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US-Landwirtschaftsministerium gibt Empfehlungen zu veganer Ernährung

(Kommentare: 1)

Wissen über Ernährung fördert die Akzeptanz für die vegane Lebensweise
Vegan findet zunehmend Akzeptanz

Das US-Landwirtschaftsministerium (Britten et. al., 2012) hat soeben eine Aktualisierung seiner Ernährungstypologie vorgenommen, bei der für verschiedene Ernährungsweisen auf der Basis vorhandener Lebensmittelgruppen ein leicht umsetzbarer „Warenkorb“ zusammengestellt wird, dessen Angemessenheit durch einen Vergleich der enthaltenen Nährstoffmengen mit den Empfehlungen der US-amerikanischen ernährungswissenschaftlichen Vereinigung überprüft wurde. Wie bereits 2010 wurde neben der Standard Gruppe der Mischkost auch die Obergruppe der vegetarischen Ernährungsweisen mit den beiden Untergruppen des Ovo-Lacto-Vegetarismus und des Veganismus unterschieden und bei der Warenkorbzusammenstellung differenziert berücksichtigt.

 

Die Analyse geht von einer Klassifikation einer großen Anzahl von im Alltag verfügbarer Lebensmittel in die fünf übergeordneten Lebensmittel-Gruppen „Früchte“, „Gemüse“, „Protein“, „Getreide“ und „Milch“ aus. Die Gruppe Milch enthält ebenfalls mit Calcium angereicherte Soja-, Reis- und andere Pflanzenmilchprodukte.

 

Auf der Basis der fünf Lebensmittelgruppen und der in ihnen enthaltenen Einzellebensmittel wird eine zu empfehlende Ernährung für eine omnivore Basis-Gruppe (Mischkost), Ovo-Lacto-Vegetarier und Veganer erarbeitet. Für die Vegetarier wurden dabei sämtliche Fleisch- und Fischprodukte aus der Protein-Gruppe entfernt und dafür die Mengen an Sojaprodukten, anderen Hülsenfrüchten, Nüssen und Sämereien erhöht. Für vegan lebende Personen wurden zusätzlich aus der Protein-Gruppe die Eier entfernt und aus der Milch-Gruppe alle Tiermilchprodukte. Dafür wurden Sojaprodukte, Hüsenfrüchte, Nüsse und Sämereien in ihren Mengen weiter erhöht. Es wurden hier auch Standardprodukte des Alltags (z.B. Sojamilch), die mit Calcium, Vitamin D und Vitamin B12 angereichert waren, mit berücksichtigt. 

 

Alle Empfehlungen erfolgen für 12 mögliche Stufen des täglichen Kalorienbedarfs von 1000 bis 3200 Kalorien pro Tag. Diese Stufen ergeben sich aus Alter, Geschlecht und Aktivitätsniveau. Die konkrete Studie hier bezieht sich auf Menschen ab dem Alter von 2 Jahren und alle Stufen körperlicher Aktivität, von nicht körperlich bis hin zu schwer körperlich arbeitenden Menschen. (Die Eignung einer veganen Ernährung für Schwangerschaft und Stillzeit ist an anderer Stelle aufgezeigt, wird aber nicht von dieser Studie behandelt.) 

 

Der Vergleich der Inhaltsstoffe der drei „Warenkörbe“ Mischkost, Vegetarier und Veganer mit den empfohlenen Mengen gelangt insbesondere zu folgenden Ergebnissen:

 

- Die Mischkost (omnivorisch) erfüllt fast alle Ernährungsziele, wobei Potassium, Vitamin E, Vitamin D und Choline in - im Vergleich zu den Empfehlungen - zu geringen Mengen zugeführt werden. In den höchsten Kalorienbedarfs-Stufen wird außerdem zu viel Natrium und zu viel Fett zugeführt.

 

- Die vegetarische Ernährung (ovo-lacto) und ebenso die vegane Ernährung erfüllen fast alle Ernährungsziele, wobei allerdings – wie bei der Standarddiät – zu wenig Potassium, Vitamin E und Choline zugeführt wird. Allerdings enthält der vegetarische und vegane Warenkorb mehr Vitamin E und Potassium als die Mischkost, dafür aber noch weniger Choline. Gerade die vegane Ernährung führte außerdem zu vermehrter Vitamin D Aufnahme, da in diesem Warenkorb besonders viele mit Vitamin D angereicherter Produkten enthalten waren. Im Unterschied zur Mischkost führen vegetarische und vegane Ernährungsweisen nach dieser Kalkulation auf keiner Stufe des Kalorienbedarfs zu einer als ungünstig zu bewertenden überhöhten Aufnahme von Natrium oder Fett.

 

Bezüglich der Mischkost (omnivorisch) wird dargelegt, dass bekannt sei, dass die tatsächlich von der Bevölkerung realisierte Nährstoffaufnahme deutlich schlechter abschneide als die auf der Basis der Empfehlungen zu erwartende Nährstoffaufnahme. Demgegenüber liegen keine Daten vor, die einen direkten Vergleich der Praxis von Vegetariern und Veganern mit den aktuellen Empfehlungen erlauben würden.

 

Mit den vegetarischen und veganen Warenkörbe möchten die Autoren in ihren eigenen Worten die Flexibilität der Wahl der Ernährung verbessern helfen, indem sie auf alternative Produkte hinweisen, für welche wissenschaftliche Befunde auf einen Gesundheitsvorteil hinweisen. Dabei ist aber bei der individuellen Ernährungsplanung zu berücksichtigen, dass in dem vegetarischen und veganen Warenkorb mit Vitamin B12, Calcium und Vitamin D angereicherte Produkte enthalten waren.

 

Insgesamt ist es aus veganer Sichtweise sehr zu begrüßen, dass mit diesen Ernährungsempfehlungen des US-Landwirtschaftsministerium die vegane Ernährung als eine Alternative zu einer Mischkost oder einer vegetarischen Ernährung erneut anerkannt wird. Damit wird Veganern ebenso wie den anderen Ernährungsweisen Unterstützung gegeben, um die Empfehlungen der US-amerikanischen ernährungswissenschaftlichen Vereinigung bezüglich der Nährstoffaufnahme einzuhalten. Dies dürfte ein weiterer Schritt auf dem Weg der Etablierung der veganen Ernährung als einer „Normalkost“ sein.

 

Die Sachlage, dass bezüglich Vitamin B12, Calcium und Vitamin D angereicherte Produkte mit berücksichtigt wurden, ist nicht als Argument gegen eine vegane Ernährung zu bewerten. Tatsächlich ist es für Veganer unerlässlich, Vitamin B12 zuzuführen, was über Einnahme von Tabletten, Zahncreme oder eben auch über mit Vitamin B12 angereicherte Vitaminsäfte, Müslis oder ähnliches passieren kann. In der Realität konsumieren Fleischesser diese Produkte im Übrigen ebenso, wobei mit Zusatzstoffen und eben auch mit Nährstoffen versehene Nahrungsmittel wohl von fast jedem Menschen, jedenfalls wenn er in Industriestaaten wohnt, konsumiert werden dürften.

 

Im Hinblick auf Vitamin D und Calcium sollten Veganer sicherlich besonders achtsam sein, wenn sie tatsächlich nicht angereicherte Lebensmittel konsumieren, wobei eine neuerliche Studie von Strohle et. al., (2011) allerdings darauf hinweist, dass Veganer möglicherweise einen geringeren Bedarf an zuzuführenden Calcium für ihre Knochengesundheit aufweisen als Fleischesser.

 

Ausdrücklich sind die Befunde auf alle Stufen des Kalorienbedarfs generalisierbar, betreffen also sowohl Kleinkinder als auch erwachsene Menschen, die harte Arbeit leisten müssen. Dass hohe Anforderungen an körperliche Anstrengung und Kraftaufwendung mit einer veganen Ernährung vereinbar sind, ist dabei übrigens vor dem Hintergrund der zunehmenden Anzahl veganer Spitzensportler durchaus nicht verwunderlich. Dennoch hält sich weiterhin bei Menschen, die keine Erfahrungen mit der fleischlosen oder veganen Ernährung haben, das Vorurteil, dass vegan mit körperlicher Schwäche gleichzusetzen ist.  

 

Aus den Empfehlungen des US-Landwirtschaftsministeriums wird erneut deutlich:

 

Nichts spricht gegen eine vegane Ernährungsweise, wenn es darum geht, sicherzustellen, dass die Empfehlungen der US-amerikanischen Gesellschaft für Ernährung zur Deckung des Nährstoffbedarf umgesetzt werden. 

 

Die aktuelle Veröffentlichung des US-Landwirtschaftsministeriums behandelt ausschließlich einen Nährstoffvergleich, beschäftigt sich demgegenüber nicht mit den möglichen gesundheitlichen Vorteilen einer veganen Ernährung.

 

Ebenso wenig wird auf ökologische, soziale und ethische Aspekte eingegangen, die aber für die große Mehrheit der vegan lebenden Menschen das zentrale Motiv ihrer veganen Lebensweise sind. Dies hätte auch Ziel und inhaltlichen Rahmen der Veröffentlichung des US-Landwirtschaftsministeriums gesprengt, eines Ministeriums, welches übrigens auf das Engste mit der Nutztierhaltungs-Industrie verbunden ist und dem keine Voreingenommenheit zugunsten der veganen Lebensweise unterstellt werden kann.

 

Es ist sicherlich für Veganer (auch für ihre Diskussionen mit Fleischessern) eine gute Nachricht, erneut zu hören, dass sie ihre ethischen Grundsätze bei ein wenig Achtsamkeit - wie sie aber sowieso bei der Ernährung zum Standard gehören sollte - ohne jeden Nährstoffmangel umsetzen können. 

 

Quelle:

 

Britten, P.,  Cleveland, L.E., Koegel, K. L., Kuczynski, K. J., & Nickols-Richardson, S. M. (2012) Updated US Department of Agriculture Food Patterns Meet Goals of the 2010 Dietary Guidelines. Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics, 112: 1648-1655

 

Strohle, A., Waldmann, A., Koschizke, J., Leitzmann, C., & Hahn, A. (2011) Diet-Dependent Net Endogenous Acid Load of Vegan Diets in Relation to Food Groups and Bone Health-Related Nutrients: Results from the German Vegan Study,  Annals of Nutrition and Metabolism, 59: 117-126.

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Kommentar von Silke |

Hoffen wir mal, dass sich diese neuen Erkenntnisse des LW-Ministeriums in entsprechenden Empfehlungen für eine bio-vegane Landwirtschaft fortsetzen werden.

Zu B12 / Nahrungsergänzungsmitel bzw. der Aussage:
"In der Realität konsumieren Fleischesser diese Produkte im Übrigen ebenso,"
> nicht nur über angereicherte Produkte direkt, sondern insbesondere auch indirekt, da üblicherweise in der Tierhaltung auch Nahrungsergänzungsmittel verabreicht werden. B12 z.B. bei Monogastriden. In der Bio-Tierhaltung, besteht offenbar bezgl. B12 gar Versorgungsnot, aufgrund der Herstellungsweise des B12, wie ich dem folgenden Dokument entnehme: www.ages.at/uploads/media/Recherchen_gentechnikfreie_Vitamine_und_AS_2011_02.pdf