Britische Tierschutzorganisation auf Irrwegen: Verurteilung veganer Katzenernährung

Britische Tierschutzorganisation auf Irrwegen: Verurteilung veganer Katzenernährung

Die Tierschutzorganisation RSPCA hat nun ein neues Thema des Tierschutzes entdeckt: die Warnung vor veganer Katzenernährung, die ein Tierschutz-Verstoß sei.

Um den Schutz der aufgrund der durch die propagierte Fleischernährung durch Menschen getöteten Tiere, sorgt sich die RSPCA dagegen bisher nicht (siehe auch hier ausführlichen Diskussionsartikel zu veganer Ernährung von Hunden und Katzen).

Zeitgleich berichteten die britischen Medien über eine vegan ernährte Katze, die durch die Tierärztin Professorin Marge Chandler von der Glasgow University nur unter der Voraussetzung ihrem "Besitzer" zurückgegeben worden sei, dass dieser ihr 20 % Fleischprotein füttere.

Mittlerweile habe ich bei der Professorin nachgefragt und es zeigte sich, dass die Katze gar keine vegan ernährte Katze war. Die Ernährung war vegetarisch. Vor allem aber: Es handelte sich nicht um ein standardisiertes für Katzen entwickeltes Futter, sondern die Ernährung gestaltete sich offensichtlich völlig willkürlich.

Katzen sind biologisch Fleischesser (Carnivoren), sie können nicht ohne bestimmte Substanzen leben, die in einer veganen Ernährung nicht enthalten sind. Dies betrifft beispielsweise Vitamin A (Katzen verwandeln Carotin nicht in Vitamin A), aber auch Taurin.

Es ist also klar, dass ohne Verwendung eines standardisierten, für die Katzengesundheit entwickelten veganen Präparates gesundheitliche Schäden eintreten. Demgegenüber zeigen aber die wenigen vorliegenden Studien  mit für Katzen entwickelten veganen Präparaten, dass eine vegane Ernährung von Katzen ihrer Gesundheit nicht im Wege steht.

Die Herstellerfirma für ethisches Tierfutter Benova nimmmt korrekt Stellung,  dass es sich bei der Kritik an veganer Katzenernährung nicht um eine wissenschaftliche Tatsache, sondern um eine schwer veränderliche Ideologie handele.

Dies wird auch in der verzerrten Medienberichterstattung zu der Thematik und der Position der RSPCA deutlich. Man machte sich nicht einmal die Mühe, die Sachverhalte einigermaßen zuverlässig zu überprüfen, wie dies eigentlich für Medienberichterstattung selbstverständlich sein sollte.

Sachlage ist, dass die "vegane" Katze nicht vegan ernährt wurde, geschweige denn dass sie ein für Katzen entwickeltes spezielles veganes Präparat erhalten hätte. Die gesundheitlichen Schäden bei dieser Katze sind bedauerlich, aber völlig irrelevant für die Frage der veganen Katzenernährung. Proifessor Chandler hätte den "Besitzer" nicht zwingen müssen, Fleisch zu füttern, sondern ihm ein veganes Katzenfutter vorschlagen können.

Professor Chandler ist hier durchaus auch vorzuwerfen, dass sie der falschen Medienberichterstattung, die sich immerhin auf sie beruft, nicht entgegengetreten ist. Damit entstehen unbegründete Vorbehalte gegen Veganer. Immerhin hat sie sich aber auf Nachfrage per E-Mail korrigiert.

Ideologische Vorbehalte kritisch betrachtet

Was aber ist die Ideologie der Gegner der veganen Ernährung von typischerweise fleischfressenden Tieren?

Hierzu möchte ich einige Anmerkungen für die Diskussion machen:

  • Die Gegner der veganen Ernährung von Katzen entdecken das Tierwohl, wenn es darum geht, Katzen kein Fleisch für ihre Ernährung vorzuenthalten. Die gleichen Personen entdecken das Tierwohl aber nicht, wenn es um die Tötung von Abermilliarden Landtieren und mehr als 1 Billionen Gewässer-Tieren im Jahr für die menschliche Ernährung geht. Es wirkt merkwürdig, wenn das Tierwohl plötzlich gerade für diejenigen eine so große Rolle spielt, die sich ansonsten um das Tierwohl nicht kümmern.
  • Die Gegner der veganen Ernährung von Katzen wenden sich spezifisch gegen vegan lebende Menschen, die durch ihr Handeln die Tötung von Tieren nicht unterstützen wollen. Im Namen des Tierwohl wenden Sie sich damit ausgerecht gegen diejenigen Menschen, die gegen die milliardenfache Ausbeutung und Tötung von Tieren einstehen.
  • Eine fleischbasierte Ernährung von Katzen kann nicht ohne die Tötung von Tieren erfolgen. Die Gegner der veganen Ernährung von Katzen plädieren also für die Tötung anderer Tiere, um Katzen die Fleischkost nicht vorzuenthalten. Sie bewerten das Interesse der Katze, Fleisch zu essen, höher als das Interesse der anderen Tiere, am Leben zu bleiben.
  • Ein wesentliches ideologisches Argument bezieht sich oft darauf, dass eine vegane Ernährung für Katzen nicht artgerecht oder nicht natürlich sei. Artgerecht oder natürlich ist es für Katzen aber auch nicht, in Wohnungen zu leben und zahlreichen durch Menschen gesetzten Begrenzungen ausgesetzt zu sein. Übrigens essen Katzen in Freiheit auch keine Kühe oder Schweine, Seefisch gehört ebenfalls nicht zu ihrer Diät.  Auffällig ist, dass die Gegner der veganen Ernährung von Katzen sich darum sorgen, Katzen würden nicht artgerecht oder unnatürlich ernährt, während sie sich gleichzeitig nicht darum sorgen, dass die gesamte Katzenhaltung bereits an sich nicht natürlich und nicht artgerecht ist. Die vegane Ernährung von Katzen dient dazu, das Leben anderer Tiere zu schützen. Mit dem Begriff der Artgerechtigkeit wird versucht, dies auszublenden.
  • Die Gegner der veganen Ernährung von Katzen sind in aller Regel explizite Befürworter der Haustierhaltung wie auch der Nutztierhaltung. Sie gestehen den Menschen das Recht zu, Tiere zu halten, künstlich zu züchten und zu vermehren, sie im Fall von Nutztieren zu töten oder sie im Fall von Haustieren für ihr Vergnügen zu verwenden. Tiere sind demnach Objekte zur Befriedigung von körperlichen und seelischen Bedürfnissen des Menschen. Mit echtem Tierwohl hat dies wenig zu tun. Befürworter der veganen Ernährung von Katzen sind demgegenüber Gegner der Nutztierhaltung, weisen Tieren Lebensrecht zu und sind in aller Regel auch Gegner der klassischen Haustierhaltung. Befürworter der veganen Katzenernährung möchten nicht Katzen für ihr Vergnügen halten, sondern sie sehen sich dazu gezwungen, bereits vorhandene Katzen zu versorgen, sich um sie zu kümmern, weil sie diesen Katzen, ebenso wie Kühen, Schweinen oder Fischen, ein Lebensrecht zugestehen. Wenn Befürworter der veganen Ernährung von Katzen also Katzen vegan ernähren, tun sie dies nicht zu ihrem eigenen Vergnügen, sondern aus Fürsorge und Not. Aus Fürsorge tun sie es, weil sie sich um Tiere kümmern und ihnen helfen. Aus Not tun sie es, weil sie sich dies nicht gewünscht haben, sondern es die Katzen deshalb gibt, weil andere Menschen diese für die Haustierhaltung systematisch züchten und zudem immer wieder freisetzen. Das Problem verursacht haben also nicht die Veganer, sondern die Tiernutzer.
  • Gegner der veganen Ernährung von Katzen fragen recht oft, warum sich denn Veganer unbedingt Katzen halten wollten, wo diese doch Fleisch äßen? Hiermit verkennen sie die Motive vegan lebender Menschen. Denn Veganer wollen natürlich keine Katzen halten, sondern wollen langfristig die Haustierhaltung ganz abschaffen. Veganer halten auch keine Katzen, sondern nehmen höchstens Katzen auf, die Fürsorge, Schutz und Versorgung benötigen. Veganer tun dies ebenso für die Katzen wie für alle anderen Tiere. Gegner der veganen Ernährung von Katzen unterstellen insofern, ohne sich dessen bewusst zu werden, den Befürwortern der veganen Ernährung von Katzen die gleichen egoistischen Motive, die sie selbst haben. Damit führt die Diskussion in die Leere.
  • Sachlage ist, dass ein Tier, welches durch Menschen getötet wird, um zu Katzenfutter verarbeitet zu werden, nie mehr ins Leben zurückgerufen werden kann. Sachlage ist ebenfalls, dass die Nutztiere noch vor ihrer Tötung unermesslichem Leid unterliegen. Sachlage ist ebenso, dass auch für die Tierfutterindustrie zahlreiche Tiere extra getötet werden und ihnen Leid zugeführt wird, beispielsweise eine große Anzahl an Fischen. Die Befürwortung der Produktion von fleischbasierten Tierfutter ist daher immer eine Befürwortung von Tierleid und Tiertötung und damit notwendigerweise eine Verneinung von Tierwohl und Tierrechten. Wer es befürwortet, dass Industrien Tiere halten, fangen, töten und aus ihnen Nahrung produzieren, ist immer ein Gegner der Tiere. Umso bizarrer ist es aus veganer Sichtweise, wenn nun Gegner der veganen Ernährung von Katzen ausgerechnet unter dem Mantel des Tierschutzes auftreten und unter Nutzung des Begriffes des Tierschutzes diejenigen Menschen bekämpfen, die die einzigen sind, die sich tatsächlich für Tiere einsetzen.
  • Ohne Frage sind Veganer verpflichtet, den Tieren, die sie versorgen, die bestmögliche Ernährung und das bestmögliche Leben zu ermöglichen. Sie dürfen dies aber nicht auf Kosten anderer Tiere tun. Als Veganer können wir keine Fische töten wollen, um unsere Katze zu ernähren, ebenso wenig wie wir einen Menschen töten würden, um dessen Organe für einen anderen zu transplantieren. Deshalb haben Veganer keine andere Wahl, als Katzen, um die sie sich kümmern, vegan zu ernähren.
  • Glücklicherweise gibt es bisher aus wissenschaftlichen Studien - abseits von reiner Ideologie - keine Hinweise, dass ein spezifisch ernährungsphysiologisch für Katzen optimiertes veganes Futter die Gesundheit der Katzen gefährden würde. Aber selbst wenn Katzen durch veganes Futter nicht in jeder Art und Weise optimal versorgt werden könnten, wäre es für Veganer keine denkbare Alternative, andere Tiere hierfür zu töten. Vielmehr muss es darum gehen, dass vegane Katzenfutter so gut wie möglich zu optimieren - im Interesse der Katzen und im Interesse aller anderen Tiere.
  • Es geht der veganen Lebensweise um die Abschaffung von Leid, wo es abschaffbar, und die Minimierung von Leid, wo es minimierbar ist. Was verursacht das größere Leid: die vegane Ernährung von Katzen mit Produkten, die darauf ausgerichtet sind, eine hinreichende katzenspezifische Nährstoffzusammensetzung zu bieten, oder die Ernährung mit Produkten, die auf der Basis gequälter und getöteter anderer Tiere gewonnen werden? Aus veganer Sichtweise ist die Antwort eindeutig.

Ebenso wichtig ist es natürlich, durch Kastration/Sterilisation dafür Sorge zu tragen, dass sich als Haustiere domestizierte Fleischesser, die Katzen nun einmal sind, nicht weiter vermehren.

Dies ist fraglos ein Eingriff in die Integrität eines Tieres, den Veganer nicht unreflektiert durchführen können. Es ist letztlich Gewalt, die aber nicht durch den Veganismus verursacht wird, sondern durch diejenigen verursacht wurde, die diese fleischessenden und nun auf den Menschen angewiesenen Tiere hemmungslos gezüchtet haben.

Wie wichtig es ist, Katzen zu kastrieren, kann ich übrigens täglich in meiner Wahlheimat Kambodscha auf den Straßen in Phnom Penh sehen, wo durch permanente Fortpflanzung großes Leid für die Katzen entsteht.

Die vegane Antwort auf das Problem der Katzen ist also, sich ihrer anzunehmen, sie vegan zu ernähren, sich um ihre Belange zu kümmern und ihnen durch Kastration/Sterilisation den Ausstieg aus ständiger Fortpflanzung und dadurch bedingtem Leid zu ermöglichen.

Hierauf und nicht auf die Verurteilung veganer Katzenernährung sollten sich alle konzentrieren, die sich für den Tierschutz einsetzen wollen.

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1 Kommentar auf "Britische Tierschutzorganisation auf Irrwegen: Verurteilung veganer Katzenernährung"

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[…] den Medien verzerrt berichtet. Kürzlich ereignete sich ein solcher Fall auch in England, wo eine Tierärztin über alle medialen Kanälen vor veganer Katzenernährung warnen ließ, obwohl der zugrunde liegende Fall einer fehlernährten Katze sich auf einen Katzenhalter bezog, […]

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