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Veganer Sojabohnenkonsum ökologisch unproblematisch

(Kommentare: 3)

Vegan lebende Menschen leisten Beitrag zum Einsparen von Soja

Sojabohnen essen heißt Sojakonsum senken

Seit Jahrhunderten wird die Sojabohne in Asien, mittlerweile aber auf der ganzen Welt angebaut. Die Sojabohne gehört dabei zu den wenigen Pflanzen, die alle essentiellen Aminosäuren enthalten und daher auch einen wichtigen Beitrag für eine vollwertige vegetarische und vor allem vegane Ernährung leisten können und leisten.

 

Die Hauptproduzenten von Soja sind heute die Vereinigten Staaten von Amerika, Brasilien, Argentinien, China und Indien. Nach wie vor sind die USA der Top-Produzent, sind aber bereits im Vergleich zu Gesamtlateinamerika eingeholt und es wird erwartet, dass demnächst Brasilien den ersten Platz belegen wird.

 

 Wie unsere gesamte industrialisierte Landwirtschaft, erfolgt der Sojabohnenanbau im Regelfall in Form riesiger Monokulturen. In Brasilien trägt der Sojabohnenanbau daher zur weiteren Zerstörung des noch vorhandenen Urwaldes bei, beeinträchtigt dadurch die Artenvielfalt und fördert den Treibhauseffekt. Zudem breitet sich gentechnisch verändertes Soja immer stärker mit letztlich nicht vorhersehbaren Folgen für die Umwelt und die Gesundheit aus.

 

Die problematischen Folgen des Sojabohnenanbaus werfen auch für vegan lebende Menschen kritische Fragen nach den ethischen Implikationen ihres Konsumverhaltens auf. Solche Fragen werden Veganern auch immer wieder von Fleischessern gestellt, wie sich beispielsweise anhand der Sichtung von Foren- und Facebook-Diskussionen erkennen lässt.

 

Bei näherer Betrachtung sind die Vorwürfe an die Veganer aber unbegründet:

 

Veganer müssen sich in der Tat keine Sorgen um ihren im Durchschnitt erhöhten direkten Konsum von Sojabohnen machen. Hiergegen spricht vorwiegend der Fakt, dass die überwältigende Mehrheit der angebauten Sojabohnen nicht direkt von Menschen konsumiert wird, sondern im Rahmen der Tierfütterung weiter verwendet wird. Der direkte menschliche Konsum liegt nach Schätzungen bei ca. 6% und findet vorwiegend in Asien statt. Der Rest wird an Tiere verfüttert oder aber (ein kleiner Teil) zur Industrieproduktion und   „Ökodieselherstellung“ verwandt. In den USA liegt der Anteil des für den menschlichen Konsum verwandten Soja noch einmal weitaus geringer (siehe hier).

 

Der  weltweite wirtschaftliche Gewinn mit Soja wird fast ausschließlich durch seine Funktion als Tierfutter erzielt. Soja wird dabei oftmals als Futter erster Wahl für „Nutztiere“ betrachtet. Die US Sojalobby-Organisation soytech.com gibt entsprechend auch regelmäßig Publikationen heraus, wie das aktuelle White Paper „Opportunities and Challenges for Increasing U.S. Exports to the Global Animal Feed Industry“. Diese und weitere Veröffentlichungen der US Soja-Lobby dürfen nicht frei ins Internet gestellt werden, können aber nach Registrierung kostenfrei bezogen werden, während der alljährliche Soyfoodsreport mehr als 2000 Dollar kostet, so dass wir auf seinen Bezug verzichtet haben. Aber bereits aus den kostenlosen Dokumenten geht eindeutig sowohl hervor, dass der Sojabohnenmarkt mittlerweile hochgradig umkämpft ist und die USA um ihre Vormachtstellung fürchten als auch dass der gesamte Wettbewerb sich nahezu ausschließlich um die Verwendung von Soja als Futter für die industrielle Fleisch- und Milcherzeugung dreht.

 

Veganer konsumieren wohl im Durchschnitt etwas mehr direkte Sojaprodukte als Fleischesser und womöglich auch als Vegetarier, weisen aber eben dadurch in Wirklichkeit einen sehr viel weniger geringeren Sojaverbrauch auf.  Denn diejenigen, die Tierprodukte konsumieren, konsumieren mit diesen Produkten gleichzeitig auch das Soja, welches den Tieren ursprünglich gefüttert wurde. Da die Tiere aber keineswegs alle aufgenommene Energie in Fleisch, Milch und Eier umsetzen, sondern einen Großteil der Energie zunächst für die Aufrechterhaltung ihrer Lebensprozesse brauchen, muss ein Vielfaches an Sojaprotein verfüttert werden als dann an Fleisch-, Milch- und Eierprotein letztlich der menschlichen Ernährung zur Verfügung gestellt wird.

 

Nicht die vegane Lebensweise, sondern diejenigen, die Tierprodukte konsumieren, sind auf Verbraucherseite die Verantwortlichen für die ökologischen und sozialen Probleme, die mit dem weltweiten Sojaanbau verbunden sind. Der beste Weg, um die weiterhin ansteigende Sojaproduktion zu begrenzen, ist der Umstieg auf eine vegane Lebensweise, da in einer veganen Gesellschaft das Sojaprotein direkt konsumiert werden würde und somit nicht mehr wie bisher der allergrößte Teil des angebauten Soja für die menschliche Ernährung verloren ginge.

 

Dennoch sollten sich Veganer, auch wenn sie  mit ihrem Konsum weniger die Umwelt schädigen als Fleischesser, die Frage nach der Herkunft ihrer Sojaprodukte stellen und soweit als möglich auf ökologisch und fair produzierte Sojaprodukte ausweichen, um einen noch größeren Beitrag für Umwelt, Menschen und Tiere zu leisten, als sie es ohnehin bereits durch die Wahl der veganen Ernährung tun. Das im ökologischen Handel verkaufte Soja bzw. seine Produkte sind dabei ebenfalls gentechnikfrei. In keinem Fall haben aber Fleischesser eine Legitimation, um den veganen Sojakonsum zu beklagen, da das Beklagenswerte nicht  der Sojakonsum der Veganer, sondern der Fleisch und Sojakonsum  der Fleischesser ist.

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Kommentar von Maria KARL |

Die Importe stoppen durch regionalen Anbau ist
möglich ! Infos bei Maria Karl und bei Jörg:
mail:schaumthal.@gmx.at
Liebe Grüße
Maria Karl

Kommentar von gerda gisela von und zu frankenstein |

5 und 7 sind 175!

Kommentar von Ecco |

Gruselig, dass hier alle Fleischesser über einen Kamm geschert werden. Genauso fühlen sich doch sicher Veganer, wenn das mit Ihnen gemacht wird.

Nicht alle Fleischesser, würden industriell gefertigte Produkte in Massen verzehren. Es gibt genügend Möglichkeiten Fleisch aus Quellen zu beziehen, in denen Rinder z.B. einfach grasen. (nein, nicht nur in der Werbung!)

Ich frage mich persönlich nicht nur beim Sojaanbau, ob Lebensmittel aus industrieller Monokultur wirklich sinnvoll sind.

Leider habe ich selber noch keinen Veganer kennengelernt, der sich saisonal und regional ernährt (nur so gruselige Esser mit Tomaten im Februar aus Afrika).

Regional und Saisonal DAS halte ich für die richtige Wahl - dann bleibt schlussendlich nur noch die Diskussion um die Ethik und das Fleisch - da sage ich einfach jedem das Seine - der eine legt mehr Wert darauf das nur einzelne Tiere bewusst möglichst schmerzfrei getötet werden zum Verzehr - der andere nimmt eventuell in Kauf, dass bei den Getreideernten Kleintiere drauf gehen und wieder ein anderer schaut gar nicht hin oder schmückt sich nur mit einem "Modelabel". Bewusstsein für den eigenen Konsum - so oder so kommt daran keiner vorbei.