Vegan: Gesunde und ungesunde Pflanzenkost

Vegan: Gesunde und ungesunde Pflanzenkost

Zwei Studien zeigen, dass gesunde Pflanzenkost das Risiko von Herzerkrankungen und Diabetes II senken, ungesunde Pflanzenkost das Risiko von Diabetes und Herzerkrankungen aber erhöhen kann. Die Studie zu Diabetes II wurde bereits 2016 im Fachjournal PLoS Medicine veröffentlicht. Die Studie zu Herzerkrankungen wurde im Juli 2017 im Fachjournal American College of Cardiology publiziert.

Die beiden Studien beziehen sich auf mehr als 200000 Frauen und Männer, deren Ernährungsverhalten und deren Gesundheitszustand über mehrere Jahre beobachtet wurde. Ausgezählt wurden die Häufigkeit von neuen Diabetes-II-Diagnosen und auftretenden Herzerkrankungen. In der Auswertung wurde für eine Vielzahl von möglichen Störfaktoren kontrolliert, wie Alter, Rauchen, Alkoholkonsum, Bewegungsverhalten, Einnahme von Vitaminpräparaten, Erkrankungen in der Familie.

In den Studien wurden drei Indexe des Ernährungsverhaltens gebildet:

  • Pflanzenbasierte Kost: Für jede pflanzliche Kostgruppe (Obst, Gemüse, pflanzliche Öle, Bohnen und Tofu, Nüsse, Kaffee/Tee, Vollkornprodukte, Fruchtsäfte, gesüßte Getränke, Kartoffelprodukte, Weißmehlprodukte, Süßigkeiten und Desserts) wurde ein Punkt vergeben, während für jede tierische Kostgruppe (tierische Fette, Milch, Eier, Fleisch, Fisch, andere Tierprodukte) ein Punkt abgezogen wurden. Der Index misst daher, in welchem Ausmaß eine Ernährung pflanzenbasiert ist
  • Gesunde pflanzenbasierte Kost: Für jede gesunde pflanzliche Kostgruppe (Obst, Gemüse, pflanzliche Öle, Bohnen und Tofu, Nüsse, Kaffee/Tee, Vollkornprodukte) wurde ein Punkt vergeben, für jede ungesunde pflanzliche Kostgruppe (Fruchtsäfte, gesüßte Getränke, Kartoffelprodukte, Weißmehrprodukte, Süßigkeiten und Desserts) wurde ein Punkt abgezogen. Ebenfalls wurde für jede tierische Kostgruppe ein Punkt abgezogen. Der Index misst daher, in welchem Ausmaß eine Ernährung auf gesunden pflanzlichen Produkten beruht.
  • Ungesunde pflanzenbasierte Kost: Für jede ungesunde pflanzliche Kostgruppe wurde ein Punkt gegeben, für jede gesunde pflanzliche Kostgruppe und für jede tierische Kostgruppe wurde ein Punkt abgezogen. Der Index misst, in welchem Ausmaß eine Ernährung auf ungesunden pflanzlichen Produkten beruht.

Ergebnisse

  • der Index pflanzenbasierte Kost korrelierte signifikant mit geringeren Erkrankungshäufigkeiten für Diabetes II und für Herzerkrankungen
  • der Index gesunde pflanzenbasierte Kost korrelierte signifikant mit geringeren Erkrankungshäufigkeiten für Diabetes und für Herzerkrankungen
  • der Index gesunde pflanzenbasierte Kost ging mit einer geringeren Häufigkeit an Herzerkrankungen einher als der Index pflanzenbasierte Kost. Gleiches galt für Diabetes II, wenn für den Body-Maß-Index kontrolliert wurde
  • der Index ungesunde pflanzenbasierte Kost korrelierte signifikant mit einem höheren Erkrankungsrisiko für Diabetes und an Herzerkrankungen

Es wurden außerdem Befunde zu weiteren Indexen berichtet:

  • ein Index Tierprodukte korrelierte mit einer erhöhten Erkrankungshäufigkeit für Herzerkrankungen und Diabetes II.
  • ein Index gesunde Pflanzenkost und Fisch wies die gleichen Auswirkungen auf wie der Index gesunde Pflanzenkost für Herzerkrankungen. Für Diabetes II fiel dieser Index aber ungünstiger aus als der Index gesunde Pflanzenkost allein, auch wenn der Unterschied nicht statistisch signifikant war.
  • ein Index gesunde Pflanzenkost, Fisch und Milch korrelierte im Vergleich zum Index gesunde Pflanzenkost deskriptiv mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko für Herzerkrankungen, auch wenn der Unterschied nicht signifikant war
  • ein Index Milchprodukte und gesunde Pflanzenkost wies keinen Unterschied zum Index gesunde Pflanzenkost für Diabetes II auf.

Bewertung

Die Befunde lassen keinen Zweifel daran, dass eine pflanzenbasierte Ernährung gesundheitlich vorteilhaft sein kann. Die Vorteile einer pflanzenbasierten Ernährung werden jedoch aufgehoben oder sogar in ihr Gegenteil verkehrt, wenn vorwiegend ungesunde pflanzliche Produkte konsumiert werden.

Menschen, die sich vorwiegend von zuckerhaltigen Produkten, Weißmehlen und verarbeiteten Fruchtsäften ernähren, tun ihrer Gesundheit nichts Gutes, auch wenn sie vegan leben. Vor dem sogenannten Pudding-Veganismus kann insofern nur gewarnt werden. Diese Art von Veganismus ist zudem geeignet, ein schlechtes Licht auf die vegane Ernährung zu werfen und in Studien die möglichen positiven Auswirkungen einer veganen Ernährung zu minimieren.

Die Befunde zeigen, dass je mehr Tierprodukte konsumiert wurden, desto höher das Erkrankungsrisiko für Herzerkrankungen und Diabetes II ausfiel. Dies ist nicht erstaunlich.

Einzuräumen ist, dass Fischkonsum offenbar zu keinem erhöhten Erkrankungsrisiko für Herzerkrankungen führte, wobei der kombinierte Index Fisch und gesunde Pflanzenkost aber für Diabetes II deskriptiv ungünstiger abschnitt als der Index gesunde Pflanzenkost. Bei Milch lässt sich eine deskriptive negative Auswirkung im Vergleich zum Index gesunde Pflanzenkost für Herzerkrankungen erkennen, die aber ebenfalls die statistische Signifikanz verfehlte, also auch durch Zufallseffekte zustande gekommen sein mag.

Bei kombinierter Berücksichtigung von Diabetes II und Herzerkrankungen ist der Index gesunde Pflanzenkost der insgesamt am Besten abschneidende Index. Vorteile von Milch und Fisch sind nicht erkennbar, tendenziell weisen sie aber Nachteile für Diabetes II (Fisch) und Herzerkrankungen (Milch) auf.

Zum Fischkonsum ist zunächst festzustellen, dass es durchaus im Rahmen des allgemeinen ernährungswissenschaftlichen Diskurses bemerkenswert ist, dass der Fischkonsum das Risiko für Herzerkrankungen nicht absenkte. Eben dies wird schließlich immer wieder im Rahmen des Hype um Fisch-Öl behauptet und spiegelt sich beispielsweise auch in Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wider. Die vorliegenden Studienergebnisse sind mit diesen Annahmen jedoch nicht vereinbar. Eine herzschützende Auswirkung von Fisch wird aus den Daten nicht erkennbar.

Auch wenn Fisch das Herzerkrankungsrisiko nicht erhöht, spricht aus einer ethisch-ökologischen Perspektive alles gegen Fischkonsum. Die Fischerei führt jährlich zum qualvollen Tod von mehr als einer Billion Tiere sowie zur Zerstörung des Ökosystems in Weltmeeren, Seen und Flüssen. Die vorliegenden Studienergebnisse lassen auch den letzten Rechtfertigungsgrund für Fischkonsum (angeblich herzschützend) zusammenbrechen.

Für die Milch lässt sich aus den Daten mindestens ein Trend dahingehend erkennen, dass der Konsum von Milchprodukten für das Herz im Vergleich zu gesunder Pflanzenkost eher abträglich zu sein scheint. Selbst wenn dieser Trend sich nicht als nicht tragfähig erweisen sollten, spricht eine ethisch-ökologische Perspektive ebenso gegen Milchkonsum wie gegen Fischkonsum.

In der Gesamtbilanz stützen die neuen Forschungsbefunde die Argumentationsbasis für eine vegane Ernährung, auch wenn dies nicht den direkten Intentionen der Studienautoren entspricht. Gleichzeitig setzen die Studienergebnissen ein deutliches Warnsignal vor einer pflanzenbasierten Ernährung auf der Basis von Produkten, die zugesetzten Zucker oder Weißmehl enthalten.

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