachhaltige Ernährung selbst bei einer wachsenden Weltbevölkerung.


Wir geben hier die wesentlichen Aussagen dieses beeindruckenden Artikels wieder:


Eine pflanzenbasierte Ernährung ist gemäß der umfassenden Literaturübersicht der Autoren nachhaltiger, weil sie weniger natürliche Ressourcen verbrauche und gleichzeitig die Umwelt weniger durch Schadstoffe und Abfallprodukte belaste. Im Artikel werden viele eindrucksvolle Zahlen dargestellt, die die Überlegenheit einer pflanzenbasierten Ernährung gegenüber einer Mischkost unter Einschluss von Fleisch, Milchprodukten und Eiern unterstreichen. So variiere die Menge an Getreide, die für die Produktion der gleichen Menge an Fleisch verbraucht werden müsse, zwischen dem 2,3 fachen für Hühnerfleisch und dem 13 fachen für Rindfleisch. Im Durchschnitt würden 11fach höhere Mengen an fossiler Energie für die Produktion der gleichen Menge an Tierprotein im Vergleich zu Pflanzenprotein benötigt. Zwar zeige sich auch hier eine Variation je nach Fleischart, aber selbst bei Hühnerprotein liege der Mehrverbrauchsfaktor noch bei 4, während er bei Rinderprotein sogar 40 erreiche.

 

Der Faktor des Mehrverbrauchs an Wasser schwanke für Fleischprotein versus Sojaprotein zwischen 4 und 26. Der Landbedarf liege für die Produktion von tierischem Protein um den Faktor sechs bis 17 höher als für Pflanzenprotein. Die Autoren schließen, dass die Konvertierung von pflanzlichen Nahrungsmitteln in tierische Nahrungsmittel ein inhärent ineffizienter Prozess sei.

 

Außerdem steige bei pflanzlichen Nahrungsmittel die Effizienz in Abhängigkeit von ihrem Proteingehalt an. Sojaprotein sei in seiner Bereitstellung entsprechend wesentlich effizienter als Maisprotein. Dies bedeute, dass weniger Energie aufgewandt werden müsse, um die gleiche Proteinmenge zu erhalten. Bei tierischen Proteinen gelte diese Gleichung jedoch nicht, sondern der Effizienzgrad bleibe unverändert oder sinke sogar ab.

 

Eindeutige Zusammenhänge bestünden ebenfalls zum Treibhauseffekt, wobei ca. 80% der durch die Lebensmittelproduktion bedingten Emissionen durch die Nutztierhaltung erfolgten, nur 20% würden durch den Anbau pflanzlicher Lebensmittel bedingt. Doch die Produktion tierischer Lebensmittel trage nicht nur überproportional zu Treibhausgas-Emissionen bei, sondern die Nutztierhaltung führe ebenfalls in sehr viel stärkerem Ausmaß als der Anbau von Pflanzen zur Verschmutzung von Böden und Wasser. Die Belastung der Umwelt durch Substanzen, die zur Bodenversauerung führten, sowie durch Pestizide und Metalle sei für die Herstellung von tierischem Protein um den Faktor sieben bis 100 höher als für Pflanzenprotein. Verglichen mit pflanzlicher Nahrung seien so Fleisch- und Milchprodukte für einen Großteil des Ressourcenverbrauchs wie auch der Umweltbelastung verantwortlich.

 

Die Autoren zeigen auf, dass beim Vergleich von vegetarischen und nicht-vegetarischen Ernährungsweisen in Kalifornien für die Produktion der Lebensmittel der Nicht-Vegetarier 2.9 mal mehr Wasser, 2.5 mal mehr Primärenergie, 13 mal mehr Dünger und 1.4 mal mehr Pestizide verbraucht würden als für die vegetarische Diät. Verglichen mit der britischen Standard-Diät führe eine vegetarische Ernährung zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen um 22% und eine vegane Ernährung um 26% führen. Eine andere auf USA insgesamt bezogene Studie komme sogar zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen bei veganer Ernährung um 33%. Ähnlich sei der Befund einer auf Finnland bezogenen Studie, die für eine vegane Ernährungsweise im Vergleich zur finnischen Standard-Diät eine Reduktion der Treibhausgasemission für die Lebensmittelherstellung um 34% errechnet habe. Weltweit könnte bei kompletter Ersetzung aller tierischen Proteine durch pflanzliche Proteine eine Ersparnis von 17% für CO2, 24% für CH4 und 21% für N2O erreicht werden.

 

Die Weltbevölkerung wird nach der Darstellung der Autoren bis 2050 vermutlich auf neun Milliarden anwachsen. Die wachsende Weltbevölkerung würde bei Deckung ihrer Ernährungsbedürfnisse durch Lebensmittel auf tierischer Basis die Lebensmittelproduktion immer stärker nicht-nachhaltig machen. Bereits jetzt trage die Fleisch- und Milchproduktion mit 24% zum globalen Treibhauseffekt bei. Gleichzeitig führten die Ausscheidungsprodukte der Nutztiere zu gesundheitlichen Gefahren und Umweltschäden.

 

Die sieben Milliarden Nutztiere in den USA generieren nach Darlegung der Autoren bereits 1,4 Milliarden Tonnen Fäkalien pro Jahr, die nicht nur zahlreiche Schadstoffe enthielten, sondern ebenfalls die Quelle von mehr als 100 auf Menschen übertragbarer Erreger seien, die Wasser und Lebensmittel kontaminieren könnten.

 

In der Gesamtbilanz betrachten die Autoren den weltweiten Wechsel zu einer pflanzenbasierten Ernährung als einzige Möglichkeit, um Ernährungssicherheit und Nachhaltigkeit erreichen zu können. Durch die Reduktion des Fleischkonsums und des Konsums anderer Tierprodukte würden große Mengen an Lebensmittel frei, die nunmehr direkt durch Menschen konsumiert werden könnten. Durch eine Ersetzung tierischen durch pflanzlichen Proteins könnte eine Steigerung der weltweit verfügbaren Kalorienmenge um 49% erreicht werden. Dafür wäre keine Ausdehnung von Anbauflächen erforderlich und die durch die Nutztierhaltung verursachten Umweltschäden könnten vermieden werden.

 

Bezüglich des Realitätsgehaltes dieses Szenariums weisen die Autoren darauf hin, dass sich während eines großen Teils der Geschichte Menschen aufgrund von Notwendigkeit oder aufgrund ihrer Wahl weitgehend mit pflanzlicher Nahrung ernährten. Eine Rückkehr zu einer pflanzenbasierten Ernährung sei der beste Weg für eine nachhaltige Zukunft. Landwirtschafts- und ernährungspolitische Maßnahmen, die zur weltweiten Annahme einer pflanzenbasierten Ernährung führten, würden gleichzeitig das Lebensmittelangebot optimieren, die Gesundheit fördern, die Umwelt schützen und die Möglichkeiten für eine sozial gerechte Welt verbessern. Bei allen Schwierigkeiten sei der globale Wechsel zu einer pflanzenbasierten Ernährung vermutlich der rationalsten, wissenschaftlich am besten begründbare und moralisch am ehesten zu legitimierende Weg zu einer nachhaltigen Zukunft für die Menschheit wie auch für alle anderen Lebewesen unserer Biosphäre.

 

Der Artikel von Joan Sabaté und Sam Soret macht in ausgesprochen prägnanter und überzeugender Art und Weise deutlich, dass der Veganismus sich auf der Seite derjenigen befindet, die die natürlichen Grundlagen unseres Planeten erhalten, sowie die Ernährungssicherheit und soziale Gerechtigkeit fördern wollen. Während das Plädoyer für eine pflanzenbasierte globale Ernährung von Sabaté und Sam Soret nicht den sofortigen Wechsel zu einer veganen Welt meint, sondern die schrittweise, aber im Ergebnis drastische Reduktion tierischer Nahrungsmittel an der Gesamternährung, ist die vegane Lebensweise doch die konsequenteste und wirksamste Umsetzung ihrer Forderungen, die gleichzeitig dazu in der Lage wäre, unnötiges durch den Menschen verursachtes Tierleid enormen Ausmaßes ein für alle Mal zu beenden.

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