Vegan: Motive, bahnende Ereignisse und Identität

Vegan: Motive, bahnende Ereignisse und Identität

Soeben wurde eine Studie im Fachjournal Appetite veröffentlicht, die Probanden mit besonderer Ernährungsweise (vegetarisch, vegan, pescetarisch, Fleischreduktion, ökologisch) nach ihren Motiven, auslösenden Ereignissen und der Verankerung ihrer Ernährungsweise in ihrer Identität befragte.

36 Probanden nahmen an der Studie teil. Ihre textbasierten Antworten auf eine Reihe an Fragen wurden qualitativ ausgewertet und klassifiziert. Die Studie nahm keinen Vergleich zwischen den verschiedenen Ernährungsformen vor, wobei sich aber grundsätzlich parallele Muster zeigten:

  • Bis auf einen einzigen Probanden benannten alle Probanden ethische Gründe, wobei hauptsächlich auf Tierleid verwiesen wurde. Ca. Zwei Drittel der Probanden benannten zusätzlich Gründe, die sich auf persönliches Wohlbefinden und Gesundheit bezogen. Einige Probanden verwiesen außerdem auf eine Ablehnung der Praktiken der weltweit operierenden Nahrungsmittelkonzernen. Insgesamt zeigte sich eine klare Dominanz ethischer Motive, wobei aber auch gesundheitliche Motive eine ergänzende Rolle spielten.
  • Alle Probanden konnten Ereignisse benennen, die zu ihrem Ernährungswechsel führten. Bei der Mehrheit der Probanden gab es aber kein bahnbrechendes Einzelereignis, sondern es wurde eine Serie von Ereignissen geschildert. Dabei konnte unterschieden werden zwischen der Auseinandersetzung mit Informationsmaterial (Bücher, Filme, Flyer), der direkten Konfrontation mit Grausamkeit gegenüber Tieren (z.B. Beobachtung eines Tiertransportes) oder dem Einfluss von Rollenmodellen (Freunde, Bekannte, Lehrer, Organisationen). Bei den meisten spielten alle drei Faktoren eine Rolle, es gab aber auch einzelne Probanden, bei denen ein Einzelereignis zur Aufgabe des vorherigen Ernährungsmusters führte.
  • Mehr als 70% der Probanden gaben an, dass ihre Ernährung ein fester Teil ihrer Identität sei, an dem auch gegen Widerstände festgehalten werde. Einige Probanden berichteten zudem von einer Veränderung ihres sozialen Umfeldes durch ihre neue Ernährung. Es gab aber ebenfalls Probanden, die es ablehnten, ihre Ernährung als einen Teil ihres Selbstkonzepts zu definieren. Interessanterweise trat dies insbesondere bei den sechs Probanden auf, die ihre besondere Ernährungsweise zum Befragungszeitraum bereits aufgegeben hatten.

Die Befunde zeigen, dass ethischen Motiven einem Ernährungswechsel wie dem Wechsel zur veganen Ernährung die größte Bedeutsamkeit zukommt. Gesundheitliche Motive scheinen eher ergänzend vorgetragen zu werden, auch wenn dies natürlich in Einzelfällen auch anders sein mag. Der Wechsel zu einer veganen Ernährung wird in der Regel durch eine Serie aus Ereignissen bedingt und beinhaltet die Konfrontation mit Informationsmaterial, aber oft auch mit dem direkten Leid von Tieren oder den Kontakt zu einem sozialen Vorbild, welches den Wechsel anleitet und unterstützt.

Typischerweise scheint eine Ernährungs- und Lebensweise, wie die vegane Ernährung, fest im Selbstkonzept verankert zu sein. Genau dies dürfte vegan lebende Menschen auch dazu motivieren, auch in Anbetracht von Schwierigkeiten an ihrer veganen Ernährung festzuhalten. Demgegenüber liefert die Studie erste Hinweise, dass eine mangelnde Verankerung im Selbstkonzept eher mit einem nicht dauerhaften Festhalten an einer besonderen Ernährungsform, wie der veganen Ernährung, verbunden ist.

Die weiträumige Bereitstellung und Verteilung von überzeugendem Informationsmaterial, die Konkretisierung des mit dem Fleischkonsum verbundenen Tierleids, und die persönliche Modellwirkung vegan lebender Menschen lassen sich aus der Studie als am besten geeignete Strategien ableiten, um mehr Menschen für die vegane Ernährung zu gewinnen.

Anders als dies viele Fleischesser sehen, sollte die vegane Ernährung dabei nicht nur als ein beliebiger Lebensstil dargestellt werden. Vielmehr sollte die sachlogische und feste Einbettung von vegan in ein übergeordnetes ethisches Überzeugungssystem und in das Selbstkonzept der vegan lebenden Person betont werden. Denn nur so bestehen gute Aussichten, dass vegan für eine Person nicht nur ein kurzlebiger Trend, sondern eine lebenslange Ernährungs- und Lebensweise wird. Die weitere Vernetzung vegan lebender Menschen miteinander ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, der die Aufrechterhaltung der veganen Lebensweise unterstützen kann.

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3 Kommentare auf "Vegan: Motive, bahnende Ereignisse und Identität"

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Dr. Gschwender
Gast
bitte Vorsicht! Auch Pflanzen sind Lebewesen und leiden,wenn man lebendig auf ihnen herumkaut,sie lebendig in den Kühlschrank sperrt …….Die Korrelation von Hochsensibilität und Veganismus besagt gar nichts! Statistk kann nichts beweisen, sonst würde ja der Storch die Kinder bringen!Mir scheint die Hochsensibilität drückt sich eher in einr Neigung zum Fundamentalismus und zum Missiomieren aus. Mag ja auch Ersatz für Religion sein. Die meisten Kirchen sind fundamentalistisch und lassen andere Ansichten neben sich nicht gelten. Wer gerne zur "Kirche" Veganismus gehören möchte: in Ordnung! aber bitte lasst uns Fleischfresser in Ruhe und verläumdet uns nicht, Wir sind ebenso friedliche Menschen und… Read more »
Klaus Grünseich
Gast
@Gschwender: erneut beweisen Sie bedauerlicherweise exzenssiv, das Sie die Zusamnenhänge und ABSOLUTE Notwendigkeit, ja Dringlichkeit der konsequenten veganen Lebensweise nicht begreifen! Der gesamte Planet, mit all seinen Bewohnern, steht am tiefsten Abgrund seit Existenz der Menschheit, wobei als Ursache AUSSCHLIEßLICH die ethisch, ökologisch und ökonomisch katastrophale omnivore Ernährungs- und Lebensweise zu nennen sind! Vielleicht bekommen Sie ja doch noch "die Kurve", und werden die Zusammenhänge – auch wenn es in Ihrem Fall womöglich Jahre beanspruchen würde, sowie große Skepsis vorherrscht – irgendwann verstehen. Ich wünsche und hoffe es jedenfalls für Sie sehr, auch das dies nicht aufgrund zu großer intellektueller,… Read more »
Gerlinde
Gast
Herr Dr. Gschwender [gt] falls Sie aus Sorge um die Schmerzempfindungen der Pflanzen und Früchte Tierkadaver fressen möchten, so sollten Sie JETZT Ihren Taschenrechner aus dem Ranzen ziehen [gt] denn nichts verbraucht mehr Pflanzen, als die Mästung der Milliarden Schlachttiere. Ihr krampfhaft bemühter Kommentar ist daher ein weiterer Beleg für die mangelnde Erkenntnisfähigkeit, die mangelnder Empathie und das eingeschränkte Denkvermögen von Kadaver/Fleischverzehrenden Egoisten. Zu den Universalgelehrten des Planeten kann man Sie daher leider nicht zählen. Herr Grünseich hat gut zusammengefasst, was zu hoffen übrig bleibt: vielleicht springt der Funke der Erkenntnis gelegentlich auch in einem Hohlraum über. In diesem Sinne… Read more »
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