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Veganer: Wie häufig sind nicht-vegane Essimpulse

(Kommentare: 19)

Guido F. Gebauer

Vor 31 Jahren hörte ich im Alter von 13 Jahren auf, Fleisch zu essen. Vorher hatte ich es mehrfach probiert, aber war gescheitert. Vor 27 Jahren wurde mir klar, dass der Schritt zur veganen Ernährung und Lebensweise notwendig ist.


Aber habe ich seither nie mehr wissentlich Produkte gegessen, in denen Eier oder Milch enthalten waren?


Leider muss ich diese Frage verneinen. Denn seit dem Beginn der veganen Lebensweise gab es bei mir mehrfach Momente, in denen ich wissentlich Produkte aß, in denen Milch (Käse, Joghurt) oder auch Eier (Kuchen, Süßigkeiten) enthalten waren.

 

Der letzte Vorfall liegt mehr als 10 Jahre zurück. Damals pendelte ich regelmäßig zwischen Hannover, wo ich wohnte, und Bremen, wo ich damals in der forensischen Psychiatrie als Psychologe arbeitete. Es ereignete sich nach der Arbeit auf dem Rückweg und immer beim Warten auf den Zug.


Wie gelang es mir, dem ein Ende zu bereiten?

  • Ich gestand mir ein, dass derartige Zwischenfälle mit meinem veganen Selbstbild nicht vereinbar sind. Vorher hatte ich mir die Zwischenfälle schön geredet. Ganz nach dem Motto, ich lebe ja schon zu 99% vegan und da sei es nicht so schlimm, wenn ich auch einmal etwas Nicht-Veganes esse. Auch entschuldigte ich mein Verhalten mit den vielen anderen, die sich ja viel schlimmer verhielten. Nun aber entschloss ich mich, künftige Rückfälle in einen nicht-veganen Konsum nicht mehr zulassen zu wollen.
  • Ich analysierte die Situation und konnte die auslösenden Faktoren erkennen. Es waren das Warten auf den Zug, die Erschöpfung nach der Arbeit, der Hunger, aber auch der Appetit, und die direkte Verfügbarkeit eines nicht-veganen Warenangebotes, während die veganen Alternativen fehlten. In Kombination mit meinem inneren Schönreden genügte dies, um meine seit vielen Jahren aufgebauten Barrieren gegen den Konsum von Tierprodukten kurzzeitig zu überwinden.
  • Ich machte einen konkreten Plan gegen den nicht-veganen Konsum. Dieser beinhaltete, möglichst eine vegane Alternative dabei zu haben, mir aber auch innerlich ein klares Stopp zuzurufen, wenn ich Impulse zum Konsum nicht-veganer Lebensmittel bei mir wahrnahm.


Häufigkeit nicht-veganen Konsums

 

In der veganen Community wird nahezu niemals darüber geredet, aber ich bin mir sicher, dass ich nicht alleine mit meinen Erfahrungen stehe. Jetzt weiß ich dies sogar ganz genau durch die Daten einer Umfrage, die wir gemeinsam mit Gleichklang.de bei vegan.eu durchführten:


Von 1447 Teilnehmern gaben 28% oder 410 Teilnehmer an, in den letzten Wochen mindestens einmal ein Produkt gegessen zu haben, welches Fleisch, Milch oder Eier enthielt. Betroffen waren vegane Frauen ebenso wie vegane Männer. Dies Ergebnis ergab sich bei einer Stichprobe von Personen, die im Durchschnitt bereits mehr als drei Jahre vegan lebten!


Aber selbst als ich die Datenauswertung auf Personen beschränkte, die bereits seit mindestens 10 Jahren vegan lebten, waren es nach wie vor 15%, die angaben, allein innerhalb der letzten vier Wochen wissentlich Lebensmittel mit Fleisch, Milch oder Eiern gegessen zu haben.


Sicherlich wäre der Anteil der Personen mit nicht-veganem Konsum noch weitaus höher gewesen, wenn die Teilnehmer nicht nur nach den letzten vier Wochen, sondern beispielsweise nach den letzten 12 Monaten gefragt worden wären.


Die vorliegenden Daten sagen mir, dass nicht-veganer Konsum mit der Dauer der veganen Lebensweise abnimmt. Aber der Effekt ist nicht sehr stark. Letztlich kann es auch noch nach Jahrzehnten der veganen Lebensweise zu nicht-veganen Konsumdurchbrüchen kommen.


Reden statt Schweigen

 

Wieso wird also in der veganen Community so wenig über dieses Thema geredet? Ist es vielleicht sogar besser, über die Thema lieber zu schweigen, auch um den Ruf des Veganismus in der Öffentlichkeit nicht zu gefährden?


Ich halte Schweigen für den falschen Weg. Denn nicht-vegane Essimpulse bei vegan lebenden Menschen sind nach meiner Ansicht ein durchaus lösbares Problem. Voraussetzung ist aber, dies Thema nicht zu tabuisieren, sondern es als Problem zu erkennen und so die Betroffenen - und es dürften viele sein – dabei zu unterstützen, dem Impuls zum nicht-veganen Konsum Widerstand entgegen zu setzen. Je häufiger dies gelingt, desto mehr wird der Impuls abnehmen. Die Herausarbeitung eines individuellen Rückfallplanes und soziale Unterstützung durch andere Veganer können hier wahre Wunder wirken.


Aktive Unterstützung gegen nicht-vegane Essensimpulse ist nach meiner Überzeugung auch deshalb wichtig, weil in manchen Fällen der gelegentliche Durchbruch sich schleichend zum Abschied von der veganen Lebensweise ausweiten kann.


Wer mehrfach und immer wieder gegen das eigene vegane Selbstbild verstößt, der mag zu dem Schluss gelangen, dass er gar nicht vegan leben wolle oder könne. Dieser Schluss ist aber der Resignation geschuldet. Stattdessen sollten wir in der veganen Community offen über das Problem reden und Lösungen aufzeigen.


Auf dem Weg

 

Für nicht-vegane Essimpulse brauchen sich Veganer nicht zu schämen. Denn solche Impulse sind durchaus natürlich. Sie entsprechen der jahrelangen, für manche gar jahrzehntelangen Konditionierung durch die vollständig auf Tierausbeutung beruhende gesellschaftliche Ernährungspraxis.


Die Entscheidung für die vegane Lebensweise bedeutet nicht, dass diese konditionierten Impulse von einem auf dem anderen Tag verschwinden würden. Im Gegenteil können sie selbst über Jahrzehnte erhalten bleiben und immer wieder reaktiviert werden. Umso wichtiger ist es, dass die vegane Community beginnt, über dies Problem zu reden und es so als das zu betrachten, was es ist: Ein wegzuräumendes Hindernis auf dem Weg zu einem von Tierausbeutung befreitem Leben.

 

Verfasser: Guido F. Gebauer, Psychologe, Rechtspsychologe, Studium an den Universitäten Trier, Humboldt-Universität zu Berlin und University of Cambridge (UK), Promotion an der University of Cambridge, 10 jährige Tätigkeit als Gerichtsgutachter, arbeitet jetzt u. a. für die Kennenlern-Plattform Gleichklang.de und schreibt regelmäßig auf menschenrechte.eu und vegan.eu.

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Kommentar von Martin |

Gute Idee, das Thema so offen anzusprechen. Vielleicht können auch andere Veganer hier in den Kommentaren ihre Erfahrungen wiedergeben.

Ich denke aber, man sollte hier zwei verschiedene Impulse voneinander unterscheiden. Geht es im Artikel um das Verlangen nach Tierprodukten, also z.B. Käse aus Kuhmilch oder Wurst aus Schweinefleisch? Ich bin mir nicht sicher, ob so viele Veganer danach gelüsten. Vielleicht geht es eher um den Geschmack, die Konsistenz und das Aussehen der jeweiligen Produkte. Da gibt es ja mittlerweile für fast alles pflanzliche Alternativen. Das Problem ist nur: Diese Produkte sind derzeit noch nicht überall verfügbar, vor allem dann nicht, wenn man unterwegs ist.

Wenn man also beispielsweise gerade auf einen Zug wartet, Lust auf einen Muffin hat und sich dann bei der Bäckerei dort einen Muffin kauft, in dem Eier und/oder Milch verarbeitet worden sind, dann würde ich selbst das nicht als einen nicht-veganen Essimpuls wie im Artikel bezeichnen. Denn: Wer kauft Muffins wegen der Eier? Wenn es vor Ort Muffins aus pflanzlichen Zutaten geben würde, wären der Impuls und die ggf. Belohnung doch exakt genauso, oder? Ich will das natürlich nicht schönreden. Am Ende hat man ein nicht-veganes Produkt gegessen und das ist halt ethisch nicht zu rechtfertigen. Und wie schon im Artikel erwähnt, kann man durch ganz gezieltes Bewusstmachen der Situation und bessere Planung solchen Fallen entgehen.

Ich bin zwar ziemlich überrascht über das Ergebnis der Umfrage, dass 28% der veganen Teilnehmer in den letzten Wochen wissentlich ein nicht-veganes Produkt verzehrt haben. Aber ich vermute, dass sich diese 28% vor allem aus Gesundheits- und Trendveganern zusammensetzen. Ich glaube kaum, dass bei ethischen Veganern dieser Prozentsatz so hoch wäre. Vielleicht ist es aber auch nur Wunschdenken? Ich lebe seit 1.5 Jahren vegan (vorher schon viele Jahre vegetarisch) primär aus ethischen Gründen (nebenbei bemerkt: ich finde es sehr beeindruckend, dass der Autor bereits 27 Jahre lang vegan lebt!) und habe in der Zeit nur ca. zwei mal nicht-vegane Produkte konsumiert, was sich jeweils erst hinterher herausgestellt hat. Mich widern nicht-vegane Produkte an, weil ich immer sofort die ganze Produktion dahinter sehe, und daher kann ich sie gar nicht essen.

Kommentar von Guido F. Gebauer |

@Martin
Nein, es sind mehrheitlich keine Trendveganer, aber dennoch hast du nicht ganz Unrecht. Ich werden den Artikel morgen um einen weiteren Abschnitt ergänzen:

73,8% gaben als wichtigsten Grund für den Veganismus Tierrechte an, 10,7% Umweltschutz, 8,3% Gesundheit, 4,5% Soziale Gerechtigkeit und 2,4% Spiritualität.

Bei den Tierrechtlern waren es 11,3%, die in den letzten 4 Wochen Tierprodukte gegessen hatten. Das ist also tatsächlich deutlich geringer als bei der Gesamtstichprobe. Trotzdem ist es weiterhin bedeutsam, zumal es sich ja wirklich nur auf die letzten 4 Wochen bezog.

Kommentar von Andrea |

Als Neuveganerin wunderte ich mich einige Male am Veganerstammtisch, wenn die Teilnehmer über ihr (veganes) Essverhalten erzählten. So sagte z. B. eine über Jahre vegan Lebende, einen Kuchen ohne Eier zu backen, könne sie sich nicht vorstellen. Schon damals war ich ziemlich erstaunt, da damals für mich die Meinung der anderen wichtig war.

Dennoch, für mich war das einzig Negative an der Umstellung, das ich mir die ersten zwei Monate fast nicht verzeihen konnte, es nicht eher gemerkt zu haben. Ich war zuvor 28 Jahre lang Vegetarierin.

So habe ich von Anfang an mich sehr konsequent danach gerichtet, was ich nach dem Besuch eines Veganseminar in ziemlich konzentrierter Form gelernt hatte.

Für mich ist es undenkbar, wissentlich tierisches zu essen. Z.B. Pralinen liebte ich total, doch solches gehört allesamt in die Schublade "gelöscht". Ich habe kein Bedürfnis mehr, ausser, ich kann es essen ohne das tierisches drin ist.

Ich bin dankbar, das es für mich sehr leicht ist und hatte schon den Gedanken, das ich hoffentlich nie mehr in die Situation komme, tierisches essen zu "müssen.

Kommentar von Monika |

Wir, mein Mann und ich, leben seit 5 Jahren aus ethischen Gründen vegan. Wissentlich habe ich in der Zeit kein tierliches Lebensmittel zu mir genommen. Mein Mann sagt, ich hätte da eine eiserne Disziplin. Dieses Wissen um die Hintergründe hindert mich daran, so etwas zu mir zu nehmen. Gisela von Hof Buttenland, die 14 Kälbchen geboren hatte und keines behalten durfte, oder Schlagzeilen wie: Schlachter holt Kälbchen vom Bauernhof ab, und die Mutter rennt dem Anhänger hinterher, bis sie mit einem Herzinfarkt zusammenbricht. Aber ich habe auch "vegane" Freunde, die das weitaus grosszügiger handhaben. Letzlich aber, muss das jeder für sich entscheiden.

Kommentar von Bianca |

Hallo,
ich lebe seit 4 Jahren vegan & bin keine Trendveganerin. Aus Tierschutzgründen fing es bei mir an, dann kamen Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und gesundheitliche Gründe dazu. Ich musste mich ja auch erstmal ein bißchen in die vegane Geschichte reinfuchsen. Nach 4 Monaten habe ich mal eine Bolognesesauce probiert , fand sie eklig und habe danach auch keine Gelüste mehr nach Fleisch gehabt. Seit 2 Jahren passiert es aber hin und wieder dass ich Gelüste auf Süßes habe und wenn dann keine vegane Alternative griffbereit steht, wird es auch mal ein Keks oder ein Stück unvegane Schokolade. Dabei kaufe ich diese Dinge aber nicht. Es ist eher so dass ich sowie bei uns im Küchenschrank finde weil mein Partner nicht vegan lebt. Ich habe das bisher auch niemandem erzählt. Mache das heimlich und fühle mich hinterher beschämt über meine Inkonsequenz. Vielleicht sollte ich mir mal wieder den Film Earthlings anschauen als Selbsttherapie. ;)
Ich habe auch zu wenig Kontakt zu anderen Veganern. Obwohl ich in Berlin lebe gibt es in meinem Freundeskreis nur omnivore Menschen.

Kommentar von Petra Müller |

Hallo Martin, du schreibst, es ist ethisch nicht zu rechtfertigen, ein nicht-veganes Produkt zu essen. Das ist grundsätzlich richtig. Da wir aber leider - wie bekannt - in einer auf Tier- (und Menschen-)ausbeutung basierenden Gesellschaft leben, kommt man auch als Tierrechtler gelegentlich in Situationen, die nicht einfach zu lösen sind. Beispielsweise kann ich auf meinem Arbeitsplatz (Gerontologie) gratis zu Mittag essen. Es wird immer im Übermaß geliefert und die großen Restmengen sind tatsächlich "bestelltechnisch" nicht zu vermeiden. Das restliche Essen landet im Müll oder darf vom Personal verzehrt werden. Das meiste ist nicht vegan (und sei es auch "nur" das in Butter geschwenkte Gemüse etc....) Wenn ich verzichte, habe ich dadurch dennoch keinen Einfluss genommen auf die Bestellmenge. Das Essen landet im Müll, so oder so. Ich sollte mir also zusätzlich von zu Hause etwas Veganes kochen (Zusatzverbrauch von Strom, evtl. Plastikmüll....), während das andere Essen weggeworfen wird (und "nebenbei" das Tier z.Bsp. für die Butter auch noch völlig umsonst gelitten hat). Ist das ethisch vertretbar in einer Gesellschaft, die vor lauter Überfluss gar nicht soviel fressen kann, wie sie nachgeworfen bekommt, während die sogen. "Dritte-Welt"-Länder aufgrund unserer Ausbeutung hungern? Lieber ein zusätzliches Essen zubereiten - Hauptsache komplett vegan! - und das andere (worauf ich wohlgemerkt KEINEN Einfluss durch Einkaufen etc. habe!) in den Müll werfen? Das kann ich einfach nicht, denn dann ist mein Gewissen noch schlechter als beim Verzehr des nicht-veganen Produktes.
Ach ja, Fleisch und Wurst esse ich jedoch NIE und privat (egal ob daheim oder sonstwo) esse ich vegan und bemühe mich auch in anderen Bereichen nach bestem Wissen keinerlei tierische Produkte zu konsumieren.

Kommentar von moja pfotlieb |

Bin seid 10 Jahren vegan; monatelang lief ich sabbernd an Käsethecken vorbei ,aber nie einen Rückfall gehabt. Ich wäre mir erstens wie ein Verräter vorgekommen und dazu wusste ich ja über Eiter und Blut in Milchprodukten ..was mich dann zusätzlich abgehalten hat.
Habe mich dann mal nach langer Zeit gezwungen eine Miniaturstück Käse probiert und fand es oberwiderlich.
Bin so froh Veganer zu sein ❤

Kommentar von Elke |

Kann ich ehrlich gesagt nicht so ganz nachvollziehen oder bestätigen. Bin seit 28 Jahren Vegetarier, seit 2 Jahren vegan und hatte keine - jeweiligen + wissentlichen - "Rückfälle".
Meine 2 "Rezepte" dagegen: Immer irgendeinen Müsliriegel, Keks etc. in der Tasche und beim Blick auf die Schokotorte beim Bäcker denke ich praktisch automatisch an das dadurch verursachte Leid. Da vergeht der Appetit schneller als er gekommen ist; bzw. man freut sich umso mehr auf die tierleidfreie Alternative zu Hause oder beim veganen Konditor nebenan.

Kommentar von Martin |

@Petra: Grundsätzlich kann ich deine Kritik nachvollziehen. Nicht umsonst gibt es ja viele Foodsaver, die deswegen regelmäßig nichtvegane Produkte konsumieren, obwohl sie sonst vegan leben. Aber du stellst es so dar, als ob diese Essenslieferung "gottgegeben" ist. Irgendjemand entscheidet doch über die Menge und die Auswahl des gelieferten Essens. Und an die Entscheider könnte man doch herantreten und darüber diskutieren. Und nicht zuletzt kann man auch - allgemein gesprochen, denn ich weiß nicht, wie das bei deinen Kollegen ist - versuchen die Kollegen schrittweise für pflanzliche Alternative zu begeistern, was wiederum eine Änderung der Essenslieferung wahrscheinlicher macht. Ganz allgemein gesagt würde ich eine nicht-ethische Handlung nicht durch ein nicht-ethisches System rechtfertigen wollen.

Kommentar von Sabine Knapp |

Ich bin seit 2,5 Jahren Veganerin aus ethischen und sozial-ökologischen Gründen und auch ich bin "meistens" eine 100%ige. Darüber hinaus versuche ich aber auch einen sehr hohen Rohkostanteil zu haben. Vielleicht setze ich mich auch zu sehr unter Druck ...

Ich habe seitdem nie wieder totes Tier gegessen. Jedoch 2 - 4 x im Jahr etwas das Milch oder Ei enthielt. Gerade in dieser Weihnachtszeit 2016 ist es mir extrem schwer gefallen, auf alles, was ich immer so geliebt habe, zu 100 % zu verzichten. So habe ich schon mal einen nicht veganen Schokonikolaus oder Rocher gegessen. Auch schon mal nicht veganen Kuchen.

Ich denke, das einzige "wirkliche" Problem, das wir haben, ist, dass es diese Sachen nicht "greifbar" in veganer Variation gibt. Hätte es den Schokonikolaus o. ä. in veganer Form in meinem Supermarkt gegeben, hätte ich zu 1000 % nach dem gegriffen, aber da es für so vieles, dass wir jahre- und jahrzentelang so sehr geliebt haben keine veganen (schon gar unmittelbar verfügbaren) Variationen gibt, ist die Verführung manchmal schon groß. In meinem Bioladen in Bad Homburg ist das vegane Angebot nicht so groß. Einen Veganz müsste es halt in jedem Ort geben und insgesamt eine noch größere Auswahl. Mich hat es die Tage so sehr nach Bienenstich gelüstet, ich weiß nicht warum. Glaube nicht, dass es so etwas in vegan schon gibt.

Gottseidank passiert mir so etwas nur an Weihnachten. Mein Anspruch an eine gesunde Lebensweise mit hohem Rohkostanteil und ohne Mehlprodukte (auf die ich regelmäßig Heißhunger bekomme) ist schon sehr hoch. Aber ich denke, ich mache es mir wahrscheinlich nur selbst schwer und sollte in allem, was ich mache nicht zu dogmatisch sein. Das würde ich auch allen anderen empfehlen.

Und hier nochmal an alle Produzenten: Seid kreativ, macht uns das vegane Leben leichter!!

In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes, glückliches und gesundes, veganes Jahr 2017.

Kommentar von Geronymo |

Ein Süchtiger läuft bei einem Rückfall Gefahr bei seinem Stoff zu bleiben - bei einem Veganer ist die Gefahr nach einem "Regelverstoss" eher gering. Ausser seine Ernährungsweise hat(te) Suchtcharakter (Casomorphin u. Co.) Habe selber in 6 Jahren veganer Zeit ein paar kleine Abweichungen begangen und es einfach nicht so wichtig genommen. Veganer sind auch nur Menschen. Wenn auch die Besseren. (Das behaupten die Tiere jedenfalls ;-))

Kommentar von Sineb Kira |

Ich lebe seit 2 Jahren Vegan, vor allem aus ethischen Gründen, aber auch der Umwelt und dem Gewichtsverlust wegen. Ich hatte bis jetzt keine Rückfälle, allerdings kam es ein paar mal vor, dass ich etwas unaufmersam war und etwas gegessen habe, das Milch oder Eier enthalten hat. Mir passiert es schon ab und zu mal, dass ich wirklich Lust auf etwas nicht veganes habe. Vor allem, wenn ich unterwegs bin und die Auswahl an veganem essen zwischen Pommes mit oder ohne Katchup liegt. Was mich allerdings immer davon abgehalten hat, in solch einem Fall etwas nicht veganes zu essen ist, dass ich nicht darüber nachdenke, wie lecker und zufriedenstellend es wäre, das nicht vegane Essen zu essen, sonder ich denke darüber nach, ob es das wert wäre. Und die Antwort ist immer Nein.

Kommentar von Josefine Arens |

ja das ist ein echtes Problem,weil man halt kaum etwas Veganes zu futtern kriegt, wenn man gerade Heißhunger hat und von Überall Essensgerüche auf einen einstürmen, ich kaufe dann etwas wo ich denke da kann kein Tier drin sein und bei näherem Nachfragen war es dann doch ein Zusatz aus Tier da ärgere ich mich sehr

Kommentar von Drawida |

Ich denke, wenn es gefühlsmäßig begriffen wurde, um was es geht und wie elementar wichtig die Ernährungsumstellung zur Pflanzenkost für die Menschen, die Tiere und den ganzen Planeten ist, dann kann es keine Rückfälle mehr geben. Das pendelt sich also entsprechend dem Wissens-und Bewusstseinsstand ein. Davon abgesehen verändert sich ja auch das Schmecken. Bei mir ist es z.B. nach jetzt 13 Jahren Veganismus so, dass mir Tierisches einfach nicht mehr schmeckt(wenn ich aus Versehen einen Kuchen mit Butter oder Ei hatte, hab ich das ausgespuckt) ! Und mich ekelt es heute schon allein bei der Vorstellung, mir Fleisch oder Tiersekrete einzuverleiben. Und das geht glaub ich vielen echten Veganern genauso. Ich stehe jetzt gerade vor der Umstellung zu 100% rohvegan und denke, dass das dann irgendwann genauso sein wird, dass mir Gekochtes dann einfach nicht mehr schmeckt!

Kommentar von Andrea |

Nicht verfügbar, kein passendes Angebot und weitere, nicht nachvollziehbare Argumente, die ganz sicher keine "Entschuldigung" für das inkonsequente Verhalten sind. Viel ehrlicher ist es doch, wenn man sich eingesteht, eben nicht, aus welchen Gründen auch immer, verzichten zu wollen.

Ich lebe seit über vier Jahren vegan und für mich gibt es keine "Entschuldigung" für den Bruch dieser durchdachten Einstellung.

Aber die Erklärung habe ich für mich. Die Menschen, damit auch ich, leben in vielem in einer kognitiven Dissonanz. Was die Ernährung betrifft habe ich es verstanden, jedoch bei anderem reagiere ich wahrscheinlich auch aus Unwissen in einer Unvereinbarkeit und bleibe bei meinen Gewohnheiten kleben.

Wir leben in einem Umfeld, indem Lebensmittel ständig und im Übermass vorhanden sind. So kann man als Veganer immer etwas essen oder einfach ein bisschen hungern. Es ist nicht nachvollziehbar aus ethischen Gründen vegan leben zu wollen, aber nicht die Bereitschaft dazu aufbringen zu wollen, Hunger "nur" für kurze Zeit auszuhalten, wo doch jeden Tag viele Menschen an Hunger sterben.

Kommentar von Gerti |

ich lebe seit 4 1/2 Jahren vegan, davor 21 Jahre vegetarisch. Verlangen nach nicht veganem habe ich nicht, totes Tier widert mich an. Ich achte sehr darauf, MEIN Geld nicht für tierisches auszugeben. Und doch esse ich hin und wieder nicht veganes und zwar als Gast. Ich möchte nicht unangenehm auffallen und immer wieder nachfragen, was denn drin ist. Dazu kommt, ich stamme aus einer Bauernfamilie, die partout kein Verständnis für Veganismus hat. Letztens wurde ich gefragt, wer mir denn diese Flausen in den Kopf gesetzt hätte. Erklärung und Diskussion zwecklos. Hierzu möchte ich noch sagen, daß ich hörgeschädigt und somit kommunikationstechnisch anstrengend bin. Ich habe Sorge, daß ich für Gastgeber und andere Gäste zu stressig bin. Teilweise werde ich bereits diskriminiert. Zuhause halte ich es so, wie ich es für gut und richtig halte, nämlich komplett tierfrei.

Kommentar von Drawida |

Gerti: Wenn Sie hin und wieder als Gast nicht-Veganes essen, sind Sie aber nicht "seit 4 1/2 Jahren vegan!
Ich möchte Ihnen raten, trotz der vermeintlichen Schwierigkeiten komplett vegan zu werden. Mit halbherziger Anpassung an ein völlig verkehrtes System tun Sie sich und der Welt keinen Gefallen!

Kommentar von Geronymo |

Drawida und Gerti: Toll! Sofort machen sich die ersten Vegan-Kommissare auf und entscheiden selbstgefällig, wer vegan und nicht vegan ist und verteilen ungefragt theoriegetrocknete Rat-Schläge. Wer im nicht-veganen Umfeld umsichtig agiert, handelt nicht halbherzig sondern empatisch und sozialkompetent. Menschen sind schliesslich auch Tiere.

Kommentar von Petra Müller |

Geronymo und Drawida: Geronymo hat recht. Umsichtig und sozialverträglich bedeutet nicht "halbherzig". Im Gegenteil, man erreicht dadurch mehr als durch rigorose und offen zur Schau gestellte Ablehnung der (zahlenmäßig weit überlegenen!) omnivoren Gesellschaft und ihrer Ansichten. Denn Abwehr erzeugt erfahrungsgemäß Gegenwehr. Man kann sich nicht immer und überall konsequent "dagegenstellen", wenn man wie z.Bsp. Gerti ständig in einem überzeugt-fleischessenden Umfeld (Familie, Arbeitsplatz, Freundes- u. Bekanntenkreis...) befindet. Ich glaube auch kaum, dass der Freundeskreis aller Veganer auch nur aus Veganern besteht (wo sind die denn alle? Ich persönlich kenne keinen einzigen in meinem Umfeld und nur vier Vegetarier. Manchmal muss man eben oberflächlich minimal angepasst in einem System mitlaufen, um an eben diesem System etwas zu ändern - anstatt sich komplett auszuklinken und ihm den Rücken zuzukehren! Denn sonst hat man zwar sein eigenes Leben ethisch (nicht unbedingt sozial) besser gemeistert, aber am großen Ganzen hat man trotzdem kaum was geändert. Weil man für die meisten omnivoren Menschen zu nervig ist und sie keine Lust mehr auf Veganer-Kontakt haben.