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Vegan braucht keine Lügen

(Kommentare: 8)

Vegan braucht keine Lügen

Mitgefühl als ethische Basis

Die vegane Lebensweise möchte einen mitfühlenden Umgang mit Tieren ermöglichen, indem sie den Ausstieg aus der Ausbeutung der Tiere für Belange der menschlichen Ernährung und Bekleidung möglich macht. Veganer wollen sich nicht damit abfinden, dass Billionen Tiere jedes Jahr für die menschliche Ernährung und Bekleidung einen oftmals qualvollen Tod sterben.

 

Die Zahl Billionen mag verwundern, aber sie stimmt, denn auch Fische und Krustentiere müssen miteinbezogen werden.

 

Vegan und Gesundheit

Veganer legen oft Wert darauf, dass die vegane Ernährung die gesündeste Ernährung sei. Tatsächlich sind zahlreiche Gesundheitsvorteile der vegane Ernährung nachgewiesen. Auch auf vegan.eu berichten wir hierüber regelmäßig.

 

Wissenschaftliche Ansichten verändern sich allerdings ständig. Neue Erkenntnisse kommen, alte gehen.

 

Wenn Veganer die vegane Ernährung apodiktisch mit dem Argument verbreiten, alles andere sei ungesund, laufen sie in Gefahr, irgendwann widerlegt zu werden. Sind wir uns so sicher, dass es weniger gesund ist, sich 98% pflanzenbasiert zu ernähren, regelmäßig Sport zu treiben und nicht zu rauchen, als sich zu 100% pflanzenbasiert zu ernähren? Einen wissenschaftlichen Beweis hierfür gibt es nicht. Womöglich leben Menschen ebenso gesund, wenn sie nur sehr geringe Mengen Milch oder Fleisch zu sich nehmen, als wenn sie komplett vegan leben würden.

 

In Wirklichkeit stehen Veganer aber gar nicht in dieser Beweispflicht und sollten sie sich auch nicht zu eigen machen. Veganer müssen nicht belegen, dass die vegane Ernährung die gesündeste mögliche Ernährung ist. Denn im Vordergrund des Veganismus steht nicht die Gesundheit, sondern der Ausstieg aus der Ausbeutung und Vernichtung der Tiere. Jeder Mensch, der Empathie hat, kann dieses Ziel nachvollziehen.

 

Wirksame Argumentation

Was müssen Veganer also beweisen, damit sie den Veganismus noch populärer machen können?

 

Dass der Veganismus die Ausbeutung der Tiere für Ernährung und Bekleidung beendet, ist eine Tatsache, die nicht bewiesen zu werden braucht. Veganer halten und töten keine Tiere für Ernährung und Bekleidung. Würde die ganze Welt vegan, würden keine Tiere mehr für Ernährung und Bekleidung gehalten und getötet.

 

Trotzdem ist die Gesundheit nicht unwichtig. Veganer müssen nämlich aufzeigen, dass eine gesunde vegane Ernährung möglich und umsetzbar ist. Warum?

 

Wenn eine gesunde vegane Ernährung nicht möglich wäre, würde der Veganismus wohl niemals zu einer Massenbewegung werden können. So sehr Menschen Mitgefühl mit Tieren entwickeln können, ihre Gesundheit hierfür opfern würden nur die wenigsten.

 

Erfreulicherweise ist der Beweis der Möglichkeit einer gesunden veganen Ernährung für alle menschlichen Alters- und Entwicklungsstufen längst erbracht Dies wurde soeben noch einmal eindrucksvoll durch die weltweit größte ernährungswissenschaftliche Vereinigung, die Academy of Nutrition and Dietetics, bestätigt.

 

Entgegen immer wieder auftauchender verzerrter, einseitiger oder schlichtweg falscher Medienberichte (siehe ein neuerliches Beispiel bei Spiegel-Online), besteht heute kein vernünftiger Zweifel mehr daran, dass sich Menschen aller Altersstufen gesund vegan ernähren können.

 

Damit ist aber nicht nur die Gleichwertigkeit, sondern bereits die Überlegenheit der veganen Ernährung bewiesen. Denn wie sollte man eine Ernährungsweise nicht als überlegen bewerten, die nicht nur hinreichend gesund ist, sondern zusätzlich billionenfachen Tiertod beenden kann? Was könnte gegen eine vegane Lebensweise sprechen, wenn deren Machbarkeit und Vereinbarkeit mit der Gesundheit längst schlüssig belegt ist?

 

Keine falschen Versprechungen

Bei allem positivem Imagegewinn sollten Veganer aufpassen, in der Öffentlichkeitsarbeit die vegane Ernährung nicht zu stark an mögliche Gesundheitsvorteile zu koppeln. Je stärker Menschen nur aus gesundheitlichen Gründen vegan essen, desto eher werden sie weiterhin Leder und Pelze tragen, und desto schneller werden sie ihre vegane Ernährung wieder beenden, wenn andere angeblich gesunde Ernährungsweisen an sie herangetragen werden. Die Fälle, wo Menschen von einer veganen Ernährung zu dem glatten Gegenteil, der sogenannten "Steinzeitkost", wechselten, unterstreichen diese Gefahr.

 

Hüten sollten wir uns auch vor falschen Versprechungen. Unwahrheiten mögen sich rasch verbreiten, aber nicht selten sitzt die Wahrheit doch am längeren Hebel.

 

So gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass die vegane Ernährung Potenz oder sexuelle Erlebnisfähigkeit verbessern würde. „Vegan ist das bessere Viagra“ ist eine reine Behauptung.

 

Kurzfristig mögen solche Werbeversprechen Aufmerksamkeit erzeugen, langfristig drohen sie aber zu Zweifeln an dem Wahrheitsgehalt aller Argumente für die vegane Ernährung zu führen.

 

Engagement, Mitgefühl und Wahrhaftigkeit sind die wirksamsten Methoden zur Verbreitung des Veganismus – Übertreibungen und Lügen werfen uns zurück!

 

Veganer brauchen weder zu übertreiben, zu verschwiegen noch zu erfinden, um die vegane Ernährung in ein positives Licht zu rücken. Wer könnte den Unterschied nicht sehen, der zwischen den blutigen Schlachthöfen voller Leid und einem Reisfeld besteht?

 

Fraglos, Menschen können nicht alles Leid dieser Erde beenden. Aber den Teil des Leides können wir beenden, den wir Billionen Tieren für unsere Ernährung und Bekleidung mutwillig zufügen. Dies sollten wir in den Vordergrund rücken, wenn wir über die vegane Ernährung sprechen.

 

Verfasser: Guido F. Gebauer

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Kommentar von Drawida |

Vielen Dank für Ihre hier dargelegten Gedanken.
Aber in 2 Punkten bin ich anderer Ansicht. 1. habe ich zusammen mit meinem Partner erlebt, dass vegane Ernährung sehr wohl die gesamte Erlebnisfähigkeit klärt, erweitert und vertieft.
2. Bin glaube ich schon, dass die Menschen den größten Teil der Leiden und Qualen dieser Welt beenden könnten, denn sie sind es ja, die diese Hölle hier geschaffen haben, vor allem mit ihrer Art von lebensverachtenden Traditionen wie blutige Nahrung und Kriege.
Ich empfehle dazu immer wieder auch das Werk von Will Tuttle "Ernährung und Bewusstsein".

Kommentar von Geronymo |

Vegane Ernährung, richtig durchgeführt, ist die gesündeste Ernährung für den Menschen. Das ist keine Übertreibung. Kleine Mengen von Tierprodukten mögen unschädlich sein, gesund sind sie deswegen noch lange nicht. Wer sich mit veganem Zucker und gesättigten Pflanzenfetten zuknallt, spürt natürlich nichts vom "veganen Viagra". https://www.provegan.info/de/studien/alle-studien/impotenz%2C-koronare-herzkrankheit-und-vorzeitiger-tod-dr.-med.-michael-greger-erklaert-den-zu/ Nach meiner Erfahrung sind die ethischen Argumente leider nicht die wirkungsvollsten. Die meisten Menschen glauben leider, dass sie sich Moral aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen nicht leisten können. Welch ein Irrtum.

Kommentar von Martin |

Ich glaube auch, dass die Ethik das Fundament des Veganismus ist, und dass wir daher die ethischen Überzeugungen transportieren sollten. Aber das sind sie eben: Überzeugungen. Ganz anders ist es mit dem Klimawandel. Es gibt dutzende wissenschaftliche Studien, die klar nachweisen, dass eine vegane Ernährung die klimafreundlichste Ernährung ist, ja dass man mit ihr den menschengemachten Klimawandel so minimieren kann wie mit keiner anderen Maßnahme überhaupt derzeit. Wissenschaft lässt sich schlecht widerlegen, wenn man ehrlich und aufrichtig ist. Das traurige ist: Selbst die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels, die schon heute zu spüren sind, aber immer schlimmer werden, sind den Karnisten scheinbar egal. Aber ich berufe mich gerne auf solche wissenschaftlichen Erkenntisse, weil sie im Gegensatz zu ethischen Überzeugungen nicht wirklich wegzudebattieren sind.

Kommentar von H. Volkhammer |

Warum diese Angst? Weil die sich ständig irrende Wissenschaft mal wieder mit 'ner Neuigkeit nicht hinterm Berg halten kann, u. Anderen die Deutsche Gesellschaft für Ernährung mit diesen Erkenntnissen versorgt, die dann für die Masse glaubhaft, diese sozusagen staatlich geprüft in's Volk streut. Anstatt sich mal damit zu beschäftigen, womit sich die sich entwickelnde Menschheit bis zur Füllung der Fleischtöpfe ernährt hat.
Hat es schon mal eine Entschuldigung oder wenigstens Richtigstellung für bzw. von zwischenzeitlich als falsch erkannten Meldungen gegeben?
Angesichts der vielen seit Urzeiten vegan lebenden Inder kann man nicht mal behaupten, daß das Jagen nach hiesigem Verständnis entwicklungspezifisch hilfreich war.
Also kneifen wir nicht, sondern laden die Fleischfreunde zum wenigstens mentalen Schlachthofbesuch ein; und das bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Kommentar von MG |

ein sehr schöner Beitrag und eine fundierte Argumentation herzlichen Dank

Kommentar von Simone |

Mein Schlüsselerlebnis war mein Praktikum beim Tierarzt, vor 37 Jahren, als wir früh morgens zu den damals noch üblichen kleinen Schlachtern zur Trichinenbeschauung fuhren. Denn eines Morgens sollte dort ein Spanferkel geschlachtet werden, was nicht sterben wollte. Es sprang dem Schlachter vom Tisch und floh hinter meine Beine ... ich kann heute noch das Quieken hören und mir die Augen ausheulen - ich konnte dem Tierchen nicht helfen.

Kommentar von Friedhelm Wegner |

Vor 58 Jahren bin ich aus ethischen Gründen Veganer geworden und nach wie vor im Einsatz (körperlich und geistig) - bis jetzt ältester lebender Veganer in Deutschland (siehe Google unter Friedhelm Wegner).

Kommentar von Martin |

Könnte man eigentlich mal die Schriftgröße bei den Kommentaren anpassen? Ich fand sie schon immer klein, aber jetzt mit meinem neuen Monitor ist sie geradezu winzig und muss skaliert werden, um lesbar zu werden. Es spricht nichts dagegen, dass die Kommentare dieselbe Größe wie der Text haben, oder?