Warum wollen norwegische Soldaten Fleisch?

Warum wollen norwegische Soldaten Fleisch?

Wie müssen fleischfreie und vegane Produkte und Mahlzeiten präsentiert werden, damit sie bei eingefleischten Fleischessern nicht auf Ablehnung, sondern auf Zustimmung stoßen? Woran liegt es, dass selbst kleinste Schritte der Fleischreduktion auf so viel Widerstand stoßen? Unter Anderem hierüber gibt eine neue Studie Auskunft. Diese Studie hat untersucht, warum die 2013 in der norwegischen Armee beschlossene Einführung des fleischlosen Montags (Meatless Monday) seither am Unwillen der Soldaten gescheitert ist.

Gewalt und Machismo sind die traditionellen Gegenpole zur veganen Lebensweise. Entsprechend ist eine Armee sicherlich ein Ort, an dem es eine besonders geringe Veganfreundlichkeit gibt. Trotzdem lässt sich von den Widerständen der norwegischen Soldaten gegen einen einzigen fleischfreien Tag in der Woche auch für andere Zielgruppen etwas lernen.

Welche Barrieren stehen dem Fleischverzicht entgegen? Wieso sind Menschen in ihrer großen Mehrheit noch so weit entfernt von der Annahme der veganen Lebensweise?

Die qualitative Auswertung der Interwiews mit den norwegischen Soldaten kam dem zum Ergebnis, dass es vorwiegend drei Gründe gibt, warum die Soldaten den fleischfreien Montag ablehnen:

Fleisch fördere körperliche Leistungsfähigkeit

...mit der Arbeitsbelastung und dem Training müssen wir darauf achten, dass unsere körperliche Leistungsfähigkeit immer maximal ist. Wie kann ich Fett abbauen und Muskel aufbauen? Mein Fokus liegt darauf, Essen zu minimieren, während ich die Energieaufnahme maximiere, ohne fett zu werden.

Dieser 22-jährige Soldat, dessen Antwort die Autoren als repräsentatives Beispiel zitieren,unterliegt offenbar dem Irrtum, dass seine oben genannten Ziele vorwiegend oder besser durch eine fleischbasierte Kost erreichbar sind. Eine große Anzahl veganer Bodybuilder und Spitzensportler beweist täglich das Gegenteil. Dennoch hält sich in der Allgemeinbevölkerung der Mythos, dass Fleisch für den Aufbau körperlicher Kraft erforderlich ist. Um Widerstände gegen eine pflanzenbasierte Ernährung abzubauen, wird es entsprechend notwendig sein,die Bevölkerung noch effektiver darüber aufzuklären, dass es sich bei der Annahme „Fleisch bedeutet Kraft“ um einen reinen Mythos handelt, der durch die Fakten längst widerlegt ist.

Fleisch sei Männlichkeit

Tatsächlich wird die Armee durch Männer dominiert und Männer essen öfter Fleisch. Wir mögen Fleisch wegen des ganzen körperlichen Drucks. Wir wollen reichhaltigeres Essen.

Es ist eine Tatsache, dass Männer mehr Fleisch essen als Frauen. Ebenfalls gibt es weniger Vegetarier und Veganer als Vegetarierinnen und Veganerinnen.Ein Irrtum ist es allerdings aus dem höheren Fleischkonsum von Männer darauf zu schließen, dass dieser richtig und Fleisch für Männer gut oder wichtig sei. Es handelt sich hier um einen eigentlich längst obsolet gewordenen Machismo, der mit einer Orientierung auf Gleichberechtigung, Friedfertigkeit, Fairness und Gerechtigkeit unvereinbar ist.

Männer, die an einem derartigen fleischbasierten Männerbild festhalten, bringen sich selbst in die Rolle des primitiven und nicht reflektierenden Macho.

Bei fleischlos fehle etwas

Es gibt einen Unterschied zwischen einer Mahlzeit mit Fleisch und einer vegetarischen Mahlzeit. Wenn ich Sallat esse, bemerke ich, dass der Energie- und Sättigungslevel nicht erreicht ist“.

Der Geschmack des vegetarischen Gerichts war nicht schlecht, aber ich fragte mich „wo ist das Fleisch?“ Es fehlt etwas“.

Die Gleichsetzung zwischen Salat und vegetarisch scheint sich trotz der Verfügbarkeit unzähliger veganer Ersatzprodukte und den großen Verkaufszahlen zahlreicher veganer Kochbücher hartnäckig zu halten.

Was sagt uns die Befunde?

Trotz des veganen Trends gibt es nach wie vor erhebliche Vorbehalte gegen eine fleischfreie Ernährung. Ja sogar ein einzige fleischfreier Tag wird stößt weiterhin auf erhebliche Hindernisse. Umso stärker sind die Barrieren, die einer veganen Ernährung entgegenstehen.

Die Mythen, dass Fleisch zu Kraft führe und dass bei Pflanzenkost etwas fehle, stehen dem Übergang zu einer pflanzenbasierte, veganen Kost gegenüber, ja können sogar eine minimale Intervention, wie den fleischlosen Montag, scheitern lassen. Dies macht deutlich, wie wichtig die weitere Bekanntmachung der Höchstleistungen von veganen Spitzensportlern sowie der Verfügbarkeit veganer Ersatzprodukte für Fleisch ist.

Manche Veganer mögen den Fokus auf vegane Spitzensportler ebenfalls als Ausdruck von Mach-Einstellungen halten. Dem kann aber entgegenwirkt werden, indem deutlich gemacht wird, dass körperliche Spitzenleistungen keineswegs verpflichtend, aber bei veganer Ernährung eben auch problemlos möglich sind. Auch die gleichberechtigte Fokussierung auf vegane Sportler und vegane Sportlerinnen mag der Verbreitung von Macho-Allüren entgegenwirken. Auf jeden Fall ist die Herausstellung der Leistungen veganer Spitzensportler für die Ausbreitung der veganen Lebensweise wichtig, weil sie wie kaum eine andere Maßnahme den Mythos der Kraftlosigkeit durch vegan überzeugend widerlegen kann.

Teilweise werden vegane Ersatzprodukte wegen ihres hohen Verarbeitungsgrades kritisiert. Tatsächlich verwendenVeganer solche Produkte nach einer vegan.eu Umfrage auch nur sparsam. Sicherlich ist es wünschenswert, dass viel möglichst wenig verarbeitete Kost zu sich genommen wird. Trotzdem haben vegane Ersatzprodukte eine enorme Bedeutung für die Ausbreitung des Veganismus, die kaum zu unterschätzen sein dürfte, wasauch die Antworten der norwegischen Soldaten erneut zeigen. Wenn Fleischesser in größerer Zahl für die vegane Lebensweise gewonnen werden sollen, ist es notwendig, ihnen den Eindruck zu nehmen, dass ihnen etwas fehle. Beim Salat mag dieser Eindruck verbleiben, wird aber veganes Schnitzel oder veganer Gulasch gereicht, dürfte sich der Eindruck schnell in Luft auflösen. Tatsächlich zeigen Studien, dass Fleischersatz den Geschmack von Fleischessern trifft. Damit erfüllt Fleischersatz aus veganer Sichtweise genau seinen Zweck.

Umso wichtiger ist der Widerstand gegen Versuche der Fleischlobby, Produktnahmen, wie veganes Schnitzel, zu verbieten. Denn genau diese Produktnahmensind es, die den Fleischessern, bereits im Supermarkt aufzeigen, dass sei ihre Geschmackswünsche problemlos ohne Rückgriff auf getötete Tiere umsetzen können.

Vielen Männern, die an Fleisch festhalten, ist womöglich ihre Identifikation mit einer überkommenden Macho-Selbstdefinition nicht bewusst. Der Abbau von Geschlechtsrollenstereotypen und der Aufbau einer auf Gleichberechtigung beruhenden Gesellschaft schafft gleichzeitig bessere Voraussetzungen für die Verbreitung des Veganismus.

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5 Kommentare auf "Warum wollen norwegische Soldaten Fleisch?"

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Klaus Grünseich
Gast

@Verveine1: interessanter Kommentar [&] Gedanke! Allerdings stellt sich die Frage, ob "wir" noch die Zeit haben!? Denn, bei dieser (überproportional) zunehmender Geschwindigkeit der Zerstörung aller Lebensgundlagen allen Lebens bleibt wohl nicht mehr viel bis zum "Point of no Return", falls nicht schon längst überschritten! Wie es aussieht, scheint dem so zu sein, Stichwort: katastrophale weltweite Unwetter, etc….! Für Pessimismus ist es allerdings und definitiv zu spät, somit keine Option!

Andrea Rausch
Gast

Ich bin leider auch der Überzeugung, dass der "point of no return" längst überschritten ist und wir machen immer weiter und weiter und sind Weltmeister im Verdrängen. Wir verdrängen total gequälte Tiere in den sog. Ställen und in den Schlachthöfen (das ist für mich der wichtigste Grund, mich vegan zu ernähren), zunehmende Aufrüstung, Atomanlagen und Atommüll, schlimmste Kinderarbeit. Es werden weiter Plastiktüten rausgegeben, obwohl bekannt ist, wieviel davon in den Meeren gelandet ist und dort großen Schaden anrichtet. Ich kann mit dieser "Perversion" schon lange nicht mehr umgehen! Bin froh, dass es solche Foren wie diese hier gibt.

Klaus
Gast

@Andrea Rausch: auch Deinen Worten ist nichts hinzuzufügen, exakt auf den Punkt getroffen!

Michael Gumnor
Gast

Ich habe gelernt, dass die carnivore und omnivore Ernährung wie eine Seuche funktioniert. Sie breitet sich überall aus. Dann wird man sie nicht mehr los. Erst, wenn der Körper gelernt hat, dass er sich damit schadet, ist er bereit los zu lassen. Bei mir war das so. Ich habe gelernt, Tiere anzunehmen, so wie mich selber. Dann erst lässt man los. Es verändert sich der Geschmack. Eine große Anzahl von veganen Rezepten garantiert ein abwechslungsreiches Leben. Ich benutze kaum Ersatzprodukte.

Verveine1
Gast

Meine eigene Erfahrung zeigt, dass in unserer Familie es stets die weiblichen Angehörigen waren, welche – zuerst Fleischreduktion, dann Fleischverzicht, dann auch "Fischverzicht" ansprachen. So verlief ein allmählicher Bewusstseinswandel über die ca. 40 Jährige Familiengeschichte, bis dann der Schritt zur veganen Verköstigung vor etwa 10 Jahren erfolgte.
Könnte es sein, dass ein solcher Wandel auch in der Gesellschaft eine Bewusstseins-Evolution bedingt, eine stetige, schrittweise Veränderung, ein Wachstum der Empathie zu allen Naturformen?
Entwicklungen dieser Art sehe ich interessiert entgegen, zum Beispiel die der neuen V-Partei.

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