Kindeswohlgefährdung durch vegane Ernährung? Spiegel Online verkennt die Fakten

Kindeswohlgefährdung durch vegane Ernährung? Spiegel Online verkennt die Fakten

Im Panorama von Spiegel-Online wird über eine Mutter berichtet, die ihr 11 monatiges Kind ausschließlich mit kleinen Mengen an Nüssen und Beeren (an anderer Stelle heißt es Obst) ernährt habe. Die Mutter selbst wiege bei einer Größe von 1,75 nur 40 Kilogramm. Bei ihrem Kind seien Entwicklungsstörungen festgestellt worden. Das Kind sei daher der Mutter durch die Behörden entzogen worden und lebe nun beim Vater.

Die Fakten zeigen das Bild einer psychisch kranken Frau, die offensichtlich an einer schweren Essstörung leidet. Ihre Essstörung überträgt sie auf ihr Kind, welches sie extrem unzureichend ernährt. Sie schränkt die Lebensmittelauswahl auf Nüsse und Beeren (oder Obst ) ein und gibt dem Kind auch hiervon nur kleine Mengen. Dass hieraus gesundheitliche Beeinträchtigungen eines Kindes entstehen, ist zu erwarten.

Was aber macht Spiegel-Online hieraus?

Spiegel Online vermittelt den Lesern in geradezu absurder Verkennung der Tatsachen den Eindruck, diese Fall habe etwas mit einer veganen Ernährung von Kindern zu tun.

Zunächst zitiert Spiegel Online nur den Vater, der geäußert habe, die Mutter sei „besessen vom Veganismus“. Zu dieser Sichtweise des Vaters lässt Spiegel Online aber jede journalistische Distanz vermissen. So wird in dem Artikel nicht darauf hingewiesen, dass die Mutter offensichtlich an einer schweren Essstörung leidet. Es fehlt auch der Hinweis, dass eine Ernährung eines Kindes mit geringen Mengen an Nüssen und Beeren (Obst) den Prinzipien einer veganen Kinderernährung widerspricht.

Spiegel Online bringt schließlich durch Wahl eines Zitates der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zur veganen Ernährung von Kindern den Fall auch selbst in direkten Zusammenhang zum Veganismus.

Dieser Artikel in einem großen Nachrichtenmedium ist beunruhigend. Die Auswirkungen sind in einigen hasserfüllten Kommentaren über vegane Eltern unter dem Artikel nachlesbar. Nicht alle Leser solcher Artikel prüfen die Fakten. Einige ziehen die falschen Schlüsse. Auf dieser Basis entstehen Vorurteile und Diskriminierung. Vorurteile gegen Veganer folgen damit den gleichen sozialpsychologischen Gesetzmäßigkeiten wie Vorurteile gegen Flüchtlinge, Ausländer, Schwarze oder andere oftmals diskriminierte gesellschaftliche Gruppen.

Der Fehler liegt in der komplett illusorischen Herstellung eines Zusammenhanges zwischen der Zugehörigkeit zu einer Gruppe (z. B. vegane Ernährung, Flüchtling etc.) und dem Verhalten einzelner Personen.

Solche Fehler können Folgen haben. So versuchen Rechtspopulisten in Italien, vegane Eltern zu kriminalisieren. Auch die Verweigerung von veganem Essen durch Kindertagesstätten, Schulen und Gefängnisküchen ist hier zu erwähnen. Ein Berliner Gericht hat diese Diskriminierung kürzlich für rechtens erklärt. In Italien hat ein Gericht kürzlich sogar einem Kind Fleisch verordnet.

Eskalierender Hass und Gewalt gegen Geflüchtete in Deutschland sind ein dramatisches aktuelles Beispiel aus einem anderen Bereich, wie schwerwiegend die Konsequenzen aus der Verbreitung von Vorurteilen sein können.

Heute trifft es Flüchtlinge. Morgen schon könnten sich auch vegan lebende Menschen mit ähnlichem Hass und Verfolgung konfrontiert sehen. Der Artikel von Spiegel Online ist jedenfalls nicht geeignet, diese Gefahr zu verringern.

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