Andrea und Thomas Horn: Mit Vegankraftwerk gemeinsam für die vegane Lebensweise

Andrea und Thomas Horn: Mit Vegankraftwerk gemeinsam für die vegane Lebensweise

Das Webprojekt Vegankraftwerk stellt mit Zahlen und Fakten die positiven Auswirkungen der veganen Lebensweise heraus. Wie viel Fleisch und Milch werden durch die derzeit in der Bundesrepublik Deutschland vegan lebenden Menschen eingespart? Wie viele Kälber oder Küken gerettet? Wie viel Wasser, Gülle und Co2 gespart?

Wir sprachen mit den Gründern über ihr Projekt und dessen bisherige Entwicklung.

Was ist das Projekt Vegankraftwerk und wie kamt ihr auf die Idee, dies Projekt zu starten?

Die Idee zum Vegankraftwerk entstand kurz nachdem wir uns für eine vegane Lebensweise entschieden hatten. Auf unserem Weg sahen wir so viele schreckliche Bilder, Filme, Berichte und Informationen, dass wir uns entschlossen die positiven Auswirkungen der veganen Lebensweise deutlich darzustellen. Wir überlegten uns einen Namen. VEGANKRAFTWERK – dieser Name steht für Vegan und Kraft, wir produzieren Gedanken, Produkte und Zahlen um die vegane Lebensweise zu verbreiten. Im ersten Zug entwickelten wir eine Plattform, auf der sich vegan lebende Menschen registrieren können, um eine “echte” Zahl zu erhalten wie viele Menschen in Deutschland vegan leben.

Wir zeigen auf der Seite www.vegankraftwerk.de wie sich die vegane Lebensweise in den verschiedenen Bereichen auswirkt, z.B. wie viele Tiere gerettet werden, wie viel Wasser, Gülle, CO² eingespart wird usw. Natürlich ist uns klar, dass diese Zahlen nur virtuelle Zahlen sind und sich die Auswirkungen in der Realität erst nach und nach umsetzen. Doch es macht Mut so viel Positives zu lesen, dies wird uns immer in den zahlreichen E-Mails widergespiegelt.

Was sind seither die Erfahrungen, die ihr mit dem Projekt gemacht habt?

Wir starteten mit dem Projekt am 01.09.2012, wir machten Werbung in vielen Foren und über Facebook. Die Resonanz war zu Anfang groß. Wir erhielten viele Registrierungen und E-Mails die uns motivierten. Es gab aber auch Anfeindungen, die uns unterstellten das wir Daten sammeln um diese zu verkaufen. Dies war nur eine vorübergehende Erscheinung mit der wir lernen mussten klar zu kommen. Die positiven Rückmeldungen überwiegen bis heute. Es ist erstaunlich, wie viele Menschen sich in den letzten 3 – 4 Jahren entschieden haben vegan zu leben, es macht einen Großteil der Registrierungen aus.

Es gibt jetzt auch eine Infobox „Vegan akut“ und ein Buch mit dem Titel„Let´s go vegan – weil ich dich mag“. Könnt ihr uns etwas über die Box und das Buch erzählen?

Vegan akut:

Die Idee zur Infobox ist Thomas gekommen, als er ein Mittel suchte seiner Schwester den veganen Gedanken näher zu bringen. Mit Gesprächen, Filmen und Büchern war er dort gescheitert, so überlegte er wie er denn einen Menschen interessieren kann der wenig Informationen möchte.

“Wenn es doch nur ein Medikament gäbe, das die Leute wach rüttelt” dachte Thomas und die Idee war geboren. Die Infobox “Vegan akut” ist sozusagen Medizin für das Gehirn. Die Verpackung weckt mit wenigen gezielten Sätzen Interesse, z.B. Wie entscheiden Sie sich? Interessiert Sie die Wahrheit oder wollen Sie weiter wegschauen?” Der beiliegende Beipackzettel führt die LeserIn geschickt durch wichtige Informationen über Gesundheit, Tierleid bis hin zur Umwelt. Weiter gibt es Tipps zur eigenen Umstellung und Links. Die Box kann wunderbar auf Treffen oder Veranstaltungen eingesetzt werden. Viele Menschen haben uns erzählt, dass sie Vegan akut ihren Eltern gegeben haben und die Reaktionen waren immer positiv.

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Let’s go vegan – weil ich Dich mag:

Da Thomas schon lange ein Buch schreiben wollte, das mit der veganen Lebensweise zusammenhängt, kam er auf die Idee das erste vegane Geschenkebuch zu schreiben.

Da oft Gespräche mit nahestehenden Menschen, Familie, Freunde, Kollegen oder PartnerInnnen, über die vegane Idee in Unverständnis oder gar Ärger enden war der Sinn und der Titel des Buches schnell gefunden. “Let’s go vegan – weil ich Dich mag” dient als Gesprächsvorbereitung. Dieses Buch ist ein Geschenk an einen Menschen den ich mag, mit der Absicht meine Position verständlicher zu machen. Das Buch beginnt mit “Hallo wie geht es Dir?”, dann werden die Leser über eine erfundene Geschichte zum eigentlichen Thema geführt, “Mir liegt es sehr am Herzen, mein Wissen mit Dir zu teilen. Die Informationen in diesem Buch können für Dich von großem Nutzen sein”. Nun folgen wichtige Fakten zur Gesundheit im Zusammenhang mit unseren “normalen” Ernährung. Der erste Teil des Buches endet mit “Bitte informiere Dich weiter. Ruf mich an, rede mit mir, wir treffen uns oder telefonieren”.

Im zweiten Teil des Buches entsteht ein Gespräch zwischen einem Wanderer und einer Kuh. Die Kuh zeigt dem Wanderer auf sehr verständliche Weise auf, dass das Nutzen von Tieren durch den Menschen Unrecht ist. Eine sehr tiefgründige Geschichte, die ans Herz geht.

Im dritten und letzten Teil gewährt Thomas einen kleinen Einblick in seinen Weg “vegan” zu werden.

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Wo sind Box und Buch erhältlich und wie hoch ist der Preis?

Die Infobox und das Buch gibt es im Vegankraftwerkshop unter www.vegankraftwerk.com zu bestellen. Das Buch ist ebenso über Amazon und den Buchhandel erhältlich. ISBN – 978-3-00-045174-4 – 7,90€ zzgl. Versand. Die Infobox kostet0,99€ zzgl. Versand.

Könnt ihr von eurem Engagement für den Veganismus leben oder habt ihr noch andere Jobs?

Wir haben einen ambulanten Pflegedienst, der uns unser Engagement und unseren Lebensunterhaltfinanziert. Aus den Einnahmen der „veganen“ Aktivitäten finanzieren wir weitere Projekte und Ideen.

Wie war euer Weg zur veganen Lebensweise? Seid ihr diesen gleichzeitig oder hintereinander gegangen?

Wir sind diesen Weg glücklicher Weise gleichzeitig gegangen.Andrea bestellte Ende 2010 das Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer. Gemeinsam lasen wir das Buch und besprachen ausgesuchte Passagen mit unseren Kindern. Nachdem wir uns dann alle noch eine Biokälberzucht angesehen hatten, wobei zahlreiche Tränen flossen, stand für uns schnell fest: Da machen wir nicht mehr mit! Einige Monate lebten wir vegetarisch. Da wir uns weiter mit der Thematik auseinandersetzten war der Schritt zum vegan werden leicht.

Was wäre gewesen, wenn nur einer von euch, vegan geworden wäre, wie hätte sich eure Partnerschaft gestaltet, hätte sie das überlebt?

Rückblickend gesehen wäre das wohl sehr schwierig geworden. Zum Glück stellte sich diese Frage nicht. Es muss sehr schwer sein, dass hören wir immer wieder auf unseren Treffen mit anderen Menschen.

Gibt es für euch den einen wichtigsten Grund für die vegane Lebensweise oder sind die verschiedenen Gründe gleichberechtigt?

Wir haben von Beginn an für uns die Themen: Ethik, Gesundheit und Umwelt betrachtet. Vorrangig für uns sind die Rechte aller Lebewesen im Einklang mit diesen drei Themen.

Denkt ihr, es gibt eine vegane Community mit gutem Zusammenhalt, oder sind die meisten Veganer doch eher Einzelkämpfer?

Zu Beginn unserer Umstellung zum veganen Leben dachten wir, dass in der veganen Szene alle nett zueinander sind und zusammenhalten. Wir wurden jedoch schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. VeganerInnen sind ganz normale Menschen mit Ecken und Kanten. Sicher gibt es eine Art Zusammenhalt, das sehen wir auf allen Treffen und Festen. In unserer Regionalgruppe Eckernförde sind wir „ca. 65 Menschen“, doch der aktive Kern der zusammenhält besteht aus höchstens 10 Menschen.

Was sind eurer Ansicht nach die Haupthindernisse, die einer allgemeinen Übernahme der veganen Lebensweise durch die Mehrheit der Menschen derzeit noch entgegenstehen?

Die Menschen sind nicht ausreichend informiert. Die meisten Menschen können sich gar nicht für eine vegane Lebensweise entscheiden, da ihnen die Informationen, noch, fehlen. Informationen werden leider doch häufig verschwiegen oder falsch dargestellt. Das Haupthindernis ist für uns, das die Gesellschaft seit Jahrzehnten so funktioniert und die Allgemeinheit annimmt, dies sei richtig.

Wie ist euer Verhältnis zu Vegetariern und wie denkt ihr sollten Veganer mit Vegetariern kommunizieren?

Vegetarier sind Menschen, die sich auf dem Weg befinden vegan zu werden. Sie sind schon sensibilisiert für das Thema Tierleid. Zu unseren Treffen in unserer Stadt kommen VegetarierInnen und VeganerInnen, regelmäßig werden aus den VegetarierInnen plötzlich vegan lebende Menschen, da sie weitere Informationen erhalten haben. Uns erstaunt oft, wie schnell dies bei einigen Menschen geschieht. Die Kommunikation mit VegetarierInnen ist einfacher, da ein Grundstein des Verständnis schon gelegt ist.

Was sagt ihr zu Menschen, die alles einsehen, was für den Veganismus spricht, aber sich selbst nicht dazu in der Lage sehen, vegan zu leben?

Wir bieten ihnen Hilfe an, z.B. durch einen Veggie-Buddy oder schenken ihnen unser Buch. Wenn Menschen deutlich sagen, sie können nicht vegan leben, dann schenken wir unsere Energie den Menschen, die offen für Veränderung sind.

Glaubt ihr, dass die Menschheit eines Tages vegan leben wird?

Ja, wir wissen es. Die Menschheit wird in der Zukunft entweder nicht mehr leben oder sie lebt vegan. Die Grundsteinlegung der „Kathedrale der Heiligen Maria“ in der spanischen Hafenstadt Palma war im Jahre 1230, das Hauptportal wurde 1601 geweiht. Wir sind jetzt im übertragenen Sinne ca. im Jahr 1280 und da sich heute alles sehr viel schneller entwickelt, hoffen wir, dass spätestens unsere Enkel den Umbruch erleben werden.

Was können wir von euch in der Zukunft noch an weiteren Projekten erwarten?

Vegankraftwerk ist nun seit dem 01.04.2014 auch ein Buchverlag, vegan mit pflanzlichen Farben, Klimaneutral und Recyclingpapier. Am 05. Juli 2014 findet nun zum 2. Mal der Vegan Summer Eckernförde statt. Unter www.vegansummer.de gibt es dazu weitere Informationen. Zurzeit arbeiten wir an einem Video und an einem kleinen Erzählfilm.

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1 Kommentar auf "Andrea und Thomas Horn: Mit Vegankraftwerk gemeinsam für die vegane Lebensweise"

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Martina
Gast

DANKE für euren Glauben an eine vegane Zukunft und euer fantastisches Engagement! Ich befinde mich momentan eher im Zustand der Resignation und Hoffnungslosigkeit. Das nimmt mir viel Energie, die ich bräuchte um weiter zu überzeugen. Mein Fanatismus bewirkt derzeit eher das Gegenteil. Seit dem Film "We feed the world" sehe ich die Welt als einen Haufen hoffnungslos verlorener Irrer". Ihr macht Mut und ich hoffe, ich finde meinen wieder! Aber eines ist sicher: für mich gibt es kein zurück!

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