Wie stehen Veganer:innen zu Religion, Spiritualität und Politik?

Wie stehen Veganer:innen zu Religion, Spiritualität und Politik?

Vegan-Umfrage zeigt religionskritische Grundhaltung und geringe Zusammenhänge zwischen religionsbezogenen und politischen Einstellungen

Fragestellungen

  • Zeigen Veganer:innen eine besonders hohe oder auffällige Affinität zu Religion, Spiritualität oder gar Esoterik, oder stehen Veganer:innen Religiosität und Spiritualität eher kritisch gegenüber?
  • Welche Zusammenhänge gibt es bei Veganer:innen zwischen ihren Einstellungen zu Religion und Spiritualität und ihren politischen Ansichten?
  • Ist ein möglicher Zusammenhang zwischen esoterischen Vorstellungen und politischen Einstellungen spezifisch auf Esoterik bezogen, oder zeigt sich ein solcher Zusammenhang auch für andere, stärker traditionelle religiöse Vorstellungen, wie das Christentum oder andere große Religionen?

Kurzzusammenfassung der Befunde

Veganer:innen im deutschsprachigen Raum stehen Religion mehrheitlich kritisch und Spiritualität überwiegend neutral bis kritisch gegenüber. Religions- und spiritualitätsbezogene Einstellungen spielen für die politischen Einstellungen von vegan lebenden Personen eine nur geringe Rolle. Dies sind die Hauptbefunde einer umfassenden Befragung durch vegan.eu, an der sich 2161 nach eigenen Angaben vegan lebende Personen im Alter von 18 bis 84 Jahren beteiligten.

Relevante Einzelbefunde

Verbreitung religionsbezogener Einstellungen bei Veganer:innen

Die befragten Veganer:innen aus dem deutschsprachigen Raum waren mehrheitlich religionskritisch eingestellt:

  • 56,6 % gaben an, Religion im Allgemeinen abzulehnen oder stark abzulehnen. Weitere 30,6 % benannten eine neutrale Einstellung zu Religion. Lediglich 12,8 % äußerten Zustimmung oder starke Zustimmung zu Religion, wobei nur 2,3 % Religion im Allgemeinen stark zustimmten.

Gegenüber einer nicht an eine bestimmte Religion gebundenen Spiritualität zeigte sich eine offenere, aber ebenfalls mehrheitlich nicht zustimmende Haltung:

  • 41,3 % bezeichneten ihre Einstellung zu Spiritualität als neutral. 31,8 % lehnten Spiritualität ab oder stark ab. 26,9 % stimmten Spiritualität zu oder stark zu, wobei 5,2 % eine starke Zustimmung angaben.

Eine starke Zustimmung im Sinne eines dezidierten Glaubensbekenntnisses wurde von den befragten Veganer:innen für alle erfassten Einzelreligionen und spirituellen Richtungen nur selten benannt:

  • Am häufigsten wurde ein solches Bekenntnis benannt für den Buddhismus mit 8,7 %, gefolgt vom Christentum mit 4,7 %, Jainismus mit 2,8 %, esoterischer Spiritualität mit 2,6 %, Anthroposophie mit 2,2 %, Hinduismus mit 2,0 %, Judentum mit 0,6 % sowie vom Islam mit 0,3 %.

Deutlich stärker fiel die starke Zustimmung zu Atheismus und Agnostizismus aus:

  • 26,0 % gaben eine starke Zustimmung zum Atheismus an. Eine starke Zustimmung zum Agnostizismus äußerten 12,4 %.

Dezidierte atheistische und agnostische Selbstverortungen waren damit unter den Befragten erheblich häufiger als dezidierte Bekenntnisse zu einzelnen Religionen oder spirituellen Richtungen.

Zusammenhänge zwischen Religion, Spiritualität und politischen Einstellungen

Die Auswertung zeigte statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen religions- und spiritualitätsbezogenen Einstellungen und politischen Einstellungen, die aber durchweg gering ausfielen:

  • Nur 6,2 % der Unterschiede in den politischen Einstellungen ließen sich statistisch durch Unterschiede in den Einstellungen zu Religion und Spiritualität erklären.

  • Die wichtigste Haupttendenz erklärte lediglich 4,9 % der politischen Unterschiede der Befragten und bestand darin, dass mehrere religiöse und spirituelle Orientierungen, darunter Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Esoterik und Anthroposophie, geringfügig mit stärker autoritären und konservativeren politischen Einstellungen verbunden waren. Atheismus, Religionskritik und Spiritualitätskritik standen demgegenüber geringfügig mit weniger autoritären und stärker linksorientierten sowie emanzipatorischen politischen Positionen in Zusammenhang.

Weitere, deutlich schwächere Zusammenhangsmuster zeigten jedoch ein differenzierteres Bild, bei dem einzelne religiöse und spirituelle Orientierungen mit friedenspolitischen, antikolonialen, flüchtlingsfreundlichen oder toleranzbezogenen Positionen assoziiert sein konnten.

Resümee

Insgesamt sprechen die Befunde nicht für eine besondere Affinität vegan lebender Personen im deutschsprachigen Raum zu Religion, Spiritualität oder Esoterik. Selbst bei denjenigen Veganer:innen, die tatsächlich eine solche Affinität zeigen, sprechen die Befunde zudem gegen die Annahme, dass ihre religiösen oder spirituellen Einstellungen einen maßgeblichen Einfluss auf ihre politischen Überzeugungen ausüben. Ebenso lässt sich in den vorliegenden Befunden keine spezifische Sonderrolle esoterischer Einstellungen als potenzieller Nährboden für rechtsgerichtetes Denken bei vegan lebenden Personen erkennen. Vielmehr unterstützen die Befunde das Bestehen einer allerdings nur schwachen Assoziation zwischen religiösen Vorstellungen im Allgemeinen, einschließlich christlicher Glaubensvorstellungen, und konservativeren politischen Einstellungen. Gleichzeitig legen die Befunde ebenfalls nahe, dass religiöse und spirituelle Vorstellungen in einzelnen Bereichen auch umgekehrt in eine nichtkonservative Richtung wirken können.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund der Auswertung

Methodische Aspekte und Generalisierbarkeit

Das Nationale Ernährungsmonitoring des Max Rubner-Instituts fand 2025 in einer repräsentativen Online-Befragung für Deutschland, dass etwa 1 % der Befragten angaben, sich vegan zu ernähren. Umfangreiche repräsentative Untersuchungen im engeren Sinne mit großen veganen Stichproben sind aufgrund dieses sehr geringen Anteils von Veganer:innen an der Gesamtbevölkerung kaum möglich. Um dennoch zu robusten Ergebnissen mit möglichst guter Generalisierbarkeit zu gelangen, wurden in unserer Umfrage eine sehr breite Rekrutierung über verschiedene Kanäle (Facebook, Reddit, vegane Newsletter, Gleichajmlng/Vegan.eu, Restgruppe diverse Kanäle) und umfangreiche Kontrollen bezüglich Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungsweg umgesetzt. Die Befunde erwiesen sich dabei aber robust und daher in gutem Ausmaß generalisierungsfähig für Veganer:innen im deutschsprachigen Raum.

In die Auswertung gingen 2.161 nach eigenen Angaben vegan lebende Menschen vorwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ein, wobei ein sehr kleiner Anteil auch aktuell in anderen Ländern lebte. Die Befragten waren zwischen 18 und 84 Jahren, unter ihnen 1.417 Frauen, 639 Männer sowie 105 nichtbinäre Personen.

Das Überwiegen von Frauen in der Stichprobe entspricht dem Sachverhalt, dass es deutlich mehr Veganer:innen als vegane Männer gibt, und spricht insofern nicht gegen, sondern für eine gute Übertragbarkeit der Befunde auf die deutschsprachige vegane Community insgesamt.

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Inhaltliche Kontroversen

Im Rahmen dieser weiteren Auswertung unserer großen Vegan-Umfrage 2025 widmen wir uns Fragen über eine mögliche Nähe zwischen Veganismus, Religion, Esoterik und konservativem oder rechtsgerichtetem Denken, die teilweise kontrovers diskutiert werden:

Während der COVID-Pandemie wurden zudem im Rahmen der öffentlichen Aktionen und Proteste von Gegnern der Maßnahmen gesellschaftlich prägnant Zusammenhänge zwischen esoterischem Denken, Verschwörungsdenken und rechtsgerichteten Positionen sichtbar:

  • Der zuvor in der veganen Community umstrittene, aber prominente Vegankoch Attila Hildmann griff in diesen Diskurs öffentlich mit rechtsextremen Positionen ein, was den Eindruck eines generellen Problems innerhalb der veganen Community verstärkte. Eine umfangreiche Umfrage von vegan.eu zeigte allerdings damals, dass Veganer:innen in besonders geringem Ausmaß Verschwörungstheorien und rechtsgerichtetes Denken vertreten, woraus sich eine hitzige Diskussion mit Mira Landwehr entwickelte.

Über die Frage der veganen Lebensweise hinausgehend, wird seit der COVID-Pandemie noch einmal verstärkt öffentlich ein enger Bezug zwischen spirituell-esoterischen Vorstellungen und rechtsgerichtetem Denken gesehen:

  • Während jedoch für eine Nähe zu Verschwörungsdenken tatsächlich auch quantitative und international publizierte Befunde vorliegen, gibt es zur Frage eines tatsächlichen und womöglich kausalen Zusammenhangs zwischen esoterischem Denken und politisch rechtsgerichtetem Denken erstaunlicherweise kaum belastbare Forschungen, die über kleinere qualitative Untersuchungen hinausgehen, deren Befunde empirisch nicht generalisiert werden können.

Unbestritten ist dabei, dass es zahlreiche rechtsgerichtete esoterische Traditionen gibt, die bis heute fortbestehen beziehungsweise auch in aktuellen esoterischen Bewegungen erkennbar sind. Die Darstellung dieser Sachlage und deren theoretische Einbettung allein genügen jedoch nicht, um einen tatsächlich kausal wirksamen Bezug zwischen Esoterik und rechtsgerichtetem Denken aufzuzeigen. Hierzu wäre vielmehr erforderlich, empirisch zu zeigen, dass psychometrisch erfasste Bezüge zu esoterischem Denken auch bei Durchführung angemessener Kontrollen, wie für Geschlecht, Alter, Bildungsstand oder auch allgemeine Religiosität etc., systematisch mit einer stärkeren Neigung zu rechtsgerichtetem Denken verbunden sind.

Ohne solche kontrollierten Untersuchungen besteht die Gefahr generalisierender Fehlschlüsse, die letztlich ihrerseits als Stereotypisierung und Vorurteile zu bewerten wären:

  • So könnte es beispielsweise sein, dass Religionen im Allgemeinen und nicht spezifisch esoterische Vorstellungen mit einer gewissen Nähe zu stärker konservativem oder rechtem Denken verbunden sind. Wäre dies der Fall, wäre Esoterik hierfür nur ein Einzelbeispiel, dessen selektives Herausgreifen wiederum eine unberechtigte Ausgrenzung von Personen mit esoterischen Glaubensinhalten fördern könnte.

Mithilfe unserer Umfrage wollten wir spezifisch für die vegane Community herausfinden, ob tatsächlich eine besondere Affinität der veganen Lebensweise zu religiösem, spirituellem oder esoterischem Denken feststellbar ist sowie, wie solche religiösen oder spirituellen Einstellungen oder Glaubensvorstellungen innerhalb der veganen Community mit den politischen Grundhaltungen der betreffenden Personen zusammenhängen.

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Ergänzung vorheriger Befunde

Die aktuelle Auswertung stellt eine durch den Einbezug der Zusammenhänge zwischen religiösen Überzeugungen und politischen Einstellungen gekennzeichnete ergänzende Analyse einer bereits zuvor veröffentlichten Auswertung zu den politischen Einstellungen von Veganer:innen dar.

In dieser vorherigen Auswertung wurde unter anderem deutlich, dass Veganer:innen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung bei Weitem stärker links positioniert sind, seltener zu autoritärem Denken neigen und in jeweils großer Mehrheit emanzipatorische Zielstellungen verfolgen, wie drastische Maßnahmen gegen den Klimawandel, Gleichberechtigung von Homosexuellen und Bisexuellen, Gleichberechtigung von nichtbinären und Transgender-Personen, Abschaffung des Patriarchats, Bekämpfung von Armut und sozialer Ungleichheit, Entschädigung für den Kolonialismus, antimilitaristische Friedenspolitik sowie Einsatz für Tierrechte. Diese Befunde zeigten bereits, dass Veganer:innen gerade nicht zu rechtsgerichtetem Denken neigen, sondern im Gegenteil der gelebte Veganismus von den Betreffenden als im Wesentlichen unvereinbar mit konservativem, autoritärem und rechtsgerichtetem politischem Denken aufgefasst wird.

Während diese Befundlage an sich bereits ein starkes Argument gegen die Vermutung darstellt, der Veganismus würde eine Affinität zu konservativem, autoritärem oder rechtsgerichtetem Denken aufweisen, geht es in der aktuellen Auswertung spezifisch um die Prüfung der ebenfalls geäußerten Vermutungen, dass Veganer:innen eine Affinität zu Esoterik und spirituellen Glaubensinhalten aufwiesen, die wiederum ihrerseits mit einer vermuteten Affinität zu rechtsgerichtetem Denken zusammenhängen würden.

Würden diese Vermutungen zutreffen, wäre zu erwarten, dass in einer veganen Stichprobe, die die vegane Community breit abbildet, eine große Anzahl an Personen mit esoterischer Denkweise anzutreffen wäre und zudem spezifisch diese Personen in stärkerem Ausmaß als die anderen, nicht esoterischen Veganer:innen zu rechtsgerichtetem Denken neigen würden.

Während es zu diesen Fragen eine Reihe von Vermutungen und kontroversen Diskussionen gibt, fehlten vor dieser aktuellen Auswertung nahezu komplett empirische Daten, sodass die Diskussion bisher zu einem guten Teil rein theoretisch-postulierend oder anhand von Einzelfällen generalisierend wie in einem faktisch leeren Raum geführt wurde.

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Die Stichprobe

Wie bereits in unserer Auswertung zu den verschiedenen Gruppen von Veganer:innen im deutschsprachigen Raum dargestellt, liegt auch der aktuellen Analyse dieselbe Stichprobe zugrunde.

Gewinnung der Teilnehmenden

Die Teilnehmenden wurden über verschiedene Wege gewonnen.:

  • 824 Personen oder 38,1 % wurden über Facebook rekrutiert, insbesondere durch zielgruppenbezogene Werbung und Beiträge in veganen Gruppen. 463 Teilnehmende oder 21,4 % kamen über Werbung in veganen Newslettern zur Umfrage, 392 Personen oder 18,1 % über Reddit-Anzeigen und 318 Personen oder 14,7 % über die Netzwerke von Gleichklang und Vegan.eu. Weitere 164 Personen oder 7,6 % wurden über andere Wege erreicht, darunter Empfehlungen, Flyer, Google-Werbung und sonstige Maßnahmen.

In die aktuelle Auswertung wurden auch Personen einbezogen, die sich als vegan bezeichneten, jedoch nicht immer konsequent auf den vollständigen Ausschluss von Fleisch, Fisch, Milch und Eiern achteten.

Diese Auswertungsstrategie begründet sich auf Befunden einer vorherigen Clusteranalyse, die aufzeigte, dass es vegane Grenzgänger:innen gibt, deren Bezeichnung als vegan unterschiedlich gesehen werden kann.

Geschlecht, Alter, Bildung und Wohnsitzland

  • Unter den Teilnehmenden befanden sich 1.417 Frauen (65,6 %), 639 Männer (29,6 %) sowie 105 nichtbinäre Personen (4,9 %).
  • Das Alter lag zwischen 18 und 84 Jahren. Das Durchschnittsalter betrug 41,6 Jahre.
  • Die Stichprobe wies einen insgesamt hohen Bildungsstand auf. 75,9 % verfügten mindestens über Fachabitur oder Abitur. 42,2 % hatten ein Fachhochschul- oder Hochschulstudium abgeschlossen, 2,9 % waren promoviert und 0,4 % habilitiert. 24,1 % hatten kein Abitur. Darunter verfügten 0,6 % über keinen Schulabschluss, 4,3 % über einen Hauptschulabschluss und 19,2 % über einen Realschulabschluss.
  • Von den 2.161 Teilnehmenden lebten 1.914 Personen oder 88,6 % in Deutschland, 143 oder 6,6 % in Österreich und 86 oder 4,0 % in der Schweiz. Weitere 18 Personen oder 0,8 % lebten in anderen Ländern.

 

Merkmal
Verteilung
Geschlecht
1.417 Frauen (65,6 %) • 639 Männer (29,6 %) • 105 nichtbinäre Personen (4,9 %)
Alter
18 bis 84 Jahre • Durchschnittsalter: 41,6 Jahre
Bildungsstand
0,6 % kein Schulabschluss • 4,3 % Hauptschulabschluss • 19,2 % Realschulabschluss • 33,7 % Fachabitur oder Abitur • 42,2 % Fachhochschul- oder Hochschulabschluss • zusätzlich 2,9 % Promotion und 0,4 % Habilitation
Wohnsitzland
Deutschland: 88,6 % • Österreich: 6,6 % • Schweiz: 4,0 % • andere Länder: 0,8 %
Rekrutierung
Facebook: 38,1 % • vegane Newsletter: 21,4 % • Reddit: 18,1 % • Gleichklang/Vegan.eu: 14,7 % • weitere Wege: 7,6 %

Anmerkung zur Übertragbarkeit der Ergebnisse

Die Frage der Repräsentativität wurde bereits in mehreren vorherigen Auswertungen ausführlich erörtert und wird hier noch einmal in knapper Form wiederholt:

Eine formal repräsentative Zufallsstichprobe von Veganer:innen ist praktisch kaum erreichbar, da Veganer:innen nur einen kleinen Anteil der Gesamtbevölkerung ausmachen und für eine ausreichend große Zufallsstichprobe eine sehr hohe Zahl von Personen aus der Allgemeinbevölkerung befragt werden müsste.

Mehrere Befunde sprechen dennoch für eine gute Übertragbarkeit der Ergebnisse auf Veganer:innen im deutschsprachigen Raum:

  • Die zentralen Ergebnisse erwiesen sich über die verschiedenen Rekrutierungswege hinweg als weitgehend stabil. Ebenso blieben die wesentlichen Befunde bestehen, wenn Teilgruppen nach Geschlecht, Alter, Bildungsstand oder Wohnsitzland getrennt betrachtet wurden.
  • Auch die Zusammensetzung der Stichprobe entspricht bekannten Merkmalen von veganen Stichproben: Veganer:innen sind häufiger weiblich, im Durchschnitt jünger und formal höher gebildet als die Allgemeinbevölkerung. Die Abweichungen von der Gesamtbevölkerung sprechen daher nicht notwendig für eine Verzerrung, sondern bilden typische Merkmale vegan lebender Menschen ab.

Die Stichprobe kann somit nicht als formal repräsentativ bezeichnet werden. Aufgrund ihrer Größe, der vielfältigen Rekrutierungswege und der Stabilität der Ergebnisse über verschiedene Teilgruppen hinweg ist jedoch davon auszugehen, dass die wesentlichen Befundmuster auf Veganer:innen im deutschsprachigen Raum gut übertragbar sind.

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Erhobene Maße

Demografische Merkmale und Rekrutierungsweg

Als mögliche Einflussgrößen wurden Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungskanal erfasst. Diese Merkmale wurden in den weiterführenden statistischen Analysen als Kontrollvariablen berücksichtigt.

 

Bereich
Erfasste Merkmale
Demografische Merkmale
• Geschlecht • Alter • Bildungsstand • Wohnsitzland
Teilnahme an der Umfrage
• Facebook • Reddit • vegane Newsletter • Gleichklang/Vegan.eu • weitere Rekrutierungswege

Religiöse und spirituelle Einstellungen

Erfasst wurden zwei allgemeine Grundhaltungen zu Religion und Spiritualität sowie zehn Einstellungen zu konkreten Religionen, spirituellen Richtungen und nichtreligiösen Weltanschauungen.

Die Frage zur Religion im Allgemeinen lautete:

  • „Wie ist Ihre Einstellung zu Religion im Allgemeinen?“

Die Befragten konnten zwischen fünf Antworten wählen:

  • „Ich bin stark religiös orientiert“
  • „Ich bin religiös orientiert“
  • „Ich bin neutral zu Religion eingestellt“
  • „Ich lehne Religion ab“
  • „Ich lehne Religion stark ab“.

Die Frage zur Spiritualität lautete:

  • „Wie ist Ihre Einstellung zu Spiritualität, die nicht den Glaubensvorstellungen einer bestimmten Religion folgen muss?“

Auch hier standen fünf Antworten zur Verfügung:

  • „Ich bin stark spirituell orientiert“
  • „Ich bin spirituell orientiert“
  • „Ich bin neutral zu Spiritualität eingestellt“
  • „Ich lehne Spiritualität ab“
  • „Ich lehne Spiritualität stark ab“

Zusätzlich wurden die Einstellungen zu einzelnen Religionen sowie zu weiteren Vorstellungen und Positionen zu Religion erhoben. Erfasst wurden Christentum, Islam, Buddhismus, Judentum, Hinduismus, Jainismus, esoterische Spiritualität, Anthroposophie, Atheismus und Agnostizismus.

Die für alle diese Religionen und Positionen identisch gestellte Frage lautete:

  • „Welche Glaubensvorstellungen oder Einstellungen zu Religion teilen Sie persönlich? Geben Sie eine starke Zustimmung nur dann ein, wenn Sie die entsprechende Glaubensvorstellung oder Einstellung in allen wesentlichen Zügen teilen.“

Für jede Religion und jede Position standen vier Antwortstufen zur Verfügung:

  • „starke Ablehnung“
  • „Ablehnung“
  • „Zustimmung“
  • „starke Zustimmung“

Die starke Zustimmung sollte nur gewählt werden, wenn die jeweilige Glaubensvorstellung oder Einstellung in allen wesentlichen Zügen geteilt wurde. Sie ist daher als Ausdruck einer dezidierten Identifikation zu verstehen, wie sie bei einer Person zu erwarten wäre, die sich beispielsweise selbst als Christ, Buddhist, Atheist oder Agnostiker bezeichnet.

Die 12 religionsbezogenen Maße werden in dieser Tabelle zusammengefasst:

Bereich
Untersuchte Merkmale und Antwortskalen
Allgemeine religiöse und spirituelle Grundhaltungen
• Haltung zu Religion • Haltung zu Spiritualität
Antwortskala der allgemeinen Grundhaltungen
• starke Ablehnung • Ablehnung • neutral • Zustimmung • starke Zustimmung
Einstellungen zu konkreten Religionen und Weltanschauungen
• Christentum • Islam • Buddhismus • Judentum • Hinduismus • Jainismus • esoterische Spiritualität • Anthroposophie • Atheismus • Agnostizismus
Antwortskala der konkreten Einstellungen
• starke Ablehnung • Ablehnung • Zustimmung • starke Zustimmung

Politische Einstellungen

Die politischen Einstellungen wurden durch eine Links-rechts-Selbsteinordnung, die Balancierte Kurzskala autoritärer Einstellungen sowie zehn gesellschaftspolitische Anliegen erfasst. Die jeweiligen Maße werden im vorherigen Artikel „Umfrageergebnis: So denken Veganer:innen über Politik und Gesellschaft“ erläutert.

Diese Tabelle fasst die Maße zusammen:

 

Bereich
Untersuchte Merkmale und Antwortskalen
Politische Links-rechts-Selbsteinordnung
• zehnstufige Skala von 1 = ganz links bis 10 = ganz rechts • Werte von 1 bis 4 kennzeichnen eine linke Orientierung • Werte von 5 bis 6 liegen in der politischen Mitte • Werte von 7 bis 10 kennzeichnen eine rechte Orientierung
Autoritäre Einstellungen
• Balancierte Kurzskala autoritärer Einstellungen (B-RWA-6) von Aichholzer und Zeglovits • autoritäre Unterwürfigkeit • autoritäre Aggression • Konventionalismus
Antwortskala der autoritären Einstellungen
• trifft sehr zu • trifft eher zu • teils/teils • trifft eher nicht zu • trifft gar nicht zu
Gesellschaftspolitische Anliegen und Ziele
• Akzeptanz und Gleichberechtigung homosexueller und bisexueller Personen • Akzeptanz und Gleichberechtigung von Transgender- und nichtbinären Personen • Überwindung des Patriarchats und vollständige Geschlechtergleichberechtigung • drastische und sofortige Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe • Ausstieg aus der Nutzung von Tieren und Gewährleistung von Tierrechten • Stopp der europäischen Abschottungspolitik, sichere Fluchtwege und Schutz Geflüchteter • Entschädigungen und Wiedergutmachung für koloniale Gewalt und Ausbeutung • Beendigung von Armut und materieller Not • Überwindung sozialer Ungleichheit • offensive Entmilitarisierung und Entspannungspolitik
Antwortskala der gesellschaftspolitischen Anliegen
• starke Ablehnung • Ablehnung • Zustimmung • starke Zustimmung

Vier Cluster Veganer:innen Lebensweisen

Aufgrund einer bereits zuvor durchgeführten clusteranalytischen Auswertung (siehe „Vier vegane Lebenswelten im DACH-Raum“) wurde für jede befragte Person bestimmt, welchem von vier Clustern Veganer:innen Lebensweisen sie angehörte. Diese Zuordnung wurde zugrunde gelegt, um ergänzend zu untersuchen, inwiefern sich Unterschiede in religionsbezogenen Maßen auf die konkrete vegane Lebensweise im Sinne der Clusterzugehörigkeit auswirkten.

Für statistisch interessierte Leser:innen

Die statistische Auswertung erfolgte mit Verfahren der einfachen Korrelationsanalyse (Pearson Korrelation), der multiplen Korrelationsanalyse und der kanonischen Korrelationsanalyse, um sowohl einzelne Zusammenhänge als auch übergreifende Muster zwischen religionsbezogenen Einstellungen und politischen Einstellungen untersuchen zu können.

Mithilfe dieser Auswertungsstrategie konnten also sowohl einzelne Zusammenhänge zwischen konkreten religionsbezogenen Einstellungen und konkreten politischen Einstellungen sichtbar gemacht werden, zum Beispiel zwischen Christentum und autoritärem Denken, als auch multiple Zusammenhangsmuster betrachtet werden, wie das Ausmaß, in dem alle politischen Einstellungen zusammen Unterschiede in einer spezifischen religionsbezogenen Einstellung statistisch beeinflussen (multiple Korrelationen). Mithilfe der kanonischen Korrelationsanalyse ließen sich zudem übergreifende Muster identifizieren, in welchem Ausmaß und in welcher Art und Weise das gesamte Set aus politischen Einstellungen durch das gesamte Set aus religionsbezogenen Einstellungen statistisch beeinflusst wird.

Um eine Kontrolle der Auswirkungen von Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungsweg zu erreichen, wurden diese im Rahmen von Überprüfungen der Stabilität der Ergebnisse aus allen Einzelmaßen zu politischen Einstellungen und religionsbezogenen Einstellungen herausgerechnet. Die danach verbleibenden Zusammenhänge entsprachen inhaltlich den sogenannten partiellen einfachen, multiplen und kanonischen Korrelationen, die zeigen, wie Religion und Spiritualität mit den politischen Einstellungen zusammenhängen, wenn es keinerlei Einfluss von Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungsweg mehr gibt.

Da Geschlecht, Wohnsitzland und Rekrutierungskanal keine metrischen Variablen sind, wurden sie mithilfe optimaler Skalierung numerisch transformiert. Alter, Bildungsstand, die politischen Einstellungen sowie die Einstellungen zu Religion und Spiritualität wurden demgegenüber, wie dies allgemein üblich ist, als metrische Variablen behandelt. Eine Behandlung all dieser Maße als ordinale Merkmale im Rahmen der optimalen Skalierung wurde ebenfalls exploriert und führte zu nahezu identischen Ergebnissen.

Für die Bestimmung der Anzahl der zu betrachtenden kanonischen Zusammenhänge wurden als Kriterien die statistische Signifikanz, eine visuelle Sichtung des Scree-Plots sowie die Stärke der kanonischen Korrelationen zugrunde gelegt, wobei kanonische Korrelationen, die kleiner als 0,20 waren, nur sehr vorsichtig interpretiert wurden.

Bezüglich der Ladungen der Variablen in der kanonischen Korrelationsanalyse wurden nur Ladungen mit einem Betrag von mindestens 0,30 interpretiert.

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Einstellungen von Veganer:innen zu Religion und Spiritualität im Allgemeinen

Für die zusammenfassende Darstellung wurden die jeweils fünf Antwortmöglichkeiten für Religion und Spiritualität zu jeweils diesen drei Kategorien zusammengefasst:

  • Ablehnend
  • Neutral
  • Zustimmend

Die prozentuale Antwortverteilung in der veganen Stichprobe ist in Tabelle 1 dargestellt:

Tabelle 1. Allgemeine Einstellungen zu Religion und nicht religionsgebundener Spiritualität in der veganen Stichprobe, N = 2.161

Einstellung

ablehnend

neutral

zustimmend

Religion

56,6 %

30,6 %

12,8 %

Spiritualität

31,8 %

41,3 %

26,9 %

 

Sichtbar ist aus Tabelle 1, dass die Einstellungen zu Religion im Allgemeinen mehrheitlich kritisch ausfielen:

  • 56,6 % der Befragten lehnten Religion ab. Weitere 30,6 % waren neutral eingestellt. 12,8 % bezeichneten sich als religiös oder stark religiös.

Bei der nicht religionsgebundenen Spiritualität zeigte sich eine etwas andere Verteilung, wobei die größte Gruppe sich als neutral bezeichnete:

41,3 % wählten die Antwortkategorie „Neutral“. 31,8 % lehnten Spiritualität ab und 26,9 % bezeichneten sich als spirituell.

Ergänzend wurde betrachtet, wie viele Befragte jeweils die stärkste zustimmende Antwort wählten. Dabei wurden ausschließlich Personen berücksichtigt, die sich ausdrücklich als „stark religiös orientiert“ oder „stark spirituell orientiert“ bezeichneten. Die entsprechenden Anteile sind in Tabelle 2 dargestellt:

Tabelle 2. Starke Religiosität und starke nicht religionsgebundene Spiritualität in der veganen Stichprobe, N = 2.161

Einstellung

starke Bejahung

Religion

2,3 %

Spiritualität

5,2 %

 

Ersichtlich wird, dass sich nur 2,3 % der Befragten als stark religiös bezeichneten, während der Anteil von stark spirituellen Personen mit 5,2 % mehr als doppelt so hoch war, aber weiterhin gering blieb. Eine stark ausgeprägte religiöse oder spirituelle Identität lag insofern bei einem nur kleinen Anteil der untersuchten Veganer:innen vor.

Zustimmung zu spezifischen Religionen oder Vorstellungen zu Religion und Spiritualität

Die Befragten stuften jede einzelne Religion oder Einstellung zu Religion und Spiritualität unabhängig voneinander ein. Daher konnten die Befragten mehreren Religionen oder Vorstellungen gleichzeitig zustimmen. Die in Tabelle 5 gezeigten Prozentwerte der Zustimmung addieren sich entsprechend nicht zu 100 %:

Tabelle 3. Zustimmung und starke Zustimmung zu Religionen und Vorstellungen zu Religion in der veganen Stichprobe, N = 2.161

Religion oder Vorstellung

Zustimmung insgesamt

Nur starke Zustimmung

Atheismus

69,2 %

26,0 %

Buddhismus

58,2 %

8,7 %

Agnostizismus

50,0 %

12,4 %

Hinduismus

34,1 %

2,0 %

Christentum

29,6 %

4,7 %

Anthroposophie

29,1 %

2,2 %

Jainismus

26,0 %

2,8 %

esoterische Spiritualität

25,4 %

2,6 %

Judentum

23,0 %

0,6 %

Islam

12,3 %

0,3 %

 

Identifikation mit religionsbezogenen Einstellungen und Glaubensinhalten

Die starke Zustimmung war für die Teilnehmenden definiert als korrekte Angabe, wenn die Betreffenden sich glaubensbezogen maßgeblich mit einer entsprechenden Religion oder religiösen Sichtweise identifizieren.

Bei kursorischer Sichtung der Prozentsätze der starken Zustimmung fällt zunächst auf, dass eine starke Zustimmung im Sinne einer weitgehenden Identifikation mit einer spezifischen Religion ebenso wie mit Esoterik oder Anthroposophie nur sehr selten bei den Befragten auftrat. Demgegenüber wurde deutlich häufiger eine starke Zustimmung zum Atheismus geäußert:

  • 26,0 % der Befragten stimmten dem Atheismus stark zu. Weitere 12,4 % stimmten dem Agnostizismus stark zu.

Im Sinne einer dezidierten Selbstdefinition als buddhistisch, christlich, esoterisch, anthroposophisch etc. zeigte sich eine solche am häufigsten beim Buddhismus, wobei 8,7 % angaben, sich weitgehend mit dem buddhistischen Glauben zu identifizieren.

Es folgten das Christentum mit 4,7 %, der Jainismus mit 2,8 %, esoterische Spiritualität mit 2,6 %, die Anthroposophie mit 2,2 %, der Hinduismus mit 2,0 %, das Judentum mit 0,6 % und der Islam mit 0,3 %.

Eine starke Identifikation mit einer bestimmten Religion war somit durchweg selten, während eine Identifikation mit atheistischen und auch agnostischen Einstellungen zur Religion weitaus häufiger zu beobachten war.

Schwächere Formen der Zustimmung zu religionsbezogenen Einstellungen

Ebenfalls zu betrachten ist der Anteil der Befragten, der einer Religion oder Position zustimmte, ohne sie notwendigerweise in allen wesentlichen Zügen zu teilen. Hierfür war die Antwortkategorie „Zustimmung“ statt „starke Zustimmung“ vorgesehen.

Auch bei der einfachen Zustimmung erreichte der Atheismus mit 69,2 % mit Abstand die höchste Zustimmungsrate. Anders als bei der starken Zustimmung folgte hierauf jedoch der Buddhismus mit 58,2 %, während der Agnostizismus mit 50,0 % bei den befragten veganen Teilnehmenden an dritter Stelle genannt wurde. Das Christentum folgte mit 29,6 % erst an fünfter Stelle nach dem Hinduismus, der bei der einfachen Zustimmung einen prozentualen Wert von 34,1 % erreichte.

Differenzen zwischen einfacher und starker Zustimmung

Auffällig sind die massiven Differenzen zwischen einfacher und starker Zustimmung. Dies weist darauf hin, dass eine positive Bewertung einzelner Aspekte einer Religion bei den Befragten oft nicht zu einer umfassenden religiösen Identifikation führte. Vielmehr konnten offenbar viele Befragte bestimmten ethischen, philosophischen oder kulturellen Elementen zustimmen, ohne die jeweilige Religion jedoch im Sinne eines Glaubensbekenntnisses tatsächlich in ihren wesentlichen Zügen zu teilen.

Besonders deutlich ausgeprägt war die Differenz zwischen einfacher und starker Zustimmung beim Buddhismus, wo einer hohen einfachen Zustimmung von 58,2 % der Befragten eine deutlich geringere starke Zustimmung von lediglich 8,7 % gegenüberstand.

In beiden Analyseebenen, einfacher und starker Zustimmung, wird aus den Ergebnissen aber ebenfalls eine offenbar besondere Affinität der befragten Veganer:innen zum Buddhismus deutlich, die nur vom Atheismus übertroffen wurde.

Diese erklärt sich womöglich mit der Verbindung buddhistischer Vorstellungen zu Mitgefühl, Gewaltlosigkeit und dem Verzicht auf das Töten von Tieren. Diese Aspekte weisen eine erkennbare Nähe zu veganen Wertorientierungen auf.

Zudem wird der Buddhismus besonders im Westen und daher im deutschsprachigen Raum teilweise weniger als Religion im klassischen Sinne und stärker als philosophische oder ethische Orientierung verstanden. Es ist daher auch möglich, sich gleichzeitig mit buddhistischen Vorstellungen und Atheismus zu identifizieren, ohne sich selbst notwendigerweise als religiös zu bezeichnen. Auch von einzelnen Philosophen, etwa Arthur Schopenhauer, ist eine ausgeprägte Nähe zu buddhistischen Gedanken bekannt, ohne dass sie sich deshalb als religiös verstanden.

Vergleich der Maße zur allgemeinen Religiosität und Spiritualität mit spezifischen Erscheinungsformen

Auf den ersten Blick mögen die Daten dahingehend widersprüchlich wirken, dass sich bei der allgemeinen Frage nach Religion lediglich 2,3 % als stark religiös bezeichneten, während bei einzelnen Religionen höhere Werte starker Zustimmung auftraten. So stimmten beispielsweise 8,7 % dem Buddhismus und 4,7 % dem Christentum stark zu.

Diese Werte erfassen jedoch nicht vollständig dasselbe wie die Frage nach allgemeiner Religiosität:

  • Die allgemeine Frage bezog sich auf die Einstellung zu Religion insgesamt. Eine Person kann die zentralen Glaubensvorstellungen einer bestimmten Religion teilen und Religion dennoch wegen ihrer historischen, politischen oder gesellschaftlichen Wirkungen, institutionellen Strukturen, Dogmen oder Machtansprüche kritisch beurteilen. Ebenso kann eine Person sich grundsätzlich als einer Religion im Glauben zugehörig betrachten, diese aber als wenig wichtig oder zentral für die eigene Identität erleben.
  • Zudem bezeichneten sich immerhin 5,2 % der Befragten als stark spirituell, wobei es möglich ist, dass diese die jeweilige Religion ebenfalls eher als Ausdruck einer weniger engen Spiritualität ansehen oder in diesem Sinne bejahen.
  • Hinzu kommt, wie bereits für den Buddhismus ausgeführt, dass einzelne Traditionen nicht von allen Befragten gleichermaßen als Religion wahrgenommen werden. Eine Person kann buddhistischen Vorstellungen stark zustimmen und sich dennoch nicht als religiös bezeichnen.
  • Außerdem wurden die allgemeine Einstellung auf einer fünfstufigen Skala und die spezifischen Einstellungen zu den Religionen auf einer vierstufigen Skala erhoben, was ebenfalls zu moderaten Verlagerungen des Schwerpunktes bei der Beantwortung führen kann.

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Starke Identifikation mit Religionen, esoterisch-anthroposophischen Überzeugungen, Atheismus und Agnostizismus

Abschließend wurde nicht mehr jede Religion oder Position einzeln betrachtet, sondern untersucht, wie viele Befragte sich überhaupt mit mindestens einer der erfassten Kategorien stark identifizierten.

Für die starke religiöse Identifikation wurden die sechs erfassten Religionen Christentum, Islam, Buddhismus, Judentum, Hinduismus und Jainismus gemeinsam betrachtet. Als religiös gläubig wurde eine Person bereits dann eingeordnet, wenn sie mindestens einer dieser Religionen stark zustimmte.

Parallel wurde untersucht, wie viele Befragte mindestens entweder esoterischer Spiritualität oder Anthroposophie stark zustimmten. Diese Kategorie wird als esoterisch-anthroposophische Überzeugungen bezeichnet. Damit wird sie eindeutig von der zuvor erhobenen allgemeinen Spiritualität abgegrenzt, die nicht an die Glaubensvorstellungen einer bestimmten Religion gebunden sein musste und nicht automatisch mit Esoterik oder Anthroposophie gleichzusetzen ist.

Zusätzlich wurde ermittelt, wie viele Befragte mindestens einer Religion, esoterischer Spiritualität oder Anthroposophie stark zustimmten. Diesem Anteil wurde der Prozentsatz der Personen gegenübergestellt, die mindestens entweder dem Atheismus oder dem Agnostizismus stark zustimmten.

Bereits eine einzige starke Zustimmung innerhalb der jeweiligen Kategorie wurde als starke Identifikation gewertet. Die Ergebnisse sind in Tabelle 4 dargestellt:

Tabelle 4. Anteil der Befragten mit mindestens einer starken Identifikation mit Religionen, esoterisch-anthroposophischen Überzeugungen, Atheismus oder Agnostizismus, N = 2.161

Maß

mindestens eine starke Zustimmung

Religion oder esoterisch-anthroposophische Überzeugungen

17,4 %

Religion

15,3 %

esoterisch-anthroposophische Überzeugungen

4,2 %

Atheismus oder Agnostizismus

34,8 %

 

Sichtbar wird insbesondere das Folgende:

  • 15,3 % der Befragten stimmten mindestens einer der sechs erfassten Religionen stark zu. Damit brachte eine deutliche Minderheit eine starke Identifikation mit mindestens einer klassischen Religion zum Ausdruck.
  • Nur 4,2 % stimmten entweder esoterischer Spiritualität oder Anthroposophie stark zu. Die teilweise vertretene Auffassung, Veganer:innen hätten eine besondere Neigung zu Esoterik, wird durch diese Daten daher nicht bestätigt. Zwar äußerte jeweils ungefähr ein Viertel eine allgemeine Zustimmung zu esoterischer Spiritualität oder Anthroposophie. Eine starke Identifikation mit mindestens einer dieser beiden Vorstellungen war jedoch selten.
  • Werden Religionen, esoterische Spiritualität und Anthroposophie gemeinsam betrachtet, zeigen 17,4 % mindestens eine starke Identifikation. Dass dieser Anteil nur wenig über dem Anteil der starken religiösen Identifikation von 15,3 % liegt, verdeutlicht den geringen zusätzlichen Beitrag esoterisch-anthroposophischer Überzeugungen.
  • Deutlich häufiger als eine starke religiöse oder esoterisch-anthroposophische Identifikation war eine starke Zustimmung zu Atheismus oder Agnostizismus: 34,8 % der Befragten stimmten mindestens einer dieser beiden Positionen stark zu. Dieser Anteil war doppelt so hoch wie der Anteil von 17,4 %, der mindestens einer Religion oder einer esoterisch-anthroposophischen Vorstellung stark zustimmte.

Insgesamt zeigen die verschiedenen Auswertungen trotz einzelner Abweichungen eine übereinstimmende Grundtendenz:

  • Stark ausgeprägte Religiosität, Spiritualität oder esoterisch-anthroposophische Überzeugungen waren unter den befragten Veganer:innen vergleichsweise selten. Eine spezifisch hohe Affinität zu Religion, Spiritualität oder Esoterik kennzeichnete die vegane Stichprobe nicht.
  • Wesentlich stärker ausgeprägt war die Identifikation mit Atheismus oder Agnostizismus.
  • Gleichzeitig bestand bei einem breiteren Kreis eine positive Bezugnahme auf einzelne Elemente verschiedener Religionen und Weltanschauungen, insbesondere des Buddhismus, ohne dass daraus eine umfassende religiöse Identifikation folgte.

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Welche Rolle spielen Alter, Geschlecht und Bildungsstand?

Die Auswertungen zu den Zusammenhängen zwischen Alter, Geschlecht und Bildungsstand auf der einen Seite und den zwölf religions- und spiritualitätsbezogenen Einstellungen andererseits zeigten, dass sich lediglich 5,9 % der Unterschiede in den religions- und spiritualitätsbezogenen Einstellungen durch Unterschiede von Alter, Geschlecht und Bildungsstand erklären ließen.

Den stärksten statistischen Einfluss hatte noch das Alter mit einem Erklärungsanteil von 4,8 %, während die Erklärungsanteile des Geschlechts mit 0,8 % und des Bildungsstandes mit 0,4 % trivial blieben, auch wenn einzelne Zusammenhänge statistische Signifikanz erreichten.

Spezifisch zeigte sich vorrangig, dass ein höheres Alter mit einer etwas stärkeren Zustimmung zu religiösen und spirituellen Vorstellungen sowie einer geringeren Zustimmung zum Atheismus verbunden war. Auch diese Unterschiede zwischen Personen unterschiedlichen Alters waren jedoch nur gering ausgeprägt.

Insgesamt ergibt sich aus diesen Auswertungen, dass sich die in der Gesamtstichprobe festgestellten Häufigkeitsverteilungen der religions- und spiritualitätsbezogenen Einstellungen nur geringfügig zwischen verschiedenen Altersgruppen, Geschlechtern und Bildungsständen unterschieden. Die Ergebnisse können daher weitgehend auf die unterschiedlichen demografischen Teilgruppen innerhalb der untersuchten veganen Stichprobe übertragen werden.

Detaillierte Analysen zu den Zusammenhängen von Alter, Geschlecht und Bildungsstand mit den einzelnen religions- und spiritualitätsbezogenen Einstellungen können in dieser Auswertung eingesehen werden.

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Religion, Spiritualität und politische Einstellungen

Nach der deskriptiven Darstellung der Einstellungen zu Religion, Spiritualität, einzelnen Religionen, esoterischer Spiritualität, Anthroposophie, Atheismus und Agnostizismus wurde geprüft, ob diese Einstellungen mit politischen Einstellungen zusammenhingen.

In Tabelle X werden die einfachen Korrelationen sowie die um Einflüsse von Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungsweg bereinigten Korrelationen zwischen den zwölf religionsbezogenen Maßen und der Zustimmung zur vollen Gleichberechtigung homosexueller und bisexueller Personen, zur vollen Gleichberechtigung von transgender und nichtbinären Personen, zur Abschaffung des Patriarchats, zu drastischen Maßnahmen gegen den Klimawandel sowie zum Ausstieg aus der Nutztierhaltung dargestellt.

Tabelle 5. Korrelationen und Partialkorrelationen zwischen religionsbezogenen Einstellungen und Zustimmung zu Gleichberechtigung von LGBTQ+, Abschaffung des Patriarchats, Klimaschutz und Tierrechten, N = 2.161 (* bedeutet signifikante Zusammenhänge)

Homosexuell / bisexuell

Transgender / nichtbinär

Patriarchat

Klima

Tierrechte

Religionskritik

,12* / ,11*

,06* / ,05*

,07* / ,07*

,08* / ,06*

,04 / ,05*

Spiritualitätskritik

,07* / ,07*

,07* / ,05*

,04 / ,04

,12* / ,11*

,02 / −,01

Christentum

,12* / −,11*

,09* / −,07*

,09* / −,09*

,09* / −,07*

,05* / −,06*

Islam

,03 / ,04

,09* / ,11*

,10* / ,10*

,09* / ,11*

,03 / ,02

Buddhismus

,02 / ,03

,01 / ,03

,00 / ,00

,05* / −,04

,04 / ,04

Judentum

,01 / ,02

,02 / ,04*

,03 / −,03

,01 / ,00

,02 / −,03

Hinduismus

,01 / ,00

,02 / ,04

,01 / −,01

,05* / −,03

,02 / ,01

Jainismus

,01 / ,01

,01 / ,01

,04 / ,04

,03 / −,02

,04* / ,04

Esoterik

,06* / −,05*

,06* / −,04

,02 / −,02

,12* / −,11*

,03 / ,02

Anthroposophie

,02 / −,02

,06* / −,05*

,03 / −,03

,10* / −,09*

,02 / ,01

Atheismus

,15* / ,14*

,13* / ,11*

,08* / ,08*

,14* / ,12*

,09* / ,10*

Agnostizismus

,10* / ,10*

,10* / ,09*

,08* / ,08*

,07* / ,07*

,02 / ,03

 

Bei einer zunächst rein kursorischen Sichtung der in Tabelle 5 eingetragenen Korrelationen fällt auf, dass sämtliche Zusammenhänge gering und oftmals mit Werten unter ,10 sogar trivial ausfielen. Beim Vergleich der einfachen Korrelationen mit den um Einflüsse von Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungsweg bereinigten Zusammenhängen wird zudem sichtbar, dass Letztere meist noch etwas geringer ausfielen, was die geringe Stärke der Zusammenhänge zusätzlich unterstreicht.

Unterschiede in den religionsbezogenen Einstellungen konnten daher nur einen minimalen Anteil der Unterschiede in der Zustimmung zur Gleichberechtigung homosexueller und bisexueller sowie transgender und nichtbinärer Personen, zur Abschaffung des Patriarchats, zu drastischen Maßnahmen gegen den Klimawandel und zum Ausstieg aus der Nutztierhaltung erklären.

Dennoch erreichten wegen der großen Stichprobe zahlreiche Korrelationen statistische Signifikanz, und es waren gewisse systematische Muster erkennbar. Atheismus und Agnostizismus gingen durchgängig mit einer etwas stärkeren Zustimmung zu den fünf Positionen einher, während Religionskritik vorwiegend mit der Gleichberechtigung homosexueller und bisexueller Personen und Spiritualitätskritik insbesondere mit Klimaschutzmaßnahmen positiv zusammenhing.

Christentum war demgegenüber durchgängig mit einer etwas geringeren Zustimmung zu allen fünf Positionen verbunden. Esoterik und Anthroposophie hingen primär mit einer geringeren Zustimmung zu drastischen Klimaschutzmaßnahmen und teilweise zur Gleichberechtigung von transgender und nichtbinären Personen zusammen. Beim Islam zeigten sich dagegen geringe positive Zusammenhänge insbesondere mit der Gleichberechtigung von transgender und nichtbinären Personen, der Abschaffung des Patriarchats und Klimaschutzmaßnahmen.

Tabelle 6. Korrelationen und Partialkorrelationen zwischen religionsbezogenen Einstellungen und Zustimmung zu Schutz geflüchteter Menschen, Entschädigung für Kolonialismus, Überwindung von Armut, Ungleichheit und Entmilitarisierung, N = 2161 (* bedeutet signifikante Zusammenhänge)

Geflüchtete

Kolonialismus

Armut

Ungleichheit

Entmilitarisierung

Religionskritik

,09* / ,07*

,08* / ,05*

,02 / −,03

,02 / ,02

,03 / −,02

Spiritualitätskritik

,13* / ,09*

,06* / ,03

,01 / −,02

,00 / ,00

,13* / −,12*

Christentum

,12* / −,09*

,10* / −,06*

,01 / ,02

,02 / −,02

,00 / ,01

Islam

,15* / ,17*

,16* / ,18*

,06* / ,06*

,05* / ,05*

,09* / ,09*

Buddhismus

,11* / −,08*

,10* / −,07*

,01 / ,00

,00 / −,01

,03 / ,04

Judentum

,03 / ,00

,02 / ,03

,01 / ,02

,00 / ,00

,03 / ,04

Hinduismus

,08* / −,05*

,05* / −,02

,02 / −,01

,01 / −,01

,06* / ,06*

Jainismus

,02 / ,01

,01 / ,01

,02 / ,03

,01 / −,01

,09* / ,09*

Esoterik

,13* / −,08*

,07* / −,03

,00 / ,01

,00 / ,00

,17* / ,17*

Anthroposophie

,14* / −,10*

,10* / −,06*

,02 / ,03

,02 / ,02

,13* / ,13*

Atheismus

,14* / ,11*

,11* / ,08*

,04 / ,03

,05* / ,05*

,01 / −,01

Agnostizismus

,12* / ,11*

,09* / ,07*

,07* / ,07*

,09* / ,09*

,02 / ,02

Wie bereits bei Tabelle 5 zeigt auch die Sichtung der Zusammenhänge in Tabelle 2 für die Themen Schutz Geflüchteter, antikoloniale Entschädigungen, Armutsbekämpfung, Überwindung sozialer Ungleichheit sowie Entmilitarisierung und Entspannungspolitik lediglich geringe und oftmals eindeutig triviale Zusammenhänge zu den religionsbezogenen Maßen.

Beim Vergleich der einfachen mit den bereinigten Korrelationen zeigt sich erneut, dass Letztere vielfach noch etwas geringer ausfallen, was die insgesamt schwache Stärke der Zusammenhänge zusätzlich unterstreicht.

Dennoch werden auch in Tabelle 6 gewisse Muster sichtbar:

  • Islam, Atheismus und Agnostizismus gingen mit einer etwas stärkeren Zustimmung zum Schutz Geflüchteter und zu antikolonialen Entschädigungen einher, während Christentum, Buddhismus, Esoterik und Anthroposophie hier eher mit einer geringeren Zustimmung verbunden waren.

Bei Armutsbekämpfung und der Überwindung sozialer Ungleichheit zeigten sich nahezu ausschließlich triviale Zusammenhänge.

Entmilitarisierung und Entspannungspolitik waren dagegen etwas stärker mit Esoterik und Anthroposophie sowie in geringerem Ausmaß mit Islam, Hinduismus und Jainismus verbunden, während Spiritualitätskritik hier mit einer geringeren Zustimmung einherging

Tabelle 7. Korrelationen und Partialkorrelationen zwischen religionsbezogenen Einstellungen und Zustimmung zu Linksorientierung, Autoritarismus, gegen Rechts und gegen Trump, N = 2161 (* bedeutet signifikante Zusammenhänge)

 

Linksorientierung

Autoritarismus

gegen Rechts

gegen Trump

Religionskritik

,18* / ,13*

,23* / −,18*

,17* / ,14*

,19* / ,16*

Spiritualitätskritik

,19* / ,13*

,24* / −,16*

,16* / ,12*

,23* / ,19*

Christentum

,23* / −,16*

,25* / ,18*

,20* / −,16*

,21* / −,17*

Islam

,11* / ,15*

,04 / −,08*

,04 / ,06*

,03 / ,05*

Buddhismus

,17* / −,10*

,21* / ,14*

,13* / −,09*

,13* / −,09*

Judentum

,12* / −,05*

,18* / ,10*

,12* / −,08*

,10* / −,05*

Hinduismus

,13* / −,07*

,20* / ,14*

,12* / −,09*

,12* / −,09*

Jainismus

,06* / −,01

,09* / ,04

,01 / ,02

,08* / −,05*

Esoterik

,18* / −,10*

,26* / ,15*

,16* / −,11*

,22* / −,17*

Anthroposophie

,17* / −,09*

,25* / ,16*

,16* / −,12*

,22* / −,18*

Atheismus

,21* / ,16*

,25* / −,19*

,21* / ,17*

,23* / ,19*

Agnostizismus

,15* / ,13*

,15* / −,12*

,11* / ,10*

,10* / ,08*

 

Auch in Tabelle 7 bleiben sämtliche Zusammenhänge gering. Sie fallen jedoch insgesamt deutlicher aus als in den beiden vorherigen Tabellen und liegen seltener im trivialen Bereich.

Nach der Kontrolle von Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungsweg werden die Zusammenhänge erneut meist etwas schwächer, bleiben in ihrer grundlegenden Richtung jedoch weitgehend bestehen.

Religionskritik, Spiritualitätskritik, Atheismus und Agnostizismus gingen mit einer stärkeren Linksorientierung, einem stärkeren Widerstand gegen die politische Rechte und einer stärkeren Kritik an Donald Trump sowie mit einer geringeren Zustimmung zu autoritären Positionen einher.

Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Esoterik und Anthroposophie zeigten demgegenüber tendenziell das entgegengesetzte Muster, wobei die Zusammenhänge beim Christentum, bei Esoterik und Anthroposophie am deutlichsten ausfielen.

Eine Ausnahme bildete der Islam, der mit einer etwas stärkeren Linksorientierung und nach statistischer Bereinigung auch mit einer geringeren autoritären Orientierung sowie einer etwas stärkeren Ablehnung der politischen Rechten und Donald Trumps verbunden war.

In der Gesamtschau zeichnet sich trotz durchweg geringer Zusammenhänge ab, dass Religionskritik, Spiritualitätskritik, Atheismus und Agnostizismus überwiegend progressiven und antiautoritären Positionen näherstehen, während Christentum, Esoterik und Anthroposophie häufiger in die entgegengesetzte Richtung weisen.

Buddhismus, Hinduismus und Judentum zeigen ein ähnliches, aber deutlich schwächeres und weniger einheitliches Bild. Eine auffällige Ausnahme bildet der Islam, der in dieser Stichprobe eher mit linksorientierten, antiautoritären und flüchtlingsfreundlichen Haltungen verbunden ist. Beim Jainismus bleiben die Zusammenhänge dagegen so schwach und uneinheitlich, dass keine klare politische Einordnung möglich ist.

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Multiple Korrelationsanalyse

Die Einzelkorrelationen zeigen viele einzelne Zusammenhänge:

  • Weil bei so vielen Einzelvergleichen auch Zufallsbefunde entstehen und einzelne Zusammenhänge das Gesamtbild verzerren können, wurde zusätzlich für jedes religionsbezogene Maß eine multiple Zusammenhangsanalyse berechnet.

Dabei wurde geprüft, wie stark jedes einzelne religions- oder spiritualitätsbezogene Maß insgesamt mit dem gesamten Set der politischen Einstellungen zusammenhing.

  • Angegeben wird dieser Zusammenhang in Prozent. Grundlage ist das quadrierte multiple Korrelationsmaß R². Ein Wert von 10,0 % bedeutet, dass 10,0 % der Unterschiede im jeweiligen religionsbezogenen Maß mit den politischen Einstellungen insgesamt zusammenhingen.

Damit wird keine kausale Richtung behauptet:

  • Die Analyse zeigt also nicht, dass politische Einstellungen religiöse oder spirituelle Einstellungen verursachen oder umgekehrt. Sie quantifiziert vielmehr, wie groß der statistische Gesamtzusammenhang zwischen einem einzelnen religionsbezogenen Maß und allen erfassten politischen Einstellungen war.

Dargestellt werden die bereinigten Zusammenhänge:

  • „Bereinigt“ bedeutet, dass Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungsweg zuvor statistisch kontrolliert wurden. Die grobe Wirkrichtung wurde aus den zuvor dargestellten Einzelkorrelationen abgeleitet.

Tabelle 8. Stärke der Überlappung zwischen einzelnen religionsbezogenen Einstellungen und dem gesamten Set der politischen Einstellungen, N = 2.161 (* bedeutet signifikante Zusammenhänge)

Wirkrichtung

Einstellung zu Religion

Prozentuale Überlappung

eher konservativ

Esoterik

7,5 %*

Anthroposophie

6,8 %*

Christentum

6,6 %*

Buddhismus

3,7 %*

Hinduismus

3,7 %*

Judentum

2,9 %*

eher progressiv

Spiritualitätskritik

6,8 %*

Atheismus

7,1 %*

Religionskritik

6,4 %*

Islam

5,6 %*

Agnostizismus

2,9 %*

uneindeutig

Jainismus

1,8 %*

 

Auch bei dieser globaleren Betrachtung blieben die Zusammenhänge insgesamt gering:

  • Bei den eher konservativ assoziierten religionsbezogenen Maßen zeigten sich die stärksten Gesamtzusammenhänge für Esoterik, Anthroposophie und Christentum. Etwas geringer fielen die Zusammenhänge für Buddhismus, Hinduismus und Judentum aus.
  • Bei den eher progressiv assoziierten Maßen zeigten sich in den bereinigten Analysen nahezu gleich starke Gesamtzusammenhänge für Spiritualitätskritik, Atheismus und Religionskritik. Der Islam lag im mittleren Bereich, Agnostizismus im geringeren Bereich. Jainismus zeigte nur einen sehr kleinen Gesamtzusammenhang und blieb in der Wirkrichtung uneindeutig.
  • Bei keinem der religions- oder spiritualitätsbezogenen Maße lag der Zusammenhang mit dem politischen Einstellungsset über 7,5 %. Entsprechend blieben bei allen religionsbezogenen Maßen mehr als 90 % der Unterschiede ohne Zusammenhang mit den erfassten politischen Einstellungen. Einstellungen zu Religion, Spiritualität, Esoterik, Atheismus und Agnostizismus waren also zwar nicht vollständig von politischen Einstellungen getrennt, aber die Zusammenhänge blieben begrenzt.

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Kanonischer Gesamtzusammenhang

Zusätzlich wurde eine kanonische Korrelationsanalyse berechnet:

  • Diese hat den wichtigen Vorteil, dass nicht nur einzelne Zusammenhänge, zum Beispiel zwischen einzelnen religionsbezogenen Maßen und einzelnen politischen Einstellungen, betrachtet werden, sondern ganze Beziehungsmuster zwischen zwei Gruppen von Merkmalen.
  • Auf der einen Seite standen die zwölf religions- und spiritualitätsbezogenen Einstellungen. Auf der anderen Seite standen die politischen Einstellungen.
  • Die kanonische Korrelationsanalyse prüft, welche Muster auf der religionsbezogenen Seite am stärksten mit welchen Mustern auf der politischen Seite zusammenhängen.

Das ist deshalb wichtig, weil politische Zusammenhänge komplex sein können:

  • Ein religionsbezogenes Merkmal kann in einem ersten, stärkeren Muster eher mit konservativeren Einstellungen zusammenhängen. Wird dieses Hauptmuster statistisch berücksichtigt, kann in einem zweiten, schwächeren Muster sichtbar werden, dass dasselbe oder ein anderes religionsbezogenes Merkmal zugleich mit ganz anderen politischen Themen verbunden ist, etwa mit Entmilitarisierung, Schutz Geflüchteter oder Antikolonialismus.

Ein Beispiel:

  • Einerseits kann Christentum mit konservativeren Einstellungen verbunden sein, was den stärksten Zusammenhang darstellen mag und in den Daten klar erkennbar sein kann. Zusätzlich kann es aber ebenso sein, dass Christentum, womöglich über den Gedanken der Nächstenliebe, auch mit progressiven Einstellungen verbunden ist, zum Beispiel mit dem Schutz von Geflüchteten. Zusammenhangsmuster können also komplex und sogar widersprüchlich sein.

Die kanonische Korrelationsanalyse hilft, auch solche überlagerten Beziehungsmuster sichtbar zu machen.

Die einzelnen Muster werden in der Statistik als kanonische Funktionen bezeichnet. Für die Verständlichkeit können sie als Zusammenhangsmuster verstanden werden. Jedes Zusammenhangsmuster zeigt eine bestimmte Kombination religionsbezogener Einstellungen, die mit einer bestimmten Kombination politischer Einstellungen verbunden ist.

Es ergaben sich die folgenden Befunde, wobei jeweils die Stärke der prozentualen Aufklärung der Unterschiede in den politischen Maßen durch die religiösen Maße insgesamt dargestellt wird:

Tabelle 9. Kanonische Korrelationsanalyse mit vier signifikanten kanonischen Korrelationen und Darstellung der prozentualen Redundanz der politischen Einstellungen durch das Set der religionsbezogenen Einstellungen, N = 2.161

Kanonische Korrelation

Prozentuale Redundanz

erstes Muster

,456

4,9 %

zweites Muster

,257

0,6 %

drittes Muster

,186

0,3 %

viertes Muster

,164

0,2 %

Erste vier Muster

6,0 %

Alle Muster zusammen

6,2 %

 

Statistisch signifikant waren die ersten vier Zusammenhangsmuster. Diese vier signifikanten Muster erklärten zusammen 6,0 % der Unterschiede im politischen Variablenset. Dies ist nahezu die gesamte erklärte Unterschiedlichkeit von 6,2 %, die sich ergibt, wenn auch die nicht signifikanten kanonischen Korrelationen berücksichtigt werden. Diese übrigen, nicht signifikanten Muster trugen also zusammen nur noch 0,2 Prozentpunkte für die Aufklärung der Unterschiede in den politischen Einstellungen bei.

Über alle kanonischen Funktionen hinweg erklärten die religions- und spiritualitätsbezogenen Maße also zusammen 6,2 % der Unterschiede im gesamten politischen Variablenset. 93,8 % der Unterschiede in den politischen Einstellungen blieben damit durch Religion und Spiritualität unerklärt.

Nach einem häufig verwendeten Kriterium sollten kanonische Korrelationen unter 0,20 nicht mehr regulär interpretiert werden. Demnach wären primär die ersten beiden Zusammenhangsmuster mit kanonischen Korrelationen von 0,456 und 0,257 heranzuziehen.

Das dritte Muster mit 0,186 und das vierte Muster mit 0,164 bleiben zwar statistisch signifikant und tragen noch 0,3 % oder 0,2 % erklärte Unterschiedlichkeit bei. Sie werden deshalb ergänzend berichtet, dürfen aber nur mit großer Vorsicht interpretiert werden.

Für die inhaltliche Interpretation werden nun die sogenannten Ladungen der unterschiedlichen religionsbezogenen und politischen Maße interpretiert:

  • Eine Ladung zeigt, wie stark ein einzelnes religionsbezogenes oder politisches Maß zu dem jeweiligen Zusammenhangsmuster beiträgt. Je höher der Betrag der Ladung ist, desto bedeutsamer ist das betreffende Maß für dieses Muster. Das Vorzeichen zeigt die Richtung des Zusammenhangs an. Maße mit demselben Vorzeichen gehören inhaltlich zur gleichen Seite des Musters, während Maße mit unterschiedlichen Vorzeichen einander gegenüberstehen. Eine Ladung von beispielsweise ,5 weist auf einen sehr deutlichen Zusammenhang hin, während eine Ladung von ,30 nur noch einen deutlich schwächeren Zusammenhang impliziert. Für die inhaltliche Interpretation werden nur Ladungen angezeigt und interpretiert, deren Betrag mindestens 0,30 beträgt. Kleinere Ladungen werden nicht interpretiert, weil sie zu schwach sind, um eine verlässliche inhaltliche Deutung zu tragen.

Erstes Zusammenhangsmuster: Religionskritik und Atheismus versus religiös-spirituelle Orientierungen

Das erste Zusammenhangsmuster weist eine kanonische Korrelation von 0,456 auf und bildet den mit Abstand stärksten Zusammenhang ab.

Tabelle 10. Zusammenhänge (Ladungen) der religionsbezogenen und politischen Maße mit dem ersten kanonischen Muster, N = 2.161

Religion

Ladung

Politik

Ladung

Atheismus

,509

Autoritarismus

,803

Christentum

,476

gegen Trump

,694

Religionskritik

,456

Schutz Geflüchteter

,660

Anthroposophie

,456

gegen Rechts

,644

Spiritualitätskritik

,454

antikoloniale Entschädigungen

,546

Esoterik

,433

Klimaschutz

,502

Buddhismus

,325

Überwindung des Patriarchats

,412

Hinduismus

,305

Gleichberechtigung von Transgender- und nichtbinären Personen

,391

Gleichberechtigung homosexueller und bisexueller Personen

,351

 

Das erste Zusammenhangsmuster zeigt eine alles überlagernde Haupttendenz:

  • Atheismus, Religionskritik und Spiritualitätskritik stehen mit stärker emanzipatorischen politischen Einstellungen in Zusammenhang. Dies zeigt sich an geringerem Autoritarismus sowie stärkerer Trump-Kritik, stärkerem Schutz Geflüchteter, stärkerem Widerstand gegen Rechts, stärkerer Zustimmung zu antikolonialen Entschädigungen, Klimaschutz, Überwindung des Patriarchats und Gleichberechtigung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten.
  • Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Esoterik und Anthroposophie stehen auf der gegenüberliegenden Seite dieses Musters. Eine stärkere Zustimmung zu diesen Orientierungen geht also tendenziell mit stärkerem Autoritarismus und geringerer Zustimmung zu den genannten emanzipatorischen Anliegen einher.

Dieses erste Zusammenhangsmuster erklärt allein 4,9 % des politischen Variablensets und dominiert damit den gesamten Zusammenhang zwischen religionsbezogenen und politischen Einstellungen.

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Zweites Zusammenhangsmuster: Frieden, Flucht und Antikolonialismus

Das zweite Zusammenhangsmuster weist eine kanonische Korrelation von 0,257 auf und beschreibt ein zusätzliches, aber wesentlich schwächeres Muster.

Tabelle 11. Zusammenhänge (Ladungen) der religionsbezogenen und politischen Maße mit dem zweiten kanonischen Muster, N = 2.161

Religion

Ladung

Politik

Ladung

Esoterik

,678

Entmilitarisierung

,692

Islam

,673

antikoloniale Entschädigungen

,510

Spiritualitätskritik

,589

Schutz Geflüchteter

,368

Anthroposophie

,501

Jainismus

,382

Religionskritik

,332

 

Es ergibt sich der folgende Hauptbefund:

  • Islam, Jainismus, Esoterik und Anthroposophie stehen hier mit stärkerer Zustimmung zu Entmilitarisierung, antikolonialer Wiedergutmachung und dem Schutz Geflüchteter in Zusammenhang. Religionskritik und Spiritualitätskritik stehen auf der gegenüberliegenden Seite dieses Musters.

Dieses zweite Zusammenhangsmuster widerspricht der ersten Haupttendenz nicht, sondern zeigt, dass Religion und Spiritualität nicht in allen politischen Bereichen dieselbe Bedeutung haben müssen:

  • Neben der allgemeinen Tendenz, dass bestimmte religiöse und spirituelle Orientierungen mit stärker autoritären und weniger emanzipatorischen Einstellungen verbunden sind, können einzelne religiöse und spirituelle Orientierungen in einem enger begrenzten Bereich mit friedenspolitischen, flüchtlingsfreundlichen und antikolonialen Positionen verbunden sein.

Es handelt sich dabei um einen spezifischen Zusammenhang mit Frieden, Flucht, kolonialer Gewalt und internationaler Solidarität.

Möglicherweise spielt hier eine Rolle, dass mehrere dieser religiösen und spirituellen Richtungen nicht zu den traditionellen Mehrheitsreligionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gehören. Erfahrungen mit Migration, kultureller Ausgrenzung, Rassismus oder kolonialen Machtverhältnissen können die Sensibilität für entsprechende Themen erhöhen.

Auch Vorstellungen von Mitgefühl, Gewaltlosigkeit und Verantwortung für andere Menschen können zu diesem Zusammenhang beitragen.

Das zweite Zusammenhangsmuster erklärt zusätzlich 0,6 % des politischen Variablensets.

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Drittes christlich‑konservatives Zusammenhangsmuster

Das dritte Zusammenhangsmuster weist eine kanonische Korrelation von 0,186 auf und liegt damit bereits unterhalb des häufig verwendeten Grenzwertes von 0,20. Es wird daher nur ergänzend und mit Zurückhaltung interpretiert.

Tabelle 12. Zusammenhänge (Ladungen) der religionsbezogenen und politischen Maße mit dem dritten kanonischen Muster, N = 2.161

Religion

Ladung

Politik

Ladung

Atheismus

,495

Gleichberechtigung homosexueller und bisexueller Personen

,687

Buddhismus

,469

Tierrechte

,469

Christentum

,431

Entmilitarisierung

,420

Religionskritik

,414

Gleichberechtigung von Transgender- und nichtbinären Personen

,368

Esoterik

,399

Anthroposophie

,378

Hinduismus

,307

 

Dieses dritte Zusammenhangsmuster ist sehr schwach und weist eine komplexe Richtung auf:

  • Es zeigt, dass Atheismus, Religionskritik, Buddhismus, Hinduismus, Esoterik und Anthroposophie in diesem nachgeordneten Muster mit stärkerer Zustimmung zur Gleichberechtigung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten, zu Tierrechten und zur Entmilitarisierung verbunden sind.
  • Christentum steht auf der gegenüberliegenden Seite dieses Musters. Eine stärkere Zustimmung zum Christentum geht hier also mit geringerer Zustimmung zu Gleichberechtigung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten, Tierrechten und Entmilitarisierung einher.

Dieses Muster bezieht sich somit nicht auf Religion insgesamt, sondern weist auf eine spezifisch christlich-konservative Zusatzkomponente hin, welche in einem eher oppositionellen Verhältnis zu anderen Religionen steht.

Da dieses Zusammenhangsmuster lediglich weitere 0,3 % der politischen Unterschiede erklärt, darf dieser Befund nicht überbewertet werden und ist möglicherweise nicht stabil.

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Viertes Zusammenhangsmuster: eine äußerst schwache religiöse Toleranzdimension

Das vierte Zusammenhangsmuster weist eine kanonische Korrelation von 0,164 auf und wird ebenfalls nur ergänzend betrachtet.

Tabelle 13. Zusammenhänge (Ladungen) der religionsbezogenen und politischen Maße mit dem vierten kanonischen Muster, N = 2.161

 

Religion

Ladung

Politik

Ladung

Judentum

,788

Gleichberechtigung von Transgender- und nichtbinären Personen

,594

Islam

,540

Klimaschutz

,367

Hinduismus

,530

Gleichberechtigung homosexueller und bisexueller Personen

,346

Christentum

,439

Schutz Geflüchteter

,302

Religionskritik

,436

Buddhismus

,371

 

Nunmehr wird eine tolerante und emanzipatorische Religionsdimension erkennbar:

  • Eine stärkere Zustimmung zu Christentum, Islam, Buddhismus, Judentum und Hinduismus steht hier mit stärkerer Zustimmung zur Gleichberechtigung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten, zum Klimaschutz und zum Schutz Geflüchteter in Zusammenhang. Religionskritik steht auf der gegenüberliegenden Seite.

Dieses Zusammenhangsmuster zeigt, dass religiöse Einstellungen in einzelnen Konstellationen, selbst wenn dieselben Religionen in der Haupttendenz mit anderen politischen Tendenzen verbunden sind, im Einzelfall auch mit Toleranz, Gleichberechtigung, ökologischer Verantwortung und einer flüchtlingsfreundlichen Haltung verbunden sein können.

Möglicherweise stehen dabei religiöse Werte wie Mitgefühl, Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Vergebung, Zurückhaltung gegenüber der Verurteilung anderer Menschen und Verantwortung für die Schöpfung im Vordergrund.

Besonders deutlich tritt das Judentum hervor, was zu dem bekannten breiten Spektrum liberaler, sozialistischer, feministischer und anderer emanzipatorischer Denktraditionen innerhalb des Judentums passt.

Mit einem zusätzlichen Erklärungsanteil von lediglich 0,2 % des politischen Variablensets handelt es sich jedoch auch bei diesem Zusammenhangsmuster um eine äußerst schwache Zusatzkonstellation und nicht um eine allgemeine Haupttendenz. Bevor eine weitergehende Interpretation solcher schwacher Zusammenhangsmuster erfolgt, wäre es mindestens erforderlich, diese in neuen Stichproben zu replizieren.

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Zwischenbillanz

  • Es gibt unter vegan lebenden Personen tatsächlich einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen religions- und spiritualitätsbezogenen Einstellungen einerseits und politischen Ansichten andererseits. Dieser Zusammenhang lässt sich nicht durch Zufall erklären und bleibt auch dann bestehen, wenn Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungsweg kontrolliert werden.
  • Gleichzeitig zeigen die Befunde ebenso deutlich, dass dieser Zusammenhang gering ist. Die große Mehrheit der Unterschiede in den politischen Einstellungen der untersuchten Stichprobe lässt sich nicht auf Unterschiede in religions- und spiritualitätsbezogenen Einstellungen zurückführen. Über alle kanonischen Funktionen hinweg erklärten die religions- und spiritualitätsbezogenen Maße zusammen lediglich 6,2 % der Unterschiede im gesamten politischen Variablenset. Die ersten vier signifikanten Zusammenhangsmuster erklärten zusammen 6,0 %. 93,8 % der Unterschiede in den politischen Einstellungen blieben damit durch Religion und Spiritualität unerklärt.
  • Die Haupttendenz weist darauf hin, dass Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Esoterik und Anthroposophie eher mit autoritäreren und weniger emanzipatorischen politischen Einstellungen verbunden sind. Besonders sichtbar wird dies bei Autoritarismus, Trump-Kritik, Widerstand gegen Rechts, Schutz Geflüchteter, antikolonialen Entschädigungen, Klimaschutz und Gleichberechtigung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten. Religionskritik, Spiritualitätskritik, Atheismus und Agnostizismus hängen demgegenüber eher mit linksorientierten, weniger autoritären und stärker emanzipatorischen Einstellungen zusammen.

Der Islam fällt aus dem Muster vieler anderer Religionen heraus:

  • Er ist nicht mit konservativen oder autoritären Einstellungen verbunden, sondern zeigt in dieser Stichprobe eher Zusammenhänge mit Linksorientierung, geringerem Autoritarismus, Schutz Geflüchteter, antikolonialen Entschädigungen und Entmilitarisierung. Dies könnte damit zusammenhängen, dass Zustimmung zum Islam im deutschsprachigen Raum auch Ausdruck einer Sensibilität für Ausgrenzung, Rassismus, Migration, Minderheitenrechte und koloniale Machtverhältnisse sein kann.

Die kanonische Korrelationsanalyse macht darüber hinaus sichtbar, dass Religion und Spiritualität politisch nicht einheitlich mit bestimmten Einstellungen verbunden sind:

  • Zwar gibt es eine schwache Haupttendenz in Richtung Autoritarismus und geringerer Emanzipationsorientierung. Gleichzeitig zeigen sich aber deutlich schwächere Gegentendenzen: Bestimmte religiöse und spirituelle Orientierungen hängen in einzelnen Themenbereichen auch mit Entmilitarisierung, Schutz Geflüchteter, antikolonialer Wiedergutmachung, Toleranz, Gleichberechtigung und Klimaschutz zusammen.

Insgesamt wird damit ein geringer, aber komplexer Zusammenhang zwischen Einstellungen zu Religion, Spiritualität und Politik sichtbar. Religion und Spiritualität sind in der untersuchten veganen Stichprobe politisch nicht bedeutungslos, erklären aber nur einen kleinen Teil der politischen Unterschiede:

  • Veganer:innen mit sehr unterschiedlichen religiösen, spirituellen, atheistischen oder agnostischen Einstellungen können daher politisch sehr ähnlich oder sehr unterschiedlich sein.

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Ergänzende Analyse: Religion, Spiritualität und vegane Lebensweise

Das Hauptinteresse der aktuellen Auswertung lag auf den Zusammenhängen zwischen religions- und spiritualitätsbezogenen Einstellungen einerseits und politischen Einstellungen andererseits. Ergänzend wurde untersucht, ob religionsbezogene Einstellungen auch damit zusammenhängen, welcher Form veganer Lebensweise die Befragten angehörten.

Hierfür wurde auf eine bereits zuvor durchgeführte Clusteranalyse zurückgegriffen, die gezeigt hatte, dass sich die Veganer:innen dieser Stichprobe in vier Gruppen einteilen ließen. Diese vier Gruppen unterschieden sich im Hinblick auf Konsequenz, Generalisierungsgrad und Engagement ihrer veganen Lebensweise:

  • Einsatzorientierte Veganer:innen lebten besonders konsequent vegan und verbanden dies mit einem ausgeprägten Einsatz für Veganismus und gesellschaftliche Veränderungen.
  • Konsequente Lebensstil-Veganer:innen lebten ebenfalls in vielen Lebensbereichen konsequent vegan, zeigten aber weniger politisch-aktivistisches Engagement.
  • Pragmatische Veganer:innen verzichteten konsequent auf Fleisch, Fisch, Milch und Eier, übertrugen die vegane Lebensweise aber weniger stark auf weitere Lebensbereiche.
  • Vegane Grenzgänger:innen machten auch bei den zentralen Ernährungsmerkmalen teilweise Ausnahmen.

Tabelle 14. Prozentualer Anteil der Gruppen in der Gesamtstichprobe

Cluster Veganer:innen Lebensweisen

Anzahl

Anteil

Einsatzorientierte Veganer:innen

1.098

50,8 %

Konsequente Lebensstil-Veganer:innen

713

33,0 %

Pragmatische Veganer:innen

282

13,0 %

Vegane Grenzgänger:innen

68

3,1 %

 

Die ergänzende Analyse sollte klären, ob sich diese vier Gruppen auch in ihren Einstellungen zu Religion und Spiritualität unterscheiden. Tabelle X zeigt daher für alle zwölf religions- und spiritualitätsbezogenen Merkmale die Zustimmung und die starke Zustimmung, getrennt nach den vier veganen Gruppen.

Tabelle 15. Zustimmung und starke Zustimmung zu Religion, Spiritualität und religionsbezogenen Positionen in den vier veganen Clustern, N = 2.161. (Die erste Prozentzahl gibt jeweils die Zustimmung insgesamt an, die Prozentzahl nach dem Schrägstrich die starke Zustimmung.)

Einsatzorientiert

N = 1.098

Lebensstil

N = 713

Pragmatisch

N = 282

Grenzgänger:innen N = 68

Allgemeine Einstellungen
Religion

11,9 % / 1,8 %

11,3 % / 2,0 %

16,7 % / 4,6 %

26,5 % / 4,4 %

nicht religionsgebundene Spiritualität

28,5 % / 4,6 %

22,2 % / 4,5 %

31,2 % / 7,8 %

33,8 % / 13,2 %

Spezifische Einstellungen
Atheismus

71,0 % / 27,2 %

69,7 % / 27,3 %

64,2 % / 18,8 %

54,4 % / 20,6 %

Buddhismus

58,8 % / 9,5 %

55,8 % / 7,3 %

63,2 % / 8,9 %

52,9 % / 8,8 %

Agnostizismus

49,5 % / 11,8 %

51,6 % / 13,2 %

51,5 % / 12,8 %

33,8 % / 13,2 %

Hinduismus

35,1 % / 2,7 %

31,3 % / 1,3 %

38,3 % / 0,4 %

27,9 % / 4,4 %

Christentum

27,7 % / 3,9 %

27,5 % / 4,6 %

40,1 % / 6,4 %

38,2 % / 10,3 %

Anthroposophie

29,5 % / 2,5 %

26,2 % / 1,4 %

33,7 % / 1,8 %

33,9 % / 7,4 %

Jainismus

29,1 % / 3,7 %

24,3 % / 2,0 %

19,9 % / 1,8 %

17,7 % / 1,5 %

esoterische Spiritualität

27,8 % / 2,6 %

20,7 % / 2,2 %

27,0 % / 3,2 %

29,4 % / 4,4 %

Judentum

22,4 % / 0,5 %

20,3 % / 0,4 %

30,2 % / 0,4 %

27,9 % / 2,9 %

Islam

12,2 % / 0,1 %

11,1 % / 0,3 %

15,6 % / 0,4 %

13,2 % / 2,9 %

Kursorische deskriptive Sichtung

Bereits die beschreibende Betrachtung der Ergebnisse in Tabelle 15 zeigt hauptsächlich eine hohe Ähnlichkeit der vier Gruppen:

  • In allen vier Gruppen blieb eine starke Zustimmung zu bestimmten Religionen selten. Unter den einzelnen Religionen erreichte der Buddhismus in allen Gruppen die höchste Zustimmung. Atheismus erhielt in allen vier Gruppen die höchste starke Zustimmung unter sämtlichen religiösen und nichtreligiösen Positionen. Auch bei der breiter gefassten Zustimmung lag Atheismus in drei der vier Gruppen über jeder einzelnen Religion. Lediglich bei den veganen Grenzgänger:innen lagen Atheismus und Buddhismus mit 54,4 % oder 52,9 % nahezu gleichauf. Insgesamt waren Atheismus und Agnostizismus damit in allen vier Gruppen stark vertreten, während eine ausgeprägte Identifikation mit einzelnen Religionen selten blieb.

Bei der kursorischen deskriptiven Sichtung zeigten sich dennoch einige Unterschiede:

  • Die Zustimmung zu Religion war bei veganen Grenzgänger:innen mit 26,5 % höher als bei pragmatischen Veganer:innen mit 16,7 %, einsatzorientierten Veganer:innen mit 11,9 % und konsequenten Lebensstil-Veganer:innen mit 11,3 %.
  • Auch die starke Zustimmung zu nicht religionsgebundener Spiritualität war bei veganen Grenzgänger:innen mit 13,2 % am höchsten. Zugleich traten Atheismus und Agnostizismus bei ihnen seltener auf.
  • Die Zustimmung zum Atheismus lag bei veganen Grenzgänger:innen bei 54,4 %, während sie in den drei anderen Gruppen zwischen 64,2 % und 71,0 % lag.
  • Beim Agnostizismus lag die Zustimmung bei veganen Grenzgänger:innen bei 33,8 %, während sie in den drei anderen Gruppen jeweils ungefähr 50 % betrug.

Auch beim Christentum zeigten sich sichtbare Unterschiede:

  • Dem Christentum stimmten 40,1 % der pragmatischen Veganer:innen und 38,2 % der veganen Grenzgänger:innen zu, aber nur 27,7 % der einsatzorientierten Veganer:innen und 27,5 % der konsequenten Lebensstil-Veganer:innen.
  • Die starke Zustimmung zum Christentum war bei veganen Grenzgänger:innen mit 10,3 % und bei pragmatischen Veganer:innen mit 6,4 % ebenfalls höher als in den beiden konsequenter vegan lebenden Gruppen.

Beim Jainismus zeigte sich dagegen ein anderes Muster:

  • Die Zustimmung war bei einsatzorientierten Veganer:innen mit 29,1 % höher als bei konsequenten Lebensstil-Veganer:innen mit 24,3 %, pragmatischen Veganer:innen mit 19,9 % und veganen Grenzgänger:innen mit 17,7 %.

Diese deskriptiven Unterschiede sollten jedoch nicht überbewertet werden. Sie können zufallsbedingt entstehen, insbesondere bei vielen Einzelvergleichen und bei kleinen Gruppen wie den veganen Grenzgänger:innen mit N = 68. Deshalb wurde anschließend geprüft, welche Unterschiede statistisch belastbar waren.

Signifikanzprüfung der einzelnen religionsbezogenen Maße

Zunächst wurde für alle 24 in Tabelle 15 dargestellten dichotomisierten Maße geprüft, ob sich die vier veganen Gruppen überhaupt statistisch signifikant unterschieden.

(Die 24 Tests ergaben sich daraus, dass jeweils Zustimmung versus Rest und starke Zustimmung versus Rest betrachtet wurden. Da bei so vielen Einzeltests auch formal signifikante Zufallsbefunde auftreten können, wurden die p-Werte nach Holm korrigiert.)

Nach dieser Überprüfung zeigte sich nur bei einer kleinen Minderheit der geprüften Maße ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den veganen Gruppen:

Signifikant blieben lediglich Zustimmung zu Religion, Christentum, Jainismus, sowie starke Zustimmung zu nicht religionsgebundener Spiritualität und Islam.

Die große Mehrheit der Maße zeigte also keine statistisch abgesicherten Unterschiede zwischen den vier veganen Gruppen.

Prüfung der Gruppenunterschiede innerhalb der signifikanten Maße

Nur für diese signifikanten Maße wurde anschließend genauer geprüft, welche der vier veganen Gruppen sich jeweils voneinander unterschieden. Auch diese paarweisen Einzelvergleiche wurden erneut nach Holm korrigiert.

Danach verblieben nur diese wenigen signifikanten Einzelunterschiede:

  • Vegane Grenzgänger:innen stimmten Religion mit 26,5 % signifikant häufiger zu als einsatzorientierte Veganer:innen mit 11,9 % und konsequente Lebensstil-Veganer:innen mit 11,3 %. Der Unterschied zu pragmatischen Veganer:innen mit 16,7 % war dagegen nicht signifikant.
  • Auch bei starker Zustimmung zu nicht religionsgebundener Spiritualität lagen vegane Grenzgänger:innen mit 13,2 % signifikant höher als einsatzorientierte Veganer:innen mit 4,6 % und konsequente Lebensstil-Veganer:innen mit 4,5 %. Der Unterschied zu pragmatischen Veganer:innen (7,8 %) war wiederum nicht signifikant.
  • Beim Christentum unterschieden sich pragmatische Veganer:innen signifikant von einsatzorientierten Veganer:innen und konsequenten Lebensstil-Veganer:innen. Die Zustimmung zum Christentum lag bei pragmatischen Veganer:innen bei 40,1 %, bei einsatzorientierten Veganer:innen dagegen bei 27,7 % und bei konsequenten Lebensstil-Veganer:innen bei 27,5 %. Vegane Grenzgänger:innen lagen mit 38,2 % zwar ebenfalls hoch und fast auf dem Niveau der pragmatischen Veganer:innen. Wegen der kleinen Gruppengröße erreichten ihre Unterschiede zu den beiden konsequent vegan lebenden Gruppen jedoch keine statistische Signifikanz.

Beim Jainismus zeigte sich nur ein signifikanter Unterschied:

  • Einsatzorientierte Veganer:innen stimmten dem Jainismus mit 29,1 % häufiger zu als pragmatische Veganer:innen mit 19,9 %. Die Unterschiede zu konsequenten Lebensstil-Veganer:innen (24,3 %) und veganen Grenzgänger:innen (17,7 %) waren nach Holm-Korrektur nicht signifikant.

Außerdem lagen bei der starken Zustimmung zum Islam vegane Grenzgänger:innen mit 2,9 % signifikant höher als einsatzorientierte Veganer:innen mit 0,1 % und konsequente Lebensstil-Veganer:innen mit 0,3 %.

Multiple Zusammenhangsbetrachtung zur Quantifizierung der Gesamtstärke

Schließlich wurde die Gesamtstärke des Zusammenhangs zwischen dem Set der religions- und spiritualitätsbezogenen Maße und der Zugehörigkeit zu den veganen Clustern mithilfe einer multiplen Regression mit optimaler Skalierung untersucht.

Dabei wurden alle zwölf religions- und spiritualitätsbezogenen Maße gemeinsam zur Vorhersage der Clusterzugehörigkeit herangezogen. Da die Clusterzugehörigkeit eine nominale Variable ist, wurde hierfür auf optimale Skalierung zurückgegriffen.

Berichtet wird ausschließlich die um Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungskanal bereinigte Analyse. Diese Bereinigung wurde durchgeführt, um auszuschließen, dass scheinbare Zusammenhänge lediglich auf Hintergrundmerkmale wie Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnsitzland oder Rekrutierungsweg zurückgehen:

  • In dieser bereinigten Analyse erklärten die zwölf religions- und spiritualitätsbezogenen Merkmale nur 1,8 % zusätzliche Unterschiede in der Zugehörigkeit zu den vier veganen Gruppen. Der Zusammenhang war damit zwar statistisch signifikant, aber inhaltlich sehr klein.

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Einordnung

Die Verteilung religions- und spiritualitätsbezogener Einstellungen unterscheidet sich zwischen unterschiedlichen Formen der veganen Lebensweise nur geringfügig. Zwar gibt es einzelne sichtbare und teilweise statistisch signifikante Unterschiede, insbesondere bei Religion, Spiritualität, Christentum und Jainismus. Insgesamt bleiben die religiösen, spirituellen, atheistischen und agnostischen Einstellungen aber über die vier veganen Gruppen hinweg weitgehend ähnlich.

Am ehesten lässt sich erkennen, dass die beiden konsequent veganen Gruppen, also einsatzorientierte Veganer:innen und konsequente Lebensstil-Veganer:innen, eine geringere Affinität zu Religionen und Spiritualität aufwiesen als pragmatische Veganer:innen und besonders vegane Grenzgänger:innen.

Unterschiede in Religion und Spiritualität haben aber offenbar insgesamt nur einen sehr geringen Einfluss darauf, welcher Form Veganer:innen Identität und Lebensweise die Befragten angehören.

Ich habe den Überleitungssatz wieder logisch integriert und überall auf Veganer:innen geprüft.

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Gesamtinterpretation der Befunde

Ziel und Einordnung der Auswertung

Unseres Wissens ist dies die bisher einzige größere Datenerhebung an einer heterogenen Gruppe von Veganer:innen, die die Zusammenhänge zwischen einer Vielzahl politischer Einstellungen und Überzeugungen sowie Überzeugungen zu Religion und Spiritualität systematisch untersuchte.

Mit dieser Auswertung wollten wir entsprechend vorrangig einen empirischen Beitrag dazu leisten, dass die entsprechenden Diskussionen stärker faktenbasiert stattfinden können und weniger auf der Basis von Vermutungen, Theorien oder gar Vorurteilen.

Die Interpretation und Einordnung der in diesem Artikel dargestellten Befunde muss dabei zusammen mit einer zuvor publizierten Auswertung zu den politischen Überzeugungen von Veganer:innen erfolgen. Dort zeigte sich, dass Veganer:innen in großer Mehrheit politisch progressive und emanzipatorische Vorstellungen vertreten. Diese zeigten sich unter anderem in einer Ablehnung autoritären Denkens, einer politischen Positionierung im linken Spektrum, einer Bejahung voller Gleichberechtigung homosexueller, bisexueller, transgender und nichtbinärer Personen, dem Einsatz für drastische Maßnahmen zum Klimaschutz, der Beendigung der europäischen Abschottungspolitik gegenüber Geflüchteten, Maßnahmen zur Überwindung von Armut und sozialer Ungleichheit, dem Einsatz für Tierrechte, der Befürwortung von Entschädigungszahlungen für das Unrecht des Kolonialismus und mehrheitlich auch in der Unterstützung einer Politik der Entmilitarisierung.

Diese Befunde zeigen insofern, dass teilweise vertretene Auffassungen, der Veganismus sei mit rechtem Denken assoziiert oder gehe, wie Lisa Landwehr meint, mit Menschenfeindlichkeit einher, den empirischen Tatsachen widersprechen. Tatsächlich sind links-progressive Einstellungen bei Veganer:innen in einem so hohen Ausmaß und mit einer solchen Stärke verbreitet, dass Veganer:innen geradezu das Gegenbild zur aktuellen Verbreitung rechtsgerichteten Denkens in der Gesamtgesellschaft darstellen. Wenn wir also jemanden kennenlernen, der äußert, vegan zu sein, ist vor dem Hintergrund dieser Befunde die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Person sich politisch links einordnet und sich für progressive und emanzipatorische politische Ziele ausspricht.

Diese starke Generalisierung wird durch die Befunde auch deshalb gestützt, weil Kontrollen für Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Rekrutierungsweg und Wohnsitzland zu keiner Veränderung dieser Schlussfolgerung führten. Die vegane Community kennzeichnet sich jenseits von Unterschieden in Alter, Geschlecht, Bildungsstand und Wohnsitzland durch eine links-progressive Grundhaltung, die sich zudem in allen Rekrutierungswegen für diese Umfrage zeigte, also unabhängig davon, ob die Teilnehmenden über Facebook, Reddit, Gleichklang, Vegan.eu, vegane Newsletter oder diverse andere Quellen für die Umfrage gewonnen wurden.

Dies bedeutet freilich weder, dass es keine rechtsgerichteten Veganer:innen gäbe, noch dass dies für die vegane Community kein Problem oder kein relevantes Thema darstellen würde. Solche rechtsgerichteten Veganer:innen sind jedoch als Ausnahme zu betrachten, die unter Veganer:innen weit seltener anzutreffen ist als in der Allgemeinbevölkerung.

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Warum Religion, Spiritualität und Esoterik zusätzlich untersucht wurden

Über den Beitrag dieser vorherigen Auswertung hinaus liefert die aktuelle Auswertung zusätzliche Antworten auf die Fragen, wie stark Veganer:innen durch religiöse oder spirituelle Überzeugungen geprägt sind und wie sich diese möglicherweise auf ihre politischen Einstellungen auswirken.

Diese Befunde sind wiederum relevant vor dem Hintergrund spekulativer Thesen, dass Veganismus in eine esoterische Welthaltung eingebettet sei, die wiederum politisch rechtes Denken fördere. Auch wenn bereits die vorherige Analyse ausschließen konnte, dass Veganismus mit rechtsgerichtetem Denken assoziiert ist, könnte es dennoch sein, dass esoterisches Denken eine besonders große Rolle in der veganen Community spielt. Ebenso könnte es sein, dass solches esoterisches Denken im Durchschnitt tatsächlich mit mehr rechtsgerichtetem Denken verbunden wäre.

Über diesen eng auf den Bereich der Esoterik fokussierten Ansatz hinaus war es ein weiterer Beitrag dieser Auswertung, den Horizont nicht auf eine Richtung, nämlich Esoterik, zu verengen, sondern einen breiteren Bereich von Religion, Spiritualität und religionskritischer Einstellung in die Untersuchung einzubeziehen.

Dies wurde auch deshalb als notwendig erachtet, weil ansonsten verengte und selektive Schlussfolgerungen angeregt werden könnten, die im Ergebnis bis hin zur Förderung von Vorurteilen und Stereotypen gehen können. Betrachten wir nämlich ein Phänomen selektiv, können wir gegebenenfalls allgemeinere, verwandte oder auch gegenläufige Tendenzen übersehen, die zu komplexeren oder andersartigen Schlussfolgerungen führen würden.

Die aktuelle Datenauswertung ermöglicht nun ein größeres Ausmaß an Klarheit über die Verbreitung von religions- und spiritualitätsbezogenen Einstellungen und Glaubensvorstellungen in der veganen Community.

Allgemeine Religiosität und Spiritualität

Bezüglich der allgemeinen Einschätzung als religiös versus religionskritisch zeigen die vorliegenden Daten, dass eine Mehrheit von 56,6 % sich als religionskritisch betrachtete. Weitere 30,6 % vertraten eine neutrale Haltung zur Religion, während nur 12,8 % sich als religiös oder stark religiös betrachteten.

Beim Thema einer nicht an eine spezifische Religion gebundenen Spiritualität zeigte sich demgegenüber eine gewisse Verschiebung hin zum Neutralitätsbereich, der von 41,3 % der Befragten angegeben wurde. 31,8 % lehnten Spiritualität ab, während sich 26,9 % als spirituell oder stark spirituell bezeichneten.

Wird innerhalb des Zustimmungsbereichs noch zwischen einfacher und starker Zustimmung unterschieden, zeigte sich, dass lediglich 2,3 % der Veganer:innen eine stark religiöse Grundhaltung und 5,2 % eine stark spirituelle Grundhaltung für sich benannten.

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Spezifische Religionen, Esoterik, Anthroposophie, Atheismus und Agnostizismus

Bei der Erfassung von zehn konkreten Grundhaltungen zu Religion und Spiritualität ergaben sich ähnliche, aber differenziertere Befunde. Betrachtet wurden Christentum, Islam, Buddhismus, Judentum, Hinduismus, Jainismus, esoterische Spiritualität, Anthroposophie, Atheismus und Agnostizismus.

Zunächst wurde die starke Zustimmung betrachtet. Sie kann am ehesten als dezidierte Identifikation mit einer Religion, einer esoterisch-anthroposophischen Überzeugung oder einer nichtreligiösen Position verstanden werden. Wurde die Auswertung auf ein solches dezidiertes Bekenntnis eingegrenzt, zeigte sich, dass nur wenige Befragte eine starke Zustimmung zu einer Religion äußerten. Die entsprechenden Werte reichten von 0,3 % für den Islam bis zu 8,7 % für den Buddhismus. Die starke Zustimmung zum Christentum lag mit 4,7 % ebenfalls im oberen Bereich der religiösen Positionen. Die starke Zustimmung zu esoterischer Spiritualität erreichte 2,6 %, die starke Zustimmung zur Anthroposophie 2,2 %.

Zusammenfassend stimmten 15,3 % der Befragten mindestens einer der sechs erfassten Religionen stark zu. Für die esoterisch-anthroposophischen Überzeugungen wurden esoterische Spiritualität und Anthroposophie gemeinsam betrachtet. Mindestens einer dieser beiden Positionen stimmten 4,2 % der Befragten stark zu. Werden Religionen, esoterische Spiritualität und Anthroposophie gemeinsam betrachtet, zeigen 17,4 % mindestens eine starke Identifikation. Dieser Anteil liegt nur wenig über dem Anteil der starken Zustimmung zu mindestens einer Religion und zeigt damit, dass esoterisch-anthroposophische Überzeugungen nur einen geringen zusätzlichen Beitrag leisteten.

Demgegenüber lag die starke Zustimmung zu Atheismus mit 26,0 % weitaus höher als die starke Zustimmung zu jeder einzelnen Religion, zu esoterischer Spiritualität oder zur Anthroposophie. Auch der Agnostizismus zeigte mit 12,4 % einen vergleichsweise hohen Prozentsatz starker Zustimmung. Mindestens entweder dem Atheismus oder dem Agnostizismus stimmten 34,8 % der Befragten stark zu.

Personen mögen sich nicht dezidiert im Sinne einer Religion als gläubig definieren, zum Beispiel als Christ:innen oder Buddhist:innen, aber dennoch verschiedenen religiösen Lehren zustimmen. Genau deshalb wurde neben der starken Zustimmung auch die Zustimmung insgesamt betrachtet. Diese umfasst sowohl einfache Zustimmung als auch starke Zustimmung. Es handelt sich also um den Anteil der Befragten, die einer Religion oder Position mindestens zustimmten, unabhängig davon, ob sie diese nur positiv beurteilten oder sich stark mit ihr identifizierten. Diese Zusammenfassung ist sinnvoll, weil dadurch sichtbar wird, wie breit eine positive Bezugnahme auf eine religiöse, spirituelle, esoterische, anthroposophische, atheistische oder agnostische Position insgesamt verbreitet war, ohne daraus unmittelbar auf ein religiöses Bekenntnis zu schließen.

Auch bei dieser Zustimmung insgesamt war der Atheismus mit 69,2 % am weitesten verbreitet. Es folgten Buddhismus mit 58,2 %, Agnostizismus mit 50,0 %, Hinduismus mit 34,1 %, Christentum mit 29,6 %, Anthroposophie mit 29,1 %, Jainismus mit 26,0 %, esoterische Spiritualität mit 25,4 %, Judentum mit 23,0 % und Islam mit 12,3 %.

Auffällig ist die hohe Zustimmung zum Buddhismus, sowohl in Form der starken Zustimmung mit 8,7 % als auch in der Zustimmung insgesamt mit 58,2 %. Dieser Befund ist deshalb außergewöhnlich, weil der Buddhismus im untersuchten deutschsprachigen Raum kulturell nicht traditionell verankert ist. Dass er dennoch in einer veganen Stichprobe eine vergleichsweise hohe Zustimmung erreicht, liegt vermutlich daran, dass der Buddhismus zum einen nicht immer als dezidierte Religion gesehen wird, auch gut vereinbar mit atheistischem Denken sein kann und zudem in seiner Grundlehre ein Verbot des Tötens von Tieren als erstes der fünf Gebote beinhaltet. Dies dürfte bei Veganer:innen zu einer besonderen Sympathie für den Buddhismus führen, die aber nicht tatsächlich mit einem buddhistischen Bekenntnis gleichzusetzen ist.

Insgesamt stellt sich die vegane Stichprobe als eine Stichprobe dar, in der religionskritische Denkweisen überwiegen, Atheismus oftmals besonders positiv bewertet wird, sich aber gleichzeitig auch heterogene Einstellungen zu den verschiedensten Religionen zeigen und eine substanzielle Offenheit für Spiritualität besteht, auch wenn die Mehrheit der Befragten Spiritualität neutral oder kritisch sah. Eine besondere Affinität des Veganismus für Esoterik lässt sich aus diesen Befunden nicht ableiten. Wenn der in Wirklichkeit heterogene Befundstand zu einer vereinfachenden Einzelaussage verdichtet werden soll, weisen die Befunde eher auf eine besondere Affinität zu Atheismus hin.

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Religion, Spiritualität und politische Einstellungen

Wie wirken sich Einstellungen zu Religion bei Veganer:innen in einem statistischen Sinne auf ihre politischen Überzeugungen aus? Lassen sich etwa Hinweise dafür erkennen, dass spezifisch Esoterik zu einer Neigung zu rechtsgerichtetem Denken bei Veganer:innen führen würde?

Unter Kontrolle möglicher Einflüsse von Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Rekrutierungsweg und Wohnsitzland hat die aktuelle Auswertung umfassende Befunde vorlegen können, um diese Frage zu beantworten.

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Gesamtbewertung der politischen Zusammenhänge

Religion und Spiritualität erklären nur einen kleinen Teil politischer Unterschiede

Als Hauptbefund wurde aus der übergreifenden statistischen Gesamtzusammenhangsanalyse sichtbar, dass bei Kontrolle von Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Rekrutierungsweg und Wohnsitzland das gesamte Set aus zwölf Haltungen zu Religion und Spiritualität lediglich 6,2 % der Unterschiede in den politischen Einstellungen der Befragten erklären konnte. Dies bedeutet umgekehrt, dass 93,8 % der Unterschiede in den politischen Haltungen vollständig unabhängig von religions- oder spiritualitätsbezogenen Haltungen blieben.

In der Stichprobe der hier untersuchten Veganer:innen kann damit ausgeschlossen werden, dass sich ihre religiösen und spirituellen Überzeugungen im Durchschnitt substanziell auf ihre politischen Einstellungen auswirkten. Veganer:innen können demnach die verschiedensten Haltungen zu Religion und Spiritualität haben, ohne dass sie sich in einem tatsächlich erheblichen Ausmaß in ihren politischen Einstellungen unterscheiden würden.

Kein spezifischer Esoterik-Effekt, sondern eine schwache religiös-spirituelle Haupttendenz

Allerdings wurden aus dieser Untersuchung auch Befunde zum möglichen Einfluss von Religion und Spiritualität auf politische Einstellungen erkennbar;

Als Hauptbefund zeigte sich dabei aber nicht ein spezifischer Esoterik-Effekt, sondern ein allgemeineres religiös-spirituelles Zusammenhangsmuster:

  • In diesem standen Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Esoterik und Anthroposophie mit stärkerem Autoritarismus und geringerer Zustimmung zu emanzipatorischen politischen Anliegen in Verbindung. Sichtbar wurde dies insbesondere bei Trump-Kritik, Schutz Geflüchteter, Widerstand gegen Rechts, antikolonialen Entschädigungen, Klimaschutz, Überwindung des Patriarchats sowie Gleichberechtigung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten.
  • Auf der Gegenseite standen Atheismus, Religionskritik und Spiritualitätskritik, die mit stärker emanzipatorischen politischen Einstellungen verbunden waren.

Allerdings war selbst dieser Haupteffekt, obwohl er der größte erkennbare Effekt war, wiederum klein:

  • Er erklärte lediglich 4,9 % der Unterschiede im politischen Variablenset. Von einer starken Prägung politischer Einstellungen durch Religion oder Spiritualität kann daher auch hier nicht gesprochen werden.

Frieden, Flucht und Antikolonialismus als schwaches Gegenmuster

Jenseits dieses Haupteffekts gab es weitere, noch kleinere signifikante Effekte, die dafür sprechen, dass die Komplexität des Zusammenhangs zwischen Religion, Spiritualität und politischen Einstellungen größer ist, als es rein behauptende oder vereinfachende Vermutungen nahelegen.

Auch wenn Religionen insgesamt etwas stärker mit autoritäreren und weniger emanzipatorischen Einstellungen verbunden waren und umgekehrt Atheismus, Religionskritik und Spiritualitätskritik stärker mit progressiven und antiautoritären Einstellungen zusammenhingen, können sich ganz andere Assoziationen ergeben, wenn für diesen Haupteffekt statistisch kontrolliert wird:

  • So wurde in den Daten ein zweites, deutlich schwächeres Zusammenhangsmuster sichtbar, in dem Islam, Jainismus, Esoterik und Anthroposophie mit stärkerer Zustimmung zu Entmilitarisierung, antikolonialer Wiedergutmachung und Schutz Geflüchteter verbunden waren. Religionskritik und Spiritualitätskritik standen hier auf der gegenüberliegenden Seite. Dieses Muster erklärte allerdings nur weitere 0,6 % der Unterschiede in den politischen Einstellungen. Es verweist auf einen sehr spezifischen Zusammenhang mit Frieden, Flucht, kolonialer Gewalt und internationaler Solidarität.

Möglicherweise spielt hierbei eine Rolle, dass mehrere dieser religiösen und spirituellen Richtungen nicht zu den traditionellen Mehrheitsreligionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gehören. Erfahrungen mit Migration, kultureller Ausgrenzung, Rassismus oder kolonialen Machtverhältnissen können die Sensibilität für entsprechende Themen erhöhen. Auch Vorstellungen von Mitgefühl, Gewaltlosigkeit und Verantwortung für andere Menschen können zu diesem Zusammenhang beitragen.

Zwei sehr schwache Zusatzmuster mit vorsichtiger Aussagekraft

Darüber hinaus ergaben sich zwei sehr schwache weitere Effekte, die sicherlich in neuen Stichproben zu replizieren wären, bevor ihnen ein erhebliches Gewicht zugemessen werden sollte:

  • Zum einen wurde ein spezifisch christlich-konservatives Zusatzmuster erkennbar. In diesem stand Christentum mit geringerer Zustimmung zur Gleichberechtigung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten, zu Tierrechten und zur Entmilitarisierung in Zusammenhang. Atheismus, Religionskritik, Buddhismus, Hinduismus, Esoterik und Anthroposophie wiesen in die gegenteilige Richtung. Dieses Muster erklärte jedoch nur weitere 0,3 % der Unterschiede in den politischen Einstellungen und darf daher nicht überbewertet werden.
  • Zum anderen ergab sich mit einem zusätzlichen Erklärungsanteil von nur 0,2 % ein Hinweis darauf, dass auch Christentum und teilweise Religionen im Allgemeinen jenseits des konservativen Haupteffekts mit dem Gegenteil verbunden sein können, nämlich mit Toleranz, Gleichberechtigung, ökologischer Verantwortung und einer flüchtlingsfreundlichen Haltung. In diesem äußerst schwachen Zusammenhangsmuster standen Christentum, Islam, Buddhismus, Judentum und Hinduismus mit stärkerer Zustimmung zur Gleichberechtigung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten, zum Klimaschutz und zum Schutz Geflüchteter in Zusammenhang. Religionskritik stand hier auf der gegenüberliegenden Seite.

Möglicherweise stehen dabei religiöse Werte wie Mitgefühl, Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Vergebung, Zurückhaltung gegenüber der Verurteilung anderer Menschen und Verantwortung für die Schöpfung im Vordergrund. Besonders deutlich trat in diesem Muster übrigens das Judentum hervor, was zu dem bekannten breiten Spektrum liberaler, sozialistischer, feministischer und anderer emanzipatorischer Denktraditionen innerhalb des Judentums passt.

Wegen der äußerst geringen Stärke dieses Zusammenhangsmusters ist aber große Zurückhaltung bei der Interpretation geboten.

Was die Befunde nicht zeigen

Insgesamt und auch in der Einzelbetrachtung ergibt sich aus den Befunden, dass Aussagen, Veganer:innen neigten zu bestimmten religiösen oder spirituellen Auffassungen und diese Auffassungen seien wiederum mit rechtsgerichtetem Denken, falsch oder mindestens in sehr hohem Ausmaß vereinfachend sind:

  • In Wirklichkeit zeigt sich bei Veganer:innen ein breites Spektrum religionskritischer, spiritualitätskritischer, religiöser und spiritueller Auffassungen mit einer im Durchschnitt deutlich religionskritischen Tendenz. Gleichzeitig sind die religiösen und spirituellen Auffassungen von Veganer:innen nur in einem sehr begrenzten Ausmaß mit politischen Einstellungen assoziiert.

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Resümee: Politische Ähnlichkeit trotz unterschiedlicher Haltungen zu Religion und Spiritualität

Zwar gibt es eine konservativere religiös-spirituelle Haupttendenz. Diese ist bei Veganer:innen aber nur sehr schwach ausgeprägt und zudem nicht selektiv durch Esoterik geprägt, sondern bezieht im kanonischen Hauptmuster Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Esoterik und Anthroposophie ein.

Zusätzlich scheint es eine spezifisch christlich-konservative Tendenz zu geben, die sich besonders gegen die Gleichberechtigung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten, gegen Tierrechte und gegen Entmilitarisierung wendet. Gleichzeitig können Religionen im Einzelfall aber auch ganz anders assoziiert sein, wie anhand des Zusammenhangs von Islam, Jainismus, Esoterik und Anthroposophie mit Entmilitarisierung, antikolonialer Wiedergutmachung und Schutz Geflüchteter sowie anhand des sehr schwachen Zusammenhangs von Christentum, Islam, Buddhismus, Judentum und Hinduismus mit Gleichberechtigung, Klimaschutz und Schutz Geflüchteter erkennbar wird.

Vor dem Hintergrund der insgesamt nur geringen Stärke der Zusammenhänge ergibt sich als Resümee, dass Veganer:innen unabhängig von ihrer Einstellung zu Religion, Spiritualität, Esoterik, Atheismus oder Agnostizismus vor allem durch eine hohe Ähnlichkeit ihrer in großer Mehrheit linksgerichteten, progressiven politischen Einstellungen gekennzeichnet sind.

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Nebenbefund: Religion, Spiritualität und vegane Lebensweisen

Neben den Hauptanalysen zu den Zusammenhängen zwischen politischen Einstellungen und religionsbezogenen Einstellungen wurde in dieser Untersuchung ebenfalls überprüft, ob sich religions- oder spiritualitätsbezogene Haltungen in gravierendem Ausmaß auf die vegane Lebensweise auswirkten. Dabei ging es um die Frage, ob solche Haltungen mit der Strenge, Konsequenz oder dem Ausmaß des politischen und gesellschaftlichen Engagements für die vegane Lebensweise zusammenhingen.

Hierzu konnte auf eine vorherige Clusteranalyse zurückgegriffen werden, die in diesem Artikel ausführlich erläutert wird. Diese Analyse hatte ergeben, dass sich die Befragten dieser Umfrage in vier Gruppen einteilen ließen, die sich durch Unterschiede im Hinblick auf Konsequenz und Generalisierungsgrad der veganen Lebensweise sowie politisch-gesellschaftliches Engagement für Veganismus und Tierrechte kennzeichneten:

  • Einsatzorientierte Veganer:innen lebten besonders konsequent vegan und verbanden dies mit einem ausgeprägten Einsatz für Veganismus und gesellschaftliche Veränderungen. Diese Gruppe umfasste 1.098 Personen oder 50,8 % der Stichprobe.
  • Konsequente Lebensstil-Veganer:innen lebten ebenfalls in vielen Lebensbereichen konsequent vegan, zeigten aber weniger politisch-aktivistisches Engagement. Diese Gruppe umfasste 713 Personen oder 33,0 % der Stichprobe.
  • Pragmatische Veganer:innen verzichteten konsequent auf Fleisch, Fisch, Milch und Eier, übertrugen die vegane Lebensweise aber weniger stark auf weitere Lebensbereiche. Diese Gruppe umfasste 282 Personen oder 13,0 % der Stichprobe.
  • Vegane Grenzgänger:innen machten auch bei den zentralen Ernährungsmerkmalen teilweise Ausnahmen. Diese Gruppe umfasste 68 Personen oder 3,1 % der Stichprobe.

Je stärker sich religionsbezogene Einstellungen auf die vegane Lebensweise auswirken sollten, desto eher wäre zu vermuten gewesen, dass sich diese vier veganen Gruppen im Hinblick auf die Verteilung der Ergebnisse in den zwölf religions- und spiritualitätsbezogenen Maßen systematisch voneinander unterscheiden.

Tatsächlich zeigten die Ergebnisse zwar statistische Unterschiede zwischen den Gruppen. Insgesamt ließen sich bei Kontrolle von Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Rekrutierungsweg für die Umfrage und Wohnsitzland aber nur 1,8 % der Unterschiedlichkeit in der Gruppenzugehörigkeit durch die zwölf religions- und spiritualitätsbezogenen Maße erklären.

Dies ist ein außerordentlich geringer Anteil. Er weist darauf hin, dass religionsbezogene Einstellungen der befragten Veganer:innen eine nur zu vernachlässigende Rolle für ihre Konsequenz im Alltag und ihr Engagement für Veganismus und Tierrechte spielten.

Die wenigen signifikanten Befunde weisen zudem darauf hin, dass sich die beiden konsequenteren Gruppen, also einsatzorientierte Veganer:innen und konsequente Lebensstil-Veganer:innen, eher durch geringere Religiosität kennzeichneten als die beiden weniger konsequenten Gruppen der pragmatischen Veganer:innen und besonders der veganen Grenzgänger:innen. Auch dieser Unterschied war jedoch gering.

Zusammen mit den Befunden zu den politischen Einstellungen weist diese Auswertung darauf hin, dass Religion und Spiritualität bei Veganer:innen sehr individuelle Phänomene sind, die keine substanziellen Auswirkungen auf ihre sonstigen politisch-gesellschaftlichen Einstellungen oder ihre Zugehörigkeit zu einem der vier Cluster Veganer:innen Lebensweise ausüben.

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Gesamtresümee

Somit ergibt sich nun folgendes Gesamtresümee:

  • Veganer:innen sind häufiger religionskritisch als religiös und weisen keine ausgeprägte Affinität zu esoterischen Glaubensvorstellungen auf.
  • Auch bei denjenigen Veganer:innen, die eine Affinität zu Religion, Spiritualität oder Esoterik zeigen, wirkt sich diese Affinität nicht im Sinne einer substanziellen Assoziation mit konservativem oder rechtsgerichtetem Denken aus.
  • Vielmehr zeigen Veganer:innen im Wesentlichen unabhängig von ihren religiösen oder spirituellen Überzeugungen vor allem eine starke Affinität zu progressivem und politisch linksgerichtetem Denken. Anhaltspunkte für eine bei Veganer:innen besonders verbreitete Menschenfeindlichkeit, etwa Feindlichkeit gegenüber Geflüchteten, homosexuellen, bisexuellen, transgender oder nichtbinären Personen, Indifferenz gegenüber Armut, Legitimation von Kolonialismus oder ähnliche Haltungen, sind aus den konkreten empirischen Daten gerade nicht erkennbar.

In einem geringen Ausmaß ist es dennoch aus den Befunden erkennbar, dass religiöse Überzeugungen auch mit politischen Einstellungen zusammenhängen:

  • Zustimmung zu Religionen oder religiösen Denkweisen wie Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Esoterik und Anthroposophie kann in schwachem Ausmaß mit konservativerem Denken verbunden sein. Spezifisch zeigte sich beim Christentum zusätzlich ein schwaches Zusatzmuster im Hinblick auf geringere Zustimmung zur Gleichberechtigung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten, zu Tierrechten und zur Entmilitarisierung.
  • Umgekehrt können religiöse Überzeugungen im Einzelfall aber auch mit einem Mehr an Entmilitarisierung, antikolonialer Wiedergutmachung und Schutz Geflüchteter assoziiert sein, wie sich in einem sehr schwachen Zusammenhangsmuster für Islam, Jainismus, Esoterik und Anthroposophie zeigte. Ebenso zeigte sich ein noch schwächeres Zusammenhangsmuster, in dem Christentum, Islam, Buddhismus, Judentum und Hinduismus nunmehr mit stärkerer Zustimmung zur Gleichberechtigung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten, zum Klimaschutz und zum Schutz Geflüchteter verbunden waren.

Religiöse Auffassungen stehen zudem höchstens in einem sehr schwachen, begrenzten Zusammenhang mit der Konsequenz der veganen Lebensweise oder dem Einsatz für Veganismus und Tierrechte.

Hauptergebnis dieser Auswertung ist, dass spekulative Thesen, dass Veganer:innen über eine Verbindung zur Esoterik zu rechtsgerichtetem Denken neigen, sich in dieser Untersuchung nicht bestätigen ließen.

Zudem ergeben die Befunde auch keine Rechtfertigung für eine selektive Heraushebung von Esoterik, da sich die wenigen und schwachen Zusammenhänge zu Konservatismus nicht nur bei Esoterik, sondern auch bei anderen religionsbezogenen Haltungen wie dem christlichen Glauben zeigten.

Bei religionskritischer Haupttendenz stellen sich Veganer:innen zusammenfassend in dieser Umfrage als eine religions- und spiritualitätsbezogen heterogene Gruppe dar, die sich aber zugleich in hohem Ausmaß einheitlich durch links-progressive politische Überzeugungen kennzeichnet.

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Was die Untersuchung zeigt

Wenn es so wäre, dass die vegane Community eine besondere Affinität zu esoterischen oder anderen religiösen und spirituellen Glaubensweisen aufweisen würde, hätte sich dies bei der aktuellen Untersuchung zeigen sollen.

Da die Untersuchung in hohem Ausmaß auf die Rekrutierung von Veganer:innen über viele verschiedene Wege achtete und zudem umfassende Kontrollen nicht nur für den Rekrutierungsweg, sondern auch für Alter, Bildungsstand, Geschlecht und Wohnsitzland durchführte, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die aktuellen Befunde kein Stichprobenartefakt darstellen, sondern in ihren wesentlichen Grundzügen auf Veganer:innen im deutschsprachigen Raum im Allgemeinen übertragen werden können.

Somit widerlegt die vorliegende Studie spekulative Annahmen, die eine besondere Nähe des Veganismus zu Esoterik und Spiritualität postulieren.

Die Studie widerlegt ebenfalls Auffassungen, Veganer:innen würden eine besondere Neigung zu menschenfeindlichen Vorstellungen aufweisen, wie sie bereits von Jutta Ditfurth und neuerdings von Lisa Landwehr vertreten werden. Im Gegenteil weisen Veganer:innen eine hohe Affinität zu linksgerichteten, progressiven politischen Positionen sowie eine Ferne zu autoritärem Denken auf.

Gleichzeitig weckt die vorliegende Studie ebenfalls grundlegende Zweifel an der Generalisierbarkeit von Vermutungen, dass spezifisch esoterisch-spirituelle Vorstellungen bei Veganer:innen als Risikomerkmal oder Einfallstor für rechtsgerichtetes Denken fungieren.

In dieser Auswertung zeigte sich eine solche Einfalltorfunktion bei Veganer:innen nicht. Der schwache Zusammenhang zwischen esoterischem Denken und stärker konservativen politischen Vorstellungen spiegelte einen allgemeinen Religions- und Spiritualitätseffekt wider, der nicht auf Esoterik beschränkt war. Darüber hinaus war dieser Zusammenhang komplex und in sich widersprüchlich, da umgekehrt auch Zusammenhänge zu progressiven politischen Einstellungen erkennbar waren.

Womöglich können sich religiöse und spirituelle Vorstellungen in Abhängigkeit vom Einzelfall unterschiedlich auswirken, sodass die oftmals in der Debatte vorgenommenen breiten Generalisierungen nicht zutreffend sind.

Vegan lebende Menschen mit unterschiedlichen Haltungen zu Religion und Spiritualität scheint nach den vorliegenden Befunden politisch und auch bezüglich der veganen Lebensweise mehr miteinander zu verbinden als zu trennen.

Insgesamt sprechen die Befunde der Studie dafür, dass Einstellungen zu Religion und Spiritualität kaum einen Einfluss auf die politischen Haltungen und veganbezogenen Haltungsweisen von Veganer:innen ausüben.

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Wo die Begrenzungen sind

Keine Bestätigung von Kausalzusammenhängen möglich

Es handelt sich um eine Querschnittsstudie, die insofern keine Kausalschlüsse zu ziehen erlaubt. Selbst wenn sich substanzielle Zusammenhänge zwischen esoterisch-religionsbezogenen Maßen und politischen Einstellungen gezeigt hätten, was nicht der Fall war, hätte daraus insofern nicht gefolgert werden können, dass die esoterisch-religionsbezogenen Einstellungen zu solchen politischen Einstellungen führen.

Umgekehrt kann diese Umfragestudie jedoch vor dem Hintergrund der hier vorgelegten Befunde einen solchen substanziellen kausalen Zusammenhang ausschließen, da die Mindestvoraussetzung hierfür das Bestehen bedeutsamer Zusammenhänge zwischen Religionsbezug und politischen Einstellungen gewesen wäre.

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Einschränkungen der Generalisierbarkeit der Befunde

Wie dargestellt, ist es wahrscheinlich, dass die Schlüsse aus dieser Studie in hohem Maß auf den deutschsprachigen veganen Bereich generalisiert werden können. Da die Befunde robust sind gegenüber unterschiedlicher Beteiligung von Alter, Geschlecht und Bildungsstand sowie auch gegenüber den Auswirkungen von Wohnsitzland und Rekrutierungsweg, wäre es erstaunlich, wenn die Befunde grundlegend von den tatsächlichen Verhältnissen in der veganen Community im deutschsprachigen Raum abweichen würden.

Dennoch kann eine entsprechende Widerspiegelung der Verhältnisse im deutschsprachigen veganen Raum umgekehrt nicht positiv bewiesen werden. Eine im formalen Sinne repräsentative Stichprobenziehung liegt nicht vor und wäre aufgrund des geringen Anteils von Veganer:innen an der Gesamtbevölkerung bei einem solch ausführlichen Fragebogen auch kaum möglich.

Von größerer Bedeutung ist die Einschränkung der Befunde auf den deutschsprachigen Bereich. Selbst wenn eine Generalisierung auf andere räumlich und kulturell ähnlich strukturierte Regionen wahrscheinlich ist, kann diese nicht durch die vorliegende Studie belegt werden. Für eine Generalisierbarkeit sprechen jedoch andere internationale Befunde, die ebenfalls eine Nähe der veganen Lebensweise zu politisch progressiven Einstellungen belegen, sowie weitere Parameter der aktuellen Stichprobe, wie der überwiegend weibliche Anteil und das hohe Bildungsniveau. Bei diesen Merkmalen handelt es sich nicht um Verzerrungen, sondern sie entsprechen offenbar der tatsächlichen Verteilung dieser Merkmale bei Veganer:innen.

Eine Generalisierung auf andere Kulturbereiche kann allerdings nicht ohne Weiteres erfolgen. So wäre es gut möglich, dass beispielsweise in buddhistischen Ländern eine viel stärkere Affinität des Veganismus zur Religion unter Rückgriff auf die Prinzipien des Nichttötens und die Überzeugung, dass die eigenen Handlungen karmische Folgen haben, gefunden worden wäre. Auch wenn hierzu Daten fehlen, weiß der Autor aus eigener, nicht repräsentativer Beobachtung in Kambodscha (wo er lebt), dass dort ein großer Teil derjenigen, die vegetarisch oder vegan leben, dies aus religiöser Überzeugung tut. Die Schlussfolgerung dieser Umfrage, dass Veganer:innen typischerweise keine besondere Nähe zu Religion und Spiritualität aufweisen, ist insofern bei fehlenden aussagekräftigen empirischen Befunden nicht weltweit generalisierbar.

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Mögliche Kritik an zugrundeliegender Vegan-Definition

Kritisch beleuchtet werden kann auch die Klassifikation als Veganer:innen. In dieser Umfrage haben die Teilnehmenden selbst angegeben, dass sie vegan leben, was als kein Fleisch, keine Milch, keine Eier und kein Fisch definiert wurde. Gleichzeitig wurde jedoch zusätzlich die tatsächliche Vermeidung dieser und weiterer Lebensmittel, wie Gelatine, sowie von Tierprodukten in Gegenständen durch eine große Anzahl an Zusatzfragen erhoben.

Hieraus ergab sich die Unterteilung der Veganer:innen in vier Gruppen, nämlich die veganen Grenzgänger:innen, bei denen Ausnahmen vorkommen, die pragmatischen Veganer:innen, die vor allem auf die Vermeidung der Kernlebensmittel achten, die konsequenten Lebensstil-Veganer:innen, die sehr konsequent generalisiert vegan leben, sowie die einsatzorientierten Veganer:innen, die ebenfalls sehr konsequent vegan leben und sich zusätzlich politisch für Veganismus und Tierrechte einsetzen.

Innerhalb der veganen Community wird sicherlich kritisch diskutiert, inwiefern die veganen Grenzgänger:innen oder gegebenenfalls auch die pragmatischen Veganer:innen überhaupt als vegan zu bezeichnen sind. Ein vorheriger Artikel auf Vegan.eu hat hierzu einen eigenen Diskussionsbeitrag geleistet.

Entscheidend für die Robustheit der aktuellen Befunde ist jedoch, dass selbst bei Einschränkung der Analysen auf die beiden besonders konsequent vegan lebenden Gruppen alle in diesem Artikel vorgestellten Befunde nicht nur ihre Gültigkeit behalten, sondern sogar noch etwas stärker zum Ausdruck kommen würden.

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Gruppe im COmic Style, die sich für vegan und den Schutz der Tiere einsetzt.

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