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Kampf um die vegane Wurst: Warum der Name zählt!

(Kommentare: 11)

rein vegan, lecker, ohne Fleisch und Tierleid, von Wheaty

Es scheint manchem harmlos, aber in Wirklichkeit ist es ein scharfer Angriff auf den Veganismus: Bauernverband, Fleischwirtschaft und der bundesdeutsche Landwirtschaftsminister Schmidt wollen es künftig verbieten, vegane Produkte als vegane Wurst, veganes Schnitzel oder veganen Gulasch zu verkaufen. Ein Verbot sei notwendig, weil die Verbraucher sonst getäuscht werden könnten.


Auch mancher Veganer hält Bezeichnungen, wie Wurst oder Schnitzel, für verzichtbar. Ohnehin essen Veganer nach einer Umfrage von vegan.eu eher nur selten Fleischersatz. Warum also die Aufregung?


Richtig ist, dass eine andere Benennung von veganer Wurst oder veganem Schnitzel sicherlich keinen Veganer davon abhalten würde, weiterhin vegan zu leben. Veganer werden auch das vegane Seitanbratstück kaufen. Doch bei der Diskussion geht es gar nicht um Veganer. In Wirklichkeit geht es der Fleischwirtschaft und ihren Lobbyisten nämlich um die Fleischesser.


Die Fleischwirtschaft fürchtet langfristig um ihre Kunden. Zwar befindet sich der Fleischkonsum weiterhin auf gigantisch hohem Niveau. Es ist aber eine gewisse Stagnation in den Industriestaaten erkennbar. Außerdem haben vegane Wurst, Schnitzel und Co. in den letzten Jahren dramatische Absatzsteigerungen erfahren - fraglos nach wie vor auf niedrigem Niveau, aber der Absatz veganer Produkte ist steigend.


Langfristig könnten vegane Wurst und veganes Schnitzel der Fleischwirtschaft tatsächlich gefährlich werden:

 

  • Veganer Fleischersatz entspricht geschmacklich und von der Konsistenz immer mehr dem Original. Teilweise gelingt es selbst routinierten Fleischessern nicht mehr, zwischen dem Tierprodukt und dem veganen Produkt zu unterscheiden. Fleischesser essen aber in ihrer überwältigenden Mehrheit zu aller erst wegen des Geschmackes Fleisch. Fast kein Fleischesser hat für seine Lebensweise tiefgreifende Gründe, abgesehen von teilweise nach wie vor vorhandenen unbegründeten gesundheitlichen Bedenken.
  • Die Diskussion um die Gesundheit von Fleisch und veganer Ernährung wird von der Fleischwirtschaft zunehmend verloren. Es gibt noch konservative Rückzugsgefechte. Ein Beispiel hierfür ist die kritische Position der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zur veganen Kinderernährung. Aber international spricht sich immer mehr rum, dass eine vegane Ernährung gesund ist. Eindrucksvoll hat dies soeben der weltweit größte ernährungswissenschaftliche Fachverband, die Academy of Nutrition and Dietetics, bestätigt.
  • Die wenigsten Fleischesser erfreuen sich an der Sachlage, dass für ihr Essen Tiere leiden und sterben mussten. Im Gegenteil ist vielen fleischessenden Menschen dieser Gedanke so unangenehm, dass sie ihn weit zurückdrängen. Sie versuchen das lebendige Tier von dem Essen auf dem Teller zu trennen. Trotzdem ist es ihnen letztlich bewusst, dass ihr Essen auf Leid und Grausamkeit beruht. Die Macht der Gewohnheit und die scheinbare Normalität des Fleischkonsums bleiben aber oft stärker.
  • Das vegane Schnitzel (100% pflanzlich) neben dem Schnitzel aus Tieren macht jedem Konsumenten sofort deutlich, dass für sein Schnitzel kein Tier zu sterben braucht. Die Macht der Gewohnheit und der Geschmack rufen nach Schnitzel, das vegane Schnitzel kann so eine ernsthafte Alternative werden. Je mehr vegane Produkte mit gleichem Namen sich in den Kühltruhen und Supermarktregalen befinden, umso mehr werden fleischessende Menschen beginnen, diese auszuprobieren und - wenn sie schmecken - regelmäßig zu konsumieren. Je ununterscheidbarer also Konsistenz und Geschmack der veganen Produkte von den Fleischprodukten werden, desto mehr werden die veganen Produkte langfristig die Fleischprodukte verdrängen können. Dies aber ist für die Fleischwirtschaft ein Schrecken.
  • Manche mögen denken, es wäre reichlich oberflächlich, auf dem Namen rumzureiten. Aber es ist genau diese Oberflächlichkeit, die einen großen Teil des Konsumverhaltens bestimmt. Mit dieser Realität müssen sich auch Veganer arrangieren, wenn sie eine Verbreitung des Veganismus erreichen wollen. Kasseler, Wiener Schnitzel und Weißwurst, werden von den meisten Konsumenten genau deshalb gekauft, weil sie diese Namen tragen, die wiederum mit bestimmten Geschmackserlebnissen verbunden sind. Der effektivste Weg, Fleischesser vom Fleisch abzubringen, ist es daher, ihnen die gleichen Namen und die gleichen Geschmackserlebnisse zu bieten. Das weiß auch die Fleischlobby, und genau deshalb setzt sie alles daran, diesen Weg zu blockieren.
  • Um Verbraucherschutz geht es der Fleischlobby in keiner Art und Weise. Dieser wird nur für den Angriff auf den Veganismus instrumentalisiert. Die Produkte der Fleischwirtschaft sind gesundheitsschädlich und ökologisch unverträglich. Sie sind zudem Qualprodukte, die auf einem barbarischen Umgang mit Tieren beruhen.


Die zunehmende Popularität des Veganismus führt zu Gegenreaktionen. Die Diskussion um angebliche Gesundheitsschäden durch vegane Ernährung oder die angeblichen unzähligen künstlichen Zusatzstoffe in veganen Produkten sind hierfür Beispiele aus der letzten Zeit. Sie genügen aber nicht, um die Ausbreitung der veganen Lebensweise ernsthaft zu gefährden. Studie auf Studie belegt, dass die vegane Ernährung gesünder ist als Mischkost mit Fleisch. Zudem kann sich jeder Konsument leicht davon überzeugen, dass in veganen Produkten nicht mehr, sondern in der Regel weniger Zusatzstoffe enthalten sind als in nicht-veganen Produkten. Ein Großteil der veganen Produkte ist in Bio-Qualität verfügbar.

 

Das Märchen der Künstlichkeit der veganen Ernährung kann der Attraktivität veganer Lebensmittel vermutlich keinen dauerhaften Schaden zufügen. Deshalb möchte die Fleischlobby jetzt alle Bezeichnungen verbieten lassen, die Fleischkonsumenten täglich in der Supermarkttheke darauf hinweisen, dass sie heute ihre Geschmacksvorlieben auch ohne Tierleid und Blutvergießen erfüllen können.


Veganer, Vegetarier und alle, die der Skrupellosigkeit der Fleischlobby einen Riegel vorschieben möchten, sollten sich gegen das angestrebte Namensdiktat entschieden zur Wehr setzen.


Zu hoffen ist, dass sich auch die Verbraucherverbände nicht durch den angeblichen Verbraucherschutz einwickeln lassen und sich dem Widerstand anschließen. Landwirtschaftsminister Schmidt hat darauf hingewiesen, dass die durch ihn angestrebten Regulierungen in Fachkommissionen, in denen auch die Verbraucherzentralen ihren Sitz haben, ausgearbeitet werden sollen. Der Verfasser hat beim Bundesverband der Verbraucherzentralen angefragt, aber bisher keine Antwort zu ihrer Position erhalten.


Sachlage ist, dass alle möglichen Bedenken im Hinblick auf „Verbrauchertäuschung“ dadurch ausgeräumt werden können, dass vegane Produkte unübersehbar als vegan deklariert werden. Der Begriff vegan kann gemeinsam mit den traditionellen Bezeichnungen, wie Schnitzel oder Wurst alle Unsicherheit ausräumen und die Verbraucher sofort sichtbar über den tierleidfreien Charakter sowie auch den Geschmack und die Zubereitung eines Produktes informieren.


Über die Positionierung der Verbraucherzentralen werden wir auf vegan.eu berichten, sobald uns hierzu genauere Informationen vorliegen.

 

Verfasser: Guido F. Gebauer

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Kommentar von avap |

Gut, dass unser Lobbyminister keine Bedenken im Hinblick auf „Verbrauchertäuschung“ hat, wenn es um Gelatine in Säften, Filtrierung von Bier durch Fischblasen oder Federn Haare und Borsten im Brot geht... Wann kriegt der Mann endlich seinen wohlverdienten Schlaganfall??

Kommentar von Bernd |

Einer der schwächsten Minister eines schwachen Kabinetts versucht sich über Nebenkriegsschau-plätze zu profilieren. Minister Schmidt ist Minister und gleichzeitig grösster Lobbyist mit seiner Haltung für die grossen Probleme in unserer Landwirtschaft, die u.a. Massentierhaltung, Überdüngung, Anbau von Pflanzen für Energie etc verantwortlich ist.
Ich bin kein Veganer oder Vegetarier, sehe Fleisch aus artgerechter Haltung und unter würdigen Bedingungen als Teil eines kompletten Nährungsprogrammes, den ich so klein wie möglich halte und dabei auf die regionalen Erzeugnisse achte und keine Discounter oder Grossmarktprodukte kaufe.

Kommentar von Adelgunde |

Was ist mit der Erbswurst? Die gibt es schon seit mindestens 50 Jahren und die Fleischindustrie oder der Landwirtschaftsminister haben es nicht als Verbrauchertäuschung angesehen.
Ausserdem unterstellen die Herren den Verbrauchern, dass sie zu dumm sind, den Unterschied zu erkennen.
Das ist schlichtweg unverschämt!
Sichlich ist es eine Taktik um die vegane Lebensweise zu behindern und es ist der Beweis, dass vegan so weit verbreitet ist, dass sie Angst bekommen!

Kommentar von Martin |

@avap: 1. In Brot finden sich keine Federn oder Borsten, sondern höchstens Kleinstmengen eines Stoffes, der aus diesen gewonnen wird.
2. Wie das wohl nach außen wirkt, wenn Veganer, die ja das Ende von Gewalt propagieren, Menschen den Tod wünschen, kann man sich ja denken.

Kommentar von otto |

Kann mir mal Jemand erklären wie das Gemenge aus gekeimten Soja ohne zugesetzte Geschmaksstoffe nach Schnitzel schmecken soll ?

Kommentar von Müller |

Es wird endlich Zeit für die Wahrheit rund um den Tiermissbrauch.
Mit veganen Grüssen

Katrin Müller

Kommentar von Csarnok |

Nein, Wurst habe ich noch nie gegessen. Möchte auch nicht so eine "Geschmackvortäuschung" schmecken. Also für mich keine Fleischersatzprodukte. Man braucht doch diese Produkte nicht.

Kommentar von Drawida |

Es ist ein sprachlicher Schwachsinn und entbehrt jeder Logik, das Wort "Wurst" nur für Fleischprodukte zulassen zu wollen. Wenn das gelingen sollte, dann ist der Verwurstung unserer Sprache Tür und Tor geöffnet! Wurst ist das Wort für eine langegezogene runde Form von Substanzen welcher Art auch immer.

Kommentar von Martin |

@otto: Gerne, aber vielleicht kannst du uns erst einmal erklären, wie das Gemenge aus Muskelfasern, Sehnen und Fett einer Leiche ohne zugesetzte Geschmacksstoffe (und einer Panade) nach Schnitzel schmecken soll? Und was soll eigentlich so pauschal schlimm an Geschmacksstoffen sein? Passend hierzu auch: "Hey Veganer, eure Ersatzprodukte sind chemisch und ungesund!" vom Artgenossen: https://www.youtube.com/watch?v=lU44byC0140

Kommentar von Martin |

@Bernd: 1. Es gibt keine artgerechte Haltung zur Vernutzung von Tieren. Das ist ein Mythos, den sich Karnisten gegenseitig einreden. Du kannst dich einmal bei vegan.eu zum Beispiel umschauen, oder das hervorragende Buch von Hilal Sezgin "Artgerecht ist nur die Freiheit" lesen. Es gibt auch ein empfehlenswertes Video vom Artgenossen zu einem ähnlichen Thema https://www.youtube.com/watch?v=d8ZSNtEUct0 und einen Artikel auf veganswer http://veganswer.de/ich-esse-nur-fleisch-von-tieren-aus-artgerechter-haltung-ausfuehrlich dazu.

2. Bewerte bitte die Tötung eines empfindungsfähigen, bewussten Lebewesens alleine aufgrund deines - physiologisch unnötigen - Wunsches, Fleisch zu essen, aus der Sicht des Tieres. Wo ist da die Würde, von der du sprichst?

3. "komplettes Nährungsprogramm" hört sich schön und gut an, und Karnisten nennen sich auch gerne "Mischköstler", um anzudeuten, dass von allem etwas dabei ist. Das stimmt aber nicht. Wer hier Nutz-, Wild- oder Haustier ist, das ist eine willkürliche Festlegung der jeweiligen Kultur. Dein Körper braucht keine Leichenteile von Schweinen, Rindern oder Vögeln, um gesund zu sein. Das ist der Konsens unter den Ernährungswissenschaftlern weltweit und ist auch empirisch durch die hunderten Millionen Vegetarier weltweit belegbar. Man kann sich auch vegan ernähren, was im Hinblick auf das leidvolle Leben und den frühzeitigen Tod der "Milchkühe" und der "Legehennen" ethisch konsequent ist, und zugleich alle Nährstoffe in ausreichenden Mengen zu sich nehmen. Siehe dazu auch die Position der Academy of Nutrition and Dietetics, von der kürzlich bei vegan.eu berichtet wurde. Eine vegane Ernährung kann also *objektiv*, wenn man sie richtig macht, ebenfalls ein "komplettes Nahrungsprogramm" sein.

4. Du gehst sofort in den Defensivmodus, nachdem du von deinem Fleischkonsum berichtet hast. Vielleicht solltest du dir einmal Gedanken machen, warum du das überhaupt tust bzw. tun musst. Ist es wirklich in Ordnung, etwas zu essen, wofür man sich - innerlich, nicht nur anderen gegenüber - rechtfertigen muss?

5. Du schreibst, dass du den Fleischkonsum so klein wie möglich hältst. Wenn du das wörtlich nehmen würdest, dann wärst du Vegetarier. Die Null ist halt die kleinste natürliche Zahl. Das wird oftmals vergessen bei der Debatte um das löbliche "weniger Fleisch essen": Es ist konsequent und für alle Beteiligten am besten, gar kein Fleisch zu essen. Denn alle Gründe, die für eine Reduktion des Fleischkonsums sprechen, sind letztlich Gründe dafür, gar kein Fleisch zu essen. Bitte ziehe das noch einmal in Betracht.

Kommentar von Simone |

Diese Minister verwundern mich immer wieder: wer legt denn endlich einmal Wert und kämpft für die ausführliche Deklaration von allen Lebensmitteln (besonders Fleisch- und Wursterzeugnissen) zum Verbraucherschutz? Hier wird immer wieder rumgeeiert. Und die großen Firmen springen schön auf den vegetarischen Zug auf mit ihren komischen Produkten. Die Umsätze sind hier in den letzten Jahren sehr gestiegen. Unglaublich. Da denkt der Fleisch-Esser, er tut sich etwas Gutes und hat genausoviel Zusätze und Hühnerprodukte aus Legebatterien in der "veg. Wurst". Da können sich doch bewusst lebende Menschen nur veralbert vorkommen.