Umfrage: Welche Religionen fördern besonders den Fleischkonsum?

Umfrage: Welche Religionen fördern besonders den Fleischkonsum?

Vor Kurzem haben wir analysiert, wieviel Fleisch, Fisch, Milch und Eier pro Kopf im Durchschnitt in 187 Ländern oder autonomen Regionen verzehrt wird, wobei uns insbesondere die Zusammenhänge zur Religion interessierten.

Die Rangfolge des Fleischkonsums in Abhängigkeit von der Mehrheitsreligion in einem Land führte Israel als einziges Land mit jüdischer Mehrheitsbevölkerung mit dem höchsten Fleischkonsum an, an zweiter Stelle folgten die Länder mit nicht-religiös gebundener Mehrheitsbevölkerung, an der dritten Stelle die christlichen Länder, an der vierten Stelle die muslimischen Länder, an fünfter Stelle die buddhistischen Länder und an letzter Stelle mit dem geringsten Fleischkonsum die hinduistischen Länder.

Bei Kontrolle des Human Development Index (HDI) als Maß für den Wohlstand führten weiterhin die Länder mit jüdischer, religiös nicht-gebundener und christlicher Bevölkerung die Rangreihe in unveränderter Reihenfolge an, wobei nunmehr aber die Unterschiede zwischen den muslimischen, buddhistischen und hinduistischen Ländern nahezu verschwanden, die muslimischen Länder deskriptiv sogar den geringsten Fleischkonsum zeigten.

Sind diese Zusammenhänge allgemein bekannt?

Dies wollten wir mit einer Umfrage herausfinden, an der sich 507 Personen beteiligten. Die Umfrage erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität, erbrachte aber einige interessante Ergebnisse:

Von den 507 Teilnehmern wurde der Fleischkonsum in den christlichen Ländern als am höchsten eingeschätzt. An zweiter Stelle standen demnach die muslimischen Länder, an dritter Stelle folgte Israel als einziges Land mit jüdischer Mehrheitsbevölkerung, an vierter Stelle folgten die hinduistischen Länder und als am geringsten wurde der Fleischkonsum in den buddhistischen Ländern eingeschätzt.

Qualitativ wurde der FLeischkonsum in den christlichen Ländern als "viel", in den muslimischen Ländern und in Israel als "eher viel" und in den buddhistischen und hinduistischen Ländern als "eher wenig" eingeschätzt.

Die Sympathie für eine Religion korrelierte dabei übrigens deutlich mit dem angenommen Fleischkonsum: Als desto sympathischer Umfrageteilnehmer eine Religion bewerteten, als desto geringer schätzten sie den Fleischkonsum in Ländern ein, in denen diese Religion die Mehrheitsreligion darstellte.

Bei Vergleich mit der Wirklichkeit ergeben sich Übereinstimmungen, aber auch Widersprüche:

Korrekt wurde der Fleischkonsum in Ländern mit christlicher Mehrheitsbevölkerung als besonders hoch eingeschätzt. Deutlich unterschätzt wurde der Fleischkonsum aber in Israel. Während dies bezüglich der Länder mit anderen Religionen als Mehrheitsreligion tatsächlich an der Spitze steht, gingen die Umfrageteilnehmer davon aus, dass in Israel deutlich weniger Fleisch als in christlichen Ländern, aber auch als in muslimischen Ländern verzehrt werden würde.

Die Umfrageteilnehmer lagen richtig, dass der Fleischkonsum in buddhistischen und hinduistischen Ländern besonders gering ist, unterschätzten aber den relativen Fleischkonsum in buddhistischen Ländern, indem sie davon ausgingen, dass dieser am niedrigsten sei, während tatsächlich der Fleischkonsum in hinduistischen Ländern am geringsten ist.

Diese Befunde finden wir auch deshalb sehr interessant, weil uns in veganen- und Tierschutzkreisen immer wieder betont antimuslimische Stimmen begegnen, die den Eindruck erwecken, als seien insbesondere die muslimischen Länder eine Art Horror-Ort für Tiere. Demgegenüber zeigen die objektiven Analyseergebnisse, dass dies jedenfalls bezüglich des Fleischkonsums sicherlich nicht der Fall ist. Fleischkonsum und Nutztierhaltung führen aber weltweit zum bei weitem größten Anteil an Tierleid. Allein die quantitative Konsumanalyse widerlegt damit Annahmen eines besonderen Ausmaßes an Tierqual in muslimischen Ländern als Vorurteile.

Unsere Umfrage zeigt, dass über die tatsächliche Verteilung des Fleischkonsums in Abhängigkeit von der religiösen Mehrheitsbevölkerung in einem Land offenbar nur teilweise Klarheit herrscht. Die starke Unterschätzung des Fleischkonsums in Israel hängt dabei vermutlich mit de, Wissen über die hohe Anzahl an vegan lebenden Menschen in Israel zusammen. Dieser erfreuliche Trend hat allerdings bisher nichts an der Sachlage geändert, dass in Israel insgesamt besonders viel Fleisch gegessen wird. Der Konsum in den christlichen Ländern wird realistisch eingeschätzt, wobei deutlich wird, dass auch durchaus bekannt ist, dass in den christlichen Ländern mehr Fleisch konsumiert wird als z.B. in den muslimischen Ländern. Demgegenüberwird der Buddhismus in seinen konkreten Auswirkungen auf den Fleischkonsum etwas zu rosig gesehen, zumal in buddhistischen Ländern nicht nur mehr Fleisch, sondern auch erheblich mehr Fisch gegessen wird als in Ländern mit hinduistischer Mehrheitsbevölkerung.

Trotz manche Fehleinschätzung machen die Umfrageergebnisse erfreulicherweise deutlich, dass den meisten Umfrageteilnehmern sehr wohl bekannt ist, dass es für "westlich-christliche" Arroganz gegenüber anderen Religionen im Namen des Veganismus keinerlei Rechtfertigung gibt. Eine Gesellschaft ist der veganen Lebensweise umso entgegengesetzter, je mehr Fleisch dort gegessen wird. Christliche Länder schneiden diesbezüglich insofern schlechter ab als muslimische, buddhistische und hinduistische Länder. Die Umfrageergebnisse weisen darauf hin, dass die uninformierten Stimmen, die Tierschutz und vegane Lebensweise als Argumente für die Heraussonderung einzelner nicht-christlicher Religionen oder für die Verbreitung von Fremdenfeindschaft nutzen, nur eine Minderheit darstellen. Dies Ergebnis finden wir gerade auch aus veganer Sichtweise als sehr beruhigend.

Qualitativ könnte freilich argumentiert werden, dass die Art der Haltung und Schlachtung z.B. in muslimischen Ländern leidbesetzter sei als in anderen Ländern. Jedoch würde eine solche Behauptung belastbare Daten voraussetzen, die nicht vorliegen. In Anbetracht der Zustände in der Massentierhaltung, der Tiertransporte, der unbetäubten Zermusung von Abermillionen Küken, der grassierenden Tierversuche und vieler weiterer Qualzustände erscheint es als unwahrscheinlich, dass vor dem Hintergrund des sehr viel geringeren Fleischkonsums in den muslimischen Ländern dort ein größeres Ausmaß an Tierleid herrschen könnte als in den christlichen Ländern- aller Wahrscheinlichkeit ist vielmehr das Gegenteil der Fall.

Damit soll allerdings nicht gesagt werden, dass gegen das Tierleid z.B. in muslimischen Ländern nicht vorgegangen und dieses nicht angeprangert werden sollte. Die muslimischen Gesellschaften sind - wie alle anderen derzeitigen Gesellschaften - weit von einer veganen Gesellschaft entfernt. Die Ausbeutung von Tieren gehört auch dort zum Alltag. Der geringere Fleischkonsums als in den christlichen Ländern ist erfreulich,ist aber aus veganer Perspektive, der es notwenigerweise um die Abschaffung allen Fleischkonsums gehen muss, bei weitem unzureichend. Der beklagenswerte Ist-Zustand ist, dass weltweit Tierrechte mit Füßen getreten und Tieren unermessliches Leid zugefügt wird.

Bei der Verbeitung des Veganismus und beim Kampf gegen Tierleid sollten wir aber alle westliche Arroganz fallen lassen und uns stattdessen weltweit im solidarischen Bündnis mit veganen Menschen und Organisationen gemeinsam für eine Überwindung der Tierausbeutungsgesellschaft engagieren. Die Aufforderung, vegan zu leben, gilt für Menschen, egal, welches religiöse Bekenntnis sie pflegen.

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